Folge der MOSAIC expedition

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Mi 27. Mai 2020, 17:31

Tag 251 Mittwoch 27. Mai 2020 - 6.052km +1,0°C Position N82°23 E8°20 - Quelle

Gestern bekam die Maria S. Merian Besuch: Der Rettungsdienst von Svalbard „Sysselmannen“ übte einen Rettungseinsatz mit den sogenannten Eurocoptern AWSAR Super Puma. Diese Helikopter sind speziell für polare Einsätze ausgerüstet. Sie haben eine große Reichweite, besitzen Enteisungs-Equipment und thermale Kameras. Dies ermöglicht ihnen lange Distanzen - auch während der Nacht – hinter sich zu legen. Von Bord aus verfolgen wir, wie sich zwei Mitglieder der Helikoptercrew an einem Kabel auf den Bug der Merian abseilten und wieder zurück in den Helikopter hochziehen ließen. Der Kontakt von außen zur Besatzung wurde dabei strikt vermieden. Das Sicherheitstraining ist von großer Bedeutung, da die Rettungsteams für extreme Wetterbedingungen und verschiedene Situationen jederzeit vorbereitet sein müssen. Die Polarstern befindet sich während dieser Phase der MOSAIC-Expedition im Einsatzbereich dieses Rettungskommandos aus Svalbard, sodass sie im Notfall ein Rettungsteam in die Arktis schicken könnten.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Do 28. Mai 2020, 17:51

Tag 252 - Donnerstag 28. Mai 2020 - 6.063 km - 0,0 °C - Position N82°20‘ E8°42‘ - Quelle

An Bord der Polarstern:
Viermal täglich werden vom Hubschrauber-Deck aus Wetterballone durch das ATMOS-Team und den Deutschen Wetterdienst gestartet. Die Messungen von Temperatur, Feuchte und Wind bis hinauf in 35 Kilometer Höhe sind essentiell, um die atmosphärischen Hintergrundbedingungen für alle MOSAIC-Messungen zu bestimmen. Weiterhin sind sie entscheidend für die täglichen Wetterberichte an unserem Standort: Die Daten werden nach Hause gesendet und fließen so in die Wettervorhersage ein. Auf unserer Fahrt nach Svalbard werden wir die Anzahl der täglichen Aufstiege auf acht pro Tag erhöhen, wenn wir in der Nähe der Eiskante ankommen. Wir nutzen hier die Möglichkeit, um Einblicke in die Änderung des Zustands der Atmosphäre am Übergang zwischen eisbedecktem Ozean und offener See zu bekommen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Fr 29. Mai 2020, 18:09

TTag 253 - Freitag 29. Mai 2020 - 6.089 km - -0,3 °C - Position N82°9‘ E9°10‘ - Quelle

Auf dem dritten Fahrtabschnitt haben wir viele MOSAIC-Rekorde aufgestellt – nicht nur durch unser eigenes wissenschaftliches Zutun, sondern auch die Natur hat maßgeblich dazu beigetragen. So haben wir die größte Spannbreite an Temperaturen erlebt: von minus 39,5 bis 0 Grad Celsius war alles dabei. Diese Temperaturspanne haben wir zum Anlass genommen, in einem wissenschaftlichen Seminar an Bord die daraus resultierenden wissenschaftlichen Folgen zu diskutieren. So ist zum Beispiel in diesem Zeitraum der Polarwirbel zusammengebrochen und die atmosphärische Grenz-schicht hat sich leicht angehoben. Gleichzeitig haben wir aufgrund der zunehmenden Temperaturen eine Abnahme der Eis-Wachstumsraten beobachten können – bis hin zu ersten kleinen Schmelzsignalen. Die daraus resultierenden Interdisziplinären Veränderungen werden uns noch in vielen weiteren Diskussionen beschäftigen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Sa 30. Mai 2020, 16:29

Tag 254 - Samstag 30. Mai 2020 - 6.116 km - -0,1 °C - Position N81°55‘ E9°27‘ - Quelle

