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Bild&Geschichte - für Anita ... Hoch hinaus

BeitragVerfasst: Fr 22. Nov 2013, 19:14
von UliS
Sie sind klein, leicht und wehrlos. Könnte man meinen – Tatsächlich allerdings lehren Eichhörnchen manche Tiere ganz schön das Fürchten

Hoch hinaus

Wer weniger wiegt als zwei Pakete Butter und dazu einen Haufen Feinde hat, braucht eine verdammt gute Waffe. Nach Möglichkeit etwas, das Stacheln hat oder Gift verspritzt. Eichhörnchen haben … einen Schwanz. Ein dickes fettes Plüschding, das gar nicht aussieht, als könne es irgendjemanden in die Flucht schlagen. Tut es aber – denn in Wirklichkeit sind Eichhörnchen mit der besten Waffe der Welt ausgerüstet. Sie haben das Geheimnis lediglich für sich behalten über die paar Jahrhunderte seit ihrer Entdeckung.

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Entlarvt wurde die kleinen Geheimnisträger jetzt durch eine Statistik. Aus der ging Jahr für Jahr hervor, dass Eichhörnchen zwar aus einem Dutzend Gründen zu Tode kommen können, aber nur sehr selten durch ein anderes Tier. „Das alles ergab überhaupt keinen Sinn“, sagt Aaron Rundus, Biologe an der Universität von Kalifornien in Davis. „Schließlich haben es einige der vortrefflichsten Räuber auf die Kleinen abgesehen – darunter Baummarder, die mindestens ebenso gut klettern. Dazu Wildkatzen, Wiesel, Greifvögel.“ Rundus beginnt, zu recherchieren – und wird Zeuge von allerhand merkwürdigen Verhaltensweisen.

Er beobachtet Habichte, die nach der Verfolgung eines Eichhörnchens orientierungslos mit Bäumen kollidieren, weil ihre Beute die Stämme so schnell spiralförmig empor gerast war, dass das Vogelhirn diesen Bewegungen nicht mehr folgen konnte. Er sieht Marder, die sich unbedacht aus Baumwipfeln stürzen, weil sie einem Eichhörnchen hinterher hecheln, das sich gekonnt aus höchster Höhe fallen lässt, ohne jegliche Verletzung davonzutragen – ganz im Gegensatz zu dem Mardern. In Versuchen bestätigt sich die Vermutung des Forschers: Der Schwanz des Eichhörnchens mag Regenschutz, Schattenspender und Heizdecke sein, doch er ist noch weit mehr …

Als Steuerruder ermöglicht er Wendungen, die zu den schnellsten und präzisesten der Tierwelt zählen. Aufgeplustert fängt er wie ein Fallschirm Stürze aus mehreren Metern ab und wirkt im Sprung wie ein Flügel, der Eichhörnchen fünf Meter weit katapultiert. Ein Mensch müsste 36 Meter springen, um Ähnliches zu leisten. Und wirklich – der Schwanz schreckt sogar Schlangen ab: Bei Gefahr steigern Eichhörnchen die Durchblutung so stark, dass er mehr Infrarotstrahlen abgibt. Schlangen erscheint er somit als überlegener Konkurrent, offensichtlich zum Kampf bereit. Was ja durchaus zutreffend ist. Das können eine Menge Habichte und Marder bezeugen …

Dorothee Tewes

Jahr 2010 Nr. 12

Re: Bild&Geschichte - für Anita ... Hoch hinaus

BeitragVerfasst: Fr 22. Nov 2013, 19:33
von SylviaMicky
Danke Uli für diesen Bericht. Ich habe dieses Jahr sehr wenige Eichhörnchen in Berlin gesehen.
[tschuess]

Re: Bild&Geschichte - für Anita ... Hoch hinaus

BeitragVerfasst: Sa 23. Nov 2013, 15:29
von Anita
Liebe Uli
vielen Dank für diese interessante Geschichte.
Ich mag ja Eichhörnchens sehr gerne. Der einzige Vorteil, wenn die Bäume ohne Blätter sind, ich kann diese netten Tierchen besser beobachten.
Wir wohnen ja direkt an einer kleinen Parkanlage und deshalb haben wir viele Eichhörnchens als Nachbarn. Ich bin immer ganz begeistert, wie weit sie springen. Da wird mir schon vom Zuschauen ganz schwindelig.
Aber welche Aufgaben der Schwanz des Tierchens hat, war mir neu.
Danke für dieses neue Wissen.
Liebe Grüße
Anita