Polarstern-Forscher sitzen wg Corona am Nordpol fest update

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Re: «Polarstern» Ein erfolgreicher ROV-Tag - update

Beitragvon UliS » Mo 2. Mär 2020, 18:22

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Zwei Rekorde am Nordpol
Versorgungseisbrecher erreicht nach schwierigen Eisbedingungen die MOSAiC-Expedition
[02. März 2020]

Tagelang hat festes Meereis den Fortschritt des Versorgungseisbrechers Kapitan Dranitsyn in Richtung Nordpol verlangsamt, wo er von der Polarstern-Crew zum zweiten Schichtwechsel der MOSAiC-Expedition erwartet wurde. Die Annäherung verlief dennoch stetig, bis am Freitag, den 28. Februar um 12:20 Uhr (MEZ) schließlich das Anlegemanöver der Kapitan Dranitsyn gelang, die nun 970 Meter von der Polarstern entfernt an derselben Eisscholle liegt. Während auf der Scholle der Austausch in vollem Gange ist, macht sich in Russland ein weiterer Eisbrecher auf, um die Kapitan Dranitsyn auf dem Rückweg mit zusätzlichem Treibstoff zu versorgen.


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The icebreakers Kapitan Dranitysn and Polarstern in the Arctic ice

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Unloading of Dranitsyn during exchange of MOSAiC leg2 und

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Participants of MOSAIC expedition leg2 and leg3 walking towards Polartster

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First visit of leg 3 participants on board Polarstern after they finally arrived with the supply vessel Kapitan Dranitsyn.

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Participants of MOSAIC expedition leg2 and leg3 walking towards Polartstern

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Captain Stefan Schwarze and Captain Alexandr Erpulev

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MOSAiC: Austausch Leg 2 und 3

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Captain Stefan Schwarze from the Polarstern visits Kapitan Dranitsyn

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The supply icebreaker Kapitan Dranitsyn has arrived in the immediate vicinity of Polarstern

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The supply vessel Kapitan Dranitsyn arrived at the MOSAiC ice floe on 28 February.

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Alexandr Alexandrowitsch Erpulev the Hero

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MOSAiC exchange leg 2 and 3

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On of the MOSAiC Pistenbullies pushes snow under the gangway of the supply vessel Kapitan Dranitsyn.

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Unloading of cargo from the supply icebreaker Kapitan Dranitsyn. The provisions need to be heated in a container during the transport in -35 °C cold air temperature.

In der vergangenen Woche kam es gleich zu zwei Rekorden in der Geschichte der Polarforschung, wie das Scott Polar Research Institute der Universität Cambridge ermittelt hat: Am 24. Februar erreichte die Polarstern auf ihrer Drift eine Position von 88°36´Nord, nur noch 156 Kilometer entfernt vom Nordpol. Nie zuvor war ein Schiff im Winter so weit im Norden. Nur zwei Tage später erreichte der russische Eisbrecher Kapitan Dranitsyn kurz vor seinem Zusammentreffen mit Polarstern auf 88°28´ Nord die nördlichste Position auf seiner Mission. Noch nie hat es ein Schiff so früh im Jahr aus eigenem Antrieb so weit in den Norden geschafft.

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The icebreakers Kapitan Dranitysn and Polarstern in the Arctic ice Rendezvous im Eis (Foto: Ernst Stürmer)

„Diese Rekorde markieren Meilensteine der MOSAiC-Expedition. Sie zeigen den Erfolg des logistischen Konzepts und sind die Grundlage für die einzigartigen wissenschaftlichen Messungen der Expedition“, sagt Prof. Markus Rex, Leiter der MOSAiC-Expedition vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Potsdam. „Wir müssen den Hut ziehen vor Kapitän Alexandr Erpulev, der mit dem Eisbrecher Kapitan Dranitsyn durch den arktischen Winter bis fast an den Nordpol gefahren ist“, ergänzt Polarstern-Kapitän Stefan Schwarze diesen nautischen Erfolg. „Bei der aktuellen Meereissituation ist die Verzögerung absolut im Rahmen dessen, was wir erwarten konnten“, betont Rex. Er kehrte nach den ersten Monaten der Expedition im Januar selbst mit der Kapitan Dranitsyn aus der Arktis zurück und wird ab April wieder an Bord der Polarstern sein.

