Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon AnkeB » Fr 13. Mär 2015, 12:03

Liebe Anneliese, liebe Biene!
Gerade bin ich am Ende dieses erstaunlichen, umfassenden und klar formulierten Buches mit all den wundervollen Fotos aus der Zeit mit Knut angelangt. Ein bittersüßes Werk!
Ich danke Euch vielmals und ganz herzlich für Eure Entschlossenheit, diese Mammutaufgabe in Angriff zu nehmen, die Recherchen durchzuführen, aus vielen tausend Fotos, die zum Text passenden auszuwählen, überhaupt für die ganze Arbeit, die Ihr Euch gemacht habt!
Das Ergebnis spricht für sich!
Licht und Schatten, Freude und Leid, Drama, Komödie und Farce, alles war enthalten.
Viele Gefühle wurden beim Lesen erneut geweckt, viele Tränen erneut vergossen. Lachen musste ich zum Glück auch, nicht nur das ein oder andere Mal. Jedem, der dabei war und diese Jahre miterlebt hat, wird es ähnlich gehen.
Mit einer bedauernswerten Ausnahme!
So viele Menschen haben Knut geliebt, vorbehaltlos und uneingeschränkt, er war einzigartig,
„one of a kind“.
Er bedeutete das pure Entzücken, ein Einverstandensein mit der Welt und dem Leben, das man nur selten empfindet, und wenn, ist es umso kostbarer.
Nein, die Trauerarbeit ist noch nicht vorbei, genauso wenig, wie die Dankbarkeit, diese Zeit miterlebt zu haben.
Danke!
Ich werde hier noch oft lesen, mir die Fotos ansehen, mich erinnern, lachen und weinen.

Anke
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon UliS » Mi 18. Mär 2015, 15:43

Bild

Bild

... heute wäre ein wunderschöner Tag für Knut's Wasserspiele ...

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... seinen Jutesack liebte er heiß und innig ... Bild

Bild

Bild

... diese Augen können nur von Knut sein ...


Bild
UliS
 
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Brigli » Do 19. Mär 2015, 18:10

Der Bär und das Hotel


Bild
Foto Brigli

Ja, so koennte man dieses Bild auch nennen.
Jedesmal wenn ich nach Berlin fuhr um meine Knutkur zu machen, reservierte ich im Motel One in der Kantstrasse. Natuerlich kannte ich das Hotel vorher nicht und war angenehm ueberrascht ueber das obige Bild was damals in der Empfangshalle/ Fruehstueckssaal hing und da ich ein Fruehaufsteher bin, war mir der Platz genau da jeden Morgen so gut wie sicher. Ich haette auch das Fruehstueck verweigert, wenn dem nicht so gewesen waere, jawohl !

Wie ich leider erfahren habe, haengt es dort nicht mehr, und wenn es wahr ist, finde ich das sehr traurig. Knut gehoert zur Stadt Berlin, und zwar fuer immer.

Und gerade heute, einem 19. Maerz , ist es fuer jeden Knutfreund, sowas von wahr.
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Di 24. Mär 2015, 08:08

Literaturverzeichnis
Adorno, Theodor W. / Horkheimer, Max: Dialektik der Aufklärung, in: Horkheimer, Max, Gesammelte Schriften, Bd.5, herausgegeben von G. Schmid Noerr, Frankfurt/M. 1987
Dinzelbacher, Peter (Hg.): Mensch und Tier in der Geschichte Europas, Stuttgart 2000
European-Elephant-Group.com und elefanten-schutz-europa.de: Nach Unfallserie: Weiterhin Lebensgefahr für Elefantenpfleger im Tierpark Berlin 4th April 2013
Feuerbach, Ludwig: Zur Kritik der Hegelschen Philosophie (1839), in: Derselbe, Philosophische Kritiken und Grundsätze, Leipzig 1969
Foer, Jonathan Safran: Tiere essen, Köln 2010
Huch, Ricarda: Die Romantik, Tübingen 1979 (Darin das Kapitel: Das Tier in der romantischen Weltanschauung)
Precht, Richard David: Noahs Erbe. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen, Reinbek 2000
Schopenhauer, Arthur: Werke in fünf Bänden, herausgegeben von Ludger Lütkehaus, Zürich 1990
Schweizer, Albert: Kultur und Ethik, München 1990
Töffels, Olaf: Unfälle mit Elefanten Juni – Oktober 2008 (Hervorh. im Original), aus: Elefanten in Zoo und Circus – das Elefantenmagazin (Herausgeber: Elefanten-Schutz Europa e.V.)
Töffels, Olaf und Nina Keese: „Elefantenhaltung in Deutschland – wissenschaftlich begründet oder traditionell motiviert?“, im Internet zugänglich.
Wolf, Ursula (Hg.): Texte zur Tierethik, Stuttgart 2008
Wolf, Ursula: Ethik der Mensch-Tier-Beziehung, Frankfurt a. M. 2012
Und nicht zuletzt: Hacks, Peter: Der Bär auf dem Försterball, Berlin 2004
Und, in aller Bescheidenheit, auch noch: Klumbies, Anneliese: Wer war Knut? Eine phantastische Geschichte, Hamburg 2009 (Privatdruck)

Zum Anhang:

Knut. Der Bär, die Stadt und der Zoo
Der Anhang ist fast durchgängig chronologisch geordnet . Es handelt sich um Zeitungsartikel, Briefe, weitere Dokumente wie zum Beispiel Beiträge aus den Blogs oder Berichte. Es lohnt sich, den Anhang für sich zu würdigen, obwohl ich viele interessante Dokumente habe weglassen müssen. Ich hatte es mir zuvor einfacher vorgestellt, Zeitungsartikel abzudrucken, als es tatsächlich ist.

Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass für einige Zeitungsartikel bzw. Interviews nicht die erforderlichen Genehmigungen zu bekommen waren. Für den Abdruck des Interviews der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ mit dem Berliner Zoodirektor vom 27.3.2011 bräuchte ich z. B. nach Auskunft der Zeitung die Zustimmung des Zoodirektors. Ich muss aber davon ausgehen, dass ich diese Zustimmung auf keinen Fall erhalten würde. Dann habe ich zusätzlich erfahren, dass von der FAZ in keinem Falle ein Artikel den Zoodirektor betreffend ohne Zustimmung desselben zum Abdruck freigegeben würde.

Auch aus dem „Berliner Kurier“ durfte kein Artikel abgedruckt werden. Die Titel habe ich aufgeführt, so dass sie im Internet leicht zu finden sind.

Aus Platzgründen ist es mir nicht möglich, die schöne und wehmütige Bildergeschichte von Anne Kauth abzudrucken. Sie ist im Blog Knutitis erschienen, und man kann sie dort immer noch abrufen. Auf der ersten Seite, unter Archiv: Knut in einer virtuellen Welt by Anne – Knut in a virtual world by Anne: „Abschied“.
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Di 24. Mär 2015, 08:28

Knut inspiriert!

Der berühmte amerikanische Schriftsteller Jonathan Safran Foer hat in seinem Buch „Tiere essen“ Knut ein eigenes Kapitel gewidmet, „Artengrenze“ (Seite 58f.), in dem er auf den Widerspruch hinweist zwischen der Bewunderung für Tiere, in diesem Falle Knut, und ihrer industriellen Herstellung und Vernichtung im Falle der Schweine und anderer Tiere.

Jonathan Safran Foer TIERE ESSEN. Aus dem amerikanischen Englisch von Isabel Bogdan, Ingo Herzke und Brigitte Jakobeit(c) 2012, Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co. KG

Artengrenze

Der Zoologische Garten Berlin beherbergt die größte Anzahl unterschiedlicher Spezies aller Zoos der Welt, ungefähr 1400 Arten. Er wurde 1844 eröffnet und war der erste Zoo Deutschlands – die ersten Tiere waren Geschenke aus der Menagerie Friedrich Wilhelms IV. -, und mit 2,6 Millionen Besuchern im Jahr ist er der bestbesuchte Zoo Europas. Die alliierten Luftangriffe 1942 zerstörten fast die gesamte Infrastruktur, und nur 91 Tiere überlebten. (Erstaunlich, dass in einer Stadt, in der die Menschen für Brennholz Parks abgeholzt haben, überhaupt Tiere überlebten.) Heute gibt es dort etwa 15 000 Tiere. Aber die meisten Leute wollen nur eines sehen.

