Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expedition

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Mi 29. Aug 2018, 15:24

Arved Fuchs Expeditionen, 27. August

Eine Nachtwache ist ein ganz besonderes Erlebnis - Lauren, Volker und Alex berichten in diesem kleinen Clip von den Vorzügen der einsamen Zeit an Bord der Dagmar Aaen.

Video: https://www.facebook.com/24824702852329 ... zbGDDUZFrQ
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Mi 29. Aug 2018, 15:35

Arved Fuchs Expeditionen, 27.08.
OCEAN CHANGE 2018
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Von der Bucht vor Qaanaaq ging die Reise weiter nach Thule, einem Ort mit einer besonderen historischen Vergangenheit.

28.08.2018 Thule

Wir haben die Bucht von Qaanaaq verlassen und segeln nach Thule, dem Ort benannt nach der Thule-Kultur, die dieser Region seinen Namen gegeben hat. Die Thule-Kultur entstammt der letzten große Einwanderungswelle über den zugefrorenen Smith Sund aus der Kanadischen Arktis vor rund 1000 v. Chr. in der langen Geschichte der polaren Migrationsströme. Noch heute leben die Nachfahren der Thule in dieser Region, die Forschung geht davon aus, dass die Thule sich damals mit der Dorsetkultur vermischt haben.

Unweit der alten Siedlung Uummannaq gründeten Knud Rassmussen und Peter Freudchen im Jahre 1910 die Handelsstation Thule am Fuße des Dundas. Der „Gipfel der Seelen“ liegt auf einer Halbinsel und sieht aus wie der Tafelberg in Miniaturausgabe, früher war es der Ort, um die Toten zu bestatten. Der alte Ort Thule ist um die Handelsstation gewachsen. Wir können gut verstehen, warum sich gerade an diesem Ort mehrere Kulturen niedergelassen haben, geschützt von den Bergen und umgeben von gleich drei Buchten mit hervorragenden Ankerplätzen liegt dieser Ort am Eingang des für uns gesperrten Wolstenholm Fjord (Uummannaq Kangerlua). Etwas Bedeutungsvolles umgibt diesen geschichtsträchtigen Ort.

Es muss eine Katastrophe für die damaligen Bewohner gewesen sein ihre Häuser zu verlassen. Im Jahr 1943 wurde an diesem lebensfeindlichen Ort eine meteorologische Station errichtet, umso im Krieg besser das Wetter in Europa vorherzusagen. Auf Grund seiner strategischen Lage wurde die Station schnell zu einem Luftwaffenstützpunkt ausgebaut. 1951 wurde zwischen Dänemark und den USA ein Verteidigungsabkommen abgeschlossen, 1953 mussten die Menschen ohne Entschädigung ihre Häuser verlassen und wurden nach Qaanaaq zwangsumgesiedelt. Bis heute wurden von den USA keine Entschädigungen gezahlt. Einzig der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sprach im Jahre 2004 den hier lebenden Inuit eine Kompensation zu, viele von Ihnen werden diesen Tag nicht mehr miterlebt haben.

Wir landen an, um Wasser zu holen

Im Rahmen eines 50-jährigen „Jubiläum“ wurde im Jahr 2001 eine Hundeschlittentour von Qaanaaq nach Pituffik, dem Grönländischen Namen der Thule Siedlung, veranstaltet und im Jahr 2003 ebenso beschlossen die gesamte Dundas Halbinsel zurück an den Grönländischen Staat zu übergeben. Für viele der ehemaligen Vertriebenen kam auch das zu spät.

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Wir laufen durch die Siedlung und stellen fest, dass viele der Häuser wieder renoviert wurden. Im Jahre 1986 haben die Amerikaner erstmals Grönländer und Dänen auf dem Stützpunkt als Arbeitskräfte eingestellt. Wir treffen auf einen dänischen Mitarbeiter und er erzählt uns, dass viel der Mitarbeiter die verlassenen Häuser als Wochenendhäuser nutzen. So wandern wir durch den Ort und blicken in verlassene Häuser, verrostetete Spielplätze und entdecken auf dem Friedhof längst vergessene Gräber. Die alte Handelsstation von Rassmussen erstrahlt auch in neuem Glanz, steht aber leer.