Zusammen mit der Logistikabteilung des Alfred-Wegener-Instituts hat er in den vergangenen Tagen die nächsten Schritte ausgearbeitet, wie der Versorgungseisbrecher mit zusätzlichem Treibstoff versorgt werden kann. Da die Kapitan Dranitsyn aufgrund des festen Meereises mehr Treibstoff verbraucht hat als erwartet, wird der Eisbrecher Admiral Makarov voraussichtlich am 3. März von Murmansk aus der Kapitan Dranitsyn entgegenfahren, um sie im arktischen Meereis zu betanken.

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Participants of MOSAIC expedition leg2 and leg3 walking towards Polartstern Austausch auf dem Eis (Foto: Michael Gutsche)

Der Austausch von Crew und Material findet zu Fuß, mit Schneemobilen und mit großen Pistenraupen statt, die schwere Schlitten ziehen. Auf Polarstern und im Eiscamp werden die neuen Expeditionsteilnehmer von ihren Vorgängern in die verschiedenen Arbeiten eingewiesen. Insbesondere auf dem Eis ist dabei äußerste Vorsicht geboten, da die gefühlte Temperatur bei Wind derzeit bis zu minus 58 Grad Celsius beträgt. Aufgrund dieser extremen Temperaturen ist auch die Fahrtrinne der Kapitan Dranitsyn bereits am Tag nach dem Anlegemanöver so dick zugefroren, dass sie von den Forschern betreten werden konnte. Die Temperaturen stellen sich auch als Herausforderung für das Umladen von Proviant dar. So müssen zum Beispiel frische Lebensmittel in beheizten Containern transportiert werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lässt sich noch nicht sagen, wie lange der Austausch von Crew und Fracht dauern wird, weil auch die Kräne der Schiffe in der Kälte nur langsam arbeiten.

Fahrtleiter Prof. Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut zieht kurz vor seiner Rückreise Bilanz über den zweiten Expeditionsabschnitt. „In den vergangenen Monaten haben wir den Winter am Nordpol kontinuierlicher und präziser beobachten können als es jemals vorher möglich war. Die Eisdicke hat sich seit Dezember verdoppelt auf durchschnittlich 160 Zentimeter, was einer Wachstumsrate von ca. zehn Zentimetern pro Woche entspricht“, sagt der Meereisforscher.

Die Wissenschaftler konnten außerdem mit Hilfe von Helikopter-Laserscannermessungen, dem Schiffsradar sowie Bojen beobachten, wie sich das Eis deformierte und wie sich Rinnen öffneten und schlossen. Durch die Erwärmung des Arktischen Ozeans entstehen zunehmend kleinere und dünnere Schollen, die sich windgetrieben übereinander stapeln und so dicke Presseisrücken von bis zu vier Metern Höhe erzeugen. Da sie sehr tief in das Wasser hineinragen können, sind sie teilweise 20 bis 30 Meter dick. Dieses Phänomen wurde nun zur Herausforderung für den Versorgungseisbrecher.

Messungen auf dem Eis, an Bord und mit Ballonen ergaben dagegen, dass die Lufttemperatur in geringer Höhe über dem Eis viel niedriger ist als in 20 Metern Höhe. In den untersten zehn Metern können Temperaturunterschiede von mehr als 4 Grad Celsius herrschen, was unter anderem maßgeblich das Dickenwachstum des Eises beeinflusst. Tauchgänge mit den Unterwasserrobotern zeigten schließlich, wie sehr das Leben unter dem Eis auch in der Polarnacht weitergeht. „Nie zuvor konnten wir Zooplankton und Polardorsche hier oben zu dieser Jahreszeit so umfangreich erforschen. Im Februar haben wir sogar häufiger eine Robbe unter dem Eis beobachtet, die offenbar selbst kurz vor dem Nordpol ausreichend Nahrung findet. Auf dem Eis haben wir außerdem wieder einen Eisbären und mehrere Polarfüchse gesehen“, fasst Christian Haas die Beobachtungen zusammen.

Die Fahrtleitung für den dritten Expeditionsabschnitt wird in den nächsten Tagen an Prof. Torsten Kanzow vom Alfred-Wegener-Institut übergehen, der bereits am vergangenen Mittwoch per Helikopter zur Polarstern geflogen wurde. Diese Phase der Expedition wird unter anderem durch die Rückkehr des Sonnenlichts geprägt sein. Schon jetzt können die Wissenschaftler mehrere Stunden am Tag eine leichte Dämmerung wahrnehmen, die auch die Ladearbeiten erleichtert. Das Meereis wird in den kommenden Wochen noch kompakter, weshalb der nächste Austausch im April per Flugzeug stattfinden soll. Dazu wurde bereits mit Hilfe von Pistenraupen eine 900 Meter lange Landebahn auf dem Eis präpariert. Neben den Austauschflügen finden während des dritten Fahrtabschnitts auch wissenschaftliche Missionen mit den Forschungsflugzeugen Polar 5 und Polar 6 statt, die ihre Basis dann auf Spitzbergen haben und voraussichtlich auch zur weiterhin driftenden Polarstern starten werden.

