Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

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Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Mi 21. Jan 2015, 14:13

Knut. Der Bär, die Stadt und der Zoo.
Eine Berliner Geschichte
von Anneliese Klumbies

Vorbemerkung
Der Text ist dem Buch „ Knut. Der Bär, die Stadt und der Zoo “ entnommen, letzte Auflage Januar 2014. Er wurde im Sommer 2012 geschrieben und in den folgenden Auflagen leicht verändert und hauptsächlich im Anhang aktualisiert. Der folgende Text ist eine gekürzte und mit Bildern versehene Ausgabe.
Zu den Bildern: Alle Bilder aus Knuts „Säuglingsphase“ und seiner frühen Kinderzeit sind vom Berliner Zoo, dem RBB oder bekannten Tageszeitungen und Presseagenturen veröffentlicht worden. Sie sind über verschiedenen Quellen im Internet zugänglich. Auch das Blog „World of Animals“ hatte ständig in Wort und Bild über das Ereignis Knut berichtet, denn Hartmuth Wiedenroth war der größte Verehrer von Knut. Er ist leider am 3. Juni 2011 gestorben, kurz nach Knut. Wir erlauben uns, uns dieser Bilder zu bedienen. Spätere Bilder stammen von Freunden und von mir.
Wir wollen mit dieser höchst subjektiven Dokumentation einem Bären Reverenz erweisen, der 2007 Berlin, Deutschland und die ganze Welt erobert hat. Aus der Vorbemerkung des Buches:

Aktuelle Vorbemerkung Februar 2013
Die Hauptperson dieses Buches ist der Eisbär Knut, geboren 2006, gestorben 2011. Knut war ein exemplarisches Zootier und eine besondere Tierpersönlichkeit. Ich habe Knut ein Denkmal setzen wollen, und ich wollte ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen, weil er es in seinem kurzen Leben im Berliner Zoo nicht so gut gehabt hat, wie es möglich gewesen wäre. Indem ich Stationen und Episoden aus seinem Leben schildere, will ich an Knut erinnern und an die außerordentliche Aufmerksamkeit, die er weltweit fand. Ich will versuchen, diese Aufmerksamkeit und Faszination ein wenig zu verstehen.


Wir hoffen nun sehr, dass diese Würdigung des Eisbären Knut ein wohlwollendes Leserpublikum findet. Wir haben uns Mühe gegeben, wissen aber, dass die Erinnerungen an Knut und die Reflexionen über ihn ganz unterschiedlich sein können.

Hamburg und Paris im Januar 2015
Anneliese Klumbies und Brigitte Glinel (verantwortlich für die technische Umsetzung)

Für Monika Bäcker, die durch eine schwere Krankheit beinahe den Lebensmut verloren hätte.
Da kam Knut.



Errettung und Euphorie
Dies ist die Geschichte von einem Bären, der unter die Menschen fiel. Sein Leben verlief dramatisch und endete tragisch. Auf der Strecke blieben die Hauptbeteiligten, Thomas Dörflein und Knut, außerdem einige Personen aus der „zweiten“ Reihe.

Hier ist Knut
Knut wurde zusammen mit einem Bruder am 5. Dezember 2006 geboren. Tosca, die Mutter, hatte schon mehrmals Jungtiere zur Welt gebracht, die sie aber nie anzunehmen und aufzuziehen vermochte.
So waren die zuständigen Menschen vorbereitet, als Tosca zwar zunächst die richtigen Reflexe zeigte, dann aber wieder einmal nicht genügend Ausdauer bewies.
Die engagierten Tierpfleger und Tierärzte hatten eine Idee, wie sie diesmal die neugeborenen Jungtiere vor der „pflichtvergessenen“ und vom Zirkus geschädigten Mutter Tosca in Sicherheit bringen konnten. Eine lange Stange wurde bereitgehalten, die zugänglichen Quellen zur Handaufzucht von Eisbärenbabys aus Bibliotheken und dem Internet studiert, die passende Nahrung und Medikamente besorgt, der Brutkasten (eigentlich für Papageieneier) gereinigt und mit kuscheligem Fell ausgelegt.

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Tosca fühlte vage, was zu tun war. Als sie unsicher die Säuglinge ins Maul nahm, herumtrug, erfolglos an die Brust legte, wieder fallen ließ, und all das sich wiederholte, bis sie am Ende unschlüssig hin- und herwanderte, rollte Thomas Dörflein schließlich die Jungen mit Hilfe der bereitliegenden Stange heran, nahm sie und ging an die Arbeit.
Die Geschichtsschreibung über Knut begann sechs Wochen nach seiner Geburt, weil man die kritische erste Zeit abwarten wollte, bevor man seine Existenz offenbarte. Der Bruder war nach vier Tagen an einer Infektion gestorben.

Mitte Januar 2007 gab der Zoo Knuts Geburt bekannt. Mit sensationeller Wirkung. Man war es gewohnt, Geburten und familiäre Ereignisse aus der Welt des Adels, der Hochfinanz und der Glitzerwelt der Stars zumindest mit einer Schnipselmeldung auch in den seriösen Zeitungen mitgeteilt zu bekommen. Jetzt aber schlich sich ein winziges Bärenbaby mit noch dünnem weißen Pelz in die Tratsch- und Klatsch-Spalten. Die anrührende glückliche Botschaft von Knuts Errettung durch Menschenhand war das Eintrittsbillett in die Welt der Medien. Beigefügt war in den meisten Zeitungen ein Foto von Knut, das zeigte, wie ihm von einer menschlichen Hand die Fußsohle gestreichelt oder gekitzelt wird. Das Bärchen scheint davon angetan, es hebt die Eisbärenarme und zeigt die breite rosa Zunge. Es liegt wie ein Prinz auf königsblauem Samt. Später erfuhren wir, es war der Schlafsack von Thomas Dörflein. Wie winzig das Baby war, sah man im Verhältnis zur Größe der Hand, die es hielt.

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Die Leser mochten sich erstaunt fragen, wann sie je in ihrem Leben so ein winziges Eisbärchen gesehen hätten. Im Berliner Zoo jedenfalls waren seit der Geburt eines Eisbären-Jungtieres dreißig Jahre vergangen. Das ist allerdings nicht ganz exakt, denn geboren wurden schon einige, aber sie konnten nicht groß gezogen werden. Eisbärenmütter sind sensible Tiere, und wenn sie beunruhigt sind und irgendetwas in ihrer Umgebung oder mit dem Jungtier nicht stimmt, neigen sie dazu, den Nachwuchs zu ignorieren. Oder aber zu fressen.

