Bild&Geschichte - Advent 2012

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Bild&Geschichte - Advent 2012

Beitragvon UliS » So 16. Dez 2012, 11:57

Mikel mit dem reinen Herzen
Vom Wunder der magischen Kraft kindlichen Glaubens ...

Als der kleine Mikel am ersten Advent nachmittags durch den tiefen Schnee stapft, erstrahlt am eben noch so dunklen Polarhimmel plötzlich ein wild tanzendes Nordlicht – und mitten durch die vom himmlischen Lichtzauber in Türkis getauchte Märchenlandschaft schreitet majestätisch ein weißes Rentier. Gebannt verfolgt der Bub das wundervolle Geschöpf, das kurz innehält, Mikel einige Sekunden lang anschaut und davontrabt ...

Mit pochendem Herzen rennt der Achtjährige zurück ins Dorf zu seinem Großvater Akla – der greise Same ist der einzige, dem Mikel von seinem fantastischen Erlebnis erzählen kann. Die Dorfkinder würden sich ausschütten vor Lachen; seit Wochen schon verspotten sie Mikel wegen seines Spleens: Denn der Junge wünscht sich nicht sehnlicher zu Weihnachten als ein Rentier – und keine Computerspiele wie die anderen Kinder.

Großvater Akla, der alle Mythen und Legenden über Rentiere kennt, lauscht aufmerksam den atemlos vorgetragenen Worten seines Enkels – und mit glänzenden Augen erzählt ihm dann der weise alte Mann: „Der weiße Einzelgänger zeigt sich nur Menschen mit reinem Herzen. Du kannst stolz sein, denn er ist schon viele Jahre nicht mehr gesehen worden.“ Der Großvater rät Mikel, dem weißen Ren jeden Advent einen Korb voll leckerer Flechten zu bringen: „Dafür wird es dich eines Tages belohnen.“ Mikel befolgt den Rat, schleppt Sonntag für Sonntag frisches Futter in die verschneite Tundra und wartet – vergeblich: Das weiße Rentier lässt sich nicht blicken. Sooft Mikel auch immer wieder nachschaut, der Einzelgänger bleibt verschwunden – ebenso wie das Futter, was den enttäuschten Mikel vermuten lässt, dass ihm sein Großvater wohl einen Streich gespielt hat.

Am Weihnachtsabend, als Mikel mit seinen Eltern und Großeltern am festlich gedeckten Tisch sitzt, klopft es plötzlich laut an der Haustür. Mikel springt auf, eilt zur Tür und öffnet – da steht ein weißes Rentierkälbchen und schaut Mikel aus seinen großen braunen Augen an. Und der alte Akla lächelt still in sich hinein ...

Georg Barthel


Bild


Mikel with the pure heart
About the miracle of the magic power of children’s faith …

As the little Mikel tramped through the deep snow in the afternoon of the 1st Advent on the before dark sky suddenly a wild dancing aurora borealis appeared – and in the middle of this heavenly lightning magic in turquoise color fairytale scenery a majestically pacing white reindeer showed off. Fascinated the boy follows this wonderful creature, which stops for a moment, looking at Mikel for a few seconds and trotting away …

With beating heart the eight year old runs back to the village to his grandfather Akla – the old Same is the only one Mikel can tell about this fantastic experience. The children in the village would convulse with laughter; since weeks they snear at Mikel because of his quirk: the boy want nothing more for Christmas but a reindeer – instead of computer games like the other children.

Grandpa Akla, who knows all myths and legends about reindeers, is listening attentively the breathless words of his grandchild – and with shining eyes the old man tells him:” The white loner shows himself only to people with a pure heart. You may be proud, because he was not seen for many years.” The Grandfather advised Mikel to bring every Advent a basket full of delicious lichen to the white reindeer: for that one day he will recompense that to you.” Mikel followed the advice and carries Sunday for Sunday fresh food to the snowy tundra and waits – in vain: the white reindeer is not seen anymore. As often as Mikel is looking for him, the loner remained lost – same the food, which let the disappointed Mikel presume, that his grandpa played a trick on him.