Der zweite Expeditionsabschnitt in Zahlen

Vom 13. Dezember 2019 bis zum 27. Februar 2020 ist die Polarstern insgesamt 672 Kilometer mit der Transpolardrift vorangekommen, hat dabei allerdings aufgrund der Schleifen und Kringel der Drift nur eine Luftlinie von 406 Kilometern zurückgelegt.
Der Geschwindigkeitsrekord während dieser Zeit war am 1. Februar 2020 mit 1,7 Stundenkilometern.
Die Expedition ist auf eine Distanz von 156 Kilometer an den Nordpol herangekommen.
Mit Hilfe einer Pistenraupe haben Techniker eine 900 Meter lange Landebahn angelegt.
Die Lufttemperatur fiel am 1. Februar von für diese Jahreszeit ungewöhnlich warmen minus 11,4 Grad auf minus 38,2 Grad Celsius. Das ist der stärkste beobachtete Kaltlufteinbruch während des Fahrtabschnitts.
Die Expeditionsteilnehmer haben auf dem zweiten Abschnitt 8100 Eier, 1360 kg Kartoffeln und 86 Gläser Nutella verspeist. Natürlich beschränkten sich die Mahlzeiten aber nicht allein darauf.
Die längste Exkursion war eine Skitour zur Wartung einer autonomen Messstation, die etwa 10 Kilometer von der Polarstern entfernt ist. Diese Exkursion wurde in kompletter Dunkelheit durchgeführt.
Nur 1 Eisbär wurde auf diesem Abschnitt gesichtet – und zwar nachts, mit einer automatischen Kamera, die zufällig ein Bild von ihm gemacht hat, als er die Geräte an der Fernerkundungsstation beschnüffelte.
Wegen Nebel und eines starken Schneesturms mussten die Arbeiten auf dem Eis an 3 Tagen unterbrochen werden.
34,3 Terabyte Daten haben die Wissenschaftler gesammelt.
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Re: «Polarstern» Zwei Rekorde am Nordpol - update

Beitragvon UliS » Fr 13. Mär 2020, 12:18

Coronavirus trifft MOSAiC-Expedition - Quelle

Teilnehmer an Messflügen positiv getestet – vor dem Aufbruch in die Arktis

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Die Polarstern und ihre Crew sind bisher nicht vom Coronavirus betroffen – wohl aber ein Teilnehmer der begleitenden Messflug-Kampagne. © AWI/ Michael Gutsche

Quarantäne für MOSAiC-Forscher: In Bremerhaven ist ein Team-Mitglied der Arktis-Expedition MOSAiC positiv auf das Coronavirus getestet worden. Er sollte heute nach Spitzbergen aufbrechen, um von dort aus Messflüge in die Arktis zu unternehmen. In einigen Wochen sollten sie auch an dem im Eis eingefrorenen Forschungsschiff Polarstern zwischenlanden. Jetzt müssen er und seine 20 Teamkollegen erst einmal in Quarantäne.

Es ist die größte Arktis-Expedition aller Zeiten: Ein Jahr lang driftet der Forschungseisbrecher Polarstern mit gut hundert Wissenschaftlern an Bord durch die zentrale Arktis – eingefroren im Polareis. Seit Beginn der MOSAiC-Expedition im Herbst 2019 hat das Schiff bereits einen Nord-Rekord erreicht und erfolgreich zwei Schichtwechsel der Crew absolviert.

Während im Arktiseis die Forschung weitergeht, bereiten sich in Bremerhaven und in anderen an der Expedition beteiligten Forschungseinrichtungen schon die Teilnehmer des nächsten Driftabschnitts auf ihren Einsatz vor. Dazu gehören auch Forscher, die begleitende Messflüge durch die zentrale Artis durchführen sollen.

