Forscher beobachten um ihr Überleben kämpfende Eisbären

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Forscher beobachten um ihr Überleben kämpfende Eisbären

Beitragvon UliS » Di 13. Jun 2017, 15:45

Forscher beobachten in der Russischen Arktis die, um ihr Überleben kämpfende, Eisbären.

Russland mag mehr Eisbären als irgendein anderes Land haben, aber die Wissenschaftler fangen erst an, sie zu verstehen – im Wettlauf mit dem schmelzenden Eis, das ihre Existenz gefährdet.
Von John Wendle, veröffentlicht am 2. Juni 2017

AMDERMA, RUSSLAND – Die russischen Biologen waren schon bei ihrer dritten Runde Wodka bei einem Abendessen aus Dosen-Rentierfleisch, Buchweizen und eingelegtem Gemüse, als eine Nachbarin hereinrannte und „Bär!“ schrie.

Alte Gabeln aus Sowjetzeiten klapperten gegen Teller, als die Wissenschaftler gleichzeitig aufstanden und aus der winzigen Küche des Sea View, ein großartig benanntes Hotel in der fast verlassenen Stadt Amderma am Ufer der Kara See, rannten. „Der Eisbär ist bei der Schule!“ rief die junge Frau erneut, während sich die Männer in einem chaotischen Durcheinander mit Stiefeln, Handschuhen, Mänteln und Hüten bekleideten.

Sergey Naidenko und Yevgeny Ivanov rannten in ihr Zimmer und schnappten ein leichtes deutsches Luftgewehr. Yevgeny steckte einige Betäubungspfeile in seine Jacke – dann rannen alle hinaus in die Dämmerung eines Frühlingsabends in der russischen Arktis.

Draußen schnappte sich Sergey die Pfeile, sprang auf ein Schneemobil zu einem örtlichen Jäger mit einem Gewehr über der Schulter und sauste über den harten Schnee in die Richtung, in die der Bär gerannt war. Der Rest der Gruppe ging zur gefrorenen Meeresküste hinunter, durch tiefen Schnee, der die Berge von rostendem Schrott, der vom der zweitgrößten arktischen Luftstützpunkt der Sowjetunion zurückgelassen worden war, versteckte.
Die Nachbarin kletterte auf einen ausrangierten Tank, setzte die Hälfte eines zerbrochenen Fernglases an ihr Auge und überprüfte das Eis. In weiter Ferne rannte der Bär über den Horizont – dann verschwand er im Weiß. Zehn Minuten später kamen Sergey und der Mann zurück. Kein Glück gehabt.
Eisbären – zusammen mit Löwen, Elefanten, Großen Pandas, Buckelwalen und anderen – werden oft die „Charismatische Megafauna“ genannt. Sie sind die großen Tiere, die den Organisationen zur Arterhaltung helfen, Geld zu sammeln. Die Internetauftritte werden mit Bildern ihrer Jungtiere untermauert. In den letzten Jahren sind vor allem die Eisbären in den Vordergrund getreten, als ihre Bedrohung durch die Erderwärmung spürbarer wurde – so wurde diese Spezies im Hinblick auf die Klimaveränderung zum ‚Kanarienvogel in der Kohlegrube‘. Aber in Russland, wo ungefähr die Hälfte der weltweiten Eisbärpopulation lebt – ist fast nichts über sie bekannt.

Abgesehen von der Spitze ihres Lebensbereichs nahe Norwegen und in Alaska und einigen Youtube-Videos, die russische Ölarbeiter eingestellt haben, ist der Status und die Gewohnheiten der russischen Eisbären weitestgehend nicht existent. Diese Expedition russischer Forscher war der hoffnungsvolle Beginn einer Änderung, aber, wie gewöhnlich, gingen Zeit und Geld aus. Und nun war der eine Bär, den sie gesehen hatten, im Eis verschwunden.

Russische Bären zählen?

