Arved Fuchs Expedition - Ocean Change 2019

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Re: Arved Fuchs Expedition - Ocean Change 2019

Beitragvon UliS » Do 11. Jul 2019, 09:57

Arved Fuchs Expeditionen, 11.07.2019 - Quelle

Die "Dagmar Aaen" ist wieder unterwegs - nach dem Crewwechsel im isländischen Isafjördur quert der Haikutter gerade die berüchtigte Dänemarkstraße zwischen Island und Grönland. Ziel ist die grönländische Gemeinde Tasiilaq an der Ostküste der größten Insel der Welt.
Derzeit zeigt sich die Dänemarkstraße aber von ihrer ruhigen Seite ...

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11.07.2019 Ententeich im Sturmrevier

Wir sind unterwegs nach Westen. Nach dem Crewwechsel in Isafjördur segeln wir in der berüchtigten „Dänemarkstraße“ Richtung grönländische Ostküste. Das Seegebiet zwischen Island und Grönland ist bekannt für schlechtes Wetter. Ein Sturmtief nach dem anderen zieht durch den nur rund 300 Seemeilen breiten Seeraum zwischen grönländischer Ostküste und isländischer Westküste – wie durch eine Düse wird der Wind dort beschleunigt. Aber glücklicherweise nicht jetzt. Die See ist völlig ruhig. Unter Vollzeug gleiten wir langsam dahin. Arved kennt die „Dänemarkstraße“ aus vielen Durchquerungen. So ruhig hat er sie noch nie erlebt.

Auf der "Dagmar Aaen" hat sich die Bordroutine eingestellt. Lauren, Chiara und Jeremias gehen die 0-4 Wache, dann folgen Thomas, Jan und unser chilenischer Freund Pablo und die letzten im Zwölf-Stunden-Rhythmus sind Arved, Dirk und Matze in der 8-12 Wache. Kleine Reparaturen können erledigt werden. Es wird viel gelesen und zu jeder Mahlzeit gestaunt, welche Köstlichkeiten unser Koch Thomas wieder gezaubert hat. Einzig an den Temperaturen erkennt man, dass wir Richtung Grönland unterwegs sind. Die Wassertemperatur beträgt nur noch drei bis vier Grad und die Luft wird mit vier bis fünf Grad auch merklich kühler. Die ersten Eisberge haben wir auch schon passiert. Unser Ziel ist die Gemeinde Tasiilaq, die eine von nur zwei größeren Siedlungen an der grönländischen Ostküste. Dort wollen wir in einigen Tagen eintreffen und dann mit dem spannenden Expeditionsprogramm beginnen. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Matze
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Re: Arved Fuchs Expedition - Ocean Change 2019

Beitragvon UliS » Fr 12. Jul 2019, 11:45

Arved Fuchs Expeditionen, 12.07.2019

In den Westfjorden Islands wurde das Schiff vor der Überfahrt nach Grönland noch mit Frischwasser aus den klaren Wasserfällen nahe der Küste versorgt.

Video: https://www.facebook.com/24824702852329 ... 313393456/ [staunen]
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Re: Arved Fuchs Expedition - Ocean Change 2019

Beitragvon UliS » Mo 15. Jul 2019, 11:23

Arved Fuchs Expeditionen 15.07.2019 - Quelle

Nach dem Crewwechsel im isländischen Isafjördur ging es für die "Dagmar Aaen" durch die in diesem Jahr ungewohnt ruhige Dänemarkstraße an die Ostküste Grönlands. Am Wochenende erreichte die Mannschaft um Arved Fuchs schließlich das erste Ziel der diesjährigen Expedition: die kleine Gemeinde Tasiilaq.

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14.07.2019 Tasiilaq

Ganze fünf Tage waren wir auf See und jeden Moment sollte die Südküste Grönlands vor uns auftauchen. Dann jedoch ein holpriges Geräusch aus der Maschine und wir kehrten mit einem Schaden am Verstellpropeller um – ohne, dass ich die Küste von der ich so lange schon träumte zu Gesicht bekam, geschweige denn betreten konnte. Was folgte waren sieben weitere Tage auf See, mit wunderbarem Segelwetter, totaler Flaute und schwerem Sturm, nach denen wir das letzte Stück von einem Hafenschlepper an eine Pier auf Island geschleppt wurden. Diese Reise hatten wir alle uns ganz anders vorgestellt.

Dieses Jahr bekam ich also eine zweite Chance endlich nach Grönland zu gelangen. Als ich in Isafjördur an Bord ging waren mir (wie den meisten anderen auch) die Sturmtage des vergangenen Jahres noch lebhaft in Erinnerung geblieben und ich fragte mich, ob uns dieses Jahr in der berüchtigten Dänemarkstraße ähnliche Bedingungen erwarten würden. Die Wettervorhersage jedoch versprach etwas vollkommen anderes und bewahrheitete sich unserer Skepsis zum Trotz: vom Auslaufen bis zur Ankunft hatten wir eine ruhige See und wenig Wind. Dieses Jahr musste es also klappen.