Man erinnerte sich nun: 1986 war im Ost-Berliner Tierpark Friedrichsfelde ein Eisbär geboren worden, dessen Mutter Aika ihm ebenfalls die Fürsorge verweigerte. So kam Björn Heinrich in die Familie der Tierpflegerin Veronika Buchholz. Man hatte so gar keine Erfahrungen und nahm ihn in der eigenen Wohnung auf wie ein drittes Kind. Alle machten ihre Sache gut. Er wuchs und gedieh, spielte mit seinen menschlichen Geschwistern und der Schmerz war groß, als die Trennung nach einem Jahr vollzogen wurde. Es war wie die Trennung von einem Kind. Bei einem Besuch der Tierpflegerin und Ziehmutter nach über 20 Jahren gab es kein äußerlich bemerkbares Wiedererkennen von Seiten Björn Heinrichs. Frau Buchholz aber war bewegt. Björn Heinrich zeugte Nachwuchs und starb am 30.6.2011, 24 Jahre alt, in dem serbischen Zoo Palic, nicht lange nach Knuts Tod. Seine Mutter Aika lebt noch heute im Tierpark und ist glücklich (oder aber gestraft, wer weiß?) mit dem imposanten Eisbären Troll, ungewöhnlich groß und schön und gelegentlich tyrannisch. Mittlerweile ist die zweijährige Tonja aus Russland dazugestoßen, die man als Gefährtin für Knut vorgesehen hatte. Bei aller Kritik am Verhalten der Zooleitung in Sachen Knut, für diesen Neuzugang ist sie zu loben. Knut hatte leider nichts mehr davon.
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Mi 21. Jan 2015, 14:32

Assoziationen beim Anblick von Knut und Thomas Dörflein

Mit Knut und Thomas Dörflein begann die Geschichte einer wundersamen Mutter-Kind-Beziehung, bei der die Mutter ein Mann war und das Kind ein Bärenkind. Ein ausgeräumter Geräte-Abstellraum im Hof der Bärenanlage diente beiden als Herberge. Zum frühen Ende als Opfer der hilflosen Original-Kindsmutter bestimmt, wie die Geschwister vor ihm, ergreift Knut beherzt die Chance und zeigt dem Publikum seinen unbezwingbaren Lebenswillen.
In einer Zeit der Patchwork-Familien mit ihren wechselnden Bezugspersonen konnte man so etwas als heile Welt betrachten. Zwar hatte diese Bären-Mensch-Familie auch eine Trennungs-Vorgeschichte, wirkte aber nunmehr so innig, so ideal, entrückt, verklärt und überwirklich, dass sich Vergleiche mit der Heiligen Familie, genauer: der Madonna mit dem Kinde, unwillkürlich aufdrängten. War das vermessen? Der Anblick von Dörflein mit Knut auf dem Arm war jedenfalls eines Raffael würdig. Verstörte das vielleicht den Direktor, der als konservativer Katholik darin eine blasphemische Travestie sehen mochte?

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War die Rettung schon dramatisch genug, so ging es zudem um ein Geschöpf, dessen Anblick alle entzückte. Der kleine Bär passte nicht nur ins Kindchenschema,

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er war das Kindchenschema und löste alle dazugehörenden Gefühle in den Menschen aus. Und bei seinem Retter handelte es sich es um einen Tierpfleger, der ohne zu zögern und überaus glaubhaft an die Stelle der Bärenmutter trat. Er hatte dem Gedeihen des Eisbärenbabys für Wochen und Monate absoluten Vorrang eingeräumt und zu Lasten seines Privatlebens,wie alle Medien betonten, im Bärenhof gewohnt. Wir aber sind sicher, dass auch Knut ihm viel gegeben hat.

Fotoquelle unbekannt aber unbedingt sehenswert
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Mi 21. Jan 2015, 14:46

Der neue deutsche Mann

Eine Zeitlang waren Thomas Dörflein, seine beiden Kollegen Marcus Röbke und Ronny Henkel sowie die Tierärzte André Schüle und Andreas Ochs in Berlin und weit darüber hinaus viel bekannter als die Kabinettsliste der Bundesregierung. Thomas Dörflein wurde angeschwärmt und erhielt zahllose Liebeserklärungen und Heiratsanträge.

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Thomas Dörflein schien der neue deutsche Mann, der wie selbstverständlich die Mutterrolle übernahm. Ein neues Männerideal war geschaffen. Immer mehr Männer machten Thomas Dörflein und Knut zu zeitgemäßen Rollen- und Beziehungsvorbildern. Sogar die CDU/CSU rückte nun die Rolle des fürsorglichen Vaters in den Vordergrund und schuf die gesetzlichen Grundlagen für den väterlichen Erziehungsurlaub. Der alten Klientel wurde es endgültig schwindelig, als die Familienministerin die Frauenquote in den Führungsetagen großer Unternehmen durchzusetzen suchte. Wo mochte das alles enden! Unter unverbesserlichen Machomännern hieß es, wenn man eines „Neuen Mannes“ ansichtig wurde: „Der gibt die Knutmutti“. Wie wir heute wissen, blieben viele Männer verstockt und die Gegner des neuen Rollenbildes gaben sich nicht so schnell geschlagen. Der positive Einfluss der Symbiose Thomas Dörflein-Knut dauerte nicht lange genug an.1

1 Immerhin wirkte sie bei Knuts Patenonkel Sigmar Gabriel (SPD-Vorsitzender) nach: Der verbrachte nämlich große Teile des Sommers 2012 bei seiner neugeborenen Tochter.

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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Mi 21. Jan 2015, 14:54

Knut regt sich

Seit der Veröffentlichung des ersten Fotos von Knut gab es kein Halten mehr. Knuts dramatische Vita während der ersten Wochen lieferte publikumswirksame Stichworte: Geboren => von der Mutter verstoßen => damit zum Tode verurteilt => Tierpfleger als Lebensretter, schließlich das umwerfend niedliche und witzige Miteinander des aparten Mutter-Kind-Paares. Als die ersten Videos auftauchten, vom Tierarzt André Schüle mit einer kleinen Videokamera aufgenommen, die ihm der RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) in die Hand gedrückt hatte, fieberten die Menschen neuen Ereignissen entgegen. Jeder Tag brachte einen neuen Entwicklungsschritt, sorgfältig dokumentiert und allabendlich, später wöchentlich, in die Abendschau eingestellt: Knut schreit, wie ein kleiner Eisbär nur schreien kann, der argwöhnt, man könne ihm die Flasche wegnehmen. Knut lernt mit Verzögerung sicher laufen; stimmt etwas nicht? Es gelingt schließlich auf rutschfesten Automatten. Man beobachtet seine Entwicklung genau, probiert und improvisiert, es ist schließlich das erste Mal.

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Knut beißt in einen Ball, trägt eine Hantel oder eine Klobürste im kleinen Maul. Knut stolpert in die Sandkiste, beißt in den Sand, was nicht so toll schmeckt wie Kuchen und zudem unangenehm knirscht. Er erobert „seine erste Immobilie“ (RBB-Kommentar), einen ausgehöhlten Baumstamm mit Fenster, aus dem er neugierig in die Welt guckt. Knut schaukelt vergnügt in der Hängematte. Knut lernt, den Rest der Flasche aus dem Napf zu schlecken. Knut trinkt Wasser schon aus dem Napf – und verschluckt sich. Alles gar nicht so einfach. Thomas Dörflein stellt eine Kraftnahrung aus einer speziellen Mischung aus US-„Hightech-Katzenfutter“ und sonstigen Kraft spendenden Ingredienzien her, und Knut schreit, weil er das Warten aufs Essen nicht mehr aushält. Geduld ist für kleine Eisbären ein Fremdwort. Verzögerungen sind nur unter lautem Protest und von Wutausbrüchen begleitet zu ertragen.