„Wenn man auf ein Schwarzes Loch in unserem Wissen über Eisbären zeigen möchte“ sagt Steven Amstrup, Chefwissenschaftler von ‚Polar Bears International‘ „ist es ganz klar die russische Arktis.“

Ilya Mordvintsev, Chef der Expedition und Biologe am ‚A.N. Severtsov Institute of Ecology and Evolution‘ in Moskau, stimmt zu. „Für die Kara See haben wir null Information. Wir kennen die Population nicht. Wir kennen die Anzahl der Bären dort nicht. Für uns ist das ein unbeschriebenes Blatt.“

Vom Aushängeschild der Erderwärmung ist so gut wie nichts in Russland bekannt. „Es ist wirklich wichtig hervorzuheben, dass die Information fehlt und wie wichtig sie für unser Verständnis aller Eisbären in der Arktis ist,“ sagt Karyn Rode, eine Biologin am ‚U.S. Geological Survey’s Alaska Science Center‘. „Je detaillierter die Informationen sind, die wir aus verschiedenen Teilen der Eisbärgebiete bekommen können - umso genauer erkennen wir, wie sie mit dem Verlust des Packeises umgehen und umgehen werden.“

Das letzte Mal, dass Eisbären in der russischen Arktis regelmäßig beobachtet wurden, war zur Zeit der Sowjet Union, als die Mannschaften der Eisbrecher, die Fahrrinnen für die Frachtschiffe brachen, die Eisbären, denen sie begegneten zählten. Als die UdSSR zusammenbrach, ging diese Datenquelle verloren, sagt Mordvintsev. Gelegentlich wurden noch großflächige Luftüberwachungen ausgeführt, aber keine im Detail.

Ironischerweise ist daran ein Jagdverbot aus Sowjetzeiten Schuld. Da die Strafen hart waren, wurden die Bären kaum geschossen. Aber ebenso wenig sahen die Behörden eine Notwendigkeit für eine Zählung, was üblicherweise gemacht wird um die Anzahl der Bären, die jährlich legal geschossen werden können, zu ermitteln.

Erst 2010 begannen die Wissenschaftler von Mordvintsevs Institut wieder mit den Studien. Aber bis heute fehlt ihnen staatliche Unterstützung. Während in den USA, Kanada und Norwegen die Studien oft hunderte Stunden von Hubschrauber- und Flugstunden beinhalten, hatte dieses russische Team nur an drei Tagen Flugmöglichkeiten mit einem Mi-8 Hubschrauber aus Sowjetzeiten.

Darüber hinaus wurden die Chukchi See, benachbart zu Alaska und die Barent See nördlich von Norwegen in Zusammenarbeit mit ausländischen Wissenschaftlern etwas erforscht. Aber oberhalb Sibiriens wurde nur eine kleine Ecke der 92.722.000 km² erforscht und die 69.930.000 km² der Laptev See überhaupt noch nie. „Man weiß überhaupt nichts,“ sagt Mordvintsev.

Und die Zeit um etwas über die russischen Bären zu erfahren läuft davon. Ende März haben die NASA und das ‚National Snow and Ice Data Center‘ einen Rekordniedrigstand von knapp 1.4 Millionen Quadratkilometern Packeis in der Arktis festgestellt, das dritte Jahr in Folge ein Drittel weniger.
„Ich habe mir die Wetterkarten der Arktis von den letzten 35 Jahren angesehen und habe niemals etwas Vergleichbares gesehen zu dem, was wir in den letzten zwei Wintern erlebt haben,“ sagt NSIDC-Direktor Mark Serreze. Eisbären jagen vom Packeis aus. Fehlt es „sind sie praktisch zum Hungern verurteilt,“ sagt Mordvintsev.

Neue Bedrohungen für die Eisbären?