Die ersten Eisberge sichteten wir nicht einmal auf halber Strecke zwischen Island und Grönland. Kaum konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt vorstellen, dass uns bis zu unserem Bestimmungsort noch etliche mehr – noch größere – begegnen sollten. War dieser erste Anblick bereits mehr als eindrucksvoll, bot der der grönländischen Küste ein durch und durch surreales Bild: An unserem dritten Seetag, als wir gerade unsere Mitternachtswache antraten, war sie steuerbords bereits zu sehen. Scharf zeichneten sich die schneebedeckten Gipfel der kantigen Berge gegen den rötlichen Sonnenuntergang ab; und vor dieser atemberaubenden Kulisse natürlich Eisberge. Die gesamte Wache über kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus, weil immer neue Eisberge auftauchten und mit zunehmendem Licht immer mehr Details der Küste erkennbar wurden. Auch sichteten wir mehrmals Buckelwale, die teilweise sehr dicht an das Schiff herankamen.

Während unserer Mittagswache gelangten wir schließlich an die Einfahrt des Fjordes, in dem unser Zielort Tasiilaq liegt. Jetzt, wo die Dagmar Aaen vor dieser kleinen an einem Hügel gelegenen Stadt mit ihren bunten Häusern in einer stillen Bucht, inmitten von Eisbergen vor Anker liegt, kommt es mir beinahe immer noch unwirklich vor, dass wir tatsächlich in Grönland sind. Ich schätze mich glücklich, dass es dennoch so ist.

Jeremias

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Re: Arved Fuchs Expedition - Ocean Change 2019

Beitragvon UliS » Mo 22. Jul 2019, 17:27

Arved Fuchs Expeditionen - Quelle

Zwei Tage verbrachte die Crew um Arved Fuchs auf dem ehemaligen US Luftwaffenstützpunkt Bluie East 2, um die Hinterlassenschaften der Militäreinrichtung zu dokumentieren. Unzählige Benzinfässer, alte Lkw, Dampfkessel und Fundamente von Holzhütten liegen seit 1947 unverändert und unangetastet herum. Die Crew hat vor Ort Bodenproben genommen, die analysiert werden sollen - der Boden der Region könnte umfangreich vergiftet sein...

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22.07.2019 Ein Kriegsschrottplatz in der Arktis "Bluie East 2"

Wir laufen unter Maschine im Ikateq-Sund. Schon von weitem fällt er einem ins Auge, der verrostete alte Kran am Nordufer. In rund 18 Meter Wassertiefe fällt der Anker. Wir sind da. Vor uns liegt der aufgelassene US Luftwaffenstützpunkt Bluie East 2. Ein rostiges Relikt des 2. Weltkriegs. Der Kran steht auf einem verfallenen Anleger, darüber erkennt man sofort die ca. 1500 Meter lange Landepiste, die parallel zum Ufer verläuft. Mehr ist vom Schiff aus nicht zu sehen, da die 1942 aus dem Boden gestampfte Militäreinrichtung auf einem schlecht einzusehenden Hochplateau liegt. Den ersten Gesamteindruck verschafft sich unser Kameramann Tim. Er startet seine Drohne , überfliegt das rund einen Quadratkilometer große Areal und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da stehen diverse Lkw mit geschwungenen Kotflügeln, wie man sie aus alten Filmen kennt. Das ausgebrannte und zusammengefallene Skelett eines Flugzeughangars ist zu erkennen, Dampfkessel, Fundamente von Holzhütten und rostig braune Fässer. Überall Fässer.

Einzelne, in Reihen abgelegte, zu wilden Haufen aufgetürmte oder fein säuberlich gestapelte 200 Liter Fässer. Tausende, wahrscheinlich weit mehr als 10.000. Einfach stehen gelassen in der Natur Grönlands. Alle Fässer haben drei große Buchstaben in den Blechdeckel geprägt: USA. Ab 1942 wurde Bluie East 2 genutzt, um im Niemandsland der Arktis amerikanische Kriegsflugzeuge auf dem Weg nach Nazi-Deutschland aufzutanken. Auch viele militärische Rettungseinsätze wurden von hier gestartet. 1947 war Schluss. Von einem Tag auf den anderen verließen die Amerikaner Bluie East 2 und ließen alles stehen und liegen. Alles! In den Jahren danach bauten die Grönländer ab, was sie selbst noch gebrauchen konnten. Zurück blieben Schrott und abertausende Blechfässer. Bis heute. In keiner Seekarte und keinem Handbuch erwähnt. Und nun stehen wir hier und sind tief beeindruckt. Beeindruckt von den Mengen an Material, beeindruckt von der historischen Last auf diesem Ort, beeindruckt vom morbiden Charme der Szenerie.

Zwei Tage sind wir vor Ort. Von morgens bis abends. Erkunden das Gelände, nehmen Bodenproben und dokumentieren jedes Detail durch Foto - und Filmaufnahmen. Denn Bluie East 2 könnte sich schon bald verändern. Endlich, nach mehr als 70 Jahren soll hier aufgeräumt werden. Aber nicht von den Verursachern, den Amerikanern. Nein. Die haben sich ihrer Verantwortung schon in den fünfziger Jahren entledigt, indem sie einen Vertag schlossen mit Dänemark, das damals das Sagen hatte in Grönland. Einfach ausgedrückt, wurde in dem Vertrag ausschließlich der amerikanische Standpunkt zu Papier gebracht. Frei nach dem Motto: Wir Amerikaner haben Euch den Arsch gerettet vor den Nazis, jetzt könnt Ihr auch mal den Müll wegräumen. Dänemark unterschrieb – und tat jahrzehntelang nichts. Erst 2018 wurde ein Vertrag mit Grönland unterzeichnet, der besagt, dass Dänemark bis 2024 insgesamt knapp 26 Millionen Euro zur Verfügung stellt, um in Grönland die amerikanischen Hinterlassenschaften abzuräumen. Es soll auf der größten Insel der Welt noch bis zu 30 (!) US Militäreinrichtungen aus dem 2. Weltkrieg geben.

