Folge der MOSAIC expedition

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Do 19. Mär 2020, 17:50

Tag 182 - Donnerstag 19. März 2020 - 5.180 km - -23,1 °C - Position N86°30‘ E13°33‘ - Quelle

Es eilt der Polarstern der Ruf voraus, sich um das leibliche Wohl von Besatzung und Wissenschaftlern in ganz besonderer Weise zu kümmern.
Tatsächlich lässt die Verpflegung hier an Bord keine Wünsche offen. Drei Mahlzeiten am Tag sowie Kaffee und Kuchen am Nachmittag – da ist
schon so mancher Doktorand mit ein paar Kilogramm mehr nach Hause zurückgekehrt. Gutes Essen spielt aber im harten Expeditionsalltag
eine nicht zu unterschätzende Rolle. Hält es doch alle Beteiligten bei guter Laune. Außerdem widersteht man Kälte und Sturm gut gesättigt
einfach besser.

Sven Schnieder ist in dem perfekt ausgestatteten Küchentrakt der Chef und für alles um die Verpflegung herum hauptverantwortlich, ob das
den Einkauf betrifft oder die Zuteilung und Speiseplangestaltung. Besonderen Wert legt er dabei auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Selbstverständlich gibt es immer eine vegetarische Alternative und zweimal wöchentlich Fischgerichte, um die Vitamin D-Zufuhr zu gewähren.
Seit Sven’s Überwinterung als Koch auf der Neumeyer-Station III in der Antarktis vor einigen Jahren schlägt sein Herz für Polarexpeditionen –
ein Glücksfall für die Polarstern. In besonderer Weise wird er beim dritten Fahrtabschnitt von Maren Zahn unterstützt, die uns als Bäckerin
täglich mit wunderbarem Brot, leckeren Kuchen aber auch frischen Brötchen und sonntags Croissants verwöhnt. Weiter im Team, Ralf Viehaber
als Kochsmaat, der sich vor allem um Beilagen und vegetarische Speisen kümmert und die beiden Stewards René Arendt und Dan Chen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Fr 20. Mär 2020, 18:44

Tag 183 Freitag 20. März 2020 - 5.204km -26,3°C - Position N86°18 E14°49 - Quelle

Anfang März haben wir eine vollfunktionale MOSAIC-Scholle übernommen – und waren hochmotiviert diese weiter zu pflegen und die Messungen gleichermaßen fortzuführen, wie die WissenschaftlerInnen der vorhergehenden Abschnitte. Unsere Motivation ist nach wie vor ungebrochen. Nur die Bedingungen haben sich geändert. Seit Mitte vergangener Woche ist das Eis kontinuierlich in Bewegung und es hat sich nicht nur rund um, sondern auch in Mitten des Central Observatory’s ein ausgedehntes Rinnen- und Spaltensystem gebildet. Diese Gebilde haben sich nachfolgend wieder zugeschoben und sogenannte Eisrücken gebildet. Da diese Veränderungen anhalten, ist unser Bewegungsradius auf der Scholle stark eingeschränkt. Während einige Forschungsstationen auf dem Eis nach wie vor nicht zugänglich sind, bieten die entstandenen Rinnen im Eis neue Möglichkeiten für spannende Forschung,

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Sa 21. Mär 2020, 18:22

Tag 184 - Samstag 21. März 2020 - 5.209 km - -26,9 °C - Position N86°16‘ E15°3‘ - Quelle

Ein wichtiges Instrument für das EFICA-Projekt, das den Fischbestand in der zentralen Arktis studiert, ist die FishCam: ein Kamerasystem, das Bilder von Fischen und anderen Tieren in 250 bis 350 Metern Wassertiefe aufnimmt. Die FishCam wurde während des ersten Abschnitts von MOSAIC in der Nähe von Met City installiert und hat seitdem zuverlässig Bilder zur Polarstern geschickt – bis auch sie aufgrund der zunehmenden Risse im Eis sowohl vom Strom- als auch vom Datennetz getrennt werden musste. Da die Kamera mit einem Abstand von weniger als zwei Metern bis zur nächsten Wasserrinne nicht mehr sicher war, haben wir entschieden, die Kamera zu bergen. Nach zwei Tagen harter Arbeit und der großartigen Unterstützung von Thomas Sterbenz und Hannes Laubach kann das ECO-Team damit glücklich verkünden, dass die Kamera sicher zurück an Bord ist. Wie sich herausgestellt hat, war das gerade der richtige Zeitpunkt, da sich über Nacht an selber Stelle ein neuer Riss im Eis gebildet hat.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » So 22. Mär 2020, 18:37

