J. Goodall verteidigt Zoos: Tiere können dort glücklich sein

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J. Goodall verteidigt Zoos: Tiere können dort glücklich sein

Beitragvon UliS » Mo 27. Jul 2020, 12:59

Jane Goodall verteidigt Zoos: „Tiere können dort sehr glücklich sein“

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Foto: Zoofreunde/ Baier
Gorilla Massa im Krefelder Zoo: Er wurde bei der Brandkatastrophe im Affenhaus des Zoos schwer verletzt und musste erschossen werden.

Die weltberühmte Affenforscherin äußert sich anlässlich eines Bericht im „Spiegel“ über das Leben und den Tod von den Gorilla Massa.
Von Jens Voss

Die weltberühmte Verhaltensforscherin und Tierrechtlerin Jane Goodall, die sich seit Mitte der 60er Jahre für den Schutz von Menschenaffen einsetzt, hat die Arbeit moderner Zoos gelobt. „Zoos sind nicht per se schlecht“, sagte sie in einem „Spiegel“-Interview, „Tiere können dort sehr glücklich sein, vor allem, wenn sie dort geboren wurden.“ Das Interview ist im Rahmen eines Berichts erschienen, in dem über das Leben und den qualvollen Tod des Gorillas Massa beim Affenhausbrand in der Silvesternacht berichtet wird.
Schlechte Zoos, sagt Goodall dem „Spiegel“ weiter, erkenne man daran, „dass die Tiere in den Gehegen keinen Ort haben, an den sie sich zurückziehen können. Ein guter Zoo hat viel Platz, er gibt viel Geld für die Arterhaltung in der Wildnis aus und investiert in Bildung“.
Goodalls Äußerung stützt damit die Wiederaufbaupläne des Krefelder Zoos, die immer mal wieder von Tierschützern auch kritisiert werden, zuletzt von „Peta“ (Abkürzung für People for the Ethical Treatment of Animals; Menschen für die ethische Behandlung von Tieren). Peta hatte behauptet, dass sich mit dem Geld für den Wiederaufbau – mindestens 20 Millionen Euro – eine Fläche Regenwald schützen lasse, die 20mal größer sei als die Stadt Krefeld.
In dieser Debatte ist Goodalls Stimme gewichtig: Sie erkennt die Rolle der Zoos für die Arterhaltung an. Indirekt stützt sie die Pläne von Zoodirektor Wolfgang Dreßen für den neuen Affenpark in Krefeld. Dreßen hatte im RP-Interview gerade die Rolle von Rückzugsräumen betont: Wichtig sei, „dass man den Tieren Rückzugsmöglichkeiten bieten muss, also Bereiche, in denen die Tiere keinem Einfluss von Menschen, seien es Pfleger, seien es Besucher, ausgesetzt sind.“ Diese Komplexität im Raumangebot sei auch deshalb wichtig, weil Menschenaffen meist sehr lange an einem Ort leben, hatte Dreßen gesagt. Auch die von Goodall angemahnte Bildungsarbeit gehört fest zum Programm des Krefelder Zoos, der zudem Arterhaltungsprojekte ideell und finanziell unterstützt. Und schließlich: Auch mit der geplanten Flächenerweiterung des Krefelder Zoos zugunsten des neuen Affenparks erfüllt der Krefelder Zoo die von Goodall genannten Kriterien für einen guten Zoo.

In dem Bericht wird erneut deutlich, dass Massa einer weitgehend beendeten Ära angehörte, als Zoos noch bedenkenlos und massenhaft Tiere aus Wildfängen kaufen konnten. Diese Praxis wird heute weltweit weitgehend abgelehnt; die meisten Tiere im Zoo sind im Zoo geboren. Zuletzt hat die Weltartenschutz-Konferenz 2019 beschlossen, dass wildlebende afrikanische Elefanten nicht mehr gefangen und in Zoos und Zirkusse in aller Welt exportiert werden dürften. Wie die „Süddeutsche“ berichtete, waren zuvor wildlebende Elefanten vor allem nach China verkauft worden; aber auch europäische Zoos sollen Interesse an solchen Tieren haben.

Massa, der 49 Jahre alt wurde, kam noch als Wildfang nach Europa – gefangen in einer Zeit, in der Tierfänger in Filmen wie „Hatari“ (amerikanischer Spielfilm von Howard Hawks von 1962 mit John Wayne und Hardy Krüger) als Abenteurer verherrlicht wurden. Die Praxis dahinter war oft brutal: Im Falle Massas geht man davon aus, dass Anfang der 70er Jahre einheimische Tierfänger die erwachsenen Tiere in Massas Gruppe abgeschlachtet haben, um an die Jungtiere zu kommen. Massa lebte vermutlich im Urwald von Zaire und war ein Jahr alt, als er so gefangen wurde. Die Pfleger im Krefelder Zoo gehen laut „Spiegel“ davon aus, dass in dieser Geschichte die Ursache liegt, warum Massa in Krefeld aggressiv reagierte, wenn er Menschen sah, die dunkelhäutig waren, eine Kopfbedeckung trugen oder verkleidet und geschminkt waren. „Die Männer, die Massas Familie töteten, waren vermutlich schwarz; möglich, dass sie Kriegsbemalung und Kopfbedeckung trugen“, heißt es in dem Blatt. Das Gorillajunge Massa wurde offenbar zunächst von einem amerikanischen Privatier gekauft, dann an einen deutschen Tierhändler veräußert und kam über eine Zwischenstation 1975 nach Krefeld.

Massas Tod war ähnlich schrecklich wie sein Weg in die Gefangenschaft: Der Gorilla wurde am Neujahrsmorgen gegen acht Uhr schwerstverletzt, aber lebend in der ausgebrannten Ruine des Affenhauses entdeckt; nach drei vergeblichen Versuchen, ihn einzuschläfern, wurde er um 10.15 Uhr erschossen.

Quelle: Stadtpost https://rp-epaper.s4p-iapps.com/webread ... 2841/12-13
UliS
 
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