Im Rahmen einer Ausschreibung wurde eine grönländische Firma namens 60 North ausgewählt, um Bluie East 2 endgültig zu entsorgen. Eine Mammut-Aufgabe. Einerseits ist es die gigantische Menge an Material, die weg soll, auf der anderen Seite die schwierige Logistik. Zu erreichen ist der ehemalige Luftwaffenstützpunkt natürlich nur aus der Luft oder per Schiff und das auch nur in den eisfreien Sommermonaten Juli und August. Zudem wird schweres Gerät benötigt, da auch der Boden abgetragen werden müsste. Denn Bluie East 2 könnte eine tickende ökologische Zeitbombe sein. In den Fässern wurde offenbar Flugbenzin, anderer Kraftstoff, Heizöl und Schmierstoff transportiert. Viele der Fässer waren nicht leer. Im Laufe der Jahre sind sie geplatzt und der Inhalt ausgelaufen. Der Boden in der Region könnte umfangreich vergiftet sein. Mit der Schneeschmelze könnten schädliche Stoffe jedes Jahr in den Sund gespült werden. Um das herauszufinden, haben wir die Bodenproben genommen. Im Institut für Umweltanalytik im bayrischen Möhrendorf wird Raimund Funke die 34 gesammelten Proben genau analysieren. Danach wissen wir mehr.

Einige Menschen in Tasiilaq, der nächstgelegenen großen Siedlung haben Ihre ganz eigene Meinung zum Thema Bluie East 2 : Sie wollen, das mögliche Giftstoffe unbedingt entfernt werden, ansonsten soll der Schrott aber bleiben. Die US Airbase sei eine kulturhistorische Stätte und deshalb solle sie erhalten bleiben. Für uns durchaus verständlich, gibt es doch bereits sowas wie Bluie East 2 – Tourismus in Tasiilaq: Vereinzelt werden schon Gäste in kleinen Motorbooten zur US Aisbase gefahren, um sich die militärische Schrotthalde anzuschauen. Zumindest eine kleine Einkunftsquelle in der ansonsten von Arbeitslosigkeit geprägten Gemeinde. Die mögliche Umweltgefahr auf dem ehemaligen US Luftwaffenstützpunkt bringt Arved treffend auf den Punkt: Die amerikanischen Umweltgesetze sind streng und das ist auch gut so. Für die Sauerei, die in Grönland möglicherweise zurückgelassen wurde, würde man in den USA ins Gefängnis gehen….

Matze

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Re: Arved Fuchs Expedition - Ocean Change 2019

Beitragvon UliS » Mo 29. Jul 2019, 11:22

Arved Fuchs Expeditionen, 24. Juli 2019 - Quelle

Auch im zweiten Jahr unserer "Ocean Change"- Expedition sind wir auf der "Dagmar Aaen" wieder eine gut funktionierende Mannschaft. Die Mischung aus langjährigen Stamm-Leuten und jungen Crewmitgliedern stimmt. Für einige Wochen gehört auch die erst 18 jährige Chiara aus Hamburg zur Besatzung. Als junge Seglerin findet sie sich schnell ein in das Bordleben. Wache gehen, Backschaft und Arbeiten am Schiff, all das macht sie mit großem Engagement. Auch für unser Logbuch schreibt sie wie selbstverständlich einen Eintrag. Hier kommt der persönliche Bericht von Chiara...

24.07.2019 Kulusuk

Auch im zweiten Jahr unserer "Ocean Change"- Expedition sind wir auf der "Dagmar Aaen" wieder eine gut funktionierende Mannschaft. Die Mischung aus langjährigen Stamm-Leuten und jungen Crewmitgliedern stimmt. Für einige Wochen gehört auch die erst 18 jährige Chiara aus Hamburg zur Besatzung. Als junge Seglerin findet sie sich schnell ein in das Bordleben. Wache gehen, Backschaft und Arbeiten am Schiff, all das macht sie mit großem Engagement. Auch für unser Logbuch schreibt sie wie selbstverständlich einen Eintrag. Hier kommt der persönliche Bericht von Chiara:

Wir haben Tasiilaq verlassen, weil in Kulusuk ein weiterer Crewwechsel ansteht. Schon sehr bald nach dem Auslaufen mussten wir feststellen, dass die elektronische Seekarte nicht mehr der Wirklichkeit entsprach und wir ab jetzt mit Radar-und Kompasspeilungen unseren Standort bestimmen und auf der Seekarte einzeichnen mussten. Jetzt war die gelernte Navigation mit Dreieck und Zirkel gefragt, um die Untiefen sicher zu umfahren und die Route über Kulusuk zum Knut Rasmussen Gletscher zu berechnen.