Knut, seit 30 Jahren der erste Eisbär, der in dem Zoo geboren wurde, kam am 5. Dezember 2006 zur Welt. Seine Mutter Tosca, eine 20 Jahre alte ausgediente Zirkusbärin, nahm ihn nicht an, und sein Zwillingsbruder starb vier Tage später. Das ist ein vielversprechender Anfang für einen schlechten Fernsehfilm, aber nicht für ein Leben. Der kleine Knut hat die ersten 44 Tage seines Lebens im Inkubator verbracht. Sein Pfleger Thomas Dörflein schlief im Zoo, um ihn rund um die Uhr versorgen zu können. Dörflein gab Knut alle zwei Stunden die Flasche, spielte ihm als Schlaflied „Devil in Disguise“ von Elvis auf der Gitarre vor und war von oben bis unten voller Kratzwunden und blauer Flecken vom Herumtoben. Knut wog bei seiner Geburt 810 Gramm, aber als ich ihn gesehen habe, etwa drei Monate später, war er bereits ungefähr zehnmal so schwer. Wenn alles gut geht, wird er eines Tages 200-mal so schwer sein.

Zu sagen, dass Berlin in Knut gewesen sei, wäre eine absolute Untertreibung. Bürgermeister Klaus Wowereit schaute jeden Morgen in den Nachrichten nach neuen Bildern von Knut. Das Berliner Eishockeyteam, die Eisbären, fragten im Zoo, ob sie ihn als Maskottchen adoptieren könnten. Zahllose Blogs – darunter eines beim Tagesspiegel, einer der größten Zeitungen Berlins – beschäftigten sich mit Knuts Tagesablauf.

Zu Knuts erstem Auftritt in der Öffentlichkeit erschienen 400 Journalisten, weitaus mehr als zum EU-Gipfel, der gleichzeitig stattfand. Es gab Knut-Krawatten, Knut-Rucksäcke, Knut-Teller, Knut Schlafanzüge, Knut-Figürchen und wahrscheinlich, wobei ich das nicht überprüft habe, Knut-Unterhosen. Knut hat einen Paten, Sigmar Gabriel, den damaligen deutschen Umweltminister. Knuts Beliebtheit war sogar Schuld am Tod eines anderen Zootieres, des Pandas Yan Yan. Tierpfleger nehmen an, dass die 30 000 Besucher, die in den Zoo drängten, um Knut zu sehen, zu viel für Yan Yan waren – das hat sie entweder zu Tode aufgeregt oder zu Tode deprimiert (das war mir nicht ganz klar). Und wo ich gerade beim Tod bin: Als ein Tierschützer die Frage stellte – rein hypothetisch, wie er später betonte -, ob es nicht besser sei, ein Tier einzuschläfern, als es unter solchen Bedingungen großzuziehen, gingen Schulkinder auf die Straße und skandierten: „lasst Knut leben!“ Fußballfans grölten für Knut statt für ihre Mannschaft.

Wenn man Knut besucht und Hunger bekommt, gibt es ein paar Meter neben seinem Gehege eine Bude, die „Knutwurst“ verkauft. Sie besteht aus dem Fleisch von Schweinen aus Massentierhaltung, die mindestens so intelligent sind wie Knut und unsere Aufmerksamkeit genauso verdient haben wie er. Dass ist die Artengrenze.
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Di 24. Mär 2015, 08:36

Brief an den Zoodirektor

Hamburg, 12.07.2007

Sehr geehrter Herr B.!
Seit Knut alleine im jetzigen Gehege ist, die öffentlichen Vorführungen abgeschafft sind, wundere ich mich darüber, dass Knut völlig sich selbst überlassen bleibt. Die Umstellung von einem animierenden Tagesprogramm mit ständigen Anregungen in Gesellschaft seiner Bezugspersonen zum Alleinsein im Gehege über 8 – 9 Stunden muss sehr leidvoll für ihn sein. Wie viel Zuwendung er vor Öffnung und nach Schließung des Zoos erhält, weiß ich natürlich nicht. Als eifrige Zoobesucherin und Knut-Freundin aus Hamburg würde ich gerne wissen, welches Konzept der gegenwärtigen Gestaltung von Knuts Tagesablauf zu Grunde liegt.

Wie gut kann ein kleiner Eisbär das Alleinsein und die Trennung von seiner „Mama“ verarbeiten, wenn er doch in der Natur zwei bis drei Jahre in der Obhut seiner Mutter wäre? Auch wenn Eisbären „Solitäre“ sind, wie Sie angemerkt haben, so ist Knut auch mit der Eisbären-Elle gemessen noch ein Kind.

Wie gut kann Knut die plötzliche Umstellung von einem anregenden Umfeld mit vielen Bezugspersonen in die Isolation und eine relativ reizarme Umgebung verkraften? Auch wenn er nicht mehr dauernd laut weint wie in seinem letzten (und ersten) Gehege, kann es nicht anders sein, als dass er leidet und abzustumpfen droht.

Warum versorgt man ihn nicht wenigsten mit Spielobjekten? Man kann beobachten, dass er gerne mit kleinen Gegenständen spielt, die er in seinem Gehege vorfindet, also mit Pflanzen und kleinen Holzteilen und Stöckchen oder mal mit dem liegen gelassenen Napf. Nur gibt es nicht viel davon. Es wäre doch leicht zu bewerkstelligen, ihm viel mehr Spielobjekte zur Verfügung zu stellen, wie Holzstöcke, Klötze, Bälle, Stofftiere, Gummischwimmtiere etc. Man könnte vielleicht auch einzelne Kinderspielplatzgeräte benutzen. Sogar in der natürlichen Umgebung finden junge Eisbären funktional vergleichbare Objekte zum Spielen vor, so dass das Argument der „artgerechten Haltung“ nicht greift.

Ein Zootier wird Knut ohnehin immer bleiben. Gegenwärtig, wenn er nicht schläft, nuckelt er an seinen Tatzen, guckt zur Tür, ob endlich jemand kommt. Aber da kommt niemand. Nur im Wasser ist er sichtbar vergnügt. Aber Schwimmen ist auch kein Tagesprogramm. Wenn er sich, noch nass, wieder auf dem Boden gesuhlt hat und wie ein Schwarzbär aussieht, also auch sehr hübsch, steht er wieder ratlos herum, nuckelt an seinen Tatzen, guckt zum Eingang und schläft mangels Alternativen wieder ein Stück.

Ist Knut wirklich schon eine Gefahr für Herrn Dörflein, der ihm doch Mutterersatz ist? Bei den öffentlichen Vorstellungen hat Knut gerne mit Herrn Röbke gekämpft. Dass Knut bei wilden Spielen mal die Kontrolle verliert und er zu einer Gefahr für Herrn Röbke wird, kann ich mir vorstellen. Aber für Herrn Dörflein? „Wer kämpft schon gern mit Mutti?“ (Zitat Thomas Dörflein).

Hätte man die Trennung von Herrn Dörflein nicht allmählicher vollziehen können? Bei Kindern würde man von einer Traumatisierung ausgehen, wenn ihnen geschähe, was Knut passiert ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Knut diese plötzliche Trennung ohne Schaden zu nehmen übersteht. Ich weiss auch, dass Herr Dörflein einen Anspruch auf Urlaub hat. Aber dann hätte man sich was einfallen lassen müssen, um dieses Problem zu lösen.