Am Horizont entdecken wir eine Horde Moschusochsen. Wir beschließen uns etwas anzunähern, um einen besseren Blick zu erhalten. Dieses Vorhaben wird jedoch nach knapp einem Kilometer von einem Sicherheitshinweis des Militärstützpunkts unterbunden. Durchgang verboten. Wir sind irritiert, es ist das erste Verbotsschild, das wir seit langem in dieser menschenleeren Gegend antreffen. Beschließen jedoch, dass es keine gute Idee ist, mit einem geschultertem Gewehr – welches wir bei Landgängen als Schutz und zum Verschrecken von Eisbären immer mitführen – auf eine Amerikanische Basis zu laufen.

Auf dem weiteren Weg Richtung Süden machen wir noch kurz halt an einer nahegelegenen Jagdsiedlung, die scheinbar im Jahr 2006 das letzte mal genutzt wurde. Wir landen an, um Wasser zu holen. Wir nutzen immer wieder die Chance Wasser zu holen aus sauberen Bächen, die wir mit dem Fernglas identifizieren. So sparen wir Energie für den Wassermacher, welchen wir an Bord haben und entdecken so allerhand Neues. Meist vor allem Mücken, diesmal viele alte Hinterlassenschaften. Öfen, Öllampen, Besteck, Knochen, Hundeschlitten und Schlittschuhe und leider auch immer wieder viel Plastikmüll.

Justus

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Mi 29. Aug 2018, 15:54

Arved Fuchs Expeditionen, 28.08.2018
OCEAN CHANGE 2018
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Von der Thule Air Base aus hat die "Dagmar Aaen" wieder einen südlichen Kurs eingeschlagen. Vorbei am legendären Kap York geht die Reise weiter entlang von Eisbergen - und ein ungewöhnlicher Gast begibt sich an Bord...

28.08.2018 Kap York

Die Tage werden wieder kürzer. Wir haben Kurs Richtung Süden gesetzt. Die letzten Nächte lagen wir vor Anker, bis auf die rotierende Ankerwache, sind wir immer in den Genuss gekommen auszuschlafen. Jetzt stehen uns wieder mehrere Seetage bevor. In der ersten Nacht auf unserem Weg runden wir das berühmte Kap York. Uns umgibt eine eindrucksvolle Stimmung. Die See ist glatt, der Nebel verzieht sich kurz vor dem Kap und wir durchfahren ein dichtes Eisbergfeld, welches am Kap von gegenläufigen Strömungen und Winden zusammengetrieben wurde.

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Am nächsten Morgen frischt es auf und der Wind weht uns mit 4-5 Windstärken aus Südwest direkt auf die Nase. Unsere "Dagmar Aaen" schaukelt durch die Wellen. Die Kälte zieht durch die Kleidung durch, so dass wir uns meist in einer längeren Prozedur in 5 bis 6 Schichten einpacken, um der Kälte an Deck zu trotzen. Dabei hilft auch jederzeit der vielfältig vorhandene Tee von Lebensbaum, der in der Kälte die Lebensgeister wach hält. Diese sind auch dringend notwendig, da wir am Bug stehend ständig auf Treibeis und die von den Gletschern heraustreibenden Eisberge achten müssen. Insbesondere bei dichtem Nebel mit weniger als einer halben Meile Sicht. Dann ist es besonders wichtig konzentriert Ausschau zu halten, da auch das Radar nicht alles Eis erkennen kann.

In dieser lebensfeindlichen Umgebung bekommen wir unverhofft Besuch von einem der vielen Krabbentaucher (engl. Little Auk). Unser nicht mal 15cm großer Vogel scheint ein Jungtier zu sein, der sich bei dem Versuch uns zu überholen erschöpft hat und eine Notlandung auf unserem Deck machen musste. Nervös und ängstlich hüpft er von der Backskiste auf die Decksplanken. Es scheint in dieser Gegend nicht allzu häufig vorzukommen, dass Krabbentaucher ein Schiff auf hoher See antreffen.