Wir fanden einen ruhigen Ankerplatz in der Bucht von Kulusuk und Thomas, Matze und Jan machten sich mit dem Dingi auf eine Tour ums Schiff, um die Wassertiefe bei den umliegenden Inseln auszuloten. Danach besuchten sie die Ortschaft, in der sie nur wenige Leute antrafen. Einer erzählte ihnen, dass nur noch 200 Leute in Kulusuk lebten und vor allem die jungen Menschen von hier wegzögen.

Nach einer Nacht vor Anker konnten wir nach dem Frühstück Brigitte, Tim, Louisa und Karel in Empfang nehmen. Sie kamen mit dem Flugzeug, mit dem Jere und Jan später am Tag zurück nach Reykjavik fliegen sollten. Die Nachricht, dass der Start um 1,5 Stunden nach vorne verlegt worden war, erreichte uns auf dem Schiff leider nicht, weswegen die beiden ihren Aufenthalt in Kulusuk gezwungener Maßen verlängern mussten.

Nachdem die beiden an Land abgesetzt worden waren, brachen wir bei ausnahmsweise einmal bewölktem Himmel und Nieselregen auf Richtung Knut Rasmussen Gletscher. Nach einem Zwischenstopp an einem sicheren Ankerplatz, dauerte es am nächsten Morgen nicht einmal mehr eine Stunde, bis wir den Knut Rasmussen Gletscher und den in einem Seitenarm gelegenen Karale Gletscher vor uns sehen konnten. Die Eismassen waren sehr beeindruckend und das Getöse laut, wenn ein Stück abbrach und ins Wasser stürzte.

Die Dagmar Aaen trieb in der Bucht, während Lauren als erstes Brigitte, Tim, Luisa und Karel mit dem Dingi an Land brachte. Karel und Louisa begannen mit den Vorbereitungen für eine Gletscher- Vermessung per Flugdrohne . Als später auch Pablo an Land kam, machten er und Tim mit Drohnen Aufnahmen vom Rasmussen Gletscher und der Bucht, welche nochmal eine weitere Perspektive ermöglichten. Bevor wir am Abend hinter zwei kleinen vor Eis schützenden Inseln vor Anker gingen, probierte Tim noch die Unterwasserdrohne aus.

Da der Himmel am Nachmittag aufgerissen war, nahmen Lauren und ich noch ein kleines Erfrischungsbad im 3 Grad kalten Wasser. Zu Abend gab es leckeren Heilbutt, den wir in der Bucht treibend frisch bei einem Fischer einkauften, der gerade seine Leine eingeholt hatte.

Tags darauf ging es eine Bucht weiter, um auch den Karale Gletscher aus nächster Nähe anzugucken. Dort machten wir eine Müll-Sammlung am Strand und machten weitere Aufnahmen mit den Drohnen. Anders als erhofft, fanden wir am Strand leider mehrere Teile Plastik und anderen Müll. Als die Crew wieder vollständig an Bord war machten wir uns auf den Weg zur alten US Station Bluie East Two, einem aufgelassenen Luftwaffenstützpunkt der Amerikaner aus dem 2. Weltkrieg.

Chiara

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Re: Arved Fuchs Expedition - Ocean Change 2019

Beitragvon UliS » Mo 29. Jul 2019, 11:26

Arved Fuchs Expeditionen, 29.07.2019

Mittlerweile ist die "Dagmar Aaen" von Arved Fuchs an der Ostküste Grönlands angekommen. Zuvor musste die berüchtigte Dänemarkstraße überquert werden, die sich in diesem Jahr allerdings von ihrer ruhigen Seite zeigte.

Video: https://www.facebook.com/24824702852329 ... SEARCH_BOX
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Re: Arved Fuchs Expedition - Ocean Change 2019

Beitragvon UliS » Mi 7. Aug 2019, 11:44

Arved Fuchs Expeditionen 07.08.2019 - Quelle

In den abgelegenen und einsamen Regionen der Ostküste Grönlands stattete die Crew der "Dagmar Aaen" der Sermilik Forschungsstation einen Besuch ab.

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07.08.2019 Sermilik Fjord

Durch dicken Nebel steuern wir in den Sermilik Fjord nur ein paar Seemeilen süd-westlich von Tasiilaq. Die Sicht beträgt maximal 10m. Der Arktische Rauch – wie man den hier typischen Seenebel nennt – entsteht bei schönstem Wetter, wenn die Luft über Land sich erwärmt und feuchtigkeitsgesättigt, wie sie ist, über das kalte Wasser streicht. Obwohl über uns der blaue Himmel ersichtlich ist und die Sonne durch den Nebel scheint, nähern wir uns nur im Schritttempo einer anscheinend verlassenen Siedlung - Ikateq. Da weder unsere elektronische Seekarte, noch die Papierkarten hier verlässlich sind und das Radar als einziges Ortungsinstrument durch die Eisberg-Armada auch nur bedingt zur Navigation genutzt werden kann, muss wieder einmal ein Erkundungstrupp los. Sogar die neuesten Papierkarten sind fehlerhaft, haben nur sporadische Tiefenangaben und vermissen gefährliche Unterwasserfelsen.