Freundliche Grüße Anneliese Klumbies

Eine Kopie hatte ich an Thomas Dörflein geschickt mit der Bitte um seine Meinung.
[b][b]"Sehr geehrte Frau K., ich teile vieler Ihrer Argumente, kann Ihnen aber versichern, dass ich auch weiterhin täglich 2 - 3 Stunden mit Knut zusammen bin. Ich finde, dass es eine gute Idee war, dem Direktor zu schreiben. Thomas Dörflein"[/b][/b]




Interview "Ich sehe ihm an, wenn er was ausheckt"
Tagesspiegel, 04.12.2007 00:00 Uhr

Die Unzertrennlichen: Tierpfleger Thomas Dörflein und der noch kleine Knut. In dieser Woche wird der beliebte Berliner Eisbär ein Jahr alt. - Foto: Archiv


Knut wird Mittwoch ein Jahr alt und darf immer noch im Bett von Pfleger Thomas Dörflein schlafen. Der hat ihn aufgezogen, steht aber schon bereit für neuen Nachwuchs.

Vor einem Jahr hätte niemand für möglich gehalten, dass einmal ein Eisbär aus dem Zoo und ein Pfleger zu den bekanntesten und beliebtesten Berlinern in aller Welt gehören würden. Doch dann kamen Knut und Thomas Dörflein. Morgen wird der Bär ein Jahr alt – wir haben uns mit seinem Ziehvater unterhalten.

Herr Dörflein, können Sie kurz reden?
Gleich, ich bin gerade im Schlachthaus, ich muss gefrorene Rinderviertel zerhacken. So, jetzt geht’s.

Bekommt denn Knut morgen was Besonderes zu essen – oder sogar ein Geschenk?
Nein, von mir bekommt der einen Schlag weniger auf den Hintern.

Das klingt, als ob Sie von einem Kind reden …
Er ist und bleibt ein Tier. Aber wenn ich ihn wie ein Kind beschreiben soll, dann würde ich sagen: Er ist ein totales Einzelkind, es ist nur wichtig, was ihn interessiert. Er ist sehr zärtlich, aber auch frech. Wenn er was ausheckt, dann sehe ich ihm das schon vorher durch so einen schelmischen Gesichtsausdruck an.

Haben Sie Geburtstagspost bekommen?
Fragen Sie nicht. Ich war nur ein paar Tage weg, und jetzt liegt wieder so ein Riesenstapel Post auf meinem Schreibtisch. Die Leute schicken aus aller Welt Geschenke, Spielzeug zum Beispiel.

Was sind denn die absurdesten Knut-Produkte, die so bei Ihnen gelandet sind?
Ach, da gibt es mit Knutbildern versehene Wanduhren, bestickte Handtücher, so was wird mir alles zugeschickt …

Sie würden wieder einen Bären aufziehen ?
Ja, wenn die Bärinnen ihren Nachwuchs verstoßen sollten, würde ich das wieder tun. Die Wärmebrüter laufen schon warm.

Könnte das ein Spielgenosse für Knut werden?
Nein, der Bär würde das nicht verstehen und das Kleine wohl für etwas halten, womit er spielen kann.

Viele Besucher fragen sich, ob sich Knut ganz allein auf der Anlage nicht langweilt.
Nein, der findet immer etwas, womit er sich beschäftigten kann. Die Zoobesucher werfen aber verbotenerweise oft was rüber, als Spielzeug, das muss ich dann von der Anlage holen. Plastik darf er zum Beispiel gar nicht bekommen.

Sie selbst kommen auch außerhalb der Arbeit selten zur Ruhe …
Wenn ich einkaufen gehe, spricht mich jeder Dritte an und sagt, ich soll Knut grüßen. Selbst im Dunkeln erkennen mich die Leute, die müssen ja gute Augen haben. In der Schweiz und in Dänemark sind die Menschen dezenter. Was mich sehr gestört hat, war, dass die Boulevardmedien versucht haben, meine ganze Verwandtschaft auszuspionieren.

Ruhe haben Sie nur hinter den Kulissen?
Ich bin ja schon sehr früh morgens hier, hole Knut raus, und manchmal darf er dann ausnahmsweise kurz mit ins Bett neben meinem Büro, zum Nuckeln. Er ist doch immer noch ein Kind und total liebebedürftig. Ich weiß, dass das irgendwann mal vorbei sein wird. Aber ich freue mich darüber, dass er so schön wächst.

Gibt es Eindrücke, von denen Sie noch Ihren Enkelkindern erzählen werden?
Jedenfalls sind das nicht die Besuche von Prominenten – die kommen und gehen. Aber bestimmte Erlebnisse mit dem Tier, die werde ich nie vergessen.

Das Gespräch führte Annette Kögel.
Thomas Dörflein, 44, arbeitet seit 1980 im Zoo und ist zuständig fürs Futter-Schlachthaus, sechs Windhunde, fünf Wölfe, neun Nasenbären, 33 Bären – und Knut.
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Mi 25. Mär 2015, 19:14

Zoo-Doppelspitze am Ende Streit um Knut
Der Tagesspiegel, 11.12.2007 17:00 Uhr
Besucheransturm vor dem Zoologischen Garten Berlin. - Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der kaufmännische Direktor des Zoos Gerald R. Uhlich gibt sein Amt auf. Grund sind Differenzen mit seinem Vorstandspartner Blaszkiewitz. Vor allem um die Vermarktung gibt es schon lange Streit.

In der Stunde des größten Erfolgs gehen der Zoologische Garten Berlin und sein kaufmännischer Direktor Gerald R. Uhlich (51) jetzt getrennte Wege. Das bestätigte der besonders für die Vermarktung von Eisbär Knut verantwortliche Wirtschaftswissenschaftler. Uhlich zog damit die Konsequenz aus lange schwelenden Unstimmigkeiten mit dem zoologischen Vorstand Bernhard Blaszkiewitz über die Führung und vor allem den wirtschaftlichen Kurs des artenreichsten Zoos der Welt. Offiziell hieß es, die Trennung erfolge einvernehmlich.

Zur endgültigen Auflösung des Vertrags von Uhlich, der seit Juli 2004 für die finanziellen Geschicke des Zoos verantwortlich zeichnete, sollen noch weitere Gespräche mit dem Aufsichtsrat geführt werden.

Uhlich selbst kommentierte die Entscheidung mit den Worten: "Ich habe mir wirklich nichts vorzuwerfen." Er verwies darauf, dass die Umsätze in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen seien. Der Zoo schreibe schwarze Zahlen und werde in der Öffentlichkeit "hierzulande und weltweit sehr positiv wahrgenommen".

Zoo-Chef Blaszkiewitz wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Mit dem Rückzug von Uhlich gibt es die Doppelspitze in Zoo und Tierpark nicht mehr. Uhlich hatte die kaufmännischen Bereiche der beiden Anlagen im West- und Ostteil Berlins bereits 2006 zusammengeführt. Seit Februar 2007 leitet Blaszkiewitz als Zoologe Tierpark und Zoo.

Die Einnahmen stiegen, aber hinter den Kulissen stimmte die Chemie nicht

Uhlich trieb im Knut-Jahr die Vermarktung des Publikumslieblings voran. Mit der Gründung der Marke "Respect Habitat.Knut", unter deren Dach Wirtschafts- und Werbeunternehmen Knut-Lizenzen kaufen können, erhöhten sich die Einnahmen auf geschätzte acht bis zehn Millionen Euro im Jahr. Dank Knut kann der Zoo außerdem mit Eintrittsgeldern von weit mehr als drei Millionen Besuchern kalkulieren.

Doch hinter den Kulissen stimmte die Chemie in verschiedenen Spitzengremien schon lange nicht. Am Rande der ersten Geburtstagsparty von Knut sagte Uhlich enttäuscht: "Mir würde sogar verschwiegen, wenn Knut von Mutter Tosca Geschwisterchen bekommt." Uhlich verstand oft selbst nicht, warum ihm Steine bei der dringend nötigen Modernisierung und kommerziellen Ausrichtung in den Weg gelegt wurden. Offenbar gab es zu viele Differenzen. Von Traditionen allein könnten Zoo und Tierpark nicht auf Dauer leben, lautete sein Credo.

Vielen Neuerungen im Zoo-Geschäft ging Streit voraus, hieß es immer wieder. Das Ziel Uhlichs, mit Hilfe der Medien und neuer Besucherschichten die Eigenfinanzierung zu erhöhen, kollidierte oft mit den vorrangig rein zoologischen Interessen in der Zoo-Führung. Uhlich sah Handlungsbedarf, weil die Zuschüsse des Senats in den vergangenen Jahren immer weiter sanken. Früher erhielten Zoo und Tierpark pro Jahr rund 12 Millionen Euro. Die Summen schmolzen aktuell auf zwei Millionen für den Zoo und sechs Millionen Euro für den Tierpark.