In Südtirol angesteckt

Einen dieser Wissenschaftler hat es jetzt erwischt: Der aus Bayern stammende Mann wurde positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet – er hat sich mit dem Erreger infiziert. Laut einer Mitteilung der Behörden hatte sich der Mann bereits Tage zuvor in Südtirol mit dem Coronavirus angesteckt, bei seinem Aufenthalt in Bremerhaven war die Infektion bereits am Abklingen. Symptome hatte er keine. Inzwischen wurden auch Kontaktpersonen getestet, waren aber negativ.

Der Mann gehört zu einem rund 20-köpfigen Team, das am 5.März am Alfred-Wegener-Institut (AWI) auf den Einsatz bei der MOSAiC-Flugkampagne vorbereitet wurde. Ursprünglich sollten der Betroffene und seine Kollegen am 12. März 2020 nach Spitzbergen aufbrechen, um von dort aus mit zwei Forschungsflugzeugen Messflüge über die zentrale Arktis durchzuführen. In einigen Wochen sollten die Flugzeuge auch zur Polarstern fliegen und dort zwischenlanden.

Tests und Quarantäne für alle

Nach dem ersten Coronavirus-Fall werden nun alle Teilnehmer des Lehrgangs am AWI für zwei Wochen in Quarantäne geschickt. Der Aufbruch in die Arktis verschiebt sich entsprechend. „Nach eingehender Beratung mit den Gesundheitsbehörden und logistischer Beurteilung der Lage sind wir zu dem Schluss gekommen, den Start der MOSAiC-Flugkampagne aufgrund der am Freitag festgestellten Infektion eines Teilnehmers mit Covid-19 zu verschieben“, teilte das Institut mit.

Wegen der Coronavirus-Epidemie werden alle künftigen Teilnehmer an der MOSAiC-Expedition inzwischen vor Abflug in die Arktis auf das Virus getestet. Denn sollte die Infektion das im Eis isolierte Forschungsschiff Polarstern erreichen, gäbe es dort kaum Möglichketen, schwer Erkrankte angemessen zu versorgen. Zudem könnte sich das Virus – ähnlich wie zuvor schon auf Kreuzfahrtschiffen – an Bord schnell ausbreiten.

Expedition vorerst nicht gefährdet

Forschungsleiter Marcus Rex vom AWI ist jedoch zuversichtlich, dass die strengen Schutzmaßnahmen das Team in der Arktis so gut wie möglich vor einer Einschleppung des Virus schützen. Die rechtzeitige Identifizierung des Covid-Falls unter den Teilnehmern zeigt seiner Ansicht nach, dass die Maßnahmen greifen. Allerdings: „Das Risiko ist nicht Null „, räumt auch Rex ein.

Doch was bedeutet dies für den Fortgang der MOSAiC-Expedition? Bisher sei dies noch kein größeres Problem, erklärte Ko-Koordinator Matthew Shupe von der University of Colorado gegenüber „Nature News“. Die Messflüge werden um zwei Wochen verschoben, nach absolvierter Quarantäne können alle nicht infizierten Teilnehmer nach Spitzbergen fliegen.

Aber sollte es weitere Verzögerungen oder Covid-Fälle unter den künftigen Teilnehmern geben, könnte das Zeitfenster für die Flugmission so eng werden, dass nicht mehr alle Messflüge durchgeführt werden können. „Diese Ereignisse machen das Ganze schon komplizierter“, so Shupe.

Quelle: Alfred Wegener Institut, Nature News, Stadt Bremerhaven
12. März 2020

- Nadja Podbregar
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Re: «Polarstern» Coronavirus trifft MOSAiC-Expedition - upda

Beitragvon UliS » Fr 27. Mär 2020, 00:28

Arktisexpedition "Polarstern"-Forscher sitzen wegen Corona am Nordpol fest - Quelle

Sie waren für alle Notfälle gewappnet - aber nicht für eine Pandemie. Das Einreiseverbot nach Norwegen und ein Corona-Fall in der Crew verkompliziert die Nordpolexpedition des Alfred-Wegener-Instituts.
26.03.2020

Die derzeitige Mannschaft muss auf der "Polarstern" länger ausharren als geplant

Eigentlich wollten die Forscher der einjährigen Nordpolexpedition an Bord der "Polarstern" in ein paar Tagen Halbzeit feiern. Seit sechs Monaten ist das Bremerhavener Forschungsschiff bereits unterwegs, um sich in der zentralen Arktis einfrieren zu lassen.

