Folge der MOSAIC expedition

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Do 25. Jun 2020, 19:48

Tag 280 - Donnerstag 25. Juni 2020 - 7.507 km - 0,4°C - Position N82°3‘ E10°11‘ - Quelle

Die Grundinfrastruktur des Wissenschaftscamps steht! Jetzt fangen die Temas an ihre Stationen, angepasst an die Schmelzperiode, aufzubauen. Während dieser Jahreszeit ist es wichtig, dass wir unsere Forschungsstationen möglichst mobil halten. Dabei benutzen wir leichte Versionen der Messinstrumente oder verkleinern sie. Diese Anpassungen vorzunehmen ist hochintensive und mühsame Arbeit: Das ATMOS-Team baut Met City und Balloon Town wieder auf und installiert, im Gegensatz zu anderen Teams, viel Equipment auf dem Eis. Schweres Equipment wird von Skidoos oder Helikoptern transportiert. Team ICE, ECO und BGC sind dagegen mobiler. Jedes Mal, wenn sie Eiskerne nehmen oder Messungen im Schnee, Eis oder Schmelztümpeln machen, transportieren sie mit Schlitten ihr Equipment. Team OCEAN baut derzeit Löcher für Messungen in der Wasser-säule. Auch wenn der Aufbau harte Arbeit für uns bedeutet, bringt uns der Fleiß der Wissenschaftler*innen näher zu unserem Ziel, die Wissenschaftscamps wiederaufzubauen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Fr 26. Jun 2020, 17:29

Tag 281 - Freitag 26. Juni 2020 - 7.513 km - 0,5°C - Position N82°2‘ E9°53‘ - Quelle

Unsere Scholle verändert sich auf mehreren Skalen! Seitdem wir vor 9 Tagen an unserer weißen, schneebedeckten Scholle mit nur ein paar Schmelztümpeln angekommen sind, hat sich die Landschaft bereits zu einer wesentlich feuchteren Eislandschaft verändert! Wenn wir auf kleinere Skalen schauen, sehen wir Veränderungen in der Struktur des Schnees. Die Tiefenreif-Kristalle (links) bilden sich in durch große Temperaturgradienten in der Schneeauflage im Winter und werden jetzt durch zunehmend runde Schneekristallformen (rechts) ersetzt, wenn die Temperaturen im Schnee um 0°C sind. Die isothermen Bedingungen zerstören somit die scharfkantigen Ecken der Kristallstruktur im Schnee. Diese strukturelle Veränderung der Schneekristalle können wir sogar auch ohne Mikroskop klar erkennen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Sa 27. Jun 2020, 16:31

Tag 282 - Samstag 27. Juni 2020 - 7.513 km - 0,5°C - Position N82°2‘ E9°53‘ - Quelle

Nachdem das ROV, der ROV-Container und die Winde vom Helikopter aufs Eis gesetzt worden sind, hatte das neue Team ICE mit dem ROV seinen ersten Einsatz unter dem Eis. Unser ROV namens Beast, ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug, trägt 16 verschiedene Sensoren. So misst Beast die Eisbedingungen, Lichtverfügbarkeiten und Eigenschaften der Wassersäule. Die gemessenen optischen Eigenschaften im Eis sind der Lichteinfall und der Anteil vor kurzwelligem Licht im Eis, der in unter-schiedlichen Ebenen der Wassersäule verfügbar ist. Vertikale Profile bis in eine Tiefe von 100 m werden aufgenommen. Beast ist außerdem ausgestattet mit einem Fächerecholot zum Kartieren der Untereistopographie. Aber auch mit Sensoren, die Wassereigenschaften wie pH im Wasser messen, und einer CTD, um die Leitfähigkeit, Temperatur und Tiefe der Wassersäule zu vermessen. Überhaupt ist das ROV bestens an seinen jeweiligen Auftrag anpassbar. Es lassen sich an ihm auch Netze für Plankton oder akustische Strömungsmesser befestigen, um Fließgeschwindigkeiten zu messen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » So 28. Jun 2020, 16:59