Der frühere Manager in der Metall- und Textilindustrie wollte den Zoo in einen "Businesspark" verwandeln. Er führte Familientickets, Karten für Alleinerziehende, Großeltern und die besonders beliebte Mutter-Card ein. Wie der Vorgänger von Blaszkiewitz, Ex-Zoo-Chef Jürgen Lange, wollte Uhlich mehr emotionale Tier-Storys.

Vorstandspartner Blaszkiewitz zog hier jedoch nicht wie erhofft mit. Bei einem Redaktionsbesuch der dpa gab er zum Beispiel den TV-Doku-Soaps aus der Tierwelt keine Zukunft: "Die sind bald ausgelutscht." Auch "das Riesentheater um Knut" verstehe er bis heute nicht. Uhlich wollte genau das Gegenteil, unterstützte den amerikanischen Bestseller-Autoren Craig Hartkoff beim Knut-Buch, förderte das Projekt "Knut. Der Film" und brachte zuletzt noch eine Knut-Dokumentation in das Programm der nächsten Berlinale. (ctr/dpa)


Claudia Beyer@senatskanzlei.berlin.de im Auftrag von Buergerberatung@senatskanzlei.berlin.de
Mittwoch, 17. Dezember 2008
An: Violetta Worofsky
Betreff: AW: Knut

Sehr geehrte Frau Worofsky,
der Regierende Bürgermeister von Berlin hat Ihre Email vom 04.12.2008 dankend erhalten. Aus Termingründen hat er mich gebeten, Ihnen zu antworten.
Nicht nur die Berlinerinnen und Berliner, sondern auch zahlreiche Eisbärenfreunde aus dem In- und Ausland kennen und lieben unseren Berliner Eisbären Knut. Von dem inzwischen leider verstorbenen Pfleger Thomas Dörflein mit der Flasche groß gezogen, hat er sich zu einem stattlichen Eisbären entwickelt, der kürzlich seinen 2. Geburtstag feiern konnte. Berlin und Knut gehören einfach zusammen, weshalb auch dem Regierenden Bürgermeister sehr daran gelegen ist, dass Knut in Berlin bleibt. Ich kann Ihnen daher versichern, dass sich alle Verantwortlichen bewusst sind, welche Bedeutung Knut für Berlin hat. Gleichwohl müssen aber auch alle Aspekte berücksichtigt werden, damit Knut langfristig in Berlin bleiben kann. Weit im Vordergrund steht hier zunächst einmal die artgerechte Haltung von Knut und inwieweit dies im Zoologischen Garten möglich ist. Knut braucht demnächst ein neues Gehege und eine Eisbärdame, um eine eigene Familie gründen zu können. In diesem Zusammenhang ist – wie Sie sicherlich bereits der Presse entnommen haben – der Regierende Bürgermeister persönlich mit dem Zoodirektor, Herrn Blaszkiewitz, in Kontakt getreten, um sich nach dem Verbleib von Knut im Berliner Zoo zu erkundigen.
Der Berliner Zoodirektor hat nunmehr gegenüber dem Tierpark Neumünster schriftlich erklärt, dass er Knut im Berliner Zoo grundsätzlich behalten möchte. Gleichzeitig hat er den Vorschlag gemacht, dass Knut noch für mindestens ein Jahr auf der jetzigen Anlage leben könne, während in der Zwischenzeit eine andere Anlage artgerecht umgebaut wird. Eine Antwort des Tierparks Neumünster steht hierzu noch aus. Ungeachtet dessen erwartet nicht nur der Tierpark Neumünster ein detailliertes Konzept der künftigen artgerechten Haltung von Knut, sondern auch der niederländische Eisbären-Zuchtführer, der mitentscheidet, welcher Eisbär in Europa in welchen Zoo wechselt. Es ist sichergestellt, dass nach den Feiertagen die entsprechenden Gespräche hierzu geführt werden. Allerdings möchte ich an dieser Stelle auch nicht verschweigen, dass rein rechtlich es letztendlich davon abhängt, wie sich der Tierpark Neumünster hierzu positioniert. Daher muss das Ergebnis dieser sicherlich intensiven Gespräche zunächst abgewartet werden. Ich kann Ihnen aber versichern, dass die Verantwortlichen alles daran setzen werden, eine Lösung im Interesse von Knut und für seinen Verbleib in Berlin zu finden.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie trotz aller Diskussionen um Knut ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute für das Neue Jahr.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Claudia Beyer
Anneliese
 
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Do 26. Mär 2015, 19:27

Tagesspiegel, 12.07.2007
Berliner Zoo: Der bewegte Bär
Wächst und gedeiht: Eisbär Knut.

Berlins tierische Persönlichkeit Knut entwächst seinem Laufgitter im Zoo – und braucht ein größeres Gehege. Im Tierpark wäre Platz genug. Wohin mit dem weißen Zotteltier?

Thomas Dörflein hat über die Zukunft seines „Ziehsohnes“ Knut früher immer gesagt: „Der muss weg, was soll er hier denn so alleine, das ist doch eine Qual für ihn.“ Das wollte der Pfleger aber, als Knut noch Knuddel-Knut war, und als Dörfleins Chef, Zoo-Vorstand Bernhard Blaszkiewitz, weder ein neues Gehege für Knut im Blick hatte noch ein Weibchen. Er wollte den Besucherliebling schnell loswerden, je eine Eisbärengruppe im Zoo und im Tierpark reichten Blaszkiewitz aus tiergärtnerischer Sicht.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Knut wurde weltbekannt, war mit Leonardo di Caprio auf der Titelseite von „Vanity Fair“, ist als Bildschirmschoner, Kuscheltier, Puzzle, Bettwäsche, T-Shirt, Briefmarke, Postkarte und Kinostar zu haben.

Der Knut-Hype seit dem Eisbären-Geburtstag am 5. Dezember 2006 brachte dem Zoo – ohne Linzenzverkäufe – allein bis Ende 2008 über sechs Millionen Euro zusätzlichen Gewinn. Und der Stadt einen Botschafter, auf den sogar die Kanzlerin in aller Welt angesprochen wird.

Nun hat der Zoo-Chef – gedrängt vom Druck der Öffentlichkeit, wie er klagt – Knut doch für Berlin erhalten. Seine Vorstandskollegin Gabriele Thöne einigte sich mit Peter Drüwa, dem Chef des Zoos Neumünster, dem Knut entstammt, auf 430 000 Euro Ablösesumme. Knut bleibt Bärliner – ob im Zoo in der City-West oder künftig im Tierpark in Friedrichsfelde? „Wir haben dezidierte Vorstellungen“, sagt Blaszkiewitz. Mehr nicht.
Klaus Wowereit, Berlins Regierender, hat dem Zoo erst mal gratuliert. Christian Tänzler, Sprecher der Berlin Tourismus Marketing (BTM), sagt: „Knut ist eine Berliner Sehenswürdigkeit, eine Touristenattraktion, für Knut reisen sie immer noch aus aller Welt hierher – er ist ein Super-Aushängeschild für die Stadt.“ Die BTM verteilt als Werbegeschenke längst weiße statt braune Bären. Tänzler ist wichtig, dass viele Menschen Knut sehen können, „von daher ist die zentrale Lage des Zoos, die leichte Erreichbarkeit ein Argument“. Außerdem verbinde man die „Marke Knut“ mit dem Zoo, diesen Vorteil sollte er nicht unnötig verspielen.