Wir können viele dieser kleinen possierlichen Tierchen von Deck aus beobachten. Meist zwitschern sie ganz aufgeregt und versuchen vor dem Schiff wegzuschwimmen, um dann im letzten Moment abzutauchen. Krabbentaucher sind – wie der Name schon sagt – hervorragende Taucher. Deutlich bessere jedenfalls als Flieger. Auf der Südhalbkugel haben die Pinguine im Verlauf der Evolution das Fliegen verlernt. Auf der Nordhablkugel können die Alkenvögel nach wie vor fliegen, dies sieht jedoch, mit Verlaub, nicht gerade elegant aus. Versucht ein Vogel aus dem Wasser zu starten, dann erinnert dies eher an einen nassen Flummi, der über die Wasseroberfläche hüpft, es jedoch nicht schafft sich in die Luft zu heben. Im Robertson Fjord, in der Nähe des Meehan Gletschers, haben wir vor einer der riesigen Krabbentaucher-Kolonien ankern dürfen. Dort nisten die Vögel in den Felsen und stürzen sich zum Start die Klippen hinab, um dann im Kamikazetiefflug hinaus aufs offene Meer zu schießen, wo sie außerhalb der Brutsaison leben. Wenn eine solche Gruppe Krabbentaucher dicht am Schiff vorbeigerauscht ist, erinnerte die Geräuschkulisse an einen durchrauschenden Zug, so laut waren die erzeugten Luftverwirbelungen dieser kleinen Vögel.

Unserem kleinen Besucher gelang es mit einer kleinen Starthilfe ebenso den Weg über die Decksplanken zu finden, zurück im Wasser tauchte er sofort ab um in den weiten der Melville Bucht seine Krabbentaucherkollegen wiederzufinden.

Auf unsere Reise beobachten wir viele Seevögel aus der Familie der Alkenvögel: Trottellummen, Dickschnabellummen, Tordalken und Papageintaucher. Hinzu kommen unzählige Eissturmvögel, die elegant und neugierig an unserer Bordwand entlang segeln, Schmarotzerraubmöwen, Skuas, Seeschwalben und im Roberston Fjord sogar einen seltenen Gerfalken.

Unser nächstes Ziel ist eine unbewohnte Inselgruppe in der Melville Bucht. Dort wollen wir nach eine alte Schutzhütte Ausschau halten. Bis auf eine große Menge Plastikmüll an den Stränden der Insel finden wir jedoch nur noch Reste der Behausung und einen alten Funkmast. Wir nutzen daher unseren kurzen Aufenthalt um den kleinen Felsenstrand nach Plastikmüll abzusuchen. Einer ausführlichen Untersuchung macht leider das wechselhafte Wetter einen Strich durch die Rechnung. Anhand der meist sehr stumpf geschliffenen Plastikteile und dem Abstand zum Festland gehen wir davon aus, dass der Müll wohl gänzlich aus dem Meer angeschwemmt wurde. Auffällig ist nicht nur die schiere Menge des Mülls sondern auch der Anteil an Öldosen. Von einer Anwohnerin in Qeqertarsuaq wissen wir, dass diese von den Fischern mit Ihren großen Außenbordmotoren häufig dem Meer überlassen werden. Die restlichen Teile scheinen aus vielen verschiedenen Himmelsrichtungen zu kommen. Wir sammeln daher ein paar Proben für die Senckenberg Gesellschaft, vielleicht können uns die WissenschaftlerInnen später erzählen, woher der restliche Müll stammt.