Tag 185 Sonntag 22. März 2020 - 5.209km -26,9°C - Position N86°16 E15°3 - Quelle

Die sehr dynamischen Prozesse der vergangenen Wochen spiegeln sich auch in der Schneeoberfläche wieder: Seit Ende Februar beobachten wir vermehrt die Bildung von sehr charakteristischen Schneedünen sowie Erhebungen und Rillen im Schnee, welche sich durch die starken Winde gebildet haben. Der Schnee ist dadurch in den oberen Schichten sehr kompakt und stabil. Das erlaubt einfaches Laufen ohne Einsinken – es sei denn, es ist neuer Schnee gefallen. Bei der Analyse der Schneeeigenschaften beobachten wir in tieferen Schichten eine wunderschöne Tiefenreifbildung: ein spezieller Typus Schnee mit besonderer Kristallform.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Mo 23. Mär 2020, 18:47

Tag 186 Montag 23. März 2020 - 5.218km -27,8°C - Position N86°12 E15°48 - Quelle

Ganz ohne Frage ist MOSAIC eine einmalige Gelegenheit für jeden Expeditionsteilnehmer, nicht nur eine der einsamsten und lebensfeindlichsten Regionen unserer Erde kennenzulernen, sondern gleichzeitig einzutauchen in die verletzliche Schönheit der zentralen Arktis. Umso stärker wird jedem einzelnen täglich bewußt, wie weit er für eine lange Zeit von der Heimat entfernt ist. Besonders intensiv erleben das die Expeditionsteilnehmer, welche bereits seit dem Beginn des zweiten Fahrtabschnitts für nunmehr vier Monate an Bord sind. Gerade ihnen hilft es in besonderer Weise, wenn sie ein wenig heimatliche Normalität in ihren Tagesablauf integrieren können. Patric Simeos Pereiras Leidenschaft zu Hause ist das Klettern und so zögerte er nicht, sein „Hang-Board“ mitzubringen, um die so wichtige Kraft in den Fingern und Unterarmen nicht zu verlieren. Denn nach seiner Rückkehr in die Heimat warten bereits neue spannende Kletterabenteuer mit seinen Freunden und seiner Freundin auf ihn.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon UliS » Di 24. Mär 2020, 18:20

Tag 187 Dienstag 24. März 2020 - 5.222km -32,2°C - Position N86°11 E15°25 - Quelle

Dein Computer als Tor zur Arktis: Erkunde jetzt bequem von zu Hause aus eine der entlegenste, geheimnisvollste Region der Erde mit einem neuen umfangreichen offenen Online-Kur (MOOC): mit kurzen Vorträgen von Forschern über ihre Arbeit, atemberaubende Aufnahmen von der Polarstern und der Akademik Fedorov, 360- Grad-Videos und vielem mehr. Mahr als drei Dutzend MOSAIC-Wissenschaft und Arktis-Experten fassen den Kern ihrer Forschung zusammen und erklären, welche Arten von Daten sie während der MOSAIC-Expedition sammeln. Zudem haben unsere Leute an Bord einige der Aufnahmen selbst aufgenommen. Der Kurs wird über die Online-Kursplattform Coursera angeboten und ist zudem auf YouTube zu sehen. Er wurde von CIRES (Cooperative Institute for Research in Environmental Sciences) produziert, einem Forschungsinstitut für Umweltwissenschaften an der University of Colorado Boulder in den USA.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Mi 25. Mär 2020, 19:31

Tag 188 - Mittwoch 25. März 2020 - 5.239 km - -25,2 °C - Position N86°5‘ E13°39‘ - Quelle

Ohne das Logistik-Team um Monika Votvic wäre die tägliche Forschungsarbeit auf dem Eis nicht möglich. Dabei gehen die Aufgaben ihres Teams auf einer Expedition wie MOSAIC weit über normale Logistikfunktionen hinaus. Neben der Unterstützung der Wissenschaftler mit diversen Ausrüstungs-
gegenständen wie Motor- und Transportschlitten ist das Logistik-Team vor allem für die Sicherheit aller Expeditionsteilnehmer verantwortlich. Dazu gehört das Sicherheits- und Schießtraining, die tägliche Organisation der Eisbärwachen sowie die Ausgabe und Pflege von Gewehren und Signalpistolen. Doch damit nicht genug: Monika und ihr Team sind auch für die Instandhaltung und Aktualisierung der Fahr- und Gehwege auf dem Eis inklusive Beflaggung und Ausschilderung zuständig. Und wenn es wieder einmal größere Eisbewegungen gegeben hat, übernimmt das Team selbstverständlich die Erkundung neuer, sicherer Wege zu den einzelnen Forschungsstationen. Für diese anspruchsvollen Aufgaben sind alle Logistik-Mitglieder bestens qualifiziert. So hat Monika bereits 15 Jahre Berufserfahrung in der Sicherheit und Logistik für die „University of Svalbard“ und das „Norwegian Polar Institut“ vorzuweisen.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Do 26. Mär 2020, 17:23

Tag 189 - Donnerstag 26. März 2020 - 5.252 km - -27,8 °C - Position N85°59‘ E13°5‘ - Quelle

Eine Polarexpedition beruht auf viel Planung und verläuft doch nie nach einem genauen Fahrplan. Doch die Corona-Pandemie bedeutet mit ihren massiven Einschränkungen der weltweiten Infrastruktur auch für die MOSAIC-Expedition ganz besondere Herausforderungen.

