Folge der MOSAIC expedition

Moderatoren: Jochen, UliS

Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Di 28. Apr 2020, 17:37

Tag 222 - Dienstag 28. April 2020 - 5.639 km - -6,8° C - Position N84°2‘ E16°39‘ - Quelle

Seit Beginn der Expedition ist ein Kamerateam der UFA Show&Factual an Bord, um Leben und Wissenschaft zu dokumentieren. Als Medienschaffende
sind das quasi zwei Exoten unter den internationalen Wissenschaftlern, erfahrenen Seeleuten und hochsensiblen Messinstrumenten.
Unser Team auf dem dritten Fahrtabschnitt, Dieter Stürmer und Manuel Ernst, arbeitet jeden Tag hart daran, die sensible Filmtechnik unter Extrem-bedingungen am Laufen zu halten, um die Forschung von MOSAIC ins richtige Bild zu setzen. Und doch friert mal die Optik zu, mal verirrt sich die
Drohne auf die falsche Scholle und immer sind die Finger klamm. Aber es lohnt sich. Im Schneideraum entstehen aus hunderten Stunden Drehmaterial
schon jetzt verschiedene Dokumentationen für ein internationales Publikum.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mi 29. Apr 2020, 18:07

Tag 223 - Mittwoch 29. April 2020 - 5.650 km - -11,8° C - Position N83°59‘ E17°12‘ - Quelle

Normalerweise sind wir tagtäglich auf unserer MOSAIC-Scholle, um ihre Eigenschaften und Wechselwirkungen mit dem Ozean und der Atmosphäre
zu verstehen. Nur am Mittwoch- und Sonntagabend ist der Grund für das Gewusel auf der Scholle ein anderer. Dann wird eine willkommene Abwechs-
lung geschaffen und viele Wissenschaftler*innen und Besatzungsmitglieder treffen sich für verschiedenste Freizeitaktivitäten auf dem Eis. Dabei
kann man zum Beispiel bei einem kleinen Spaziergang entlang der beflaggten Wege auf der Scholle die Messinstrumente der andren Arbeitsgruppen
auf dem Eis besuchen. Oder aber man packt die Sportschuhe aus und trifft sich zum Fußball- oder Frisbee-Spielen im Logistik-Bereich am Schiff.
Die gemeinsame Freizeit und Bewegung auf dem Eis sorgen nicht nur für rosige Wangen bei allen Beteiligten, sondern vor allem für viel neue Energie
für die anstehenden Arbeiten am nächsten Tag.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Do 30. Apr 2020, 16:43

Tag 224 Donnerstag 30. April 2020 - 5.658km -12,5°C Position N83°55 E17°30 - Quelle

Seit dem Ende der dunklen Polarnacht warten Team ECO gespannt darauf, dass wir wieder ein Wachstum des Phytoplanktons, also den einzelligen Algen welche die Basis des arktischen Nahrungsnetzes darstellen, beobachten können. Anfang April haben wir in unseren täglichen Messungen einen ersten Anstieg in den nach wie vor sehr niedrigen Chlorophyill - Konzentrationen ausmachen können, welche ein guter allgemeiner Marker für Phytoplankton-Biomasse sind. Die Daten mehrerer Tage und zusammen mit ozeanographischen Messungen führten zu dem Schluss, dass der beobachtete Anstieg nicht mit einem Algenwachstum, sondern mit unserer Drift in andere Wassermassen zusammenhängt. Wir werden zurzeit stärker durch atlantische Wassermassen beeinflusst, und die Artenzusammensetzung des Phytoplanktons reflektiert dies durch das Auftreten von blütenbildenden Kieselalgenarten wie Thalassiosira. In der letzten Woche konnten wir einen weiteren leichten Anstieg beobachten und wir sind gespannt, was die nächsten Tage bringen werden.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Fr 1. Mai 2020, 23:16

Tag 225 - Freitag 1. Mai 2020 - 5.662 km - -14,1° C - Position N83°55‘ E17°36‘ - Quelle