Das Dinghi fährt voraus, um entlang der Küste eine eventuell mögliche Ankerbucht zu finden, doch vergeblich: Sicht, Untiefen und zu kleine Schwojkreise lassen uns die Nacht zwischen Eisbergen und -schollen treibend im Eingang des Fjords verbringen. Morgens lichtet sich der Nebel langsam und wir können die Fahrt in den Fjord hinein fortsetzen und uns auch Stück für Stück wieder orientieren. Wundersame Eisbergformationen ziehen auf unserem Zickzack Kurs an uns vorbei, dazwischen vereinzelt Buckelwale und bald sind auch Berge und Gletscher bei bestem Sonnenschein ersichtlich. Der Sermilik Fjord entpuppt sich als ein grandioser Naturschauplatz. Wir wollen unsere Wasservorräte wieder auffüllen und entschließen uns heute für einen Eisberg: Das Schmelzwasser fließt hier an mehreren Stellen in kleinen Wasserfällen vom Berg hinab. Die gute Idee wird zu einer nass-kalten und anstrengenden Angelegenheit, doch immerhin – wir bringen 160l bestes Gletscherwasser wieder mit an Bord.

Auf der Suche nach einem möglichen Ankerplatz gelangen wir nach Tiniteqilaq. Die einzige noch bewohnte Siedlung in diesem Fjord. Glücklicher Weise finden wir guten Ankergrund und verbringen die Nacht in Ruhe und erkunden am nächsten Morgen den schönen und einfach grandios am Fjord gelegenen Ort. Eine grönländische Siedlung mit all ihrem Charme aber auch der Realität der Müll- und Fäkalienentsorgung. Die “Shitgang” fährt mit ihrem Truck – einem von zwei Kraftfahrzeugen im Ort – auf ihrer täglichen Beutelsammlung an uns vorbei: Schwarze Plastikbeutel mit Fäkalien, die vor den Häusern am Wegrand stehen, gesammelt und im Fjordwasser entleert werden.

Sermilik Forschungsstation

Am folgenden Abend finden wir auf der Suche nach einem erneuten Ankerplatz die Sermilik Forschungsstation. Nachdem 1933 der Polarwissenschaftler Knud Rasmussen die ersten Untersuchungen an Gletschern durchgeführt hatte, wurde die Sermilik Forschungsstation 1970 als permanente Basisfeldstation zur geomorphologischen, glazialen und Wasseruntersuchungen des Mitivagkat Gletschers eingerichtet. Nur wenig südlich, dort wo einst der Mitivagkat Gletscher im Fjord endete, fällt unser Haken. Während am nächsten Tag einige wandernd unterwegs sind, holen Tim und Dirk Wasser in der Nähe der Forschungsstation und treffen auf sieben Wissenschaftler aus aller Welt, die dort zwei Wochen verbringen. Sie laden uns ein abends noch einmal vorbei zu schauen, wenn Sie von einem Helikopter Trip zum Inlandeis zurück sind.

Somit landen wir abends an und platzen in ein improvisiertes Forschungslabor der Universität Kopenhagen in einer kleinen Holzhütte in Grönland. Die Wissenschaftler aus Dänemark, Deutschland, Rumänien, Brasilien und den USA tragen transparente Plastikbeutel mit Eis- bzw. inzwischen Wasserproben von außen herein und filtern diese in Weithalsgläser. Der Filter sammelt alles, was wir mit dem bloßen Auge im Wasser nicht sehen können– vor allem Algen. Das ist der Grund, warum die Forscher hier vor Ort sind: Braunalgen, die sonst nur im Wasser leben, wachsen auf dem Eis und gedeihen. Flächige Gebiete des Gletscher- oder des Inlandeises erscheinen dreckig schwarz, braun oder rot. Neben menschengemachtem Dreck und anderen Partikeln in der Luft handelt es sich hierbei jedoch zu 60% auch um Algen. In Gegenden, die wie hier in Grönland nicht viel von Menschen beeinflusst sind, können die Algen gut nachgewiesen werden. Diese wachsen umso mehr, je größer die Menge an Schmelzwasser ist. Nährstoffe beziehen sie wahrscheinlich aus Staubpartikeln aus der Luft und Sedimenten aus Stein, der im Eis eingeschlossen ist.

Und das Sonnenlicht lässt die Algen blühen – und vor allem auch eine dunkle Pigmentierung bilden. Wie auch wir einen UV Schutz entwickeln, in dem sich unsere Haut braun verfärbt im Sonnenlicht, so schützen sich laut der Wissenschaftler auch die Algen auf dem Eis. Leider führt dies dazu, dass die Eisoberfläche sich stärker unter Sonneneinstrahlung erwärmt, mehr Schmelzwasser entsteht, mehr Algen wachsen und blühen, die Eisoberfläche sich mehr erwärmt, … ein Teufelskreis. Die Wissenschaftler wollen auf die Fragen, welchen Anteil die Algen am Abschmelzen der Gletscher und des Inlandeises haben, wie verbreitet sie sind und ob es Möglichkeiten gibt das Wachstum einzudämmen Antworten finden.

Vor allem sind sie sich darüber einig, dass sie nicht unbeachtet sein dürfen und auch in den Klimamodellen berücksichtigt werden müssen.

Wir schauen den Wissenschaftlern gespannt zu, betrachten dreckige Filter, welche tiefgefroren nach Dänemark geschifft werden, und sehen Braunalgen durch ein Mikroskop.