Das nach wie vor dicke Meereis in Kombination mit dem hohen Eisdruck gibt der Polarstern noch immer eine schwere Zeit in den hohen Breiten. Aber auch wenn wir zum Teil über mehrere Stunden ein- und dieselbe Eisscholle bei einem Blick aus dem Fenster sehen, wird der Ausblick nicht langweilig. Ganz im Gegenteil: Die anhaltenden Temperaturen über dem Gefrierpunkt sorgen für eine sehr schnelle und eindrucksvolle Veränderung der Meereisoberfläche. Die noch vor wenigen Tagen durchgehend weißen Eisschollen werden zunehmend blau. Grund ist, dass die Schneeauflage durch die hohen Temperaturen weiträumig schmilzt. An Stellen, an denen der Schnee dann bereits vollkommen geschmolzen ist, bilden sich außerdem erste Schmelztümpel auf dem Meereis. Damit läuten wir ganz deutlich die arktische Schmelzsaison ein – eine der spannendsten und wichtigsten Phasen für das Meereis und seine assoziierten interdisziplinären Prozesse.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » So 31. Mai 2020, 16:53

Tag 255 - Sonntag 31. Mai 2020 - 6.147 km - -0,3 °C - Position N81°42‘ E9°46‘ - Quelle

Über die vier Expeditionsmonate und länger sind zwei Forscher des ICE-Teams durch ihre zunehmend üppigen Bärte aufgefallen. „Für mich ist mein Bart so gesehen wie ein Ausrüstungsgegenstand im Feld – genau wie eine Eisaxt und eine Skibrille“, sagt David Clemens-Sewall, Doktorand vom Dartmouth-College. „Wenn es draußen kalt und sonnig ist, muss man sein Gesicht warmhalten – aber mit einer Balaklava riskiert man das Beschlagen und Vereisen der Sonnenbrille. Bärte sind eine preiswerte Lösung für dieses Problem. Meiner wächst seit dem 17. Januar, dem Tag, an dem ich in den USA aufgebrochen bin. Während der fünf Wochen auf der Dranitsyn ist mein Bart voll funktionstüchtig geworden –bereit für den Einsatz auf der MOSAIC-Scholle.“ Während Handschuhe, Mützen und Socken über den Verlauf des dritten Driftabschnittes sehr abgenutzt wurden, sind die Bärte immer weitergewachsen. „Bärte tun noch wesentlich mehr als nur das Gesicht beim Arbeiten in der Arktis warm zu halten“, fügt Steven Fons hinzu, Doktorand an der University of Maryland und bei der NASA, „sie helfen auch dabei gut auszusehen.“

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mo 1. Jun 2020, 16:20

Tag 256 - Montag 1. Juni 2020 - 6.188 km - 0,0 °C - Position N81°21‘ E9°54‘ - Quelle

Etwas Action im Wartemodus: Die Maria S. Merian hat drei große Fender zur Sonne gebracht. Fender sind Bojen, die als Abstandhalter zwischen zwei Schiffen dienen. Sobald die Polarstern im Fjord ankommt, wird sich die Sonne mit angebrachten Fendern für den Frachtaustausch neben sie legen. Die Transaktion in arktischen Gewässern wurde von den Kapitänen der Sonne und Merian koordiniert. Um die Fender zur Sonne zu transpor-tieren, näherten die beiden Schiffe sich auf Merians Steuerbordseite an. Ein Kran ließ die Bojen ins Schlauchboot hinunter, woraufhin drei Besat-zungsmitglieder im Schlauchboot sie zur Sonne brachten. Während des Einsatzes trugen die Besatzungsmitglieder einen speziellen Überlebensanzug, der den nötigen Auftrieb und Wärmedämmung im Fall eines Unfalls gewährleistet. Die Wissenschaftler*innen verfolgten das Geschehen und freuten sich über eine Unterbrechung des Alltags auf dem Schiff.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Di 2. Jun 2020, 16:54

Tag 257 - Dienstag 2. Juni 2020 - 6.251 km - -0,7 °C - Position N80°49‘ E9°28‘ - Quelle

Obwohl die Polarstern die MOSAIC-Scholle mit den autonomen Instrumenten verlassen hat, werden auch an Bord viele Messungen fortgesetzt. Ein Beispiel sind die neun Container des ATMOS-Teams auf dem Vordeck und dem Peildeck. Die Messgeräte liefern ununterbrochen Daten zum Zustand der Atmosphäre, Spurengasen, Zusammensetzung von Aerosolpartikeln und Wolkeneigenschaften. Ein umfangreicher Park an Messgeräten von verschiedenen Institutionen ist notwendig, um alle relevanten Messgrößen zu erfassen. Für die Wissenschaftler und Techniker, die diese Messungen betreuen, geht die tägliche Routine bis zur Übergabe an das Team des vierten Fahrtabschnitts normal weiter. Tatsächlich bildet die unerwartete Fahrt vom dichten Packeis ins offene Wasser einen spannenden Einblick in die räumliche Variabilität der Atmosphäre sowie chemische und mikrophysikalische Prozesse über dem arktischen Meereis.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Mi 3. Jun 2020, 17:38