Jetzt kommen deshalb die Alternativpläne zum Einsatz. Ursprünglich war der nächste Crew-Austausch per Flugzeug von Spitzbergen aus geplant.
Die Insel ist allerdings nun wegen der Pandemie abgeriegelt. Auch Tromsø fällt momentan als Abfahrthafen aus. Deshalb ist vorgesehen, die nächste Versorgungsfahrt mit dem schwedischen Eisbrecher Oden auf den 20. Mai vorzuziehen. Der Eisbrecher würde dann voraussichtlich in Helsingborg,
Schweden, ablegen und Polarstern im Juni erreichen.

Für das jetzige Team auf der Polarstern heißt das, dass es etwa sechs Wochen später ausgetauscht wird. Derweil ist bei den Rückkehrern von Expeditionsabschnitt 2 bald wieder Land in Sicht. Auf dem russischen Eisbrecher Kapitan Dranitsyn haben sie das Meereis fast hinter sich gelassen
und befinden sich auf dem Weg nach Tromsø, wo sie den Hafen voraussichtlich Mitte nächster Woche erreichen werden.

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Fr 27. Mär 2020, 19:16

Tag 190 - Freitag 27. März 2020 - 5.274 km - -27,2 °C - Position N85°47‘ E13°25‘ - Quelle

Auch nach zwei Wochen kommt unsere Scholle nicht zur Ruhe. Die einst mehrere Kilometer große Scholle wird durch die Kräfte der Natur immer
kleiner. Tiden im Ozean und starke Winde in der Atmosphäre drücken die Scholle zusammen. Gleichzeitig umgeben uns viele Wasserrinnen, welche
Platz erlauben, wenn durch dieselben Kräfte eine Art Entspannung des Eises einsetzt. Diese anhaltende Dynamik hält uns alle in ständiger Spannung.
Wie wird die Scholle nach dem Aufstehen aussehen? Können wir auf dem Eis arbeiten? Welche Installationen auf dem Eis müssen gesichert werden?
Können wir die Stromverbindung zwischen Schiff und Eisscholle nutzen? Letzteres war in den vergangenen Tagen nicht immer möglich, da sich das
Schiff zu viel bewegt hat. Dazu haben sich kleine „Inselstaaten“ gebildet, die nicht mehr von de Hauptscholle zu Fuß zugänglich sind. Dank der Heli-
kopter an Bord können auch diese Außenstellen beforscht werden, wenn auch mit Einschränkungen. Der Expeditionsname „MOSAIC“ ist hier Programm!

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Re: Folge der MOSAIC expedition

Beitragvon Jochen » Sa 28. Mär 2020, 17:56

Tag 191 - Samstag 28. März 2020 - 5.299 km - -25,0 °C - Position N85°33‘ E13°13‘ - Quelle

David Clemens-Sewall ist Doktorand am Dartmouth-College in Amerika und ist für den dritten und vierten Fahrtabschnitt Teil des MOSAIC-Teams. Hier an Bord ist er für die Frage bekannt, wann die Zeit für den Wechsel von Batterien ist – ein Running Gag. Aber natürlich geht es in seiner Arbeit nicht um Batterien, sondern um Eisstress-Sensoren: „Am 21. März war bei uns Tag-Nacht-Gleiche und ich konnte den letzten Batterie-Wechsel für meine Stress-Sensoren feiern. Stress-Sensoren messen kontinuierlich den Druck im Eis und tragen damit zum Verständnis von Bewegung im Eis bei. Sie sind über die gesamte MOSAIC-Scholle verteilt – oder sollte ich sagen Schollen? In den vergangenen zwei Wochen haben wir beobachtet, wie die Scholle in immer kleiner werdende Teile zerbrochen ist, so dass die einst vereinten neun Stress-Sensoren nun auf sechs einzelnen Schollen verteilt stehen. Auch wenn diese dynamische Veränderung im Eis die Logistik nun wesentlich aufwendiger macht, da wir den Helikopter nutzen müssen, so helfen sie uns zu verstehen, wie und warum das Eis aufbricht. Das trägt zum Verständnis für zukünftige Klimaveränderungen und die Navigation durchs Eis bei.“

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