Was diesen Zustand beschleunigt, sind die erneuerte russische Öl- und Gasspekulation und militärische Ausweitung – das wird alles im gerade fertig gestellten ‚International Arctic Forum‘ von Russland verkündet. Das diesjährige Thema war „Mensch in der Arktis“. Am 30. März besuchte der russische Präsident Vladimir Putin Franz Josef Land, das für ein umfassendes Aufräumen von ungefähr 90.000 Tonnen Sowjet-Abfall ins Auge gefasst wurde, um ein positives Image zu bekommen. Heute wird viel von der Erforschung der großen Tiere in der russischen Arktis von der Ölindustrie gemacht. Aber bisher haben sie ihre Ergebnisse nicht mitgeteilt. „Diese Informationen kennen wir nicht,“ sagt Mordvintsev. „Das ist ein großes Problem.“

Darüber hinaus werden die Bären aufs Festland vertrieben, da das Packeis immer schneller schmilzt und dort kommen sie mit den Menschen in Konflikt. Obwohl das Auftauchen des Bären in Amderma ohne Zwischenfall endete, kennt diese Stadt, in der ein früheres Gulag-Gefängnis stand, ihre Besuche. Die russischen Forscher glauben, dass sich dieser Trend fortsetzt, da sich die Bären auf Futtersuche machen.

Das Ziel ihrer Hubschraubermission war, Eisbärinnen zu narkotisieren, DNA-Proben zu nehmen und mit einem Halsband zu versehen, damit ihre Bewegungen verfolgt werden können. Mordvintsev besitzt die Daten von einem Bären, den sie letztes Jahr mit einem Halsband versehen haben, aber er braucht mehr um herauszubekommen, ob die Bären in die Kara See Region hereinkommen oder sie verlassen.

Aber weil sich der Zustand des Packeises in der Region so schnell verschlechtert, glaubt das ‚Arctic Monitoring and Assessment Programme‘, dass der Arktische Ozean in den späten 2030er Jahren im Sommer weitgehendst eisfrei sein wird. Obwohl die Forschung in der russischen Arktis wichtig ist, glaubt Amstrup, dass wir das, was wir über die Gewohnheiten der Eisbären und ihre Wohngebiete wissen müssen, schon kennen, um sie vorm Aussterben zu bewahren.
„Forschungsergebnisse sind auf der Detailebene wichtig, aber nicht auf der höchsten Ebene,“ sagt er. „Wir können keinen Zaun bauen, um das Packeisgebiet vor den ansteigenden Temperaturen zu schützen.“
Am letzten Tag der Expedition erlaubt die finanzielle Lage des Projektes nur einen Vormittagsflug. Um 9:00 Uhr sammeln sich die Leute vor dem Hotel und bestiegen einen riesigen Truck – den „Bus“ der Stadt – Richtung Flughafen. Mit sinkender Hoffnung laden sie ihre Ausrüstung in den Hubschrauber, beauftragen den Piloten damit, die Spuren des Bären zu suchen, den sie am Abend zuvor gesehen haben und starten.

Die nächsten drei Stunden fliegen sie im Zickzack die Küste entlang, sehen Belugawale, Ringelrobben an ihren Atemlöchern, Rentiere, Schneehasen und Hunderte von Seevögeln aber keine Eisbären. Zumindest für dieses Jahr haben Mordvintsev und sein Team keine Informationen in der Kara Sea gesammelt.
„Die Zukunft der Eisbären,“ sagt er „ist für uns weiterhin unklar.“

Übersetzung von Eva [ja]

http://news.nationalgeographic.com/2017 ... 84573386=1
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Re: Forscher beobachten um ihr Überleben kämpfende Eisbären

Beitragvon Anita » Mi 14. Jun 2017, 11:11

interessanter Artikel [prima]
Danke, liebe Eva, für die Übersetzungsarbeit [tschuess]
Anita
 
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Re: Forscher beobachten um ihr Überleben kämpfende Eisbären

Beitragvon UliS » Mi 14. Jun 2017, 15:09

Die Russen bauen liebe ihre Militär Basis in der Arktis aus ... danke für die Übersetzung des interessanten Artikels, Eva [give heart]
UliS
 
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