Der artenreichste Zoo der Welt verfügt zwar nur über 35 Hektar (Tierpark: 160), genug Platz wäre trotzdem. Ex-Zoo-Vorstand Gerald Uhlich wollte einst die Gehegerückseite samt Feuchtwiese zu einer Knut- und Klimaerlebniswelt mit verglastem Unterwassertunnel machen. Peter Drüwa aus Neumünster sagt, für den handaufgezogenen Bären seien die Pfleger gerade nach dem Tode Dörfleins wichtige Bezugspersonen. Man sehe an der Artgenossin Flocke in Nürnberg, die unter Verhaltensstörungen leidet, was zu frühe Trennung auslösen kann. Sogar die Dauerbesucherinnen von der Initiative „Knut forever in Berlin“ sind zu einem vertrauten Stück Heimat für den Eisbären geworden. Die „Knut-Groupies“ würden ihre Besuchsschichten natürlich auch im Tierpark besetzen.

Von einem Umzug nach Friedrichsfelde könnten aber sowohl der Eisbär als auch der Tierpark profitieren: Mit einem neuen millionenteuren Knut-Gehege wäre der Tierpark – der doppelt so hohe Landeszuschüsse erhält wie der Zoo, obwohl er nur eine Million Besuchern jährlich zählt (Zoo: drei Millionen, 70 Prozent Touristen) – aus Sicht der Zoo AG dauerhaft gesichert. Und man hofft, dass jene 30 Prozent der Besucher, die seit Knut zusätzlich in den Zoo kommen, auch nach Friedrichsfelde fahren. „Wir könnten ihn in einem weitläufigen Landschaftsgarten zeigen“, sagt Thomas Ziolko von den Förderern von Tierpark und Zoo. „So wie die Marzahner jetzt zu Knut nach Tiergarten fahren, würden die Wilmersdorfer zu ihm nach Friedrichsfelde kommen.“ Zum Tierpark fährt auch nicht nur die S-Bahn – er hat sogar eine eigene U-Bahn-Station. Annette Kögel


Carmen C., Rielasingen,
Bundesministerium für Umwelt
z. Hd. Herrn Sigmar Gabriel
Schicksal von Knut – Knut geht’s gar nicht gut

Sehr geehrter Herr Gabriel,
ich weiß nicht mehr wohin ich mich in meiner und Knuts Not wenden soll, deshalb bitte ich Sie inständig zu helfen. Sie haben doch die Patenschaft von Knut dem Eisbären übernommen und sind meiner Meinung nach deshalb auch der richtige Ansprechpartner.

Wie Sie an beiliegendem Bericht lesen können, wird den Pflegern (und dieser Bericht war ein Hilfeschrei von den Pflegern für den Eisbären – bitte genau lesen !) jeglicher Kontakt mit Knut untersagt. Und das schon seit Februar 2008. Herr Dörflein hat dies am Anfang nicht hinnehmen können und bekam deshalb sogar eine Abmahnung.

Leider hat sich seit damals nichts geändert. Und die Tatsache, dass Herr Dörflein verstorben ist, macht die Situation für Knut noch schlimmer, denn ich bin sicher, Herr Dörflein hat sich heimlich bemüht, seinem Bären etwas Zuwendung zukommen zu lassen.

Sie werden doch sicher nachempfinden können, dass ein junger Eisbär, der bisher nur mit Menschen in Kontakt war und in freier Natur ca. 2 ½ Jahre in Obhut seiner Mutter verbringt – nicht plötzlich als Einjähriger in Einzelhaft ohne jeglichen Kontakt zu einem Lebewesen gegeben werden kann, ohne dass dies immense Schäden und psychische Schmerzen hinterlässt. Ein Zooleben bedeutet ja an und für sich schon Stress und Gefangenschaft, aber Einzelhaft für ein Tierkind ist ganz einfach grausam.

Man hätte den Bären behutsam an seine Artgenossen heranführen müssen und im gleichen Zeitraum von seinen Pflegern entwöhnen.

Dies hat auch Herr Dörflein gewusst und sicher sehr unter diesem aufdiktierten absurden Befehl gelitten. Das hat ihm sicher sein Herz gebrochen.

Er hat schließlich in liebevoller Hingabe diesem Bären ins Leben geholfen und für ihn einen großen Teil seiner Freizeit (unbezahlt) geopfert. Wenn er gewusst hätte, wie das ausgeht, hätte er im Dezember 2006 das kleine Fellbündel sicher lieber liegen lassen.

Durch seine Bemühungen hat der Zoo sehr viel Geld und Aufmerksamkeit verdient, es ist hart, gefühllos und ignorant Knut jetzt gezielt kaputt zu machen, weil er kein Baby mehr ist. Das ist einfach herzlos und eine Tierquälerei.

Herr Gabriel bitte bitte helfen Sie dieser armen Kreatur aus diesem Leid ! Er hat uns doch einmal so viel Freude bereitet: Knut tat doch mal richtig gut

Ich bin auch schon mit einigen Tierschützern in Kontakt gewesen, die diesbezüglich an den Zoo herangetreten sind und darum gebeten haben, Knut nicht kontaktlos zu lassen. Leider kommt vom Zoo keinerlei Rückmeldung, das habe ich selbst auch schon festgestellt. Wahrscheinlich macht es Herrn Blaskiewitz sadistischen Spass seine Macht zu demonstrieren: „ Alle Welt hat auf Knut geschaut – ich kann mit ihm machen, was ich will, und keiner kann etwas dagegen tun“!

Die Zeit drängt, bald ist es zu spät für Knut – bitte bitte helfen Sie! Hier der Bericht:

„Pfleger fordern: Knut muss weg - so schnell wie möglich !

Von Andrea Novotny (Ostern 2008)
Vor rund einem Jahr tapste Knut -damals noch ein kleines weißes Fellknäuel zum ersten Mal vor die Kameras und über 500 Journalisten aus aller Welt bestaunten die Eisbären-Sensation im Berliner Zoo.

Doch jetzt, rund 12 Monate später, ist Knut ein richtig großer Eisbär geworden. Er ist bereits fast 2 Meter groß und 140 Kilo schwer!

Doch: Die liebevolle Pflege insbesondere durch seinen Ziehvater Thomas Dörflein und die ständigen Besucherströme haben in der Eisbärenseele offenbar Spuren hinterlassen:

„…Er weiß gar nicht, dass er ein Eisbär ist. Solange er bei uns ist, wird er Thomas Dörflein immer für seinen Vater halten…“, sagt ein Pfleger und damit scheint er tatsächlich Recht zu haben, denn sobald Knut seinen Ziehvater Dörflein sieht oder seine Fährte aufnimmt, fängt er zu schreien an. Ebenso übrigens, wenn keine Besucher vor seinem Gehege stehen.

Aus diesem Grunde darf schon seit Ende Februar keiner aus dem Team mehr mit dem Eisbären spielen. Auch Pflegepapa Thomas Dörflein (44, kommt heute aus seinem Osterurlaub zurück) nicht!

„…Wir mussten schriftlich versichern, dass wir nicht mehr mit Knut in direkten Kontakt treten. Halten wir uns nicht daran, drohen arbeitsrechtliche Maßnahmen…“, so ein Tierpfleger.

Aus diesen Gründen, die für Knut sehr hart sein müssen, wäre es nach Ansicht der Pfleger besser, wenn Knut in einen anderen Zoo käme: So schnell wie möglich !

DCRS ONLINE meint: Jetzt hat man auf Kosten der Seele des armen Tieres Geld verdient. Ob das mal wirklich moralisch in Ordnung ist ?“

Mit freundlichem Gruß
Carmen C., Rielasingen
Anneliese
 
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Sa 28. Mär 2015, 09:14

*Betreff:* Spielzeug für Eisbären
*Gesendet:* Montag, 13. April 2009 15:21

Sehr geehrter Herr Direktor Dr. Blaszkiewitz,
leider gab es einen dramatischen Anlass, die erwachsenen Eisbären mit Spielzeug zu versorgen. Die Eisbären wussten sich aufs beste mit diesen anregenden Spielzeugen zu beschäftigen. Wie Herr Berger in einem seiner RBB-Filme einen Tierpfleger aus einem anderen Zoo zitierte, sterben die Tiere in Zoos häufig nicht an Krankheiten, sondern an Langeweile. Da die Zoos beim besten Willen nicht natürliche Lebensbedingungen imitieren können, bemühen sich viele Zoos in der weiten Welt, ein anregendes Umfeld für die Tiere zu schaffen, wozu auch ein Animationsprogramm gehört, wozu wiederum intelligente Spielzeuge gehören. So ist es in Kopenhagen, in Schweden, in Norwegen, in Denver, in Orlando. Diese Bedingungen wären auch im Berliner Zoo leicht zu erreichen. Ich bin sicher, dass viele Zoobesucher bereit wären, Spielzeuge oder Geld zu spenden, damit der Höhepunkt des Tages nicht in der 10minütigen Fütterung besteht. Danach schleppen sich die Eisbären von einem Felsen auf den anderen. Zugegeben, jetzt zur Paarungszeit gibt es auch noch andere Interessen. Ich bitte Sie, mir diese Zuschrift nicht zu verübeln. Es geht mir wirklich um die Sache. Ich glaube, dass man die Lebensqualität der Eisbären mit wenigen Mitteln deutlich verbessern könnte. Freundliche Grüße

Hanna Ranke

(Diesmal antwortete der Zoodirektor nicht.)