Lauren
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Re: Arved Fuchs Expedition - Ocean Change 2019

Beitragvon UliS » Mi 21. Aug 2019, 11:24

Arved Fuchs Expeditionen, 13. August 2019 - Quelle

Nach dem Verlassen der Siedlung Tasiilaq geht es für die "Dagmar Aaen" weiter in Richtung Süden. Vorbei an den majestätischen Eisbergen hat die Crew dabei Gelegenheit, die zahlreichen Finn- und Buckelwale ausgiebig zu studieren. Ein Naturereignis der besonderen Art ...

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12.08.2019 Kurs Süd

Wir haben die Stadt Tasiilaq verlassen, die in früheren Zeiten Ammassalik hieß, was in der sehr beschreibenden Sprache der Inuit so viel bedeutet wie ein Ort mit viel Lodde – ein herringsähnlicher Fisch, der vor allem in den Fjorden Ostgrönlands ablaicht und für die Inuit eine sehr wichtige Essensgrundlage darstellt bzw. als Köderfisch eingesetzt wird.

Wir nehmen Kurs gen Süden auf und die nordöstlichen Winde bringen uns teilweise mit vollem Segeltuch gut voran. Diese entlegene, zerklüftete Küstenlandschaft ist unbeschreiblich schön und so divers, genau wie die verschiedenen Daseinsformen der Eisberge oder etwa Teile davon. Wir erkunden Buchten, das Inlandeis Grönlands kommt hier nun bis zur Küste und lässt dessen Weite nur minimal erahnen und Sehnsüchte danach aufkommen. Auf den Inseln finden wir Reste von einer alten Siedlung, so die Steinmauern einer Behausung, die noch aufgetürmt sind. Der Eingang wie auch das Fenster, das zu der damaligen Zeit mit Robbendarm bespannt war, sowie eine große Steinplatte, die als Tisch gedient haben musste, auf dem der Trankocher zum Heizen stand, sind gut zu erkennen. Arved erklärt, dass diese solide Bauweise eine permanente Siedlung und nicht nur ein Sommercamp für die Sommermonate zum Fischen und Robbenjagen gewesen sein muss.

Südlich der Fridtjof Nansen Halbinsel, von der im Sommer 1888 der junge Norweger Fridtjof Nansen mit seiner Truppe die erste dokumentierte Inlandeisüberquerung von Ost nach West startete und erfolgreich durchführte, ankern wir. Inlandeisüberquerungen wurden zu dieser Zeit nur von der Westseite, der Diskobucht aus gestartet. Heute finden wir an seinem Startpunkt Alpenschneehühner, jedoch wie fast zu erwarten keinerlei Hinweise auf Nansens Dasein.

Ausschau halten nach Eis während der Fahrt eignet sich besonders gut um Wale zu finden. Wir sehen einige auf unserer Strecke, an einem Tag 23 Tiere. Finn- und Buckelwale, gut zu unterscheiden an ihrer Rückenfinne und in der Ferne auch schon an der Form der ausgeatmeten Luft, dem Blas. Finnwale haben einen dünnen, 8m hohen Blas, während Buckelwale einen buschigeren 3m hohen Blas haben. Das wussten auch schon die Walfänger im 13. Jahrhundert, dass die Tiere so zu unterscheiden sind und gingen von den Küsten Schleswig-Holsteins aus auf große Grönlandfahrt, um von dort Walrat, Tran und Fleisch mit nach Hause zu bringen.

Arved merkt an, dass er seit 1989, seitdem er regelmäßig auf Erkundungsfahrten in den Gewässern um Ostgrönland unterwegs ist, noch nie so viele Wale in diesem Gebiet gesehen hat. Seit die großen Wale nicht mehr kommerziell bejagt werden, erobern sie sich wieder ihr altes Refugium.

Da drängt sich der Gedanke auf, wie mag das Meer hier wohl vor mehreren hundert Jahren ausgesehen haben, als die Tiere hier in Massen gelebt haben. Wir bekommen einen Eindruck davon, während wir langsam fahren und in der Ferne Buckelwale beobachten, als ein Tier ganz interessiert auf uns zugeschwommen kommt. Es hebt immer wieder den Kopf aus dem Wasser, dass man die kleinen Hauterhebungen auf seinem Oberkiefer bestens erkennen kann, bevor es wieder abtaucht. Andere zeigen beim Abtauchen ihre Fluken: Jedes Tier hat ein individuelles Muster, so hat man anhand von Fotovergleichen der Fluken feststellen können, dass Buckelwale sich im Frühjahr bis Sommer hier in den hohen Breiten um Grönland in ihren Nahrungsgründen, den kalten Gewässern aufhalten, um dann im Herbst in die 16.000 km entfernten tropischen Fortpflanzungsgebiete zu ziehen. Es ist toll, dass alles so hautnah miterleben zu dürfen.

Caro

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Re: Arved Fuchs Expedition - Ocean Change 2019

Beitragvon UliS » Mi 21. Aug 2019, 11:51

Arved Fuchs Expeditionen, 21.08.2019 - Quelle

An der Südostküste Grönlands besucht die Crew der "Dagmar Aaen" den Sønder Skjoldungesund. Vor Ort stellt das Team mit Hilfe einer Drohne Vergleiche mit alten Aufnahmen der Gletscher an und stellt gravierende Veränderungen fest. Doch neben all der Arbeit hat die Crew auch Zeit für kulinarische Highlights - Arctic Char steht auf der Speisekarte ...

