Das Spiel der Tiere - eine ernste Sache

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Das Spiel der Tiere - eine ernste Sache

Beitragvon UliS » So 22. Sep 2019, 12:20

Von wegen just for fun - Das Spiel der Tiere - eine ernste Sache - ZDF.de
von Michael Leja

Datum: 22.09.2019

Spielende Tiere sind lustig anzuschauen. Doch in der Wildnis bedeutet Spielen Energie- sowie Zeitverbrauch, und auch Gefahr. Warum spielen dann Tiere überhaupt?

Spielende Tiere, vor allem junge, sind lustig anzusehen, verfolgen aber ernsthafte Ziele. Forscher zeigen, warum und wie unterschiedlich Affen, Vögel, Raubkatzen und viele andere spielen.

Vermutlich spielen die meisten Tiere irgendwann einmal in ihrem Leben. Nachgewiesen ist Spielverhalten mittlerweile nicht nur für zahlreiche Wirbeltiere. Menschen und nicht menschliche Primaten spielen. Das steht fest. Auch viele Vögel, einige Reptilien und Amphibien und sogar Fische wurden schon beim Spielen beobachtet. Doch dass selbst Ameisen, Krabben und Tintenfische sich gelegentlich spielerisch beschäftigen, erstaunt dann doch.

Eine Frage der Evolution

Jeder Tierfreund, der Hunde, Katzen oder Vögel hält, ist glücklich, wenn sein Liebling spielt. Allgemein gilt Spielverhalten als Zeichen von Wohlergehen und Ausdruck von Freude. Doch bereits da wird es kritisch. Ist der Rückschluss von tierlichem Verhalten auf menschliche Verquickung von Verhalten und Gefühlserleben nicht zu vermenschlichend? Viele Wissenschaftler beantworten diese Frage mit einem klaren Jein. Zumindest bei Säugetieren, zu denen auch Homo sapiens zu zählen ist, funktionieren Emotionen sehr ähnlich. Hormonelle, neurophysiologische und anatomisch-morphologische Grundausstattungen sind bei den verschiedenen Säugerarten ähnlich. Sie haben evolutionsbiologisch denselben Ursprung.
Erdmännchen mit Osterei

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Wer kriegt das Ei? Auch Erdmännchen spielen gerne. (Archivbild)
Quelle: dpa

Andererseits tut man sich gewiss schwer mit derartiger Verhaltensinterpretation bei Fröschen, Reptilien oder Fischen. Vor allem wenn es um Spielverhalten bei Spinnen, Wespen und anderen Wirbellosen geht, deren Evolutionslinien anders verlaufen, mögen die meisten Forscher kaum eine Verbindung zu Emotionen wie Freude oder Befriedigung erkennen. Dennoch ist das Spielen auch für viele Arten sogenannter Niederer Tiere beschrieben worden. Da Aufwand und Gefährdung für das spielende Tier in allen Fällen spezifisch ungefähr gleich sind, ist zu vermuten, dass auch der Nutzen dieser scheinbar zweckfreien Tätigkeiten bei allen artbezogen ähnlich sein sollte.

Eine Frage der Definition

Wer wie spielt hängt demnach davon ab, welchen Anforderungen Angehörige bestimmter Arten in ihren jeweiligen Lebensräumen gerecht werden müssen. Verhaltensforscher unterscheiden im Wesentlichen solitäres Spielen von social play, dem Spielen mit Artgenossen. Beim solitären Spielen kann sich das Tier entweder mit Gegenständen oder mit sich selbst beschäftigen. Dazu zählen das Spielen mit eigenen Körperteilen wie Finger, Rüssel oder Schwanz ebenso wie Bewegungsübungen. Beim social play spielen mehrere Artgenossen miteinander. Meist spielen junge und jugendliche Tiere, aber auch die Erwachsenen haben diese Arten der Freizeitvergnügungen nicht völlig verlernt.