Um zu beobachten, wie sich die Schnee- und Eisdicke unterschiedlicher Eistypen unserer Scholle verändert, laufen die beiden AWI-Messeisphysiker Robert Ricker und Stefanie Arndt regelmäßig festgelegte Transekt-Schleifen innerhalb des zentralen Observatoriums. Dabei ziehen sie für die Eisdicken-Messung einen Schlitten mit einem elektromagnetischen Sensor hinter sich her, der kontinuierlich die totale Eisdicke, also Schnee- plus Eisdicke misst. Mit einer Scheesonde wird zusätzlich alle 2 Schritte die Schneedicke gemessen. Die Ergebnisse der Messungen zeigen eindrucksvoll: Trotz Schneefall und starker Schneedrift über die vergangenen Wochen und Monate, hat die Schneedicke in Bereichen des zweijährigen Meereis im Mittel nur um 10 cm seit Oktober zugenommen. Auf einjährigem Eis immerhin um 15 cm. Den Neuschnee finden wir dabei an den gebildeten Eisrücken und auf der Vielzahl neuer Eisrinnen auf unserer Scholle wieder.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Sa 2. Mai 2020, 18:02

Tag 226 - Samstag 2. Mai 2020 - 5.665 km - -17,8° C - Position N83°53‘ E17°34‘ - Quelle

Zum ersten Mal während des dritten Fahrtabschnittes fand ein Besuch an den M-Sites statt, genauer gesagt an M3 und M5, die derzeit etwa
20 Seemeilen (entspricht 37 km) von Polarstern entfernt liegen. Die M-Sites sind ein Teil des Distributed Networks und damit die Heimat von
autonomen Bojen, die seit ihrer Auslegung auf dem ersten Fahrtabschnitt kontinuierlich Meereis- und Ozeanparameter messen. In sonnigen
und ruhigen Bedingungen flogen Natalia Sukhikh und Torsten Kanzow vom Team OCEAN gemeinsam mit Hannes Laubach und Delphin Rouché
dorthin. Sie bohrten jeweils ein Loch durch das 2 m dicke Meereis, um dann mit unserem extrem kompakten Angelruten-CTD (Sonde für Tiefseeuntersuchungen) Profile der Temperatur und des Salzgehaltes bis zu einer Wassertiefe von 250 m zu messen. Diese Daten werden
dringend benötigt, um die Qualität der Messungen der ozeanischen Bojen zu überprüfen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » So 3. Mai 2020, 16:26

Tag 227 - Sonntag 3. Mai 2020 - 5.670 km - -15,6° C - Position N83°53‘ E17°58‘ - Quelle

Für das „Atmospheric Radiation Measurement“ (ARM, dt. „Atmosphärische Strahlungsmessung“) Team an Bord ist jeder Tag voller neuer Herausforderungen. John Bilberry, der technische Projektleiter von ARM, erzählt: „Mit 44 Instrumenten auf dem Schiff und 12 Instrumenten
in MetCity messen wir alle erdenklichen atmosphärischen Parameter. Die regelmäßige Wartung und Kontrolle der Geräte beschäftigen uns
tagtäglich.“ Alle Geräte laufen kontinuierlich, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Die Messungen der Geräte erlauben es nicht nur die
Atmosphäre noch besser beschreiben zu können, sondern auch ihre Wechselwirkungen mit dem Meereis.
Dean Greenamyer fügt hinzu: „Ob es das Finden des Weges zu MetCity bei schlechtem Wetter über die Eisrücken ist, das Überqueren von
Rinnen im Eis, der Radiosondenaufstieg um Mitternacht oder das Reparieren von Instrumenten – wir machen alles, damit die Daten fließen.“

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Foto Manuel Ernst
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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Di 5. Mai 2020, 17:32

