Was ist nur mit diesem Eisbären los? Frau Köhler antwortet

Moderatoren: UliS, Jochen

Was ist nur mit diesem Eisbären los? Frau Köhler antwortet

Beitragvon UliS » Do 17. Sep 2015, 10:28

Schock-Foto gibt Rätsel auf
Was ist nur mit diesem Eisbären los?

Bild
Das Foto eines abgemagerten Eisbären hat die Diskussion über die Folgen der Klimaerwärmung neu entflammt.

Publiziert: 16.09.2015

Der Anblick ist nur schwer zu ertragen. Komplett ausgemergelt streift ein Eisbär durch schwimmende Eisblöcke der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen. Das nasse Fell lässt das Tier noch magerer und kraftloser erscheinen. Die schockierende Aufnahme, die derzeit Forscher und Tausende Facebook-Nutzer beschäftigt, stammt von der Naturfotografin Kerstin Langenberger.

Auf ihrer Reise zum Nordpolarmeer wollte die Deutsche eigentlich Eisbären in ihrer ganzen Pracht fotografieren. Doch was ihr vor die Linse kam, war vielmehr ein Zeugnis von deren Notlage. Zwar seien ihr auch Eisbären in guter Verfassung begegnet, doch habe sie auf ihrer Reise auch zahlreiche ausgehungerte oder tote Tiere gesehen, schreibt Langenberger unter das Foto, das sie am 20. August auf Facebook veröffentlichte.

Die Naturfotografin macht die globale Erwärmung für den bedauernswerten Zustand der Tiere verantwortlich. «Ich sehe, wie die Gletscher jedes Jahr Dutzende, wenn nicht Hunderte Meter zurückgehen», schreibt sie. «Ich sehe, wie das Packeis in Rekordgeschwindigkeit schwindet.» Da müsse man nur eins plus eins zusammenzählen.

Vor allem Weibchen betroffen

Spitzbergen wird fast das gesamte Jahr von Packeis umschlossen, über die Hälfte des Landes ist von Gletschern bedeckt. Rund 3000 Eisbären leben derzeit auf der Inselgruppe. Langenberger glaubt, weil das Packeis immer schneller schmelze, würden manche Tiere von ihren Jagdgebieten abgeschnitten.

Betroffen seien laut der Fotografin vor allem die Weibchen. «Mir ist aufgefallen, dass die dünnen Tiere fast ausschliesslich weiblich sind. Um zu gebären, müssen sie vom Packeis zurück aufs Land», schreibt Langenberger. Wegen des schmelzenden Eises hätten manche daraufhin keine Andere Wahl, als an Land zu bleiben, wo es viel weniger Nahrung habe. Auch beim abgemagerten Eisbären auf dem Foto soll es sich um ein Weibchen handeln.

«Vorsicht vor allzu schnellen Schlüssen»

Laut dem WWF schrumpfte die weltweite Population der Eisbären in den letzten 40 Jahren von etwa 25'000 auf rund 17'000 Tiere. Beim prognostizierten Rückgang des Meereises in der Arktis gehen Wissenschaftler davon aus, dass bis Mitte des Jahrhunderts rund zwei Drittel der Eisbären-Population ausgelöscht sein wird, wie eine Studie der US-Wissenschaftsbehörde Geological Survey im Jahr 2007 feststellte.

Nichtsdestotrotz haben Wissenschaftler vor allzu leichtfertigen Schlüssen betreffend des Zustandes der Eisbären in der Arktis gewarnt. «Da muss man vorsichtig sein. Es kann sein, dass der Bär auch einfach nur alt ist oder Mühe bei der Jagd hat», sagt etwa Ian Stirling, Eisbären-Forscher an der Universität Alberta in Kanada, und spielt damit auf Langenbergers Facebook-Post an. «Ich glaube nicht, dass man von ein paar wenigen Beobachtungen auf einen Mangel an Packeis schliessen kann.» (gr)
http://www.blick.ch/news/ausland/schock ... 74425.html
UliS
 
Beiträge: 9654
Registriert: Fr 14. Dez 2012, 14:13
Wohnort: Krefeld

Re: Was ist nur mit diesem Eisbären los?