Alex und Justus

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Mi 29. Aug 2018, 16:08

Arved Fuchs Expeditionen, 29.08.
OCEAN CHANGE 2018

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Gestern ist die "Dagmar Aaen" im grönländischen Aasiaat angekommen - jedoch wurde der Haikutter in den Hafen geschleppt. Wie schon vor zwei Monaten ist ein Bauteil des Verstellerpropellers gebrochen, wodurch eine erneute Reparatur notwendig wird.
Alle Infos gibt es in einer aktuellen Pressemitteilung:

Pressemitteilung
Expedition OCEAN CHANGE 2018

Pressemitteilung

Expedition OCEAN CHANGE 2018 - erneuter Reparaturstopp

Heute Nachmittag ist die „Dagmar Aaen“ in der Ortschaft Aasiaat an der grönländischen Westküste eingetroffen. Erneut müssen Arved Fuchs und seine Crew einen Rückschlag auf der laufenden Expedition OCEAN CHANGE 2018 einstecken. Wie bereits vor knapp zwei Monaten scheint ein Bauteil des Verstellpropellers der „Dagmar Aaen“ gebrochen zu sein. Bereits in Island war eine
entsprechende Reparatur erforderlich gewesen, bei der das Schiff aus dem Wasser geholt werden musste, um den Propeller reparieren zu können. Den daraus resultierenden Zeitverlust konnte die Crew der „Dagmar Aaen“ allerdings weitgehend aufholen. Dieser neuerliche Zwangsaufenthalt, ist daher besonders ärgerlich. In der Hafenstadt Aasiaat, wohin die „Dagmar Aaen“ eingeschleppt wurde, besteht die Möglichkeit, das Schiff erneut aus dem Wasser zu holen. Für die Fehleranalyse wird diesmal auch ein Experte aus Dänemark hinzugezogen, der den gesamten Antriebsstrang untersuchen wird.
Arved Fuchs sagt dazu: „Wir haben Glück im Unglück gehabt. Der Schaden am Antrieb hat uns elf Seemeilen südlich von der Stadt Upernavik ereilt. Der Wind war auf unserer Seite und wir konnten unter Segeln in den dortigen Hafen einlaufen. Erneut haben sich die Vorteile eines Segelschiffes gezeigt. Ein reines Motorschiff wäre in diesem Fahrtgebiet mit den zerklüfteten Küsten, den vielen Untiefen und Eisbergen sowie unvorhersehbaren Strömungen ohne einen funktionierenden Antrieb in echte Schwierigkeiten geraten.“ Fuchs ergänzt: „Dieser erneute Zwangsstopp ist für mich und die Crew sehr ärgerlich, da er Zeitverlust sowie zusätzliche Kosten bedeutet. Die Stimmung an Bord ist dennoch gut. Wir alle wissen, dass eine Expedition auf einem traditionellen Segelschiff immer unvorhersehbare Ereignisse auf den Plan rufen kann, im Positiven wie im Negativen“ und betont: „Wir sind froh, dass uns der Schaden nicht im Smith Sund, im hohen Norden, im Packeis ereilt hat. Dort, abseits jeder Infrastruktur, hätte ein Schaden weitreichende Konsequenz für das Schiff haben können. Jetzt aber heißt es Ruhe bewahren und genau zu arbeiten. Wir werden den Fehler finden, beheben und die Expedition fortführen.“

Hintergrund (bei Bedarf verwenden)
Die gebrochene Zugstange ist ein Bauteil des Antriebsstrangs. Der Propeller ist über die Welle mit dem Getriebe verbunden. Über die in der Welle verlaufende Zugstange wird der Anstellwinkel der Propellerblätter eingestellt. Vergleichbar mit der Gangschaltung eines Autos wird über den Anstellwinkel bestimmt, ob das Schiff vorwärts oder rückwärts fährt und wie groß der Schub ist. Bricht die Zugstange, fallen die Propellerblätter in unterschiedliche und willkürliche Positionen, diese Stellung macht jegliches manövrieren mit Maschinenkraft unmöglich.
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Do 30. Aug 2018, 10:20

Arved Fuchs Expeditionen 30.08.2018

Nachts um 1 Uhr im Zickzack-Kurs durch die Eisberge am Kap York

Video: https://www.facebook.com/24824702852329 ... tzCTM3EjTA
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon Anita » Do 30. Aug 2018, 11:51

Einfach ein tolles Erlebnis.
Die Bilder sind beeindruckend!!!
Danke Uli [tschuess]
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Fr 31. Aug 2018, 09:35

Arved Fuchs Expeditionen, 31.08.2018

Die "Dagmar Aaen" in action - stimmungsvolle Szenen der alten Dame, während sie vor der grönländischen Gemeinde Qaanaaq segelt.

