Corona und ein paar andere Probleme in Hellabrunn

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Corona und ein paar andere Probleme in Hellabrunn

Beitragvon UliS » Di 30. Jun 2020, 09:35

Münchens Tierpark und seine Finanzsorgen:Corona und ein paar andere Probleme in Hellabrunn

Eine SZ-Leserin nimmt die Bautätigkeit des Zoos kritisch unter die Lupe und fragt sich, warum es dort keinen Baustopp gibt

"Fauchen aus Hellabrunn" vom 18. Juni und die Finanzsorgen des Münchner Tierparks:

Hellabrunn hat nach eigenen Angaben 50 000 Euro Betriebskosten am Tag, also gute 18 Millionen Euro im Jahr. Bei maximal 4400 Besuchern täglich fehlen dem Zoo laut eigener Angabe um die 20 000 Euro am Tag - obwohl schon damit theoretisch bis zu 1,6 Millionen Besucher im Jahr kommen könnten. Profitabel wären aber erst 8600 täglich, also bis zu 3,1 Millionen im Jahr. So viele kamen - trotz aller Kunststücke bei den Schätzungen zu den Jahreskarten - aber bisher noch nie in den Zoo. Selbst im Rekordjahr 2014 mit den Eisbären-Zwillingen wurden nur gut 1,3 Millionen Tageskarten und 44 697 Jahreskarten verkauft, woraus sich geschätzte 2,28 Millionen Zutritte ergaben. Das Problem liegt also vor allem darin, dass sich die Besucher nicht gleichmäßiger verteilen. Jetzt rächt es sich halt, dass man sich bisher kaum Gedanken zur Steigerung der Attraktivität schlecht besuchter Tage gemacht hat, auf deren Notwendigkeit bereits bei den Planungen zum überdimensionierten Parkhaus hingewiesen wurde.

Die Besuche der Jahreskarteninhaber könnte man etwas limitieren (zum Beispiel mittels eines zweiwöchigen Mindestabstands der Besuche), dann kann man zu Ferien- und Schönwetterzeiten vielleicht mehr Tageskarten verkaufen, die frisches Geld bringen - dafür hätten echte Zoofreunde sicher Verständnis. Die derzeit gepflegte ausschließliche Anmeldung per Internet diskriminiert im Übrigen viele Ältere oder ärmere Mitbürger, die dazu oft keinen Zugang haben, zumal hier im Moment auch die Bibliotheken nicht weiterhelfen.

Das Infektionsrisiko ist an der frischen Luft sicher geringer. Wenn man allerdings von vielen Stellen - wie dem Dorfkern im neuen Mühlendorf - keine Tiere sieht, oder einem wie bei den Polarfüchsen Wände oder eine Hütte die Einsicht verwehren, verteilen sich die Leute nicht ganz so gleichmäßig wie in Läden oder auf einer Kiesbank an der Isar. Aber selbst wenn, wie bei den Eisbären, lange Glasfronten überall Einblicke erlauben, sammeln sich die Menschen nun einmal dort, wo sie den besten Blick auf die beiden Tiere haben. Jedem Besucher auf der gesamten den Besuchern zur Verfügung stehenden Fläche nur etwa fünf Quadratmeter zur Verfügung zu stellen, um wieder in die Gewinnzone zu kommen, erscheint daher schon fahrlässig.

Ohne Zuschüsse wird es in Corona-Zeiten daher nicht gehen, was bei befürchteten 740 Millionen Euro Gewerbesteuereinbußen auch der Stadt München nicht ganz leicht fallen dürfte. Ein bisserl sparen könnte man aber, wenn die hektische Bautätigkeit im Zoo einmal etwas gebremst würde, die wohl auch schon zu den 936 669,42 Euro Bilanzverlust von 2019 beigetragen hat. In einem Zoo mag es ja immer etwas zu verbessern geben, aber neu bedeutet nicht immer automatisch gleich besser: So wurden im Mühlendorf viele Vorgaben der "Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten" nicht umgesetzt.

Nicht eingehaltene Vorgaben werden also nicht nur "bei alten Anlagen geduldet" - Nachbesserungen kosten ja auch immer zusätzlich. Jetzt mit der Abschaffung der Löwen zu argumentieren, weil deren Anlage den Anforderungen nicht mehr ganz entspricht, entbehrt daher nicht einer gewissen Ironie. Vielleicht hätte man schon bei den Mühlendorf-Planungen etwas genauer hinschauen sollen - und dabei könnten längere Planungsphasen durchaus helfen. Sabine Hartl, München
UliS
 
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