Beitragvon Eva » Do 17. Sep 2015, 10:40

Was auch immer der Grund ist: [heul] [heul] [heul] [heul] [heul]
Eva
 
Beiträge: 2801
Registriert: So 15. Mär 2015, 18:53

Re: Was ist nur mit diesem Eisbären los?

Beitragvon Ludmila » Do 17. Sep 2015, 10:45

Traurig
Ludmila
 
Beiträge: 6097
Registriert: Sa 15. Dez 2012, 19:51

Re: Was ist nur mit diesem Eisbären los?

Beitragvon Anita » Do 17. Sep 2015, 10:51

[heul] [heul] [heul] [heul] [heul] [heul]
Anita
 
Beiträge: 6044
Registriert: Sa 15. Dez 2012, 15:56
Wohnort: München

Re: Was ist nur mit diesem Eisbären los?

Beitragvon AnkeB » Do 17. Sep 2015, 12:57

Oh nein! [heul] Was für ein trauriger Anblick!
Man möchte ihr am liebsten sofort ganz viele große Lachse auf die Scholle schmeißen.
:cry:
AnkeB
 
Beiträge: 5638
Registriert: Mo 17. Dez 2012, 16:10

Re: Was ist nur mit diesem Eisbären los?

Beitragvon Rose » Do 17. Sep 2015, 23:59

[heul] [heul] [heul] [heul] [heul]
Rose
 
Beiträge: 2801
Registriert: So 20. Jan 2013, 16:56

Re: Was ist nur mit diesem Eisbären los?

Beitragvon UliS » Di 29. Sep 2015, 09:43

Aktualisiert: 28.09.15 - 17:10

Zoo-Mitarbeiterin im Interview
Abgemagerter Eisbär - Expertin: "Das ist nicht normal"

München - Das Foto des abgemagerten Eisbären ging um die Welt. Wir haben eine Expertin aus dem Tierpark Hellabrunn gefragt, wie sie die Lage beurteilt. Ihre Prognose ist besorgniserregend.

Eisbären dürfen in keinem Zoo fehlen. Die großen weißen Raubtiere faszinieren Groß und Klein - vor allem, weil die meisten Menschen sie wohl nie in freier Natur zu sehen bekommen. Doch bereits in wenigen Jahrzehnten könnte es dazu kommen, dass es Eisbären nur noch in Zoos gibt. Hauptgrund ist der Klimawandel. Wie der sich auf die Tiere auswirkt, zeigt sich am schockierenden Foto eines völlig abgemagerten Eisbären. Wir haben Beatrix Köhler, zoologische Leiterin des Tierparks Hellabrunn, zu der Problematik befragt:

Erschreckt Sie das Foto des abgemagerten Eisbären oder ist es schon seit Langem ein Problem, dass die Tiere in natürlichem Umfeld keine Nahrung mehr finden?

Beatrix Köhler: Da die Hintergründe des Fotos nicht bekannt sind, ist es schwer zu bewerten. Prinzipiell sind Eisbären „Hungerkünstler“, die monatelang ohne Nahrung auskommen können. Aus unterschiedlichen Gründen kann es zu so einer Situation wie auf dem Bild kommen. So ein Anblick ist aber definitiv nicht normal. Die Ursachen für diesen konkreten Fall sind reine Spekulation.

Woran liegt es, dass Eisbären keine Nahrung mehr finden? Was trägt der Klimawandel dazu bei?

Beatrix Köhler: Eisbären sind abhängig vom Meereis, da sie hierauf jagen. Schwimmend können Eisbären kein Futter finden und auch für die Jagd an Land sind sie nicht ausgelegt. Die Hauptbeute von Eisbären sind Robben, die auf dem Packeis ruhen, zwischen den Schollen zum Atmen auftauchen oder auf dem Eis ihre Jungen gebären. Da die Eisflächen durch die zunehmende Erwärmung abnehmen, wird es für die Eisbären schwieriger, Nahrung zu finden. Dementsprechend empfindlich reagieren sie auf das Abschmelzen des Meereises in der Arktis.

Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Bestandszahlen der Tierart aus? Gibt es einen konkreten Zeitpunkt, seitdem die Spezies besonders stark vom Aussterben bedroht ist?