An den Regierenden Bürgermeister
Rotes Rathaus
Rathausstraße 15
10173 Berlin
Hamburg, 17.4.2009

Betreff: Knut und seine Verwandten

Sehr geehrter Herr Wowereit,
ich bitte Sie, mir zu verzeihen, dass ich mich in diesen krisenhaften Zeiten wegen einiger Zootiere an Sie wende.
( ... )Was Knuts Zukunft anlangt, sind wir in Sorge. Natürlich wollen wir, dass Knut in Berlin bleibt. Aber nur, wenn er ein schönes Gehege bekommt und baldmöglichst Gesellschaft ! Auch die anderen genannten Bedingungen der Haltung müssten internationalen Standards genügen. Alle Aussagen des Zoodirektors sind von mir zu belegen und sowieso bekannt. Ich würde mich freuen, wenn eine kleine Änderung in der Haltung der Zootiere angestrebt und erreicht werden könnte.
Freundliche Grüße AK
Anneliese
 
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » So 29. Mär 2015, 09:54

Besuch im Kopenhagener Zoo am 5. Juni 2009
Während des Jahres 2008 bin ich gelegentlich im Berliner Zoo mit Besuchern aus Dänemark ins Gespräch gekommen. Sie zeigten sich verwundert über die reizarme Ausstattung des Geheges der erwachsenen Eisbären und brachten deren Inaktivität in einen Zusammenhang mit dem Mangel an Spielzeugen. Im Kopenhagener Zoo wäre vieles anders – und besser. Bei einem vierstündigen Besuch hatte ich Gelegenheit, mir in Kopenhagen selbst einen Eindruck zu verschaffen.
Eisbären.

Das Gehege für das Eisbärenpaar Noel (5 Jahre) und Ivan/Boris (3 Jahre) ist viel kleiner als das Berliner Eisbärengehege. Genauer gesagt verfügen sie über zwei Gehege, die man bei Bedarf abtrennen kann. Es ähnelt ansonsten dem der Berliner Eisbären: Felsen (echte!), Wassergraben, kein Naturboden, keine Bäume. Aber: Jede Menge Spielzeug und Animation!

Der männliche Eisbär Ivan war ununterbrochen aktiv. Erst spielte er mit einem schwimmenden rechteckigen Kasten, schob die Schnauze rein, hob ihn hoch, stülpte ihn sich viele Male auf den Kopf, schwamm drunterher, fühlte mit der Pfote rein, hechtete danach. Der rechteckige weiße Kasten schwamm, er war vermutlich aus Plastik. Gleichzeitig griff Ivan sich den grünen Ball, auch aus Plastik, hantierte gleichzeitig mit beiden Gegenständen.

An dieser Stelle ein Kommentar: Weiß der Direktor des Kopenhagener Zoos denn nicht, dass seine Eisbären mit Müll spielen?

Der Direktor des Berliner Zoos findet, dass es sich bei Gegenständen aus Plastik oder Kunststoff um menschlichen Abfall, um Müll handele. Deswegen bekämen die Berliner Eisbären auch nur Gegenstände aus Naturprodukten. Aber habt ihr schon einmal Gegenstände aus Naturprodukten im Gehege der großen Eisbären gesehen? Ich auch nicht. Irgendwann habe ich mal einen Ast gesehen, kahl, von den Jahreszeiten, der Sonne, dem Regen, dem Eis und dem Schnee gebleicht und zermürbt. Vielleicht meint er den.

Dann kam die Fütterung. Es gab Heringe. Sonst nichts. Aber bevor es die Heringe gab, wurde erst einmal ein kleiner Baumstamm ins Wasser geworfen, zu den schon vorhandenen Stämmen, Klötzen und Tonnen – alle aus Holz und die Plastikteile ergänzend, sie dürften also den hohen Ansprüchen des Berliner Zoodirektors entsprechen. Als ich eine Stunde später vom Elefantengehege zurückkam, schwammen Paprika und Tomaten im Wasser.

Die Gehegenachbarn, die Braunbären, hatten statt der Heringe mehrere Bündel frisch gemähtes Gras mit Kräutern bekommen, an verschiedenen Stellen deponiert. Als ich vom Elefantenhaus zurückkam, lagen überall bei ihnen Mohrrüben herum.

Der Alltag der Tiere wird nach meinen Beobachtungen abwechslungsreich und erlebnisstark gestaltet. Um das Leben für die Tiere interessanter zu machen, gibt es nicht wie im Berliner Zoo eine (für Zuschauer sichtbare) Mahlzeit pro Tag (für Berliner Eisbären 10.30 bis 10.35 Uhr), sondern viele kleine Mahlzeiten. Die Tiere sind immer gespannt auf die nächste Überraschung.
Schon kam der nächste Nervenkitzel. Die Tür zum Innengehege war zugesperrt. Eine massive Tür öffnete sich hinter der Gittertür, und ein Pfleger wurde sichtbar. Aufgeregt rannte das Eisbärenpaar hin, erhob sich am Gitter. Irgendwas fand da statt. Jedenfalls hörte man Gebrüll. Dann wurde die massive Tür wieder zugeschoben. Um nach wenigen Minuten wieder geöffnet zu werden. Das wiederholte sich noch ein- oder zweimal. Die Eisbären waren sehr aufmerksam und konzentriert. Ich nehme an, dass sie auch ein paar Leckerli bekommen haben. Irgendwann wurde die Tür dann, vorerst jedenfalls, endgültig geschlossen.

Ivan und Noel erschienen an einem Sichtfenster und guckten interessiert auf den Gehweg, wo sich die Tierpfleger zu schaffen machten.

So konnten die Besucher den Eisbären direkt in die Augen sehen. Die Tierpfleger entfernten sich, wohl um die nächste Futterrunde vorzubereiten.

Jetzt war Langeweile angesagt? Keineswegs. Noel schwamm ein paar Runden. Ivan nahm sich seine blaue Tonne vor. Garantiert nicht aus Naturmaterialien, sondern aus Kunststoff, aber außerordentlich strapazierfähig und beißfest. Er bearbeitete das Ding mit wahrhaftiger Leidenschaft. Ich hoffe, die Fotos können ein wenig von seiner lang andauernden Beschäftigung mit der Tonne wiedergeben. Plötzlich lag da ein Stück Kokos-Fruchtfleisch (oder Sellerie?). Ivans Anstrengungen wurden belohnt! Voller Befriedigung verspeiste er es, genüsslich und in kleinen Bissen. Ich hatte mich schon ein wenig gewundert, dass er so lange und heftig die Tonne bearbeitet hatte. Jetzt war der Grund der Ausdauer deutlich: In der Tonne sind Leckerbissen versteckt, die bei einiger Anstrengung freigegeben werden.

Nach dieser Ermutigung fuhr Ivan fort mit dem Versuch, der Tonne Leckerbissen abzuringen. Er rollte wie ein Brauerei-Arbeiter das Fass ins zweite Gehege. Einmal wurde er noch für seine Anstrengungen mit einer Selleriescheibe belohnt. Dann hatte er die Nase voll von der Mühsal und stieß die Tonne in den Graben. Und nun, nach der vielen Arbeit, legte er sich zu einem Schläfchen nieder.

