Bild&Geschichte - Der Fluch der Perfektion

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Bild&Geschichte - Der Fluch der Perfektion

Beitragvon UliS » Fr 5. Feb 2016, 12:11

Der Fluch der Perfektion
Im vollen Lauf berührt jede Pfote drei Mal pro Sekunde den Boden – ein Wunder, das Geparden zu den größten Feinden der Farmer macht

Der kleine Gepard auf diesem Foto ist sechs Wochen alt. Vor wenigen Tagen hat er seine Mutter zum ersten Mal auf die Jagd begleitet. Noch zwei Jahre lang wird sie ihn führen müssen, denn Geparden sind die einzigen Raubkatzen, denen kein Jagdtrieb angeboren ist. Alle Techniken müssen erst akribisch von der Mutter gelernt werden. Dann aber – dann kommen Faktoren zum Zuge, die zu den absoluten Spitzenleistungen zählen, die die Natur jemals hervorgebracht hat: Mit jedem Satz katapultiert sich ein ausgewachsener Gepard sieben Meter vorwärts. Seine Hinterbeine greifen dabei so weit vor, dass die Katzen über die beweglichsten Schulterblätter der Welt verfügen. Während ihre Lungen mit drei Atemzügen pro Sekunde Sauerstoff durch den Körper pumpen, berührt jede ihrer Pfoten drei Mal den Boden – eine Bewegung, die so schnell ist, dass kein Auge ihr folgen kann. Ein Gepard in vollem Lauf verschwimmt vollständig; gemessen wurden Geschwindigkeiten von 121 km/h. Ein Löwe erreicht kaum die Hälfte.

Rekordwerte, für die für die Geparden bitter bezahlen. Seit Generationen lautet der Leitspruch der afrikanischen Rinderzüchter: „Wer so schnell läuft, tötet ebenso schnell.“ Die letzten 12000 Geparden zählen heute zu den am meisten verfolgten Raubtieren der Erde. In Afrika wird ihnen statistisch jeder vierte Viehriss angelastet, und allen Schutzmassnahmen zum Trotz gilt hier das ungeschriebene Gesetz: „Shoot on sight“ – erschießt sie, sobald sie in Sichtweite kommen Die Wahrheit ist: Ausgerechnet ihre Schnelligkeit verhindert, dass Geparden überhaupt große Beute erlegen können. Denn um diese Laufleistung zu erbringen, sind ihre Körper leicht und schmal gebaut - und die Nasenöffnungen aufgrund des erhöhten Sauerstoffbedarfs so groß, dass im Kiefer kein Platz ist für gewaltige Fangzähne. Geparden sind nicht einmal in der Lage, ihre Beute durch einen Biss ins Genick zur Strecke zu bringen – sie müssen die Tiere an der Kehle packen und ersticken. Untersuchungen zeigten: Die größte Beute, die ein Gepard erlegen kann, ist eine Thomson-Gazelle – mit der Schulterhöhe eines kleinen Schäferhundes.

Die Farmer aber wollen von all dem nichts wissen. Sie ignorieren die Beweise; hören weder Wildhüter noch Zoologen an und weigern sich, Gepardenfallen aufzustellen, mit denen die Katzen von ihrem Land gefahrlos abtransportiert und weit entfernt ausgesetzt werden könnten. Sie wollen nicht wissen, das Geparden zahm werden wie Hauskatzen; dass die Sumerer sie bereits vor 3000 Jahren als Gefährten aufnahmen. Sie wollen, dass die Geparden sterben. Für Verbrechen, die sie nicht begangen haben. Es scheint, als bekämen sie ihren Willen.

Dorothee Teves

Drei Wochen nach Entstehung dieser Aufnahme erschossen Unbekannte die Gepardin auf dem Foto. Ihr Junges wurde von Wildhütern in eine Waisenstation gebracht. Es wird nie wieder die freie Wildbahn sehen. Geparden, die in Gefangenschaft aufwachsen, verlieren unwiederbringlich alle Überlebensinstinkte.


Bild


The curse of perfection
In full speed each paw touches the ground three times per second – a miracle, which makes cheetahs to the biggest enemies of the farmers.