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20.08.2019 Skjoldungen Sund

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Die Südostküste Grönlands überrascht uns mit ihrer imposanten Landschaft und üppigen Vegetation. Wir segeln in den Sønder Skjoldungesund, den südlich der Insel Skjoldungen gelegenen Sund und finden im Caroline Amalie Havn einen geschützten Ankerplatz, der durch ein 10m breites und 5m tiefes Fahrwasser erreichbar ist. Mit Strömung und Wind von der Seite ist es kein Kinderspiel unbeschadet hier hinein zu manövrieren. In der Bucht legen wir Landleinen und sind kurz danach von scharenweise Midges und Moskitos umgeben, doch die Kulisse entschädigt für die unwillkommenen Besucher. Paddelnd und wandernd erkunden wir am nächsten Tag den Fjord und sammeln trauriger Weise auch hier, wo heutzutage so gut wie keine Menschenseele vorbeikommt, Plastikmüll aus dem Spülsaum: Plastiksäcke, einen Plastikballon, Trawlnetze, Tauwerk, etc. Der Caroline Amalie Havn scheint eine Art Falle für Angeschwemmtes zu sein: Einmal durch die Strömung und den Wind unter Land geschwemmt, kommt es aus dem Fjordsystem nicht mehr heraus und endet früher oder später an Land, wo Vögel, Füchse und Co. es mit Essbarem verwechseln können. Treibt es noch verfangen im Blasentang im Wasser können Robben und auch Seevögel Opfer des Plastiks werden.

Wie viel Einfluss der Mensch an so menschenleeren Orten hat zeigt sich auch mit Blick auf die Gletscher, die in das Fjordsystem um Skjoldungen fließen. So auch der Kong Skjolds Halvø Gletscher. An Bord haben wir alte Luftbilder aus den Jahren 1933 und 2013 unter anderem dieses Gletschers. Pablo, einer unserer begnadeten Drohnenpiloten bereitet alles an Deck vor, während wir in die Mitte des Fjords vor den Gletscher steuern. Wir stoppen auf und kurz danach liegt das uns inzwischen wohl bekannte Geräusch eines Hornissenschwarms in der Luft: Die Drohne wird auf ihre maximale Höhe von knapp 500m gebracht und Aufnahmen des Gletschers geschossen. Die uns vorliegenden Fotos sind etwa aus 4000m Höhe aufgenommen worden, daher können wir nicht exakt dieselben Einstellungen erreichen, aber dennoch: Man erkennt, das auch dieser Gletscher binnen nur 6 Jahren weiter zurückgegangen ist. Und das, obwohl er schon lange nicht mehr durch das Seewasser beeinflusst wird. Denn sobald ein Gletscher nicht mehr ins Meer kalbt, verlangsamt sich seine Fließgeschwindigkeit und somit eigentlich auch der Abtauprozess.

Mit derselben Herangehensweise machen wir noch Aufnahmen des Thryms und Skjoldungen Gletschers im Nordwesten der Insel Skjoldungen. Leider lassen sich auch hier bereits wesentliche Unterschiede erkennen.

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“Heute Abend steht Fisch auf der Speisekarte”, ruft Thomas unser Smutje übers Deck, so dass es alle mitbekommen. Wir sind an die Mündung eines wie im Pilot beschrieben lachsreichen Flusses gefahren und haben dort den Anker geworfen. Thomas steht schon mit Kescher, Eimer und Belegnagel bereit, um sein Glück im Flusslauf zu suchen. Wir steigen zu fünft in unser Dinghi und machen uns auf den Weg zum nächstmöglichen Anlandungsort, von wo aus wir zu Fuß weiter den Fluss hinauflaufen. Das Dronning Marie Dal besticht durch den malerisch mäandrierenden Fluss, Blau- und Krähenbeergestrüpp, kleinere Büsche und einen fantastischen Blick auf Gletscher und den Sund, der gespickt mit Eisbergen vor uns liegt. Der nicht weit entfernte Gletscher Drøneren macht seinem Namen alle Ehre. In unregelmäßigen Abständen donnert es durch den Sund, wenn mal wieder ein Eisstück abbricht und unter Getöse ins Wasser stürzt. Drøneren bedeutet Donner.

Thomas und Peter schauen sich die Wasseroberfläche genauestens an und erfahrene Angleraugen entdecken eine potentielle Einbuchtung. Es dauert nicht lange und es zappeln 80cm lange Fische im Kescher – Arctic Char. Eine Delikatesse in europäischen Restaurants und auch wir freuen uns über den frischen Fang, der sogleich filetiert und wie versprochen zum Abendessen serviert wird. Nicht zu vergessen die gesammelten Beeren, die sowohl unser Müsli als auch unsere selbstgebackenen Muffins versüßen.

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Unser letzter Stopp heißt Graahs Fjord oder Akorninnarmiit Oqqummut Kangertivat.