Video: https://www.facebook.com/24824702852329 ... 436058809/
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Sa 22. Sep 2018, 12:28

Arved Fuchs Expeditionen, 29. August um 19:29

Nachts um 1 Uhr im Zickzack-Kurs durch die Eisberge am Kap York

Video: https://www.facebook.com/24824702852329 ... 917107301/

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29.08.2018 Aasiaat

Heute Nachmittag ist die „Dagmar Aaen“ in der Ortschaft Aasiaat an der grönländischen Westküste eingetroffen. Erneut müssen wir einen Rückschlag auf der laufenden Expedition OCEAN CHANGE 2018 einstecken. Wie bereits vor knapp zwei Monaten scheint ein Bauteil des Verstellpropellers der „Dagmar Aaen“ gebrochen zu sein. Bereits in Island war eine entsprechende Reparatur erforderlich gewesen, bei der das Schiff aus dem Wasser geholt werden musste, um den Propeller reparieren zu können. Den daraus resultierenden Zeitverlust konnten wir allerdings weitgehend aufholen. Dieser neuerliche Zwangsaufenthalt ist daher besonders ärgerlich. Neben der Reparatur ist nun eine genaue Fehleranalyse zwingend notwendig, damit ein wiederholtes Versagen ausgeschlossen werden kann. In der Hafenstadt Aasiaat, wohin die Dagmar Aaen eingeschleppt wurde, besteht die Möglichkeit, das Schiff erneut aus dem Wasser zu holen. Für die Fehleranalyse wird diesmal auch ein Experte aus Dänemark hinzugezogen, der den gesamten Antriebsstrang untersuchen wird.

Arved Fuchs sagt dazu: „Wir haben Glück im Unglück gehabt. Der Schaden am Antrieb hat uns 11 Seemeilen südlich von der Stadt Upernavik ereilt. Der Wind war auf unserer Seite und wir konnten unter Segeln in den dortigen Hafen einlaufen. Erneut haben sich die Vorteile eines Segelschiffes gezeigt. Ein reines Motorschiff wäre in diesem Fahrtgebiet mit den zerklüfteten Küsten, den vielen Untiefen und Eisbergen sowie unvorhersehbaren Strömungen ohne einen funktionierenden Antrieb in echte Schwierigkeiten geraten“ Fuchs ergänzt: „Dieser erneute Zwangsstop ist für mich und die Crew sehr ärgerlich, da er Zeitverlust sowie zusätzliche Kosten bedeutet. Die Stimmung an Board ist dennoch gut. Wir alle wissen, dass eine Expedition auf einem traditionellen Segelschiff immer unvorhersehbare Ereignisse auf den Plan rufen kann, im Positiven wie im Negativen“ und betont: „Wir sind froh, dass uns der Schaden nicht im Smith Sund, im hohen Norden, im Packeis ereilt hat. Dort, abseits jeder Infrastruktur, hätte ein Schaden weitreichende Konsequenz für das Schiff haben können. Jetzt aber heißt es Ruhe bewahren und genau zu arbeiten. Wir werden den Fehler finden, beheben und die Expedition fortführen.“

Die gebrochene Zugstange ist ein Bauteil des Antriebsstrangs. Der Propeller ist über die Welle mit dem Getriebe verbunden. Über die in der Welle verlaufende Zugstange wird der Anstellwinkel der Propellerblätter eingestellt. Vergleichbar mit der Gangschaltung eines Autos wird über den Anstellwinkel bestimmt, ob das Schiff vorwärts oder rückwärts fährt und wie groß der Schub ist. Bricht die Zugstange, fallen die Propellerblätter in unterschiedliche und willkürliche Positionen, diese Stellung macht jegliches manövrieren mit Maschinenkraft unmöglich.