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Knut bekommt eine Kiste Schnee, Thomas Dörflein zeigt ihm, was man damit machen kann, und er findet Schnee prima. Dann lernt er schwimmen, aber der Kommentator behauptet, dieses hektische Geplantsche sei noch weit entfernt von der korrekten Technik gemäß den für Eisbären geltenden Regeln. Dieser wenig pädagogischen Bemerkung zum Trotz macht Knut aber rasche Fortschritte. Knut mag Gummisohlen: Er beißt in die Hacken der Gummistiefel, die Thomas Dörflein ihm animierend hinhält. Knut geht im Zoo spazieren und freut sich über die anderen Tiere, die er dabei kennenlernt. Knut tollt mit Thomas Dörflein auf der Wiese, und ihm wird bescheinigt, sich haargenau wie ein frei aufgewachsener Eisbär zu verhalten. Er stellt sich der Elite der Fotografen und erscheint mit Thomas Dörflein zusammen in der Weltpresse. Die berühmte Fotografin Annie Leibowitz war extra aus New York angereist, um Knut zu porträtieren. Er darf aufs Titelbild von Vanity Fair, zusammen mit Leonardo di Caprio. Wir korrigieren: Leonardo darf zusammen mit Knut posieren! (Leonardo wurde nur per Fotomontage eingebaut, aber immerhin.)

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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Mi 21. Jan 2015, 15:36

Auftritt vor der Welt, die Welt bei Knut

In den ersten Monaten seines Daseins erfreute sich Knut der Aufmerksamkeit der Medien, als wäre er ein Superstar. Das war er schließlich auch. Die menschlichen Stars aus Politik, Kultur und Gesellschaft standen Schlange, um eine direkte Audienz bei ihm zu erhalten. Die Normalbürger standen Schlange an den Kassen des Zoos, dann noch einmal, um zu seinem Gehege vorgelassen zu werden, nur für zehn Minuten, dann kam der nächste Schub.

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Nach den vorbereitenden Ankündigungen des Moderators und Affenpflegers Reimon Opitz kamen die Tierpfleger mit einem Korb voller Spielzeuge

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und als letzter in der Karawane erschien Knut, empfangen von frenetischem Applaus; um dann eine Stunde „aus dem Leben eines kleinen Eisbären“ zu zeigen, während der er mit den Pflegern spielte, ihnen die Haare zerzauste und sich auf der berühmten grünen Decke räkelte. Zwischendurch hielt er immer ein Minutenschläfchen, denn noch war er ein kleines Kind, dessen Kräfte schnell aufgebraucht waren.

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Täglich berichteten Zeitungen und RBB über Knuts Fortschritte. In der Berliner U-Bahn lieferte der Monitor neben den Neuigkeiten aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur die neuesten Bilder mit Knut, bald auch den Protest aller anderen Zootiere unter dem Motto „Wir sind auch noch da!“. Alles war sehr originell mit gelungenen Aufnahmen und witzigen Texten gemacht. Knut inspirierte die Journalisten.

Auch die Texte der Boulevardpresse hatten meist Niveau und waren weder kitschig noch albern. Alle Seiten hatten offensichtlich ihren Spaß, und man war animiert.

Berlin hatte dem ersten Auftritt von Knut in der Öffentlichkeit entgegengefiebert. Drei Tage vor der Premiere wusste die Zooverwaltung nicht mehr, wie man der Flut der Anfragen aus aller Welt Herr werden sollte. Häufigste Fragen: Bleibt es bei dem angekündigten Termin? Können wir den Flieger und die Hotelzimmer buchen? „Alle legten die Ohren an“, wie der Tierarzt André Schüle berichtete. Und was sich angekündigt, aber niemand in diesem Ausmaß vorausgesehen hatte, geschah. Hunderte von Journalisten und Fotografen aus aller Welt stürmten am 24. März den Berliner Zoo. Der RBB dokumentierte, wie Thomas Dörflein den Auflauf fassungslos vom Bärenhof aus verfolgte. Knut sei ja ganz niedlich, aber das rechtfertige doch keinen solchen Ansturm („Die Leute sind ja verrückt!“). Knut selbst guckte ebenfalls durch den Zaun, denn als gelehriges Bärenkind machte er nun einmal alles nach,was seine Mutter auch tat. Er wirkte etwas ratlos.

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Neben der Zooleitung war auch der Patenonkel von Knut anwesend, Sigmar Gabriel, seines damaligen Zeichens Umweltminister. Dann erschienen die Stars: Hinter Thomas Dörflein hoppelte Knut aufs Gelände. Der Korb mit seinen Spielsachen wurde herbeigetragen, um den Fotografen und Kameraleuten einen spielenden Eisbären vorzuführen. Knut war unbefangen wie im Hof des Bärengeheges. Auf die Menschen ging er aufgeschlossen zu, knabberte hier an einem Hosenbein, schnupperte da an einer Hand und startete dort einen gutmütigen Scheinangriff. Unternehmungslustig erkundete er das Gelände und lief hinter Thomas Dörflein her, der ihn in alle Ecken führte, damit die Fotografen von jedem Standpunkt aus eine Chance hatten, ihn abzulichten und seinen Ruhm in die Welt hinauszutragen. Knut begutachtete die versammelte Zooleitung, von der er die meisten zumindest flüchtig kannte. Die Fotografen kamen sich im Kampf um die besten Plätze mit ihren Trittleitern ins Gehege.

Nur wenige Journalisten fanden den Rummel um Knut übertrieben, waren die meisten doch selbst hingerissen von so einem interessanten Bärenkleinkind. Die Adjektive süß und niedlich wurden auch in den Schilderungen der Qualitätszeitungen zu den am häufigsten benutzten Vokabeln. Aber was sollte man sonst auch sagen, so war es nun mal: Dem Bärenkind konnte man zwei Stunden und länger zusehen, und es wurde den meisten nicht langweilig. So manche Erzieherin oder Lehrerin unter den Zuschauern wünschte sich Kinder, die so konzentriert spielen konnten, unablässig neue Objekte in ihrer Umwelt entdeckten, untersuchten und mit ihnen weitere Spiele erfanden wie das Bärlein. Nach dieser ersten Journalistenrunde spielte Knut täglich vor seinem Publikum. Die Menschen drängten sich, und ihr Interesse ließ nicht nach. Später verteilte man Knuts Auftritte auf je eine Stunde vormittags und nachmittags. Längst hatte man einen Wachdienst engagiert, der die Besuchermassen dirigierte und in geordnete Bahnen zwang.