Beatrix Köhler:Aktuelle Zahlen gibt es auf der Internetseite der vom Tierpark Hellabrunn unterstützten Organisation "Polar Bears International" (aktuell werden die Zahlen auf ca. 20.000 Tiere geschätzt, Anm. d. Red.). Einen konkreten Zeitpunkt, seitdem die Bestandszahlen abnehmen, gibt es nicht. Eisbären waren sogar schon einmal durch starke Bejagung bedrohter in der Bestandszahl als heute. Der Eisbär ist im Vergleich zu anderen Arten nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht. Der Klimawandel ist für ihn aber besonders gefährlich und kann sehr schnell existenzbedrohend werden.

Was müsste getan werden, damit es solche schrecklichen Fotos von abgemagerten Tieren nicht mehr gibt?

Beatrix Köhler:Einzelfälle wird es immer geben. Das grundsätzliche Problem ist die Erwärmung und damit der Klimawandel. Hier kann jeder mit seinem Verhalten versuchen den Ausstoß von CO² zu minimieren und die Natur in seinem Umfeld soweit möglich zu schützen.

Welche Rolle spielen Zoos bei der Erhaltung der Spezies?

Beatrix Köhler:Zoos haben gleich mehrere Aufgaben für den Umwelt-, Natur- und Artenschutz: Einerseits machen sie die Menschen mit Tieren bekannt und führen so zu mehr Identifikation mit den Tierarten nach dem Motto „Man schützt nur, was man kennt“. Dabei ist der Eisbär ein Botschafter für eine ganze Region und einen Lebensraum, der sehr empfindlich auf Klimawandel reagiert. Durch edukative Elemente erhalten Zoo- und Tierparkbesucher spielerisch Informationen über die Gefährdung unterschiedlicher Arten. Auch für wissenschaftlich fundierte Schutzmaßnahmen sind die in Zoos gewonnen Erkenntnisse zu Verhalten und Bedürfnissen von Tierarten essenziell. Hierbei liefern Zoos wichtige Erkenntnisbeiträge. Durch die weltweit ersten Farbaufnahmen aus der Wurfbox der Eisbären-Mutter Giovanna im Tierpark Hellabrunn konnte zum Beispiel das Verhalten in der Geburtshöhle erstmals detailliert wissenschaftlich ausgewertet werden. Gleichzeitig bildet die Zoopopulation einen geschützten Reserve-Genpool, der im Bedarfsfall und wenn die Umweltbedingungen sich wieder verbessert haben, zur Wiederauswilderung herangezogen werden kann.

Auch hier in Deutschland wird es immer wärmer - haben Ihre Eisbären auch damit zu kämpfen? Wenn ja, was wird dagegen unternommen?

Beatrix Köhler: Auch im natürlichen Lebensraum der Eisbären kann es im Sommer über 30 °C heiß werden, sodass die Tiere auch für diese Temperaturen natürliche Verhaltensweisen haben, die ihnen den Umgang mit hohen Temperaturen ermöglichen: Wenn es besonders warm ist, legen sie die Haare ihres Fells aktiv an und verringern damit die Wärmeisolation ihres Körpers. Um sich abzukühlen baden die Tiere in Seen oder im Meer, legen sich in den nassen Sand oder graben bis zu fünf Meter tiefe Höhlen. Soweit ihnen es die Futtersuche ermöglicht, schalten sie einen Gang herunter und faulenzen im Schatten. Diese Verhaltensweisen zeigen, dass Eisbären auch an heiße Sommertage gewöhnt und angepasst sind. Problem für Eisbären ist dabei nur die Nahrungsbeschaffung, die ja aber in Zoos sichergestellt ist.

Gibt es noch andere Tiere, die so massiv vom Klimawandel betroffen sind, speziell an Arktis und Antarktis?

Beatrix Köhler: Nicht in dem Maße wie die Eisbären, da die Tiere nicht so sehr von Meereis abhängig sind. Aber auch Robben und Walrösser benötigen die Eisflächen. Für den gesamten Lebensraum spielen aber auch andere Faktoren wie Umweltverschmutzung, Überfischung oder auch große Umweltunglücke eine große Rolle. Die geplante Ausbeutung der Rohstoffe stellt hier für die Zukunft eine neue Bedrohung dar. Der Eisbär am Ende der Nahrungskette ist von diesen Umweltschäden besonders betroffen.

Was denken Sie: Wie lange wird es Eisbären in freier Natur noch geben?

