Austellung: Das Leiden der Tiere

Moderatoren: UliS, Jochen

Austellung: Das Leiden der Tiere

Beitragvon Anita » Do 22. Mär 2018, 14:10

Das Leiden der Tiere: Ausstellung «Artenschutz für Jedermann»
startet im Erfurter Zoo
Eine Ausstellung von Zoll und Zoo zeigt in Erfurt illegale Mitbringsel – für die geschützte Exoten sterben müssen.

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Tiere, die eigentlich Artenschutz genießen, landen präpariert im Urlaubsgepäck. Foto: Marco Schmidt

Wenn einer eine Reise tut, so bringt er mitunter Dinge mit, die er gar nicht mitbringen dürfte. Eine kleine Kobra z.B., ersäuft in einem Flacon voll Alkohol. Soll gut für die Manneskraft sein. Oder einen schicken Pelz aus Ozelot- oder Murmeltierfell. Oder wie wär‘s mit einer ausgestopften Meeresschildkröte als Blickfang für den heimischen Schreibtisch? Immer wieder landen exotische Mitbringsel beim Zoll. Und immer wieder gibt es lange Gesichter, wenn der dann das macht, was er in diesen Fällen immer machen muss – die Sachen einziehen.

Gestern öffnete das Hauptzollamt in Erfurt für eine Stunde seine Asservatenkammer, genannt die „Kammer der Schrecklichkeiten“, um an einigen Exemplaren plastisch zu machen, was in den letzten 27 Jahren so angefallen ist an verbotenen Souvenirs, für die Tiere sinnlos ihr Leben lassen mussten.

Der Flughafen Erfurt sei dabei allerdings nicht repräsentiert, so Zolloberinspektor Guido Wollenhaupt, der Pressesprecher des Hauptzollamtes. Einige Leihexponate stammen aus dem unendlich großen Fundus der Flughäfen in München und Frankfurt. Aber auch Illegales und Verbotenes, das die Zollfahndung aus Erfurt hier so in Paketen, Koffern und Warensendungen angelte.

Dunkelziffer bei illegalen Exponaten weitaus höher
Bundesweit werden jährlich 500 000 illegale Exponate vom Zoll beschlagnahmt. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Und immer wieder kommt von den Ertappten die Ausrede „Nicht gewusst, dass das verboten ist“. Tatsächlich sei da viel Unwissenheit im Spiel, so Pressesprecher Wollenhaupt. Aber wenn, wie in einem Fall, auch lebende Tiere geschmuggelt werden, zieht diese Ausrede nicht mehr. Schon gar nicht bei jenem skrupellosen Zeitgenossen, der kleine Papageien in Toilettenpapier einwickelte und sie dann in Lautsprecherboxen pferchte, um sie über den Flughafen Halle-Leipzig illegal nach Deutschland einzuführen.

In den Regalen des Erfurter Hauptzollamtes hat sich einiges angesammelt: viele – nicht selten besonders hässliche – Lederartikel, gefertigt aus der Haut von Tieren. Auch eine Decke aus Otterfell, für die Dutzende der possierlichen Tiere ihr Leben lassen mussten. Oder Alligatorenköpfe, Schlangen, Schildkröten, Pelzbekleidung, Felle, Muscheln, Schmetterlinge, präparierte Vögel. Und alle möglichen Mittelchen für die Potenz oder gegen Irgendetwas.

Solche Schmuggelexponate sind immer wieder auch stille Anklagen, denn ihnen ist gemein, dass hier skrupel- und verantwortungslos gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen verstoßen wurde. So finden sich Armreifen aus drahtigem Elefantenhaar, das genau wie die Stoßzähne des Dickhäuters als teure Ware gehandelt wird und nur gewonnen werden kann, wenn man das Tier erlegt.

Oder – besonders perfide – Bärengalle.

Dazu werden die Pelztiere bewegungsunfähig eingepfercht und ihre Galle wird bei lebendigen Leib „angezapft“. Die Galle produziert dann unablässig Saft, um sich selber zu heilen. Diese besonders grausame Gewinnung der Flüssigkeit, der man medizinische Heilkräfte nachsagt, ist sinnlos.

Ausstellungsstart am 20. März
Man kann den Stoff längst anders und ohne Tieren Schmerzen zuzufügen, produzieren, wie Heike Maisch, die Kuratorin des Thüringer Zooparks in Erfurt, ausführte. Sie hatte auch die Idee, wie man diese verbotenen Exponate ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken könnte, um Nachdenklichkeit zu erzielen. Nicht zum ersten Mal. Auf ihre Initiative gehen auch die früheren Ausstellungen „Tatort Ferien“ oder „Tatort Tier“ im Zoo. Dazu soll nun das alte und bereits seit 2014 leer stehende Elefantenhaus genutzt werden. Die Exponate werden dann in der oberen Etage zu sehen sein. Die untere Etage hingegen wird gerade hergerichtet. Als Savannenlandschaft auf der Fläche, die früher den Elefanten zur Verfügung stand. Mittendrin ein präpariertes Skelett der verstorbenen Elefantendame Marina.

Ab dem 20. März bis zum Jahresende wird die Ausstellung „Artenschutz für jedermann“ mit etwa 40 Leihgaben des Zolls aus der „Kammer der Schrecklichkeiten“ im alten Elefantenhaus zu sehen sein. Um die Ausrede „Nicht gewusst“ künftig möglichst überflüssig zu machen. Und manchem Zeitgenossen den Verlust des Souvenirs, saftige Geldbußen oder gar eine Haftstrafe zu ersparen.
Quelle: http://www.otz.de/startseite/detail/-/s ... -803356486
Anita
 
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