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Im Mai lernte Knut schwimmen. Von seiner (Ersatz-)Mutter, wie in Eisbärenkreisen üblich. Die Fotografen waren begeistert. Das hat er noch nie gemacht, riefen sie. Damit meinten sie Thomas Dörflein, der versuchte, Knut für das Wasser zu gewinnen. Das war schließlich das Element, für das er geschaffen war und er sollte sich daran gewöhnen. Anfangs zierte sich Knut. Er war ein ängstlicher Bär und vorsichtig im Umgang mit dem Unbekannten. Das sprach für seine Intelligenz. Aber schnell war er überzeugt und tollte fortan, wenn sich Gelegenheit dazu bot, mit seiner gesamten Familie, also den Tierpflegern, im Wasser herum. Alle drei Bärenpfleger waren zeitweilig mit Knut im Wassergraben. Diesen ausgewachsenen, gestandenen Männern war die Lust am Herumtoben mit einem kleinen weißen Bären anzusehen. Und Knut sowieso. Fast täglich gab es neue Bilder und Spiele. Beliebt bei Knut war das Deckenziehen, auch Schlittenfahren genannt: Auf der bekannten grünen Decke ließ sich Knut durch die Arena schleppen und war dabei so vergnügt als wie ein Kind.

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Die großen und kleinen Kinder vor dem Gehege hätten Lust gehabt, sich neben Knut auf die Decke zu legen. Der war ja ein echter Spielkumpel, so einen wünschten sie sich. Begeistertes Gequietsche.

Hinter den Kulissen, das soll nicht verschwiegen werden, gab es aber auch leidvolle Zeiten für Knut, wenn nämlich Thomas Dörflein nach langer fast ununterbrochener Anwesenheit im Zoo endlich auch mal ins private Wochenende ging, Urlaub machte oder wegen Krankheit zu Hause bleiben musste. Diese Trennungen konnte Knut nur schwer verkraften und er klagte laut und andauernd in seinem Käfig, Gehege und auf dem Hof.


Wenn man sich so umhörte, erfuhr man, dass Knut fast allgegenwärtig war. Zu Hause, aber auch in sehr vielen Büros, dort, wo man die Möglichkeit hatte, während der Arbeit unkontrolliert ins Internet zu gehen, wurde auf die Knutbilder und Videos zugegriffen. Man schickte sich die Links zu. Knut und sein Leben und Treiben wurden zum Gesprächsthema. Man kommentierte die kleinen Episoden aus seinem Leben und die Tierpfleger. Knut stiftete menschliche Beziehungen, er begründete Freundschaften, aber auch gegnerische Fraktionen, vor allem was die Beurteilung der Zooleitung betrifft. Man tauschte sich in Blogs aus.
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Mi 21. Jan 2015, 15:48

Was war die Sensation?

Was konnte so interessant an einem Eisbären-Baby sein, dass man lange Wartezeiten ertrug, gar sein Dasein zum Anlass nahm, aus entlegenen Teilen der Republik in die Hauptstadt zu kommen? Darüber hinaus gab es in vielen Ländern, selbst in fernen Erdteilen Menschen, die sich auf den Weg machten, Knut zu besuchen, ganz abgesehen von seinem weltweiten Internet-Publikum. Was also war das Besondere an diesem ganz normalen Eisbären-Baby? In Zookreisen gibt es den Begriff der „charismatischen Tiere“. Das bezieht man aber zumeist ganz generell auf die Exemplare einiger Arten (etwa Elefanten, bestimmte Robbenarten, Menschenaffen, Flusspferde, auch Bären gehören dazu), die wegen ihres Aussehens und Verhaltens mehr als andere Arten imposant sind und/oder Identifikation, Empathie und Projektionen ermöglichen. Bei Knut kam einiges hinzu, was ihn darüber hinaus als Individuum zu einem besonderen Eisbären machte. Knut war ein ganz normaler Eisbär, insofern hatte der Zoodirektor, der das immer häufiger und genervter betonte, recht. Aber nur im biologischen Sinne. Die Besonderheit war seine bisherige Lebensgeschichte, seine Sozialisation, seine Symbiose mit Thomas Dörflein und die Teilnahme der Öffentlichkeit an seinem Alltag. Und dazu einiges schwer zu Erklärende. All das führte dazu, dass hier Mensch und Bär in Sympathie und Empathie sozusagen die Grenzen ihrer Art überschritten.

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Jungtiere von Bären sind per se von großem Liebreiz, wenn man emotional nicht völlig abgebrüht ist. In allen Berichten kamen die Adjektive „süß“ oder „niedlich“ vor. Sie brachten den Sachverhalt auf den Punkt, sofern man es bei einigermaßen nüchternen Ausdrücken belassen wollte. Wie eine RBB-Bloggerin sinngemäß schrieb: „Ich habe noch nie so etwas Niedliches gesehen. Von meinen eigenen Kindern natürlich abgesehen.“ Selbst die Plüsch-Teddys können den Vorbildern nicht im Entferntesten Konkurrenz machen.1 Zum ersten Mal konnte man in der Öffentlichkeit das Heranwachsen eines kleinen Eisbären erleben und alle seine Entwicklungsschritte mitvollziehen, als wäre man selbst dabei.

„Ganz niedlich“ war für Dörflein ganz sicherlich eine Untertreibung, denn jeder RBB-Zuschauer oder BZ-Leser konnte sehen, wie ihm sein Bärenkind mehr und mehr ans Herz wuchs. Und der Stolz auf dieses Bärenkind, geliebt von den Medien und Menschen, wuchs gleichermaßen. Sein Verhältnis zu Knut war persönlich und emotional und ging über das Professionelle hinaus. Für das Publikum war Knut zweifelsohne ein Star. Es hatte immer beliebte Zootiere gegeben, die etwas symbolisierten, wie Knautschke, der Überlebende des Bombenkrieges. Aber ich bezweifle, dass dieses damalige populäre Zootier so viele Emotionen ausgelöst hat wie Knut (mehr zu diesem Thema im Kapitel “Das Phänomen Knut.
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Mi 21. Jan 2015, 16:20

Knut als Leuchtturm für Berlin

Knut hatte mit dem Wachdienst, der die Besucher dirigierte, hier ein paar befristete Arbeitsplätze geschaffen, belebte dort das Mediengeschäft ebenso wie den Tourismus, vor allem aber steigerte er die Zooeinnahmen erheblich. Berlin profitierte, materiell und ideell. Seit dem Mauerfall und der Fußballweltmeisterschaft hatte kein Ereignis der Hauptstadt so viel positive internationale Aufmerksamkeit verschafft. Auch der Bürgermeister hatte das wahrgenommen und verlieh Thomas Dörflein die Berliner Verdienstmedaille. Manch einer mag sich heutzutage wieder einen solchen Bären wünschen, der für gute Laune sorgt und Berlin in positive Schlagzeilen bringt, heute, wo in Berlin die S-Bahn immer noch nicht funktioniert, der Großflughafen nicht fertig wird, die halbe Republik fassungslos ist, weil man ein Drittel der Alten Meister aus der Gemäldegalerie wegschließen will, der Ruf der Charité beschädigt ist und so weiter.
Und man merke auf: Mit Knut begann der wirtschaftliche Aufschwung im Lande!