At Christmas Eve, as Mikel was sitting together with his parents and grandparents at the festive laid table, it suddenly was knocked loudly at the door. Mikel jumps up, hurries to and opens the door – there was standing a white reindeer calf and looks at Mikel with big brown eyes. And the old Akla quietly chuckle to himself …

Georg Barthel

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Re: 3. Advent

Beitragvon Ursula » So 16. Dez 2012, 15:47

Danke Uli, für die schöne Adventsgeschichte :D.

Gruß Ursula
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Re: 3. Advent

Beitragvon Ludmila » Di 18. Dez 2012, 08:45

Liebe Uli!
Ich habe erst jetzt die schöne Geschichte entdeckt. :D
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Re: 3. Advent

Beitragvon Mervi » Di 18. Dez 2012, 12:37

Dear Ursula,

This is a wonderful Advent story! Loved every word of it!

Hugs from Mervi
Semper Knut!
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Re: 3. Advent

Beitragvon Bearnini » Fr 21. Dez 2012, 00:29

Kaum bin ich eine Woche im Forum, finde ich diese zauberhafte Geschichte! ;)
Liebe Uli, dankeschön - ich hoffe auf weitere! :D

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Re: zum Advent 2012

Beitragvon UliS » So 23. Dez 2012, 11:57

Ein himmlisches Wunder ...
Wie ein junges Rentier einem Jungen das Leben rettete


Warum bloß dürfen gerade sie den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen? Rentiere zählen nicht zu den intelligentesten Tieren; sie werden auch nicht zahm; sie lassen sich nicht dressieren. Und so sieht das Volk der Samen sie auch mehr als Nutztier denn als Freund: Sie ziehen fünf bis zehn Jahre ihre schweren Lastenschlitten – und zu Weihnachten gibt’s Rentierbraten. Das weiß jedes Samenkind, und keines weint den Rentieren eine Träne nach.

Keines außer Tamin. Einige im Dorf behaupten gar, der Junge würde mit seinem Rentier sprechen. Oft beobachten sie ihn, wenn er in den Wald zieht, um Flechten zu sammeln für den kleinen „Blitz“ und ihm nachts ein warmes Lager bereitet ... In diesem Jahr soll all das ein Ende haben: „Es gibt Rentierbraten“, verkündet Tamins Vater einen Tag vor Weihnachten. „Nein“, ruft der Junge unter Tränen, „das geht nicht – sie sind doch die Tiere des Weihnachtsmanns, sie vollbringen Wunder!“ Der Vater jedoch lässt sich nicht erweichen. Und so kommt es, in der Hektik aller Fest-Vorbereitungen, dass Tamins Verschwinden erst in der Nacht bemerkt wird: Der Junge ist fortgelaufen in den Wald, aus Trauer und Hilflosigkeit. Bis in den Morgen suchen die verzweifelten Eltern, doch der Neuschnee hat alle Spuren verwischt. Als die Sonne aufgeht und einer der großen Winter-Stürme aufzieht, haben sie alle Hoffnung verloren. Stumme Tränen fließen, während sie in der Küche sitzen – geplagt vom schlechten Gewissen. Natürlich bemerken sie in ihrem Schmerz nicht, dass auch „Blitz“ fort ist. Doch Stunden später, am traurigsten Heiligen Abend ihres Lebens, hören sie plötzlich Glockengeläut. Blitz ist da! Und er ist nicht allein: Das prachtvoll aufgezäumte Rentier zieht einen Schlitten – und auf dem sitzt der kleine Tamin – durchgefroren und erschöpft, aber lebendig.
Ein Weihnachtswunder? Mit Sicherheit! Doch die Erklärung stand jetzt, fast 15 Jahre später, in einer norwegischen Zeitung – in einer Geschichte über „Blitz“ das älteste Rentier im ganzen Land. Damals, als der kleine Tamin sich verlaufen hatte, sich in eisiger Nacht mit Zweigen zugedeckt und das Ende des Sturmes abgewartet hatte, war er am Morgen auf Spuren gestoßen. Er erkannte sie sofort und folgte ihnen. Die typische Fährte von Blitz führte ihn zwar nicht nach Hause – aber zur nahe gelegenen Hütte eines Nachbarn. Der hatte die Idee mit dem Schlitten – und bereitete Tamins Eltern so die schönste Weihnachtsüberraschung. Rentierbraten gab es übrigens bei ihnen nie wieder. Wie bei Tamin, der heute selbst einen kleinen Sohn hat. Und dem erzählt er jetzt seine eigene, ganz besondere Weihnachtsgeschichte ...

