Bild&Geschichte - Das Wunder des späten Glücks

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Bild&Geschichte - Das Wunder des späten Glücks

Beitragvon UliS » Sa 9. Mär 2013, 23:40

Das Wunder des späten Glücks
Die erstaunliche Rettung zweier Königstiger

Die Sonne steht hoch über dem Tal am Fuße des Himalaja, doch Peesash mag sich nicht erheben. Sie liegt nur da, auf dem Felsrücken, und sonnt sich; Bernsteinaugen blitzen durch halb geöffnete Lider. Peesash ist 19 und eine lebende Legende. Nicht nur wegen ihres Alters. Die indischen Wildhüter, Beschützer der letzten 4000 Königstiger, verehren sie aus anderem Grund.

23 Babys hat Peesash das Leben geschenkt, hat sie beschützt vor Hyänen, Schakalen und Wilderen. Alle 23 haben überlebt – keine andere Tigermutter hat das je geschafft. Doch 3 Jahre liegt ihr letzter Wurf schon zurück, seit sechs Monaten sind die letzten Sprösslinge selbstständig. Und mit jedem Tag, der verging, seit sie das letzte Junge in die Freiheit entlassen musste, schien Peesash an Lebensmut verloren zu haben. Vier Tigermänner gab es in ihrem Leben – jetzt zeigt keiner mehr Interesse; ihre Babys waren ihr Leben, jetzt ist nur noch Einsamkeit. Einige Kilometer entfernt sagt ein Wildhüter gerade, dass Peesash wohl nicht mehr lange Leben werde, als ihre Ohren plötzlich zucken – ein Geräusch, das sie nur zu gut kennt: Tigerbabys in Gefahr! Sie saust los, runter zum See. Wenige Meter vom Ufer entfernt paddelt 2 Mini-Tiger – am Ufer lauert ein Rudel Schakale. Ein ausgewachsener Tiger hat keinen natürlichen Feind, nur den Menschen – jedes Jahr töten Wilderer an die 100 Tiere, um mit ihrem Fell schmutziges Geld zu verdienen, sie zu Medizin für abergläubische Kunden zu verarbeiten. Die beiden Jungen im Wasser können zwar schwimmen, wie alle Königstiger. Doch sie haben vor zwei Tagen ihre Mutter durch Wilderer verloren, für sie allein sind Schakale tödliche Gegner. Fünf, sechs Meter weit sind die Sätze, mit denen Peesash heraneilt! Die Schakale stieben auseinander, sind Sekunden später verschwunden – Peesash ist Adoptivmutter. Diese Verantwortung entfacht Lebensgeister, sie wird wieder zur Jägerin, bringt „ihren“ Jungen frische Beute. Doch ihr Glück findet ein jähes Ende: Tiger-Babys brauchen kein Fleisch, sondern Milch – die kann Peesash ihnen nicht mehr geben. Wildhüter nehmen ihr „Bhot“ und „Challiho“ weg, bringen sie in die Zuchtstation. Wieder ist Peesash allein. Nur kurz allerdings: In Begleitung eines stattlichen Tigers sehen Wildhüter sie eines Morgens. Und sie würden wetten, dass die Rettung der Babys nicht das letzte Wunder war, das Peesash vollbracht hat.

Autor K.N.



Bild


The miracle of the late luck
The amazing rescue of two Royal Bengal tigers

The sun is standing high above the valley submontane of the Himalaya, but Peesash doesn’t want to get up. She is just lying there on the rocky ridge and is taking a sunbath; amber eyes flash through the half opened eyelid. Peeshash is 19 and a living legend. Not only because of her age. The Indian rangers, protectors of the last 4000 Royal Bengal tigers, worship her out of another reason.

Peesash has given birth to 23 babies, protected them from the hyenas, jackals and poachers. All 23 survived – no other tiger mother was as successful. But her last litter was already 3 years ago, since six months the last cubs are on their own. And with each day, which passed, since she had to release the last cub to freedom, Peesash seem s to have lost all her vital energy. Four male tigers played a part in her life – now none shows interest anymore; her cubs were her life, now there is only loneliness. A few kilometers away a ranger just says, that Peesash might not live very much longer, as her ears suddenly move – a noise that she just knows too well: tiger cubs in danger! She speeds off down to the lake. A few meters away from the shore 2 Mini-tigers are paddling – at the bank a pack of jackals. A grown up tiger doesn´t have natural enemies, except humans – every year poachers kill around 100 animals to make with the fur dirty money, to work them up as medicine for superstitious customers. The two cubs in the water are able to swim as all Royal Bengal tigers. But they lost their mother due to poachers two days ago, for them alone jackals are deadly enemies. Five, six meters far are the jumps with which Peesash is hurrying up! The jackals drift apart and seconds later they are gone – Peesash is foster mother. This responsibility rewoke spirits , she again is becoming a hunter, brings fresh prey to “her” cubs. But all came to a bitter end: tiger babies don´t need meat, but milk – this Peesash cannot supply any more. Rangers take “Bhot” and “Challiho” away to bring them to a breeding station. Peesash is alone again. But only for a short while: In company of a handsome male tiger the rangers discover her one morning. And they would bet on, that the rescue of the babies was not the last miracle Peesash would have achieved.

Autor K.N.

Jahr 2002 Nr. 48
Englische Übersetzung von Brit
UliS
 
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Re: Bild&Geschichte - Das Wunder des späten Glücks

Beitragvon Anita » So 10. Mär 2013, 12:38

Liebe Uli,
wieder eine dieser schönen Geschichten.
Ich lese sie immer sehr gerne.
Vielen Dank.
Einen schönen Sonntag.
Anita [tschuess]
Anita
 
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