Papst Benedikt XVI., Knut und Helmut Kohl

Es scheint etwas kühn zu sein, den amtierenden Papst und Knut in einem Atemzug zu nennen. Aber nicht ich, eine Knutfreundin, bin auf die Idee gekommen, vielmehr der amtierende Finanzminister im Jahre 2008, Peer Steinbrück. Ich wette, kein Leser dieser Zeilen errät, was es war, das Minister Steinbrück auf die Idee brachte, die beiden Berühmtheiten in Verbindung zu bringen. Es war eine Sonderbriefmarke des Jahres 2008. Eine Briefmarke mit dem Bildnis von Knut! Wie der Name sagt, sind Sonderbriefmarken etwas Besonderes.

Aber was hatte Finanzminister Steinbrück mit Sonderbriefmarken zu tun? Nun, seit es wegen der Umwandlung der Post in ein Unternehmen keinen Postminister mehr gab, verantwortete der Finanzminister als Repräsentant des staatlichen Eigentümers die Herausgabe von Sonderbriefmarken. Der Wert betrug 55 Cent plus einer Abgabe von 25 Cent für Umweltprojekte. Ich hoffe, dass das Geld für Knuts Verwandte in der Arktis ausgegeben wurde.

Es gab eine große Veranstaltung aus Anlass der Herausgabe dieser Briefmarke. In der Berliner Volksbank, gleich schräg gegenüber dem Elefantentor-Eingang des Berliner Zoos. Hinterher wurde ein ordentliches Büffet mit Weißwein und Trollinger Rotwein geboten. Und ich durfte dabei sein, dem RBB sei Dank, der hatte an seine Hörer Eintrittskarten vermittelt. In den meisten Zeitungen wurde über diese Veranstaltung berichtet. Zuerst hat der Direktor der Berliner Volksbank ein paar unterhaltsame Worte gesagt. Dann war Frau Doktor Wulff-Matthies für die Deutsche Post dran.

Um endlich die Verbindung von Benedikt zu Knut herzustellen: Herr Steinbrück sagte, die Abbildung auf Sonderbriefmarken sei bis auf zwei Ausnahmen und abgesehen von den jeweiligen amtierenden Bundespräsidenten nur verdienstvollen toten
Persönlichkeiten vorbehalten. Die zwei Ausnahmen? Benedetto XVI. und Knut! Dann sagte er aber, er sei froh darüber, dass die Hauptperson n i c h t gekommen sei. Damit meinte er Knut! Über diesen Witz konnte ich nicht lachen.

Er meint damit, die Hauptperson sei gefährlich, weil Raubtier! Da war ihm aber mal was eingefallen! Zweifellos gab und gibt es in Geschichte und Gegenwart viele schlimme Ungeheuer, denen höchste Ehren erwiesen und Preise verliehen wurden und werden.

Wie kann man Knut in deren Nachbarschaft rücken? Wahrscheinlicher ist, dass Peer Steinbrück sich im Zoo bei den falschen Experten erkundigt hat. Wir können uns denken, bei wem.

Die Veranstaltung fand v o r dem Höhepunkt der dramatischen Finanzkrise statt. Wir hörten aus gut unterrichteten Kreisen, dass der Finanzminister später, während der Finanzkrise, mehrere Male vor dem Tor des Bärengeheges im Zoo gestanden und um Einlass gebeten hat. Er wollte sich bei Knut entschuldigen und ein wenig mit ihm kuscheln, denn er hatte mittlerweile wirkliche schreckliche Ungeheuer kennengelernt. Und gegenüber Helmut Schmidt, dem Altkanzler, soll er wiederholt beim Schachspiel geseufzt haben, dass er wehmütig an die Zeit zurückdenke, da er sich amtlich mit einem kleinen Eisbären beschäftigen konnte!

Sigmar Gabriel, Knuts Patenonkel, hat ihn gegen Verleumdungen verteidigt. Kurz zuvor war die Sache mit den Karpfen passiert. Man hatte einige Karpfen in Knuts Wassergraben gesetzt. Sie sollten als Putzkolonne gegen die Algen tätig werden. Davon hatte man Knut aber nicht unterrichtet. Nicht der erste Fall von gestörter Kommunikation im Zoo. Knut dachte eben, es wäre Essenszeit. Fische aß er fast so gerne wie Fleisch, und dass sie sich obendrein bewegten, machte sie erst richtig interessant. Vielleicht war auch gerade Freitag und Knut wusste, dass der Zoo eine streng katholische Leitung hat.

Und was machte ein Teil der Presse daraus? Knut frisst Karpfen! Weil er ein … Ja, richtig, weil er ein Raubtier ist! Und ob das nicht Tierquälerei sei? Aber Knuts Patenonkel hat die Dinge zurechtgerückt. Er stand auf seiner Seite. Er fragte, ob das ein Gerücht wäre, dass es tatsächlich auch Menschen gäbe, die Karpfen äßen? So um die Weihnachtszeit herum, zum Beispiel? Zur angemessenen Feier der Geburt Jesu Christi? Und die Fischstäbchen, kämen die bereits viereckig und paniert auf die Welt?

Trotz dieser Witze und verbalen Scharmützel hatte Knut an diesem Tag alles andere als Grund zum Klagen: Welcher jugendliche Eisbär wird schon von zwei Ministern und zwei Unternehmens-Vorstandsmitgliedern (Post und Volksbank) geehrt? Und wie erstaunlich die Zeit, in der so etwas möglich war!

Die Bildergalerie von ehemaligen Bundespräsidenten, Benedikt XVI. und Knut ist um eine Briefmarke mit dem Konterfei von Helmut Kohl, dem Kanzler der deutschen Einheit1, erweitert worden. Und was Peer Steinbrück betrifft, so wissen wir heute, dass er sich nicht auf Dauer erschüttern lässt und wieder gegen die Finanzdämonen antreten will. Hoffentlich unternimmt er dann auch etwas Wirksames!

So könnte es dazu kommen, dass der künftige Kanzler jemand sein wird, der auf einem Festakt unserem Knut seine Reverenz erwiesen hat. Wenn nicht, dann wissen wir, dass auch seine Konkurrentin Angela Knut mochte. Seinerzeit beim Besuch in Moskau wirkte Knut als unsichtbarer diplomatischer Vermittler. Er half (laut Süddeutsche Zeitung), im ersten Gespräch mit dem damaligen Staatspräsidenten Medwedjew (Medwed heißt Bär!), das Eis zu brechen, denn er war ein wichtiges Gesprächsthema.

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Kohl hatte natürlich Wegbereiter, vor allem sind hier Willy Brandt und Michail Gorbatschow zu nennen. Auch sie hätten es verdient, wie Knut eine Sonderbriefmarke zu erhalten.



Kindheit und frühes Leid


Ende der Auftritte

Im Juni 2007 wurden die Vorstellungen mit Knut abgeschafft. Die launigen Ansagen des inzwischen verstorbenen Revierpflegers Reimon Opitz bleiben unvergessen.