The little cheetah on the photo is six weeks old. A few days ago he for the first time accompanied his mother hunting. Two more years she will have to lead him because the cheetahs are the only feline predators who don’t have congenital hunting instinct. All techniques they have to learn in perfection from the mother. But then capabilities are developing ranking among the top performances, which nature ever has created: with each jump a grown up cheetah makes 7 meters forward. His hind legs move that far to the front, that the scapulae are the most flexible in the world. While their lungs push with three breaths per second oxygen through the body, their paws three times touch the ground – a movement, which is so quick, that no eye can follow. A cheetah in full speed just looks blurred completely; the speed was measured by 121 km/h. A lion hardly reaches half of that.

Record values for which the cheetahs have to pay a bitter charge. Since generations the maxim of the African cattlemen is:”Who runs quickly is also killing as quick,” The last 12000 cheetahs today rank among the most hunted predators in the world. In Africa they are blamed to be statistically each fourth kill and against all protections the unwritten law applies:”Shoot on sight” . Truth is: it’s their speed which prevents them to make big prey. Because to provide this speed their bodies are light and slender – and the nose holes due to the oxygen demand so big, that there is no place in the jaw for huge fangs. Cheetahs are not even able to kill their prey by a bite in the neck – they have to catch the animals at their throat and choke it. Researches showed: the biggest prey a cheetah can make is a Thomson gazelle – shoulder height of a small shepherd dog. But the farmers don’t want to hear anything about that. They ignore proofs; neither listen to rangers nor zoologists and refuse to set traps for cheetahs, with which the wild cats without danger could be evacuated and set free far away. They don’t want to know that cheetahs can be tamed like house cats; that the Sumerians took them as companions already 3000 years ago. They want the cheetahs to die. For crimes they had not done. It seems as they will be successful.

Dorothee Teves

Three weeks after this photo was shot, unknowns shot the female cheetah on the picture. Her cub was brought by rangers into an orphanage. It never will live in freedom again. Cheetahs which grow up in captivity loose definitely all their survival instincts.

Jahr 2008 Nr. 10
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UliS
 
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Re: Bild&Geschichte Nr. 10 J 2008 - Der Fluch der Perfektion

Beitragvon AnkeB » Fr 5. Feb 2016, 12:33

Uli, das ist ein sehr interessanter Artikel. [prima]
Geparden sind wunderschöne, elegante Tiere.
Wie traurig, dass es für die Gepardin und ihr Junges kein Happy End gab.
Das Foto ist so schön und anrührend. [give heart]
Ich wünsche allen Wilderern, dass sie tot umfallen. [Wut]
[tschuess]
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Re: Bild&Geschichte Nr. 10 J 2008 - Der Fluch der Perfektion

Beitragvon UliS » Fr 5. Feb 2016, 12:40

Gute Idee, wir schließen alle Wilderer in unser Nachtgebet ein ... mit Deiner Bitte ... [EngelTeufel]
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Re: Bild&Geschichte Nr. 10 J 2008 - Der Fluch der Perfektion

Beitragvon Anita » Fr 5. Feb 2016, 14:15

Liebe Uli

Danke für den interessanten Artikel, der leider kein Happy End hat.
Dies kommt immer häufig vor, wenn Menschen mit ins Spiel kommen.

Das Bild berührt mich sehr, vor allem wenn ich daran denke, dass die Mama bald getötet wurde.
[heul] [Wut]
Anita
 
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Re: Bild&Geschichte Nr. 10 J 2008 - Der Fluch der Perfektion

Beitragvon Rose » Fr 5. Feb 2016, 15:19

Liebe Uli,
das ist ein sehr interessanter Artikel [prima]
Es ist nur traurig, dass durch uneinsichtige Menschen immer
wieder Tiere zu Schaden kommen [heul]
Das Bild ist sehr zu Herzen gehend, der Gedanke, dass das Muttertier
getötet wurde, macht mich [Wut]
Danke für`s Einstellen.
[tschuess] Rose
Rose
 
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Re: Bild&Geschichte - Der Fluch der Perfektion

Beitragvon Ludmila » Fr 5. Feb 2016, 23:38

Das ist eine traurige Geschichte.
Anke
ich schließe mich Deinen Wünschen an.
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Re: Bild&Geschichte - Der Fluch der Perfektion

Beitragvon Eva » So 7. Feb 2016, 15:18

[heul] [Wut] [heul]
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