Tag 283 - Sonntag 28. Juni 2020 - 7.513 km - 0,5°C - Position N82°2‘ E9°53‘ - Quelle

Alexey Niubom war Teilnehmer des dritten Fahrtabschnittes. Als er vor Kurzem nach fast fünf Monaten in Bremerhaven ankam, wollte er einfach nur so schnell wie möglich zu seiner Familie nach St. Petersburg. Doch vor dem 1. Juli gab es Corona-bedingt keine Flüge nach Russland - dafür aber nach Helsinki. Elena Tschertkowa-Paulenz aus der AWI-Logistik klärte mit der Grenzpolizei in Finnland, dass von dort die Grenzüberquerung nach Russland mit einem „persönlichen Transportmittel“ möglich wäre. Also kaufte sie für Alexey kurzerhand ein gebrauchtes Klapprad. Dieses nahm er im Flieger mit nach Helsinki und von dort den Zug nach Imatra. Und da kam schließlich das Klapprad zum Einsatz. Denn was zu Fuß nicht möglich gewesen wäre, war mit dem Rad erlaubt. Und so konnte Alexey kurz darauf seine Familie in die Arme schließen und war überglücklich, dass ihn auch seine zweijährige Tochter nach der langen Zeit noch erkannte.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mo 29. Jun 2020, 18:15

Tag 284 - Montag 29. Juni 2020 - 7.541 km - -1,6°C - Position N81°49‘ E9°6‘ - Quelle

Montage sind Eiskern-Tage für Team ECO (Ökosystem) und BGC (Biogeochemie)! Die Teams bohren einen zylinderförmigen Eiskern durch die komplette Dicke des Meereises. Einer der Wissenschaftler, Oliver Müller, nutzte dieses Bohrloch als Möglichkeit, um seine Kamera durch das 2 Meter tiefe Eis zu bekommen und einen Blick unter das Meereis zu wagen. Er fand wunderschöne Stränge von Melosia-Algen. Diese Algen wachsen in hohen Konzentrationen im Frühling und Sommer an der Unterseite des Meereises. In dieser Jahreszeit bilden sie den Großteil der Basis des arktischen Nahrungsnetzes. Als Primärproduzenten geben sie Nährstoffe an Amphipoden, kleine Krebstiere sowie an höhere trophische Stufen. „Das war unser erster Blick unter das Meereis seitdem wir auf unserer MOSAIC-Eisscholle zurück sind. Es war sehr aufregend so lange Stränge von Melosia-Algen zu sehen und gleichzeitig motivierend so viele Messungen wie möglich zu machen“, sagt Meeresbiologe Oliver.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Di 30. Jun 2020, 18:29

Tag 285 - Dienstag 30. Juni 2020 - 7.568 km - -0,6°C - Position N81°47‘ E8°57‘ - Quelle

Ab jetzt ist der akustische Strömungsmesser (Acoustic Doppler Current Profiler (ADCP)) von Team OCEAN aktiv! Das Messgerät sitzt permanent unter der Eisschicht und misst die Fließgeschwindigkeiten und -richtungen in verschiedenen Tiefen des Ozeans. Bevor das Instrument platziert wurde, musste zunächst ein großes Loch in die 2 Meter dicke Eisschicht gebohrt werden. Ein Schneemobil ließ das Gerät dann an zwei langen Schlingen in langsamem Rückwärtsgang vorsichtig zu Wasser. Mit Metallketten ist das Gerät jetzt wie eine Schaukel an einem Holzbalken über dem Eisloch eingehängt, um das Gerät in einer stabilen Tiefe zu halten. Der Strömungsmesser befindet sich in einer Tiefe von zwei Metern unter dem Eis und vermisst hier die gesamte Wassersäule bis in 800 Meter Tiefe. Abhängig von unserer Driftposition treffen wir auf Wassertiefen von 700-800 m. Der Strömungsmesser liefert uns wichtige Daten für unser Verständnis zum Wärme- und Nährstofftransport der arktischen Ozeanwassermassen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mi 1. Jul 2020, 17:57