„Vergessen Sie nicht, wenn Sie den kleinen Plüschteddy sehen, dass es sich um ein Raubtier handelt. In der Arktis würde er jetzt zusammen mit seiner Mutter schon dreißig Kilometer am Tag zurücklegen. Stattdessen klaut er seiner Stiefoma Mäuschen die Croissants, die er so gerne isst. Außerdem hat er Zugang zur Futterküche und futtert dort alles, was ihm schmeckt. Von den Makrelen beißt er nur den Nacken raus, der schmeckt am zartesten. Aber Gemüse, Wurzeln, Salat isst er auch sehr gerne. Mit am liebsten aber Weintrauben und Hokkaido-Kürbis. Nur Robbenspeck fehlt auf seinem Speiseplan. Schokolade findet er natürlich auch lecker, aber die bekommt er nur selten. Gut schmecken ihm auch die Frühstücksbrote, die Frau Henkel dem Ronny mitgibt. Und nun Applaus für den kleinen Helden, der von seiner Mutter verlassen wurde und dank der liebevollen Betreuung durch seine Pfleger überleben konnte. Er ist ein kerngesundes Eisbärenkind und voller Lebensfreude!“

Applaus brandete auf. Die Menschen waren begeistert. Wer hätte je gedacht, dass ein so kleines Bärenkind so toll spielen konnte?

Das Spiel ist aus!

Der Direktor untersagte ab Juni weitere Vorstellungen und für die Braunbären endete die Zeit, da sie einige Stunden des Tages wegen Knut ihr Gelände räumen und hinter Gitter mussten. Sie wenigstens hatten es nun wieder besser, Knut dagegen musste auf manches verzichten. Der Direktor verbot die Wasserspiele mit den Pflegern und jeden direkten Kontakt. Was den Direktor bewog, einen Strich zu ziehen, wird in seinen Aussagen in den RBB-Interviews nicht so richtig deutlich. Es beschwerten sich anscheinend immer mal wieder Leute darüber, dass sie ihrer Ansicht nach nicht genug zu sehen bekamen, so etwas bringe Ärger. Außerdem würde der Bär immer schwerer und darum eine Gefahr für die Tierpfleger werden. Wer den kleinen Bären sah, konnte sich aber schwer vorstellen, dass er so bald eine Gefahr für seine Familie sein könnte. Denn „warum sollte er uns beißen?“, antwortete auf eine entsprechende Frage ein Tierpfleger. „Wir sind doch seine Familie.“

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Wahr ist, dass Knut immer ausgelassener spielte und auch mal doller zubiss als ihm bewusst war, so dass die Pfleger sich mit kompakten Jacken bei den Raufereien schützten. Andererseits hatte Knut immer besser gelernt, dass man in unbekleidete menschliche Körperteile in spielerischer Absicht nicht so herzhaft hineinbeißen konnte wie in das Fell einer Eisbärenmutter und in das von Eisbärengeschwistern. War Knut trotzdem bereits eine Gefahr? Wir halten es für möglich, dass der Direktor noch andere Gründe hatte. Beiläufige Äußerungen von ihm ließen uns gelegentlich aufmerken. Etwa, wenn er die „wie geölt wirkenden Haare“ von Thomas Dörflein erwähnte, die die Leute wohl gut fänden. „So was mögen die Leute“, sagte er jovial und auf nicht ganz geheuer wirkende Weise verständnisvoll. Jedenfalls habe er dann kraft seines Amtes und aus guten Gründen einen harten Schnitt gemacht.

Es scheint klar, dass die Anweisungen des Zoodirektors in Sachen Knut von Thomas Dörflein nicht gutgeheißen wurden. Thomas Dörflein setzte die Anordnungen zögerlich um oder interpretierte sie auf eigene Weise. Das missfiel dem Direktor; er bestand als Inhaber des Direktionsrechtes auf der strikten Befolgung seiner Anordnungen, was in der Regel auch geschah. Aber dieser oder jener Untergebene legte die Anweisungen großzügig aus. Vielleicht fand eine Macht- und Geduldsprobe zwischen Thomas Dörflein und dem Direktor statt. Vielleicht fühlte sich Thomas Dörflein zusehends ohnmächtig. Wir wissen es nicht. Jedenfalls suchte er, der ursprünglich so zurückhaltend war, offensichtlich den Kontakt zum Publikum, genoss den Umgang mit den Freunden von Knut, hörte sich gerne Lob und besorgte Fragen an, gab im Gespräch auch mal zurückhaltend, aber unmissverständlich seine Sorgen und den aufgestauten Ärger preis.

Ich bekam eine kurze – zustimmende - Antwort von Thomas Dörflein zu einem kritischen Brief von mir an den Zoodirektor (Anhang (8) S. 290) den ich ihm als Kopie zugeschickt hatte. Ich wollte wissen, ob ich mit meinen Fragen richtig liege. TD: „Sehr geehrte Frau K., ich teile viele Ihrer Argumente, kann Ihnen aber versichern, dass ich auch weiterhin täglich 2-3 Stunden mit Knut zusammen bin. Ich finde, dass es eine gute Idee war, dem Direktor zu schreiben. Thomas Dörflein“



Tatsache ist, dass der Direktor sich bald in Knuts Erziehung einmischte. Er verbot neues Spielzeug oder Ersatz für die durch heftigen Gebrauch immer rasch ruinierten alten Spielobjekte. Es blieb also nicht dabei, dass Knut vom direkten Kontakt mit seinen Leuten, insbesondere auf dem Bärenhof, bisheriger Mittelpunkt seines Familienlebens, abgeschnitten werden sollte. Zu dem damit verbundenen Gefühl des Verlassenseins kamen der Mangel an Anregungen, die pure Langeweile und ein öder Alltag. Eine Verschlechterung der Lebensqualität also, der Entzug von Kompensationen für das ohnehin reduzierte Leben eines Eisbären im Zoo. Mochte man für das Verbot des direkten Kontaktes noch Sicherheitsgründe anführen, für den weiteren Entzug von Reizen und Anregungen gab es keinerlei nachvollziehbare Begründung.

Der Direktor verfügte also, überraschend für alle, die ihn nicht kannten, das abrupte Ende der gemeinsamen Auftritte von Bär und menschlicher Familie. Die Spiele von ausgewachsenen Tierpflegern mit einem Bärenkind haben ihn wohl zutiefst irritiert. „Die Baderei habe ich abgestellt“, sagte er und meinte den gemeinsamen Wassersport der Pfleger mit Knut im Wassergraben des Braunbärengeheges. Schwimmen, Tauchen, Nassspritzen, Ballspielen ,Fangen, Anstupsen unter Wasser, Plantschen, Kopfsprung. Unvergessen für alle, die zusehen konnten. Und erst recht für diejenigen, die mitmachen durften, also die Pfleger, den Tierarzt und Knut; niemand wusste schließlich noch, was von dem Knäuel von Rücken, Pfoten, Armen, weißen und roten Ohren im aufgewühlten Wasser des Grabens, in den Strudeln und der Gischt, Bär oder Mensch war.