Zum Konzept des Zoos: An den meisten Gehegen im Zoo ist ein Schild angebracht:
„Adfærds-berigelse
Vi eksperimenterer i øjeblikket med at berige dyrenes hverdag.
Se efter de farvede genstande!“
(Übers.:„Bereicherung des Verhaltens
Wir experimentieren im Augenblick damit, den Alltag der Tiere zu bereichern.
Achten Sie auf die farbigen Gegenstände!“
gekürzter Bericht, AK, Juni 2009)

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Nachbemerkung: Der Kopenhagener Zoo hat mittlerweile traurige Berühmtheit erlangt mit der Schlachtung, öffentlichen Zerlegung und Verfütterung der Giraffe Marius an die Löwen. Man verkaufte dieses Schauspiel als pädagogisch wertvoll, deswegen waren besonders Kinder willkommen geheißen worden. Wir sind entsetzt und wissen nicht, wie man im Kopenhagener Zoo auf eine solche Idee gekommen ist. Der Gerechtigkeit halber sei erwähnt, dass der vormalige Berliner Zoodirektor Blaszkiewitz, den wir häufig kritisiert haben, bei der Abschiedsveranstaltung am 31.3.2014 im Flusspferdhaus dieses „Kopenhagener Event“ heftig kritisiert hat. Ich zitiere aus meinen Aufzeichnungen:

„Der scheidende Direktor führte aus, die Tötung der Giraffe in Kopenhagen sei unethisch und nach deutschen Gesetzen nicht erlaubt. Zusätzlich habe man auch noch gemeint, den toten Körper zur Schau stellen zu sollen, man zeigte u.a. die Funktion der Sehnen der Giraffe vor den Kindern. Die Giraffe zu schlachten sei unethisch gewesen, schlicht verwerflich, zumal sowohl die Giraffe als auch die getöteten Löwen von anderen Zoos genommen worden wären. Sie seien keineswegs überzählig gewesen. (Ich hatte nicht gedacht, dass ich einmal so heftig bei diesem Direktor Beifall klatschen sollte.)“





Besuch bei den Eisbären im Rostocker Zoo am 13. und 21. März 2010 (AK)

Ich war ein paar Tage an der Ostsee und neugierig auf Vilma, die Kanisterwerferin. Der Rostocker Zoo ist großzügig angelegt mit viel Platz, nur müssten die Gehege erneuert werden. Als nächstes soll das Menschenaffenhaus neu errichtet werden. Man sammelt noch die Spenden dafür. Auch der Bärenfelsen entspricht nach Einschätzung des Zoos nicht mehr heutigen Anforderungen. Anfang der sechziger Jahre, als er errichtet wurde, war er eine der modernsten Anlagen in Europa.

Am 13. März war Eisbärenwetter und das Wasser im Graben noch gefroren. Die beiden Kodiakbären hielten sich zwecks Winterschlummer im Inneren des Geheges auf. Beim zweiten Besuch konnte ich einen der Kodiakbären erblicken, der verschlafen in die Sonne blinzelte. Vilma lagerte draußen und Vienna, ihre Mutter, steckte ab und an ihren Kopf aus dem Gehegeeingang auf der Suche nach Sensationen oder besser noch nach Futter. Der majestätisch anmutende Eisbärenmann Churchill lümmelte sich getrennt von ihnen im benachbarten Mutter-Kind-Gehege und dämmerte in der Sonne. Dann wurde es lebendig, denn von oben regnete es Äpfel. Kurze Zeit später tauchte die Tierpflegerin vor dem Gehege auf und schmiss ein paar Runden Leckerli. Da kam Vienna aber auf Trab und verteidigte ihr Revier vor Vilma, d.h. sie drohte ihr mit ihrem Gebiss. Vilma war nicht so ängstlich und zeigte der Mama auch die Zähne.

Ich führte mit zwei Tierpflegern Gespräche und fasse deren Erzählungen hier zusammen:

Vilma ist die Tochter von Vienna. Im Alter von zwei Jahren kam sie nach Nürnberg, um dort nach 3 Jahren wieder Platz machen zu müssen für Flocke. Als Vilma nach Rostock zurückkehrte, erkannte die Mutter sie nicht wieder. Sie
begriff ihre Tochter Vilma als Konkurrentin um Futter und Revier und wies ihr mit aufgerissenem Rachen, und bei Bedarf mit Gebrüll, ihren Platz zu.

Vilma wird von den Tierpflegern für nicht besonders helle gehalten, denn sie brauchte viele Monate, um zu begreifen, dass sie der Mutter besser nicht das Hinterteil darbot, denn Vienna nahm dieses verheißungsvolle Angebot stets wahr, um hineinzubeißen. Jetzt weiß Vilma, dass Vorwärtsverteidigung zwar von furchterregendem Gebrüll begleitet wird und die Gebisse gegeneinander klirren, aber die Konfrontationen ohne Blessuren abgehen.

Vilma ist ja eine große Werfkünstlerin und Jongleurin, aber ich konnte keine Kisten oder Kästen entdecken und verurteilte insgeheim schon die trägen Pfleger. Nur eine riesige massive Plastikkugel war auf dem Eis zu entdecken. Vienna und Vilma fanden nach anfänglich wohlwollenden Untersuchungen der Kugel diese nicht sehr reizvoll, weil sie so massiv ist, dass man sie nicht zerbeißen kann. Die Tierpflegerin erzählte mir nun, dass Vilma sämtliche Kisten und Kästen und alles übrige Werfbare von oben in den Graben schleudert und hinterherspringt. Man fürchtete, dass Vilma die Metamorphose des Wassers zu Eis und die Konsequenzen, die damit verbunden sind, noch nicht mitbekommen hatte, da sie ja ein wenig schwer von Kapee ist. Man fürchtete, Vilma würde die Kisten und Kästen hinabwerfen in den Graben, und, wie gewohnt, einen Köpper hinterher machen. Deswegen also muss Vilma ohne ihre Wurfübungen auskommen, solange das Eis hält. Am 21. März, bei meinem zweiten Besuch, war das Eis weitgehend geschmolzen, bis auf wenige Eisschollen. Da bekamen sie zwei Kanister zugeworfen, mit jeweils einem Hering drin. Es waren billige Plastikkanister, und die zerbissen und zerrissen sie vollständig und ließen sich den Hering schmecken. Bei Mutter und Tochter müssen die Fetzen fliegen!

Wenn das unser Berliner Zoodirektor wüsste! Die Rostocker Tierpfleger wussten von dessen merkwürdigen Ansichten, Plastikobjekte gleich Müll, und dessen Verbot, die Tiere durch geeignete Materialien zu beschäftigen. Ja, von dem hätten sie schon gehört. Die armen Tiere! Den Rostocker Tierpflegern ist das Konzept der „Verhaltensbereicherung“ geläufig: Anregungen zum Spiel durch Spielobjekte, viele kleine statt einer größeren Mahlzeit, Umgestaltung des Geheges, um den Alltag interessanter gestalten zu können, z. B. Möglichkeiten zum Verstecken und Klettern schaffen usw.

