Bild&Geschichte - Die Trauer einer Eisbärmutter

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Bild&Geschichte - Die Trauer einer Eisbärmutter

Beitragvon UliS » So 30. Jun 2013, 22:42

Die Trauer einer Eisbärmutter
Der lange Abschied von einem toten Kind

Es war schleichend gekommen. Beim Spielen mit dem Bruder musste das Eisbärenmädchen immer öfter eine Pause machen, um sich auszuruhen. Und beim Drängen an die Milch der Mutter ließ es sich von ihm bald fast widerstandslos beiseite schieben. Seine Mutter stand dann auf, legte sich nahe zu ihm und schob es sogar mit ihrer großen weißen Pranke näher an ihre Zitzen. Aber die Kleine lag einfach nur da und blickte teilnahmslos über die weite Landschaft der arktischen Tundra. Sie genoss die ersten Strahlen der Frühjahrssonne, die ihr wärmend auf den Pelz schienen. Aber auch das konnte ihr keine neue Kraft geben. Dann kam der Morgen an dem sie einfach liegenblieb.

Ihre Mutter und ihr Bruder gingen ein paar Schritte, und als sie nicht folgte, kehrten sie um. Die Mutter stupste sie mit der Schnauze an - wieder und wieder. „Komm, Kleine, gib dir einen Ruck“, schien sie zu sagen. Das Eisbärmädchen drehte sich auf den Bauch, versuchte sich hochzustemmen – vergeblich. Erschöpft sank es auf die Seite und schloß die Augen. Ausruhen, nur ausruhen. Das Ende kam zwei Tage später im Schlaf. Jetzt hätte die Mutter mit dem Sohn eigentlich weiterziehen müssen, denn das Naturgesetz sagt, daß Tiere keine Trauer kennen. Doch die Bärin wich nicht von der Seite ihrer toten Tochter. Sie saß bei ihr und starrte sie unverwandt an. Ihr Sohn drängte sich an sie, als wolle er ihr Trost schenken. Der Leichnam gefror auf der kalten Erde, die Mutter ging noch einmal zu ihm, schnupperte und ließ sich wieder in den Schnee sinken. Zwei Tage, zwei Nächte. Dann erhob sie sich, ging mit ihrem Sohn ein letztes Mal zu ihrer Tochter und wandte sich entgültig ab. Als sie sich mit ihrer Pfote über das Gesicht wischte, sah es aus, als wolle sie ihre Tränen trocknen. Jetzt rief die Pflicht – denn das zweite Junge forderte sein Recht auf Leben.

von T.F. Emmiot


Bild


The mourning of a polar bear mother
The long farwell from a dead child

It came creeping. While playing with her brother the polar bear girl more and more often had to take a break to rest. While pushing to the milk of the mother soon she was pushed aside by him without resisting. Mother got up to ly down very near to her and even pushed helping her with her big paw closer to her teats. But the little one just was lying there looking apathetic over the wide landscape of the arctic tundra. She enjoyed the first rays of the sun, which warmed her fur. But this also couldn´t give new power to her. Than the morning came on which she just stayed lying down. Her mother and her brother made a few steps away and as she didn´t follow them they came back. The mother nudged her with her snout again and again. “Come on, peewee, make an effort” she seemed to say. The polar bear girl turned round on her stomach, tried to get up – in vain. Exhausted she turned to the side and closed her eyes. Relax, just relax. The end came two days later during her sleep.

Now mother and son could have continue their migration, because the law of nature says, that animals don´t know sorrow. But the mother bear didn´t have any intention to leave her dead baby. She was sitting at her side starring at her all the time. The son was clinging on her as if he wanted to comfort her. The dead body froze to the cold earth, the mother once again went there, sniffed and sank down into the snow. Two days, two nights. Than she got up, went together with her son for a last time to her dead daughter and finally turned away. As she wiped her paw over her face it looked like she wanted to dry her tears. Now the duty was calling – because the second youngster claimed his rights for life.

von T.F. Emmiot

Englische Übersetzung von Brit
Jahr 1999 Nr.26
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Re: Bild&Geschichte - Die Trauer einer Eisbärmutter

Beitragvon Michaelmartin71 » So 30. Jun 2013, 23:42

Hallo Uli ,

ich kenne diese Fotos ,und die Erzählung dazu , ja das ist , und noch dazu in der Umgebung , Ja Liebe !
Ja Das ist mehr wie nur seine Gene zu verbreiten , ja Liebe !!!

Michael
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Re: Bild&Geschichte - Die Trauer einer Eisbärmutter

Beitragvon Michaelmartin71 » So 30. Jun 2013, 23:54

Danke Dir Uli,

Du hast ein sehr großes Herz für Unsere Lieblinge !

Du liebst die Eisbären und willst sie beschützen und mehr das ist .... !!!

Wundervoll !!!
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Re: Bild&Geschichte - Die Trauer einer Eisbärmutter

Beitragvon AnkeB » Mo 1. Jul 2013, 10:46

Eine traurige und anrührende Geschichte.
Ich zweifle schon lange nicht mehr daran, dass Tiere trauern können.
Uli, Danke fürs Einstellen!
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Re: Bild&Geschichte - Die Trauer einer Eisbärmutter

Beitragvon Anita » Mo 1. Jul 2013, 16:11

Ich bin davon überzeugt, dass Tiere trauern können.
Aber wie heißt es auch. Tiere haben keine Mimik.
Anita
 
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Re: Bild&Geschichte - Die Trauer einer Eisbärmutter

Beitragvon SylviaMicky » Mo 1. Jul 2013, 17:15

Uli, eine berührende Geschichte. Ich bin auch der festen Überzeugung, daß Tiere trauern.
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