Hof Butenland - Abschied von Trine

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Hof Butenland - Abschied von Trine

Beitragvon UliS » Do 26. Mär 2020, 19:11

Hof Butenland, 25.03.2020 - Quelle

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Abschied von Trine

"Du bist nicht mehr da, wo du warst,
aber du bist überall, wo wir sind."
(Victor Hugo)

Wir mussten heute Mittag Trine in Absprache mit unserem Tierarzt erlösen. Sie ist gestern zusammengebrochen, nachdem ein Schwall Blut aus ihrem Darmausgang gekommen ist. Die ganze Nacht haben wir um sie gekämpft, sie hat Infusionen bekommen und ihr wurde sogar ein Dauerzugang eingenäht, aber leider kam es im Verlauf der Nacht zu weiteren Darmblutungen. Dazu zeigte sie immer weniger Lebenswillen und Schmerzsymptome. Diese Kombination ist für uns immer das endgültige Zeichen dafür, dass wir einem weiteren Familienmitglied nur noch den letzten Freundschaftsdienst erweisen können.

Trine wäre bald 14 Jahre alt geworden. Jede Form von Tierausbeutung war ihr fremd, denn sie war unsere Pfingstüberraschung 2006 und wurde hier auf dem Hof geboren. Ihre bereits im Herbst 2016 verstorbene Mutter Christine hat sich damals mit einem ausgebüxten Stier vom Nachbarhof getroffen, die Folge war dann das erste Butenländer Kalb: Unser Trinchen. Sie musste nie eine Funktion erfüllen und wurde auch zu keinem Zeitpunkt als bloße Maschine wahrgenommen. Das sah man dieser Kuh jederzeit an, egal ob als unbekümmertes, freches Kalb, als neugierige Teeniekuh oder als freundliche Erwachsene, den Schalk im Nacken hat sich Trine immer bewahrt. Sie war unser Sonnenschein, der auch jeden trüben Tag überstrahlte.

Dementsprechend grausam hat uns nun ihr Abschied getroffen. Vorgestern war noch nichts zu bemerken, gestern morgen konnte sie nur mit unserer Hilfe aufstehen und dann kam auch schon der Zusammenbruch auf dem Hofvorplatz. Die Situation wird auch noch dadurch verschärft, dass wir selber nicht beantworten können, woran genau Trine gestorben ist. Unser Tierarzt tippt auf ein Geschwür in einem ihrer Mägen, das kann man aber nie sicher sagen, da wie so oft Behandlungsmöglichkeiten fehlen. Eine Röntgenaufnahme ist bei Rindern immer eine komplizierte Angelegenheit, in manchen Bereichen ist sie sogar unmöglich. Alternativen gibt es nicht, da um Rinder in der Industrie nicht gekämpft wird und somit weder Bedarf für solche Diagnose noch Erfahrung bei den behandelnden Ärzten besteht. Wäre Trine in einer "normalen" Haltung zusammengebrochen, dann wäre der Tierarzt nur zur Einschläferung ausgerückt, denn es kämpft niemand in diesem Zweig um eine jederzeit austauschbare Maschine "Kuh".

So bleibt uns nur die Erinnerung an die schöne Zeit mit unserem geliebten Schatz und die felsenfeste Erkenntnis, dass Trine 13 3/4 Jahre ein sorgenloses Leben führen durfte. Das ist etwas, von dem Abermillionen Tiere in der industriellen Haltung nicht mal für 5 Minuten träumen können. Der Abschied ist dadurch nicht leichter, aber irgendwann kommt garantiert die Zeit, in der er so erträglicher wird. Als letzten Gruß haben wir ein Foto mit ihrer Mama Christine gewählt, einfach weil Trine die erste Kuh war, die ihr ganzes Leben auf unserem Hof war und deshalb wie keine zweite für die Essenz von Butenland gestanden hat: Tieren die Möglichkeit zu geben, ihr Leben selbstbestimmt in Freiheit und mit einem Freundeskreis zu verbringen.

Für Trine:

https://www.youtube.com/watch?v=fqGsS21f3qM

"Doch dieser Moment ist wie ein Kartenhaus,
und die Zeit zieht ihre Karten raus,
ich schau zu wie sie zu Boden fallen -
wie sie zu Boden fallen.
Dieser Moment ist wie ein Kartenhaus,
und die Zeit zieht ihre Karten raus,
ich heb sie auf und halt sie fest,
damit mein Herz dich nicht vergisst."
UliS
 
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Re: Hof Butenland - Abschied von Trine

Beitragvon Eva » Fr 27. Mär 2020, 10:16

Schlafe gut, Trine. Du hattest en wunderbares Leben von dem die meisten Kühe nur träumen können!
Eva
 
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