Das ging natürlich nicht so weiter, denn es muss einen Unterschied zwischen Mensch und Tier geben! Im Zoo werden Tiere präsentiert, keine gemischte Mensch-Tier-Spieltruppe! Und mit Bären spielt man nicht! Man betrachtet Bären aus sicherer Ferne, getrennt durch Zaun und Graben. So ungefähr mag es dem Direktor durch den Kopf gegangen sein.
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Mi 21. Jan 2015, 23:03

Letzter offizieller Höhepunkt: Knuts erster Geburtstag im Dezember 2007

Am vierten Dezember 2007, einen Tag vor dem Geburtstag, waren wir um zehn Uhr morgens am Geländer vor Knuts Gehege, wo sich schon einige Leute und vor allem viele Fotoreporter, Kamerateams, Übertragungswagen und Zoopersonal eingefunden hatten. Der Tierarzt gab am laufenden Meter Interviews.

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Die wiederkehrenden Fragen und Antworten lauteten:

Was hat der Zoo geplant?
Der Zoo hat sich ein attraktives Programm überlegt. Es wird für Tier und Menschen zwei Torten geben. Der Zoodirektor wird eine Ansprache halten. Es wird ein Preisausschreiben geben mit vielen tollen Preisen. Der erste Preis wird eine Reise in die kanadische Arktis zwecks Eisbärenbeobachtung sein. Alle Kinder bis zu fünfzehn Jahren haben freien Eintritt.
Weiß Knut, dass er morgen Geburtstag hat?
Wir haben es ihm jedenfalls gesagt.
Was wird das für eine Torte sein, die er bekommt?
Nicht alles, was er mag, ist darin. Zum Beispiel liebt er natürlich Marzipan und Sahne. Die werden wir ihm vorenthalten, nicht aber dem Publikum. Aber alle gesunden Sachen, die in seiner Torte versteckt sind, mag er sehr gerne: Salat, Fisch, Obst, Reis. Er wird davon begeistert sein.
Wird es auch Musik geben?
Da vertrauen wir ganz auf das Publikum.
Wird Herr Dörflein ihm was auf seiner Gitarre vorspielen?
Ich werde nichts verraten.
Wird er ihm Elvis vorspielen, wie in Knuts Babyzeit?
Ob Klassik oder Pop, alles ist möglich, nichts ist geplant. Und außerdem verrate ich nichts
Wird der Direktor Dörfleins Verdienste herausstellen?
Ich verrate nichts, und ich weiß auch nichts.
Was schenken Sie ihm?
Vielleicht ein Fotoalbum. Damit Knut was hat, woran er sich erinnern kann, wenn er mal weggeht. Aber das wird erst zu Ostern fertig sein, frühestens.
Was wünschen Sie Knut?
Ich wünsche ihm, dass er mal ein selbständiger Eisbärenmann wird, und nette Gefährtinnen, mit denen er nette Kinder zeugen kann.
Sind Sie mit seiner Entwicklung zufrieden?
Sehr. Neulich war ein berühmter Tierfotograf hier, der Eisbären in der Wildnis beobachtet und fotografiert. Er hat Knut lange zugesehen und war überrascht, dass Knut sich haargenau so verhält, wie Eisbären seines Alters in der Natur.
Alle drei Eisbärinnen sollen schwanger sein. Wann werden die Kinder geboren?
Eisbärinnen gebären zwischen November und Februar. Ob sich etwas eingenistet und entwickelt hat, wissen wir nicht. Jedenfalls haben sich alle drei in Wurfhöhlen zurückgezogen. Wenn es „rabääh“ schreit, wissen wir, da ist ein Baby. Warten wir’s ab.
Wer wird die Eisbärenbabys aufziehen?
„Die Mütter natürlich.“
Vielen Dank und viel Glück für die Zukunft!

Da jetzt schon so viel los war, wollten wir zum Geburtstag rechtzeitig da sein. In der zweiten Reihe bekam ich einen Platz, wurde aber viel angerempelt, so dass das Foto mit der Geburtstagstorte misslang. Herr Henkel und Herr Dörflein trugen sie herein.

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(photo World of animals Hartmut)

Man sah viel Salatgrün und eine Holzkerze, auf der eine „1“ prangte. Vorher hatte Dörflein Knut gerufen, und der nahm hoch erfreut Kurs auf die Tür. Wann rief Thomas ihn schon mal tagsüber? Viel zu selten. Drinnen ließen sie ihn kurz vor verschlossenen Türen warten, schleppten die Torte ins Gehege, gingen zurück, und nach zwei spannungsvollen Minuten trabte der Polarprinz wieder aufs Gelände. Er sah die Torte sofort, blieb erst mal achtungsvoll stehen, besah sich das Gesamtkunstwerk, wie man es von feinsinnigen Eisbären erwarten darf, bevor er einige Salatblätter in sich reinknabberte.

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Knut hat alles genossen, manierlich, nicht geschlungen und zum Schluss sorgfältig das Tablett abgeschleckt, auf dem die Torte drapiert war. Er war richtig guter Dinge; höchst angeregt beschäftigte er sich mit den Überbleibseln, der Kerze und dem Tablett. Mit dem weißen Tablett hat er sofort eine Eisscholle oder Eisdecke assoziiert, denn er sprang immer wieder in die Höhe, um mit den Vordertatzen stoßend und stampfend auf dem Plastikbrett zu landen. Das machen Eisbären auf dem Eis, um es zu durchstoßen, wenn sie darunter eine Robbe riechen. Solche Szenen zeigte der Film „Königliche Arktis“, der damals gerade in den Kinos lief.

Seine Kerze trug das Geburtstagskind mal wie eine Trophäe, mal hielt er sie beinahe zärtlich im Arm. Er beschäftigte sich den ganzen Nachmittag damit. Gestern hatte er gar nichts zum Spielen gehabt, auch der Jutesack war nicht zu sehen. Da bleibt dann nur mal ein Grashalm oder ein Ast. Knut ist aber ein aufgeweckter Eisbär und würde gewiss gerne mehr Spielsachen haben. Die wurden ihm auch geschenkt; seit Tagen schon hatte der Postbote zu schleppen. Viele Plastikbälle waren darunter. Gegenstände aus Plastik aber sollte er nun gerade nicht bekommen, hatte der Direktor entschieden. Warum nicht, wusste keiner. Vielleicht aus Angst, er würde das Gummi zerbeißen und runterschlucken? Vielleicht ging die Neigung des Direktors mehr in Richtung anthroposophisches Spielzeug? Würde er ihm welches schenken? Nach Knuts Torte wurde auch die quadratmetergroße Besuchertorte für uns freigegeben, ein Geschenk der Bäckerinnung. Ein Euro pro Stück, gleichzeitig eine Spende für den Zoo.