Delphin spielt mit Rettungsboje am 23.01.2010

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Delphin spielt mit Rettungsboje (Archivfoto)
Quelle: dpa

Wissenschaftlich definiert ist Spielen ein Verhalten ohne erkennbaren Bezug zur aktuellen Situation des Tieres. Es dient keinem offensichtlichen Ziel. Oft handelt es sich um Teile normaler Verhaltensabläufe, etwa des Jagd-, Werbungs- oder Kampfverhaltens, die jedoch in übertriebener Form und manchmal miteinander kombiniert gezeigt werden. Auch unermüdliches Wiederholen gilt als Charakteristikum des Spielverhaltens. Offenbar bedarf es häufig einer Störung, um das Spielen zu unterbrechen oder zu beenden. Neurobiologen vermuten, dass zumindest bei Wirbeltieren Spielen bestimmte Hirnregionen sogenannte Wohlfühlhormone ausschütten lässt. Das setzt die "Liking-Wanting-Learning-Kette" in Gang: Spielen fühlt sich gut an, wird also gewollt, und durch ständiges Wiederholen werden die Verhaltenselemente perfekt erlernt.

Eine Frage des Nutzens

Häufiges Wiederholen schafft entsprechende neuronale Verschaltungen. So können bestimmte Bewegungsabläufe automatisiert werden, so dass beispielsweise das Schlagen einer Gazelle beim Gepard "ohne Nachdenken" standardisiert erfolgen kann. Wer sich als Jugendlicher in spielerischen Kämpfen bewährt, nimmt oft als erwachsenes Tier eine dominante Position ein. Junge Amerikanische Gesellschaftsspinnen spielen das Paarungsverhalten samt Kopulation, obwohl sie noch gar nicht geschlechtsreif sind – aber früh übt sich eben.

Japanmakaken tränken sich in der Wärmequelle im Jigokudani Monkey Park, in Yamanouchi (Zentraljapan) am 19.01.2014

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Japanmakaken (Archivfoto)
Quelle: dpa

So zeigt sich, dass Spielen Jungtiere auf das Erwachsenenleben vorbereitet, sei es durch Stärkung der individuellen Fitness, sei es durch Einüben der späteren Rolle im Sozialgefüge. Spielen Erwachsene, dient dies der Festigung von Beziehungen, dem Training individueller Fähigkeiten oder – wie im Fall der Japanmakaken – der Vorbeugung von Altersdemenz. In jedem Fall ist Spielen eine Freizeitbeschäftigung. Es findet nur bei guter Versorgungslage und in sicheren, stressfreien Situationen statt. So gesehen scheint es logisch, dass vor allem Jungtiere spielen, die von ihren Eltern versorgt und geschützt werden.

Woran erkennt man Spielverhalten?

1. Spielverhalten steht in keinem funktionalen Zusammenhang zur augenblicklichen Situation.

2. Spielverhalten erfolgt spontan und freiwillig; scheint Vergnügen zu bereiten.

3. Spielverhalten übertreibt normale Verhaltensabläufe, zeigt normales Verhalten unvollständig und in harmloser Absicht.

4. Spielverhalten wiederholt Verhaltenselemente, aber nicht in stereotyper Weise.

5. Spielverhalten findet nur in stressfreien und sicher erscheinenden Situationen statt. Es wird nur von gesunden Tieren in guter Kondition gezeigt.


Nach Dr. Gordon M. Burghardt (Biopsychologe)
UliS
 
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Re: Das Spiel der Tiere - eine ernste Sache

Beitragvon Anita » So 22. Sep 2019, 13:59

Liebe Uli

Der Artikel ist interessant.
So dachte ich auch immer. Spielen bereitet auf das Leben vor. Schön, dass meine Denke nun von der Wissenschaft bestätigt wird ....
Danke [tschuess]
Anita
 
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Re: Das Spiel der Tiere - eine ernste Sache

Beitragvon UliS » So 22. Sep 2019, 14:11

Ja ganz meine Meinung und deshalb ein interessanter Artikel der im Polarbear nicht fehlen darf ... [seh nix]
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