Tag 229 Dienstag 5. Mai 2020 - 5.681km -12,3°C Position N83°55 E18°3 - Quelle

Das Biogeochemie-Team arbeitet überwiegend an klimaaktiven Spurengasen. Während deren Entstehung oft biologisch ist, hängt der Transport innerhalb und zwischen Eis, Ozean und Atmosphäre vor allem von physikalischen und chemischen Prozessen ab. Im dritten Fahrtabschnitt waren die Hauptziele unserer Untersuchungen, die Auswirkungen der Gefrierprozesse und den Übergang von Winter zum Frühling mit der Rückkehr des Sonnenlichts zu erfassen. Deshalb lag einer der Schwerpunkte auf neu entstehendem Eis in Rissen und Rinnen und der Kombination der Probennahme mit Gasfluss-Messungen. Wir konnten die Auswirkungen des Gefrierens auf die Verteilung von Methan und eine zunehmende Bildung von halogeniertem Kohlenwasserstoff beobachten und haben gelernt, dass es auch in der energie- und nährstoffarmen Umgebung der dunklen Winterzeit weiterhin eine aktive mikrobielle Gemeinschaft gibt, die „hungrig“ nach Schwefelverbindungen ist. Viele weitere Analysen werden zu Hause noch durchgeführt, aber schon jetzt ist klar, dass die letzten Monate eine sehr erfolgreiche Zeit für unser Team waren.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Di 5. Mai 2020, 17:48

Tag 229 Dienstag 5. Mai 2020 - 5.681km -12,3°C Position N83°55 E18°2 - Quelle

Durch die sich ändernde Eisdynamik im März wurde aus Sicherheitsgründen entschieden, unsere schnelle LWL (Lichtwellenleiter) Datenverbindung zu der meteorologischen Station (Met City) einzuholen. Das kabelgebundene Netzwerk wurde durch das RadioLan—System ersetzt, das wie ein WLAN für weite Flächen ist. Zur Zeit wird das kabellose System auch für die Stationen Ocean City und Remote Sensing Site erfolgreich eingesetzt. Unser Data-Team an Bord (Heidi Turpeinen und Frederic Tardeck Firma FIELAX GmbH) kümmert sich nicht nur um die Datenverbindung auf dem Eis, sondern auch um die Dateninfrastruktur, das Datenmanagement sowie um Server und Sicherheit der wissenschaftlichen Daten. Auf dem Bild sieht man die beiden beim Ausrichten der RadioLan-Antenne in Ocean-City.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mi 6. Mai 2020, 17:01

Tag 230 - Mittwoch 6. Mai 2020 - 5.687 km - -7,6° C - Position N83°55‘ E17°38‘ - Quelle

Die Wärme des Ozeans wird durch die sogenannte ozeanische Deckschicht zum Meereis und zur Atmosphäre transportiert. Während des
dritten Fahrtabschnittes konnte Team OCEAN eine einmalige Zeitserie der Veränderungen in der ozeanischen Deckschicht und der darin
auftretenden Turbulenzen im Bereich des Spätwinters gewinnen. Unsere Messungen zeigen, dass seit dem Beginn der MOSAIC-Drift die
Deckschicht um 80 cm dicker geworden ist. Starke Änderungen sind insbesondere während der kalten Wetterperiode Anfang März aufge-
treten. Zudem konnten wir erhöhte Turbulenzraten während des Durchzugs von Stürmen messen, die vermutlich zu der Verdickung der
Deckschicht beigetragen haben. Herauszufinden, welche Prozesse genau die starken Veränderungen der Deckschicht während der MOSAIC-
Drift hervorgerufen haben, wird eine spannende Herausforderung werden.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Do 7. Mai 2020, 17:50

Tag 231 - Donnerstag 7. Mai 2020 - 5.701 km - -9,6 °C - Position N83°55‘ E16°29‘ - Quelle

Wolken sind ein wichtiger Bestandteil des arktischen Klimasystems und unterscheiden sich von Wolken in niedrigeren Breiten. „Wolken bestehen aus kleinen Wassertropfen, Eiskristallen oder einer Mischung aus beidem. Bei Temperaturen bis -38 °C bildet sich zunächst die flüssige Phase. Wann, ob und wie viele Eiskristalle entstehen, hängt von vielen Variablen, wie Temperatur, Feuchte, Turbulenz und Aerosolpartikeln ab“, erklärt Martin Radenz. Chris Cox führt weiter aus: „Wolken modifizieren die atmosphärische Grenzschicht und die Oberflächenenergiebilanz. Wir interessieren uns besonders für Mischphasenwolken, die sowohl Eispartikel als auch Wassertropfen enthalten. Die Flüssigschicht wirkt isolierend und schattet die Oberfläche ab. Beides beeinflusst Wachstum und Schmelze des Meereises. Ab dem späten Frühjahr erhöht sich die Häufigkeit dieser Schichten bis zum Herbst".

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