Der nach W.A. Graah, einem dänischen Marine Kapitän, benannte Fjord hält in seinem Eingang die Insel Imaarsivik mit einer perfekt geschützten Ankerbucht bereit – dem Graahs Havn. Hier überwinterte Graah 1829-30 auf seiner epischen Reise im umiaq – dem grönländischen Frauenboot von Qaqortoq nach Dannebrog Ø, 120 Seemeilen weiter nördlich, wo er auf Grund von Eis gezwungen war umzukehren. Viele Inseln, Fjorde, Kaps und Berge sind hier nach Graah, der auf Dannebrog Ø als erster die dänische Flagge hisste, benannt. Wieder fahren wir durch einen sehr schmalen und flachen Sund in eine Bucht und können uns rein mit Hilfe von Landleinen festmachen – wo kein Anker, da keine Ankerwache. Somit erfreuen wir uns alle über eine schlafreiche Nacht. In der kleinen Bucht finden sich Überreste alter Steinhäuser und -gräber, Krähenbeeren, aber auch wieder Plastikmüll. Unsere Sammlung an Deck wird immer größer. Und es zeigt sich weiterhin: Obwohl hier seit einiger Zeit kein Mensch mehr lebt, ist die Natur dennoch stets durch unser Handeln beeinflusst.

Am nächsten Tag segeln wir weiter in das Fjordinnere. Die steilen Hänge kanalisieren den auflandigen Wind und mit gesetzten Vorsegeln ziehen wir geräuschlos an Eisbergen und -schollen, kleinen und großen Wasserfällen vorbei. Die schieren Massen an Wasser lassen innehalten, ob es nun Gletscherflüsse oder Quellen sind. Manchmal lieblich, oft rauschend und wild, klein oder hunderte Meter hoch. Unsere Trinkwasservorräte sind auf jeden Fall gesichert und auch eine Dusche unter dem eiskalten Wasser lassen wir uns nicht entgehen.

Wie stille Wächter liegen riesige Eisberge vor dem Eingang des Fjords. Der Anker fällt in 30m Wassertiefe, wir genießen die letzten Sonnenstrahlen und können in der wieder fälligen Ankerwache einen Hauch von Polarlichtern erspähen. Eine Wanderung zum Ende des Tals hält alles für uns bereit: Kletterpartien, Moskitos, eiskalte Flussdurchquerungen, atemberaubende Aussichten auf Gletscher, Seen, Felsen, Berge, Blumenmeere, türkisblaues Wasser und lassen uns bei einigen Pausen innehalten und Grönlands Natur aufsaugen.

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UliS
 
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Re: Arved Fuchs Expedition - Ocean Change 2019

Beitragvon UliS » So 29. Sep 2019, 12:31

Arved Fuchs Expeditionen
27. August 2019
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Nach der Ruhe und Abgeschiedenheit der grönländischen Fjorde entlang der Ostküste ist die Crew an Bord der "Dagmar Aaen" zurück im pulsierenden Leben. Der Haikutter hat die isländische Hauptstadt Reykjavik erreicht. Angekommen bei bestem Sommerwetter hieß es im Anschluss, im Hafen von Keflavik vorerst abzuwettern...

Abwettern im isländischen Keflavik ... Video: https://www.facebook.com/24824702852329 ... Lx2bDcGHpB

27.08.2019 Zurück in Island

Die Dänemarkstraße liegt hinter uns. Seit einigen Tagen sind wir zurück in Island. Reykjavik ist unser erstes Anlaufziel. Die Hauptstadt empfängt uns mit bestem Sommerwetter und einem pulsierenden Leben. Nach der Stille und Abgeschiedenheit und Einsamkeit der grönländischen Fjorde wirkt das Stadtleben auf uns wie eine andere Welt. Aber es ist schön wieder hier zu sein! Alles zu seiner Zeit – ein nettes Café, ein heiße Dusche, ein Restaurantbesuch, ein gutes Glas Wein – auch das macht Leben aus. Ich glaube gerade wenn man das eine eine Zeit lang entbehrt hat, weiß man um die Wertigkeit des jeweils anderen. Nichts ist selbstverständlich im Leben und das fröhliche und weltoffene Treiben der isländischen Metropole tut uns gut – so wie uns die grönländische Abgeschiedenheit und deren grandiose Natur in ihren Bann gezogen hat. Wie sehen wieder Nachrichten, hören, dass unser Freund Boris Herrmann mit Racer „Malizia II“ Greta Thunberg nach New York zur UN Klimakonferenz segelt - ein großartiges Unterfangen. Boris ist genau der richtige Mann dafür - nicht nur von vom Seglerischen Know How her – da können ihm ohnehin nur wenige das Wasser reichen - sondern weil er hinter dem Projekt steht !

Island bedeutet für uns in jeder Hinsicht Wechselstimmung. Es ist ein echter Einschnitt. Einige Crewmitglieder werden uns hier verlassen, andere neue zu uns stoßen. Island ist der Startpunkt für unsere Heimreise. Natürlich gibt es noch Anlaufpunkte und Aufgaben auf der Rückreise die abzuarbeiten sind, aber der Kurs der Dagmar Aaen geht in südöstliche Richtung. Den ersten heftigen Sturm haben wir sicher im Hafen von Keflavik abgewettert – aber das wird nicht der letzte sein. Der September ist meist recht stürmisch im Nordatlantik. Und damit sind wir wieder mitten drin – in der Natur.

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