U.D. Nomis


Bild


A miracle from heaven …
How a young reindeer rescued a boy

Why are only they allowed to pull the slide of Santa Claus? Reindeer are not counted to the most intelligent animals; they also don´t get tame; they are also not to be trained. And so the people of the Samen see the reindeer more as a working animal than a friend: for five to ten years they pull the heavy loaded slides – and for x-mas reindeer roast is served. Each Samen child knows that and none cries a tear for a reindeer.

No one except Tamin. Some in the village even claim that the boy is talking to his reindeer. Often they watch him when he is moving to the woods to collect lichen for the little “Blitz” and preparing a warm place to sleep on for him … This year all that should have an end:”There will be reindeer roast” Tamins father told him one day before x-mas. “No”, the boy cried in tears, “that´s impossible – they are the animals of Santa Claus, they do wonders!” But the father did not give in. And so it came that in the hectic of preparations for the feast it was only recognized in the night that Tamin had disappeared: the boy run away into the woods because of sadness and helplessness. Until the morning the desperate parents were looking for him, but the new snow covered the tracks. As the sun raised and one of the strong winter storms came up they had lost all hope. Quiet tears are floating while they are sitting in the kitchen – haunted by guilt. Of course they did not recognize in their grief, that also “Blitz” had disappeared. But hours later at the saddest Holy Evening of their life, they suddenly heard the peal of bells. Flash was there! And he did not come alone: the gorgeous bridled reindeer pulls a slide – and sitting on this is the little Tamin – perished and exhausted but alive. A x-mas miracle? For sure! But the explanation was written now, nearly 15 years later, in a Norwegian newspaper – about “Blitz” the oldest reindeer in the whole country. At that time as the little Tamin had lost his way covering himself with branches in the icy night and waiting for the end of the storm he came in the morning across some marks. He recognized this immediately and followed them. The typical trail of Blitz guided him not to his home, but to the nearby hut of a neighbor. It was he who had the idea with the slide – and gave by that the most beautiful x-mas surprise to Tamins parents. Reindeer roast never again was served in their house. Same with Tamin, who himself has a small son today. And him he tells now his own very special x-mas story…

U.D. Nomis

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Re: zum Advent 2012

Beitragvon Anita » So 23. Dez 2012, 13:44

Hallo Uli,
vielen Dank für die zwei besonderen Weihnachtsgeschichten.
Einen ruhigen 4.Adventssonntag
Anita
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Re: zum Advent 2012

Beitragvon SylviaMicky » So 23. Dez 2012, 19:25

Hallo Uli,

eine sehr schöne Weihnachtsgeschichte. Die Richtige zum 4. Advent
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Re: zum Advent 2012

Beitragvon Dea » So 23. Dez 2012, 19:42

Liebe Uli,

eine schöne Weihnachtsgeschichte und ein"himmlisches Wunder"

Danke dafür!

Andrea
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Re: zum Advent 2012

Beitragvon Bearnini » So 23. Dez 2012, 20:14

Liebe Uli,

magische Erzählungen. :D

Wunder gibt es immer wieder, man (Frau) muss nur daran glauben!

"Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen, und dann werden alle Träume wahr...!" ;)
War es nicht die Zarah, welche selbiges gesungen hat..? OK, war vor unserer Zeit! :lol:
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