Tag 258 Mittwoch 3. Juni 2020 - 6.506km +0,3°C Position N78°38 E9°38 - Quelle

Das Eis hat unseren Weg von der MOSAIC-Scholle in Richtung Eiskante sehr mühselig gemacht – und uns immer wieder zum vollständigen Stillstand gezwungen. Erst wenn der Druck auf die Eismassen nachgelassen hat, konnten wir unseren Weg fortsetzen. Wir an Bord der Polarstern wollten uns aber nicht von den Eismassen in unserer Bewegung einschränken lassen. Außerdem vermissen wir unsere täglichen Workouts auf der Scholle. Und so haben sich unterschiedliche sportliche Aktivitäten an Bord an der frischen Luft etabliert. Schon auf der Kapitan Dranitsyn gab es täglich „Harold’s Hiking Club“ ((HHC, dt: „Harold’s Wanderclub“), der strammen Schrittes entlang über alle Außendecks treppauf, treppab führte. Eine Tradition, die sich nun auch auf Polarstern fortführt. Eine Stunde später startet dann das tägliche „Bootcamp“ auf dem Helikopterdeck. An 15 Stationen trainieren wir hier alle Körperpartien auf Kraft und Ausdauer – und nebenbei können wir weiter die uns umgebenden Eismassen beobachten.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Do 4. Jun 2020, 16:41

Tag 259 - Donnerstag 4. Juni 2020 - 6.684 km - 2,6 °C - Position N78°14‘ E15°37‘ - Quelle

Es ist geschafft: Vor 20 Tagen haben wir die MOSAIC-Scholle verlassen. Das Eis war uns auf unserem anschließenden Weg zur Eiskante nicht sonderlich gut gesonnen. Am Dienstag, 23:10 Uhr Bordszeit haben wir dann die Eiskante endlich passiert. Ein weiterer emotionaler Moment, der am Ende doch sehr schnell kam. Denn wie sich schon auf den Satellitenkarten angedeutet hat, war der Übergang vom Eis ins Wasser sehr scharf. Und so hatten wir tatsächlich bereits wenige Minuten nach Überfahren der Eiskante nichts als blaues Wasser vor uns. Während der gefrorene Ozean für 119 Tage ein treuer Begleiter war, sehen wir seit gestern Morgen auf der Backbord-Seite erste Landmassen von Spitzbergen. Nachdem wir dann heute Nacht auf die beiden Versorgungsschiffe Maria S. Merian und Sonne vor dem Fjord getroffen sind, laufen nun im Fjord die Bunker- und Handover-Arbeiten zwischen den Schiffen. Damit liegen weitere spannende Tage vor uns, in denen wir von Leg 3 all unsere gesammelten Erinnerungen und Erfahrungen aus dem Eis abrufen und an die Teams von Leg 4 weitergeben.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Fr 5. Jun 2020, 17:31

Tag 260 - Freitag 5. Juni 2020 - 6.685 km - 2,2 °C - Position N78°14‘ E15°37‘ - Quelle

Die MOSAIC-Expedition steht das erste Mal vor dem Austausch des Kapitäns. Nach 260 Tagen Dauerbereitschaft als Kapitän wird Stefan Schwarze für die letzten zwei Forschungsabschnitte der MOSAIC-Expedition von Thomas Wunderlich abgelöst. Ursprünglich hätte der Austausch im Eis Anfang April per Flugkampagne stattfinden sollen. „Es ist jetzt, wo die Polarstern aus dem Eis kommt, eine andere Herausforderung das Schiff zu übernehmen. Es hat den Vorteil unbefangener heran gehen zu können, aber auch den Nachteil gewachsene Infrastrukturen auf der Scholle wieder neu etablieren zu müssen. Wir werden öfter damit rechnen müssen, dass wir Eisprobleme bekommen, indem das Eis dünner wird und es öfter aufreißt. […] Die Herausforderung ist genau dort anzusetzen, wo aufgehört worden ist“, sagt Polarstern-Kapitän Thomas Wunderlich.

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