Tag 286 - Mittwoch 1. Juli 2020 - 7.570 km - -0,9°C - Position N81°46‘ E8°51‘ - Quelle

Schon mal etwas von „Pulkas“ gehört? Pulkas sind essenzielle Elemente für unsere tägliche Arbeit auf dem Eis. Ein Pulka ist eine Kombination aus einem Schlitten und einem kleinen Boot. Mit ihnen können wir unsere wissenschaftliche Ausrüstung, Boxen für Proben und Eiskerne, aber auch Wechselkleidung und Proviant aufs Eis transportieren. Nachdem alles gepackt ist, wird die Ausrüstung in der Pulka zugedeckt und gesichert. Mit Seilen und Gurten ziehen wir die Pulkas dann hinter uns durch das Eis. Bei den Überquerungen der vielen Schmelztümpel auf dem Weg zu unseren Camps sind sie besonders praktisch, da sie schwimmen können und die Instrumente und Ausrüstung dabei trocken halten. Die Überquerung der Schmelztümpel kann manchmal sehr herausfordernd sein, da sie knietief sein können und oft einen unebenen Untergrund haben. Manche von uns bevorzugen die Seile der Pulkas um den Hüften zu tragen. So muss sich wohl ein Schlittenhund fühlen… Aber es mach auch viel Spaß durch den Schnee zu stapfen!

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Do 2. Jul 2020, 19:55

Tag 287 - Donnerstag 2. Juli 2020 - 7.584 km - -0,1°C - Position N81°41‘ E8°16‘ - Quelle

Grüße vom Team Ökosystem (ECO)! Mit einem speziellen Fokus für diese Jahreszeit sind wir höchstmotiviert die Messungen unserer vorherigen Öko-Teamkolleg*innen fortzuführen: Wie beeinflussen 24 Stunden Sonnenlicht und das Schmelzen des Eises die biologischen und ökologischen Änderungen im Meereis und Ozean darunter? Unser Hauptziel ist es heerauszufinden, wie verschiedene ökologische Prozesse und Eigenschaften sich in Bezug zu dieser veränderten Umgebung entwickeln. Unter konstantem Sonnenlicht wird das Nahrungsnetz durch das Wachsen von Algen im Meereis und Wasser angekurbelt – ein Prozess, den wir näher untersuchen werden. Da sich die physischen und chemischen Eigenschaften des Eises und Ozeans zu dieser Jahreszeit schnell verändern, werden wir unsere Probenahmen anpassen, um deren Einfluss auf die mikrobiellen und größeren Organismen aufzeichnen zu können. Dafür arbeiten wir eng mit den Teams Biogeochemie, Eis und Ozean zusammen und freuen uns auf spezielle Ergebnisse wie ein 24h Dauermessprogramm.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Fr 3. Jul 2020, 18:00

Tag 288 Freitag 3. Juli 2020 - 7.601km +0,2°C Position N81°40 E7°21 - Quelle

Unser 10 m großer Atmosphären-Messturm steht wieder!
Der Turm befindet sich auf einem Eisrücken in Met City und erweitert das zentrale Camp auf der Scholle. Mit vereinen Kräften haben sieben Expeditionsteilnehmende den Turm aufgestellt. „Nach einer Woche harter Arbeit ist es schön, dass wir gemeinsam den Turm hier auf der MOSAIC-Scholle wieder in Betrieb nehmen konnten und unsere Zeitreihen nun weiterführen können. An der neuen Position guckt er in alle Richtungen über viele verschiedene Arten von Eis und schöne, sich bildende Schmelztümpel“. Sagt Matt Shupe, Co-Leiter der Expedition. Der Mast mit seinen 19 Sensoren misst permanent physikalische und chemische Parameter der oberflächennahen Atmosphäre, sowie Oberflächeneigenschaften und Schneepartikel. Der Mast ist an einer Hüte und zwei Eisankern an der Unterseite des 5 m dicken Meereises befestigt.

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Foto Lisa Grosfeld
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