Churchill ist schön, hat einen mächtigen Kopf, einen gewaltigen Körper und einen gefährlichen Gesichtsausdruck. Es kann sein, dass ich das Gefährliche nur gesehen habe, weil ich weiß, wie überaus bedrohlich er für die Eisbärenfrauen tatsächlich ist. Bevor Churchill zum Einzelgänger verurteilt wurde, teilte er das Außengehege mit den Frauen. Gab es Fleisch – nur zwei- bis viermal die Woche – erhob er sein Haupt und fixierte die drei Eisbärinnen (zwei Eisbärinnen sind in den letzten Jahren sehr alt gestorben), die sofort das Fleisch aus dem Maul fallen ließen und sich in ferne Ecken verdrückten. Statt einer hatte er dann regelmäßig vier Fleischportionen. Mit Vienna hat er insgesamt fünf Kinder gezeugt. Beim letzten Zeugungsversuch rutschte Vienna aus; das versetzte Churchill in eine so rasende Wut, dass er ihr eine riesige Fleischwunde am linken Oberschenkel zufügte. Vienna gelang die Flucht, bevor er sie totbeißen konnte. Die Pfleger waren Gott sei Dank wegen des Gebrülles zur Stelle, öffneten den Schieber und schlossen ihn sofort hinter Vienna, so dass es Churchill nicht gelang, Vienna ins Binnengehege zu verfolgen. Die Tierärzte hatten viele Wochen mit der Pflege dieser riesigen Fleischwunde zu tun; sie hatte sich entzündet, eiterte noch nach Wochen. Vienna humpelt nun auf drei Beinen, weil sich die Sehnen am verletzten Bein verkürzt haben, hervorgerufen durch eine Schonhaltung. Wenn’s drauf ankommt, kann sie ihrer Tochter Vilma aber die guten Bissen abjagen, sie versucht es jedenfalls. Fell wird auf dieser Fläche nicht mehr wachsen. In der Wildnis hat man mit einer solchen Wunde keine Überlebenschance. Ganz abgesehen davon, dass Churchill sie da totgebissen hätte.

Man will Churchill und Vienna nicht noch einmal zwecks Begattung zusammenführen. Man hält die Gefahr eines tötenden Bisses für groß, - zumal Vienna ja nicht mehr sicher steht. Und auch Vilma hat einen sanfteren Gefährten verdient (so einen wie Lars oder Knut.). So hat Churchill sein Alleinsein selbst zu verantworten, wenn es ihm auch nicht bewusst ist. Er ist nun über dreißig Jahre alt und, wie gesagt, ein schönes und imposantes Tier. Nur beim Treppensteigen wird ein arthritisches Humpeln bemerkbar. Ein Pfleger meinte, Churchill sei größer als Troll; da bin ich mir aber nicht so sicher.

Auch Vienna und Vilma sind ausgesprochen schöne Eisbärinnen. Sie vertreiben sich die Zeit mit anregendem Streit um das Futter und um die interessantesten Plätze im Gehege. Sie tun sich nicht wirklich etwas. In der eisfreien Zeit bereichern Kanister das Freizeitangebot.

Während meines Nachmittags am 13. März erhielten die Eisbären drei Mahlzeiten: Äpfel, weil sie morgens zu wenige erhalten hätten, dann Hunde-Leckerli, kurz darauf Heringe. Die Tiere erhalten nur zwei- bis viermal die Woche Fleisch. Außerdem gäbe es Fastentage. Da kann uns’ Knut sich glücklich schätzen. Die Tierpflegerin meinte, in der Wildnis müssten sie häufig hungern. Das stimmt. Aber auf das regelmäßige Fressen im Zoo kann sich schnell jedes Zootier einstellen. Zumal die Mahlzeiten ja die Höhepunkte des Tages sind. Leben in der Wildnis hin oder her: Der Bär wird enttäuscht sein, wenn das Essen ausfällt. „Und das wollen wir doch nicht!“ (TD)

Ich fragte die Tierpflegerin, ob man die Tiere streicheln könne. Nein, das wäre nur bei den beiden verstorbenen Eisbärinnen möglich gewesen, und auch nur, weil diese sehr alt gewesen seien. Und was würde passieren, wenn man eine Hand durchs Gitter stecken würde? Die wäre weg, was nicht notwendigerweise als aggressiver Akt zu verstehen sei, sondern als ein Reflex. Die Hebelwirkung des Gebisses sei so kraftvoll, dass man schon ein Knut sein müsse, um diese auszusetzen. Der Pfleger erinnerte noch einmal an den Braunbären, der im letzten oder vorletzten Jahr die Bärin getötet hatte, mit der er erst kurze Zeit zusammen war. Das Kennenlernen und die erste Zeit des Zusammenlebens seien harmonisch verlaufen. Doch dann sei irgendetwas schief gelaufen, womöglich beim Begattungsakt, und der Bärenmann hat die Bärenfrau totgebissen – was bei ihrem Zahn- und Kieferwerkzeug leicht zu bewerkstelligen sei. Schädeldecke oder Halswirbel seien leicht zu knacken für das Gebiss eines erwachsenen männlichen Eisbären.

Ein bekannter Zoodirektor hat mal erklärt, er würde Braunbären weniger trauen als Eisbären. Eisbären wären vorsichtiger bei Raufhändeln, weil auch kleine Verletzungen in der Arktis mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Tode führen, allein wegen der Eiseskälte, die durch diese Wunde in den Körper dringen kann. Mir leuchtet das ein. Aber vielleicht sind die Eisbärenmänner nur vorsichtig gegenüber ihrem eigenen Geschlecht – Eisbärenfrauen sind ihnen ja unterlegen. Und Eisbärenkinder sind ihnen natürlich eine leichte und gefahrlos zu erlangende Beute.

Um mal Knut aus seinem Tagebuch zu zitieren: „Seit ich die Eisbären kenne, liebe ich die Menschen!“ („Wer war Knut?“, Seite 59) Jedenfalls kann ich nicht mehr ganz ausschließen, dass der „Eisbär an sich“ ein Raubtier ist. Wie wir wissen, gibt es unter ihnen aber Nonkonformisten wie Knut und man sollte sowieso, wie wir ebenfalls wissen, die Individuen differenziert beurteilen. Interessant ist die Frage, ob und wieweit Eisbären durch angeborenes Verhalten in ihren Aktionen bestimmt sind oder ob sie bei anderen Sozialisationsbedingungen andere, nicht festgelegte, Möglichkeiten der Entwicklung haben. (Ich erlaube mir, noch einmal auf mein Buch und die Kapitel „Knut als Gärtner“, „Knut und der Artenschutz“ und „Warum wir von Knut so tief beeindruckt sind“ hinzuweisen.) Übrigens sei an dieser Stelle auf die Sonderausstellung „Bestiarium“ von Walton Ford im „Hamburger Bahnhof“ (Berlin) hingewiesen. Dort befindet sich ein wandfüllendes Riesengemälde mit einem „Eisbären des Grauens“ – furchtbar um sich blickend und umgeben mit Knochen, Schädeln und Kadavern. Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. Mai.

Der oben zitierte Zoodirektor hat übrigens gemeint, dass es gut für Knuts Sozialisation als Eisbär sei, wenn er das erste Mal mit einer erfahrenen älteren Eisbärendame zusammenkäme, die ihm selbstbewusst zeigen würde, wo’s langgeht. Nun, älter ist Giovanna nicht, aber an Selbstbewusstsein mangelt es ihr keinesfalls. Insofern ist sie die richtige Wahl für die Gewöhnung an Eisbärinnen. Zweifellos wird Knut sich künftig anderen Eisbärinnen mit Respekt nähern. Aber vorsichtig würde Knut in jedem Falle sein, das ist seine Natur. Für mich ist es unvorstellbar, dass er sich mal zu einem Churchill entwickelt.

Folgende Fragen sind mir angesichts der Tierpfleger-Berichte eingefallen:

Wenn Vienna sich nach drei Jahren nicht mehr an Vilma erinnern konnte, an was und wen kann Knut sich aus seiner Kindheit erinnern?

Mir fällt noch eine zweite Möglichkeit ein: Vienna konnte sich sehr wohl an Vilma erinnern, aber im Eisbärenleben verlieren die Kinder den Kinderstatus mit der Trennung von der Mutter. Dann sind sie nur noch um Nahrung konkurrierende Eisbären, ohne jede sentimentale Erinnerung.

Bei Knut kann man sich nicht vorstellen, dass er einen Köpper in den zugefrorenen Graben macht.

Giovanna hingegen ist/war tollkühn, wagemutig, verwegen, sich gefährdend, besonders in der Anfangszeit in Berlin. Sie hat mehrere Stellen im Fell, die auf Verletzungen hindeuten. Die Pfleger hier in Berlin wissen nicht, wo und wie sie sich die Stellen zugezogen hat, erklären sie aber mit ihrem unvorsichtigen Verhalten. Würde Giovanna in einen leeren oder zugefrorenen Graben springen, womöglich mit Köpper oder Rückwärts-Salto, wie man das bei Vilma befürchtet?

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