Doch die Folgen der Corona-Pandemie reichen sogar bis dorthin. "Wir haben Pläne für vieles in den Schubladen", betont der Leiter der einjährigen "Mosaic"-Expedition, Markus Rex, "aber nicht für eine weltweite Pandemie dieses Ausmaßes. Das konnte niemand vorhersehen."

Statt Halbzeit-Feiern gibt es auf der "Polarstern" nun lange Gesichter, weil die Forscher länger auf dem Schiff bleiben müssen als zunächst geplant. Während der einjährigen Drift im Eis sollten eigentlich alle zwei Monate die je hundert Forscher an Bord ausgetauscht werden.

Doch nun machen Ein- und Ausreisegenehmigungen sowie Quarantänevorschriften den Wissenschaftlern einen Strich durch die Rechnung: Niemand darf mehr nach Norwegen einreisen. Die Wissenschaftler haben von ihren Instituten Reiseverbote bekommen.

Auch Expeditionsleiter Rex sollte nach den ursprünglichen Plänen schon längst wieder an Bord sein. Beim ersten "Mosaic"-Fahrtabschnitt war er bereits dabei, nun wollte er seine zweite Reise zur Vermessung von Atmosphäre und Meereis nutzen. Doch die Kampagne musste ausgesetzt werden, weil ein Teilnehmer positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Nun sitzt Rex in selbstauferlegter häuslicher Quarantäne. Er wolle kein Risiko eingehen, sagt er.

Ein Krisen-Coach für die "Polarstern"-Crew

Schon der letzte Wechsel der "Polarstern"-Besatzung verzögerte sich um zwei Wochen, weil das Versorgungsschiff mit dem neuen Personal nur sehr langsam durch das dichte Eis vorankam. Für den nächsten Austausch sollten deshalb Flugzeuge eingesetzt werden. Auf der riesigen Eisscholle, mit der die "Polarstern" driftet, wurde dazu eigens eine Landebahn präpariert.

"Wir sind mit unseren Partnern in Diskussion, wie wir den nächsten Austausch hinbekommen", sagt Rex. Dieser werde "sehr wahrscheinlich im Mai" sein. "Wenn wir eine sichere Lösung gefunden haben, die von allen Behörden genehmigt ist, werden wir sie mitteilen." Klar ist: Bevor die neue Crew auf das Schiff kommt, werde sie zwei Mal auf das Virus Sars-CoV-2 getestet.

Die derzeitige Mannschaft auf dem Forschungsschiff sei indes nicht in Gefahr. "Sie ist gut mit Lebensmitteln und Treibstoff versorgt", betont Rex. Dass sie nun wesentlich länger als geplant an Bord bleiben muss, nehme jeder Teilnehmer anders auf. "Natürlich gibt es auch welche, die darunter leiden und gern bei ihren Familien wären." Deshalb werden Satellitentelefongespräche mit einem Coach angeboten, der sich auf Krisenbewältigung spezialisiert habe. "Bisher sehe ich aber nicht, dass das nötig ist", so Rex.

Den Forschern müsse überhaupt erst einmal das dramatische Ausmaß der Corona-Pandemie verdeutlicht werden. "Sie können ja nicht im Internet surfen, dafür reicht die Bandbreite nicht." Täglich bekämen sie zwar kurze Zusammenfassungen der Nachrichten. Außerdem stünden sie per E-Mail oder WhatsApp in Kontakt mit ihren Familien. Aber die manchmal sich stündlich überschlagenden Nachrichten bekomme die Mannschaft in der Arktis nicht mit.

Die Crew habe zurzeit ihre ganz eigenen Probleme. "Es gibt eine hohe Eisdynamik, immer wieder entstehen Risse auf der Scholle, und Instrumente drohen zu versinken." Dementsprechend hätten die Forscher alle Hände voll zu tun, so Rex. "Das Leben an Bord geht weiter wie eh und je."

Trotz aller Komplikationen denkt auch der Expeditionsleiter nicht ans Aufgeben: "Wir gehen weiterhin davon aus, dass die 'Polarstern' wie geplant am 12. Oktober nach Bremerhaven zurückkehren wird. Aus derzeitiger Sicht wird die Corona-Pandemie nicht zu einem frühzeitigen Abbruch der Expedition führen."
sug/dpa
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Re: Polarstern-Forscher sitzen wg Corona am Nordpol fest up

Beitragvon Eva » Fr 27. Mär 2020, 10:19

Man kann einfach nicht auf ALLES vorbereitet sein! Hauptsache auch ihnen gehen weder Toilettenpapier noch Nudeln aus :wink:
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