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Photo de Jürgen Simoleit
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Photos de Christine Falaise
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Anhängerinnen von Knut stellten den Direktor zur Rede: Er habe Thomas Dörflein nicht gewürdigt. (Tatsächlich hatte der Direktor ihn in seiner Ansprache nur nebenher erwähnt: Knut sei jetzt schwerer als Herr Dörflein, ja sogar schwerer als Herr Henkel.) Und: Herr Dörflein wisse selbst, wann es Zeit sei, den Kontakt zu Knut zu reduzieren oder abzubrechen. Weiter: Knut müsse in Berlin bleiben. Knut dürfe nicht so isoliert gehalten werden und müsse mehr Spielzeug haben. Der Direktor verlor die „Contenance“ („Tagesspiegel“ vom 6.12.2007), klärte die Damen darüber auf, dass das Publikum des Berliner Zoos ihm keine Vorschriften machen könne, dass er sich von dieser „wilden Herde“ in seinen Entscheidungen nicht beeinflussen lasse und er allein bestimme, welche Entscheidungen im Zoo fielen. Es mangelte ihm an der Bereitschaft oder Fähigkeit, humorvoll und klug zu reagieren. Die Besucherinnen waren empört, hatten sie selbst doch ihre Anliegen sachlich vorgetragen.

Gegen vier Uhr dunkelte es und wir gingen. Ein letztes Mal hatte eine Kindergruppe ins Mikrofon gesungen: „Happy birthday, lieber Knuhuuut“, und Knut spielte auf seinem Rindenmulchlager immer noch mit der Holzkerze.
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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon Anneliese » Do 22. Jan 2015, 08:44

Trennungen

Schon im Mai 2007 hatte man Knut einer harten Entziehungskur unterworfen. Noch während der Zeit, als die Vorstellungen mit dem umjubelten Hauptakteur Knut liefen, verfrachtete man ihn für eine Weile ins Mutter-Kind-Gehege der Eisbären. Nur fehlte entschieden die Mutter oder ein Kumpan, und es gab nichts als Felsen, nirgendwo wuchs ein Halm. Später legte man ihm wenigstens einen kahlen Baumstamm mit Ästen hin. Knut weinte, das hörte sich wie das Rufen eines Schafes an. Es gab Besucher, die es lustig fanden, diese Laute nachzuahmen. Die Mehrzahl der Besucher aber litt mit Knut und hätte ihn gerne getröstet. Jedenfalls waren immer viele Leute anwesend. Jemand sagte: „Wir sind doch alle bei dir, Knut.“ Zu dieser Zeit war für mich nicht erkennbar, ob Knut seine Freunde vor dem Gehege wahrnahm und sich durch ihre Gegenwart ein wenig angeregt und getröstet fühlte. Im Sommer 2007, auf seiner neuen Anlage, nahm er ganz eindeutig Kontakt zu den Besuchern auf, er notierte ihre Anwesenheit und reagierte auf sie.

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Fotos JESSIE WEBB
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Man mochte meinen, dass die Trennung sich nicht vermeiden ließ, weil der Bär (aber war Knut einfach ein Bär?) zusehends größer wurde. Aber musste man ihn jetzt schon von den ihm vertrauten Menschen separieren?

So dachte man. Ich erinnere mich aber an ein Bild, das Thomas Dörflein mit einem hoch aufgerichteten Schwarzbären zeigt. Dieser war zahm und durfte noch im Alter von drei Jahren am Leben im Hof des Bärenrevieres teilhaben. In der Natur ist es normal, dass das Eisbären-Kind drei Jahre bei der Mutter bleibt. Man hätte also noch einige Zeit gehabt, Knut den Kontakt mit seiner menschlichen Familie zu ermöglichen, so glaubten und hofften wir. Aber er sollte auch der menschlichen Gesellschaft entwöhnt werden, meinte der Direktor. Knut sollte am besten seiner menschlichen Familie adieu sagen und sich nur noch für Eisbärenfrauen interessieren, wünschte der Direktor. Zwar war weit und breit kein Eisbärenmädchen zu sehen, aber man sollte ihn auf alle Fälle schon mal von seinen Kinderstuben-Artgenossen, den Menschen, trennen, damit er kapierte, dass er nicht dazugehört. Kein Körperkontakt mehr; das bedeutete aber zunächst eine ersatzlose Isolierung. In Nürnberg verschaffte man Flocke wenigstens schon bald einen Rasputin aus Russland, der ihr über den Trennungsschmerz hinweghalf. Knut dagegen hatte erst einmal viele ihm unverständliche Wechsel und Verschlechterungen seiner Lebensumstände und Beziehungen zu verarbeiten. Und er hatte keinen Gefährten.

Sollte Knut sich nun von den Menschen abwenden und sie vergessen? Wir verstanden die Vorgehensweise nicht, missbilligten sie und bezweifelten ihr Gelingen. Das Ergebnis würde unserer Ansicht nach vielmehr sein, dass Knut unter dem Entzug leiden, nicht aber, dass er die Menschen vergessen und sich irgendwann den Eisbärinnen zuwenden würde, die der Direktor ihm zuführen wollte. Zum Zwecke der „Zucht“, versteht sich. Als Knut starb, waren die ersten Worten des Zoodirektors: „Schade, dass er tot ist, denn wir wollten mit ihm züchten“, sagte er sinngemäß. Zuchtbulle, Zucht, Zuchterfolg. Mir kommt das Wort „züchten“ aus dem Munde des Direktors sozusagen unzüchtig vor, vor allem, weil einem dabei unwillkürlich die bei einigen Tierarten in den Berliner Zoos praktizierte Inzucht und Inzestzucht einfällt. Dazu später mehr.

Wir fanden es beschränkt und herzlos, Knuts Daseinszweck und Wert hauptsächlich in der künftigen Rolle als Zuchttier zu sehen, für die er nun ja leider ausgefallen war. Wir sahen es als Beweis, dass der Direktor nichts von Knut begriffen hatte. Sein oft betonter „Respekt vor der Schöpfung“, verbunden mit seiner gerne herausgestellten katholischen Religiosität, versagte vor Knut. Das Geschöpf Knut in seiner Besonderheit und seinem Eigenwert blieb ihm unzugänglich.


Wir sahen die Dinge entschieden anders. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass Knut seine menschliche Sozialisation abwerfen und von nun an ein „Eisbär wie jeder andere“ werden könnte. Er war kein in der Arktis aufgewachsener, sondern ein von Menschenhand großgezogener Eisbär. Diese intensiven Kindheitserlebnisse würde er wohl nie vergessen. Und wenn doch, vielleicht gegen Ende der ihm normalerweise zubemessenen Lebenszeit, also vielleicht in drei bis vier Jahrzehnten, würde seine Prägung trotzdem immer auch auf den Menschen gerichtet bleiben. All seine kindlichen Erfahrungen hatte er unter Menschen gemacht, und diese würden bis in eine unbestimmte Zukunft mehr oder weniger stark fortwirken.

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Re: Knut.Der Bär, die Stadt und der Zoo

Beitragvon UliS » Do 22. Jan 2015, 23:42

Knut auf dem Mount de la Klamott, mit der Geburtstagskerze, sein ganzes Leben ist plötzlich wieder wach.
Knut kreischt weil er Hunger hat ... die Pfleger machen mit Knut das Seepferdchen ... was für ein Sommer ...

Sein Leben war kurz ... ich bin froh, dass ich es miterlebt habe, danke Anneliese [give heart]
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