Beatrix Köhler: Das ist nicht wissenschaftlich fundiert vorhersagbar. Durch die Erwärmung wird es für den Eisbären sehr schwer, dauerhaft zu bestehen, da Eisbären zu großen Teilen auf dem Eis Beute machen können.

sb
http://www.merkur.de/welt/eisbaeren-exp ... 69880.html
UliS
 
Beiträge: 9654
Registriert: Fr 14. Dez 2012, 14:13
Wohnort: Krefeld

Re: Was ist nur mit diesem Eisbären los? Frau Köhler antwor

Beitragvon Anita » Di 29. Sep 2015, 15:31

Danke Uli für den Nachtrag bzw. das Interview
Anita
 
Beiträge: 6044
Registriert: Sa 15. Dez 2012, 15:56
Wohnort: München

Re: Was ist nur mit diesem Eisbären los? Frau Köhler antwor

Beitragvon Ludmila » Mo 5. Okt 2015, 12:50

Das Foto von dem Eisbär wurde von Kerstin Langenberger aufgenommen. Es gibt mehr Bilder von ihr bei Facebook.
https://www.facebook.com/kerstin.langenberger.photography

Sie hat noch mehr Bilder zu dem dünnen Eisbär zugefügt

Bild

Sie hat auch eine Stellungnahme zu den Bildern geschrieben am 20. September. Ich habe die Stellungnahme schnell übersetzt.

Hallo allerseits! Was für eine verrückte Zeit, die letzte Woche war. Ich habe niemals erwartet, dass ein Bild von mir ein solches Aufsehen und so viele Diskussionen auslösen kann. Ich hätte nie erwartet so viele „Likes“ und Kommentare zu erhalten. Vielen, vielen Dank an alle, die mich unterstützt haben !

BTW: Es tut mir leid für die Tippfehler. Ich schaffe nie alle zu finden, einen hat es sogar ins Bild geschafft.

Der häufigste Kommentar von vielen selbsternannten photoshop Experten war, dass dieses Bild wäre natürlich ein Fake. Nun, es ist nicht. Es könnte leicht widerlegt werden, da waren etwa 50 Menschen, die dieses Tier gesehen haben und sicherlich einige von ihnen fotografiert haben. Ich werde ein paar mehr Bilder von diesem Bären hier zeigen, so können Sie sich Ihre eigene Meinung bilden. Eigentlich fühle ich mich amüsiert, dass einige Leute denken, ich bin so ein Photoshop - Senkrechtstarter, den ich nicht bin. Dieses Foto ist ein Dokument und wurde nicht, abgesehen von kleinen Korrekturen der Belichtung und Kontrast veränder.

Ein weiterer häufiger Kommentar war, dass ich nicht beweisen kann, dass dieser Bär so dünn war wegen der Klimawandel. Das ist wahr, und ich habe das noch nie behauptet. Ich glaube, das Tier verletzt war: Lesen Sie mein Text richtig!
Was ich getan habe (und wird auch so bleiben) ist es, meine Meinung zu sagen. Es wurde vorhergesagt und von Wissenschaftlern und Nicht-Wissenschaftlern gleichermaßen beobachtet, dass die Bären härtere Zeiten mit der Suche nach der Nahrung haben, wenn das Meereis schmilzt. Eisbären in größere Zahlen als vorher hungern: dieser Bär ist kein Einzelfall. Dieses Tier könnte so ausgemergelt geworden sind da mehrere Faktoren zusammen kommen, aber ich finde es sehr wahrscheinlich, dass der Rückzug des Meereises hatte seine Rolle zu spielen.

Für mich ist es völlig klar, dass der Klimawandel stark unseres Planeten beeinflusst. Das heißt: Ich glaube auch, dass der Klimawandel verlangsamt werden kann, wenn wir unsere Lebensweise verändern würden. Dafür ist die Diskussion, die wegen dieses Bildes entstand, wirklich sehr, sehr wichtig ist! Also noch einmal: ich danke Ihnen, dass sie für dieses Bild und etwas Zeit genommen haben, um über Ihre persönliche Rolle zu denken, wenn es um den Klimawandel geht.
Ludmila
 
Beiträge: 6097
Registriert: Sa 15. Dez 2012, 19:51


Zurück zu Die Welt der Eisbären

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste

cron