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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Sa 22. Sep 2018, 12:32

Arved Fuchs Expeditionen, 31. August um 07:13 ·

Die "Dagmar Aaen" in action - stimmungsvolle Szenen der alten Dame, während sie vor der grönländischen Gemeinde Qaanaaq segelt.

Video: https://www.facebook.com/24824702852329 ... 436058809/
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Re: Von Hamburg in die Arktis: Arved Fuchs startet Expeditio

Beitragvon UliS » Sa 22. Sep 2018, 12:41

Arved Fuchs Expeditionen, 5. September um 07:06 Quelle

OCEAN CHANGE 2018

Die Crew um Arved Fuchs muss sich weiter in Geduld üben - es kann noch etwas dauern, bis ein Platz in der Werft im grönländischen Aasiaat frei wird. Also gilt es, die Zeit sinnvoll zu nutzen...

05. 09.2018 Aasiaat

Die Wartezeit auf einen Sliptermin für die "Dagmar Aaen" stellt uns auf eine harte Geduldsprobe. Es gibt nur diese eine Werft in erreichbarer Nähe – also müssen wir uns gedulden, bis der Trawler, der gerade auf dem Slip die letzten Überholungsarbeiten durchläuft, wieder ins Wasser kommt. Das wird in den nächsten Tagen der Fall sein – aber wann genau? Mittwoch vielleicht? Oder doch eher Donnerstag? „Immaqa“ – frei übersetzt „vielleicht“ oder „wer weiß“ bekommen wir zu hören. Ein wenig grönländische Mentalität spielt da mit. So eilig hat man es auf Grönland nicht.

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Aasiaat ist eine Stadt mit ca. 3100 Einwohnern. Damit nimmt Aasiaat die fünfte Position in der Rangliste der größten Städte Grönlands ein. Am Südeingang zur Diskobucht gelegen, kommt ihr eine strategische Bedeutung zu. Der Hafen ist stark frequentiert von Fischkuttern, Hochseetrawlern, sowie alten und modernen Kunstoffbooten mit PS starken Außenbordern, die hier zu Lande mangels eines Straßennetzes das Auto ersetzen. Bis zu vier Schiffe der „Royal Arctic Line“ liegen gleichzeitig an der Pier, um Waren aus Dänemark zu löschen, von denen ein Großteil auf kleinere Schiffe umgeladen wird, um die kleinen, abgelegenen Gemeinden zu versorgen. Es ist eine unglaubliche Logistik erforderlich, um die insgesamt 56.000 Einwohner zählende Bevölkerung Grönlands mit Nahrungsmitteln, Heizöl, Haushaltswaren und Gütern aller Art zu versorgen. Straßen gibt es nicht auf Grönland, der Warenverkehr findet auf dem Seewege oder durch die Luft statt.

Anderes als Upernavik, das an Abwechslung nur wenig zu bieten hatte, gibt es in Aasiaat Hotels, ein Seemannsheim, mehrere gut bestückte Supermärkte, Kneipen, Fährverbindungen und kulturelle Veranstaltungen. Am Wochenende fand hier eines der größten Rockfestivals Grönlands statt. Aber deswegen fährt man nicht nach Grönland. Es ist die gewaltige Natur, die uns immer wieder fesselt. Bei der Tourstinformation gibt es Kajaks zu mieten. Einige von uns machen davon Gebrauch und paddeln bei herrlichstem Wetter zwischen Finnwalen hindurch, die unmittelbar vor der Hafeneinfahrt auf und ab schwimmen. Andere aus der Crew unternehmen ausgedehnte Wanderungen in die Umgebung. Wir treffen den Franzosen Philipp, der mit seinem umgebauten Schlepper „Le Minguère“ Künstler an Bord nimmt und während der polaren Nacht gemeinsam mit ihnen den Winter verbringt. Es sind interessante Menschen und Geschichten, denen wir hier begegnen.

In der Gelassenheit liegt Kraft – sagt man. Es fällt uns wahrlich nicht leicht auf den Werfttermin zu warten, wir wollen ja weiter. Dennoch – bisweilen sind es gerade die ungeplanten Aufenthalte, die einem die Menschen und deren Leben näher bringen.

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