Buenos Aires Zoo geschlossen-Tiere warten auf neues Heim

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Buenos Aires Zoo geschlossen-Tiere warten auf neues Heim

Beitragvon UliS » Mi 24. Dez 2014, 00:18

Argentinien
Habeas Corpus für eine Orang-Utan-Dame im Zoo
Von Simone Guski
23. Dez 2014

BERLIN. (hpd) Die Tierschutzorganisation Afada forderte vor einem argentinischem Gericht in Buenos Aires eine “Habeas Corpus-Garantie” für Sandra. Sie ging davon aus, dass die Orang-Dame als Gefangene zu betrachten sei. Sie forderten für die 29-jährige, die derzeit noch im Hafenzoo der Hauptstadt leben muss, eine angemessene Unterbringung zusammen mit Artgenossen.

Im ersten Durchgang im November wurde die Klage vor Gericht abgewiesen, berichtet die Traditionszeitung “El Clarin”. Das Gericht ordnete lediglich an, zu untersuchen, ob die 29-jährige Sandra unter schlechter Behandlung zu leiden habe und der Zoo dem Tierschutzgesetz aus dem Jahr 1954 gerecht werde.

Die Frage war schon damals, ob man sie unrechtmäßig der Freiheit beraubt habe. Denn sie lebe ja in einem Zoo, und “Fotografien zeigten sie deutlich in Angst vor dem Eingeschlossensein”. Nach Anschauung von Afada leidet Sandra nicht nur wie eine Gefangene, sondern auch darunter, dem Publikum zur Schau gestellt zu werden. Das wies das Gericht im ersten Durchgang zurück, weil Sandras Rechte nicht mit denen eines Menschen verglichen werden können.

Der Fall war schon seinerzeit nach einer entsprechenden Klage vom Strafgerichtshof zu klären. Afada führte in ihrer Anklageschrift aus, dass es Sandra schlecht ginge, sie leide nicht nur unter der Eingeschlossenheit und der Zurschaustellung im Zoo, sie werde illegal ihrer Freiheit beraubt. Deshalb müsse sie mit den gleichen Rechten ausgestattet werden wie ein Mensch.

“Die Habeas Corpus-Garantie soll willkürliches Festhalten und Freiheitsentzug verhindern und die Mindestrechte eines Opfers sicherstellen. Davon sind einige so elementar wie: lebendig und bei Bewusstsein zu sein oder vom Gericht angehört zu werden oder zu erfahren, weshalb man angeklagt wird. Wenn eine Person sich darauf beruft, kann das Gericht die sofortige Freilassung anordnen, wenn es keinen hinreichenden Grund sieht, die Person im Gefängnis zu behalten”, schreibt “El Clarin”. Das Gericht entschied im ersten Durchlauf umstandslos, Sandra könne nicht Habeas Corpus beanspruchen, weil sie ein Tier ist und ihre Rechte nicht mit denen eines Menschen verglichen werden können.

Das Gericht versuchte jedoch die Kläger damit zu beruhigen, dass es eine Untersuchung in Auftrag gab, welche die Aussagen der Pfleger und alle nötige Information einschließe, um zu klären, ob dem Tierschutzgesetz gerecht würde, das schlechte Behandlung und Grausamkeit verhindern soll. Höchststrafen bis zu einem Jahr wären demnach möglich.

Der Fall sorgte umso mehr für Aufregung, weil der Zoo vor nicht langer Zeit schon einmal die Gemüter in Buenos Aires erregt hatte. Dort war 2012 ein Eisbär, “Winner”, am 24. Dezember an einem Hitzschlag gestorben. Sein Bassin war nur 145.000 Liter groß, und er litt unter der Hitzewelle, die in jener Jahreszeit Argentinien plagte, und am Lärm der Raketen, die dort traditionsgemäß an diesem Festtag in die Luft geschossen werden.

In einer weltweit einmaligen Gerichtsentscheidung wurden der Orang-Utang-Dame nun in einer Berufung am Freitag Rechte als nichtmenschliche Person zugestanden und das Recht auf Habeas Corpus, das Recht Verhafteter auf unverzügliche Haftprüfung, die man gewöhnlich benutzt in Fällen von zu Unrecht ihrer Freiheit beraubten Personen. So kann die beinahe 29-jährige wohl im Februar in eine Auswilderungsstation in Brasilien überführt werden und dort in Halbfreiheit leben, schreibt “La Nacion”. Auf einen nur eineinhalb Seiten langen Urteilsspruch entschied die Zweite Kammer des Strafgerichtshofes, bestehend aus drei Richtern, dass die seit 20 Jahren im Hafenzoo untergebrachte Sandra bald ihre Freiheit genießen könne, und erkannte sie als juristische Person an.

In Argentinien werden wie überall sonst Tiere juristisch als Sachen behandelt und genießen keine Rechte oder Personenstatusrechte wie Individuen oder Unternehmen. Frühere Versuche verschiedener Organisationen nach Habeas Corpus für Menschenaffen, in denen man darauf verwies, dass diese bis zu einem gewissen Grade denken können und ihre Grundemotionen denen der Menschen ähnlich seien, wurden stets zurückgewiesen.

Am Freitag entschied das Gericht der Zweiten Kammer, allerdings nicht einstimmig, das Gegenteil: “Ausgehend von einer dynamischen, nicht statischen Justiz ist es angemessen, dem Tier die Eigenschaft eines juristischen Subjekts zuzugestehen”, gab es bekannt. Zur Begründung wurde knapp auf die beiden Bücher “Strafrecht. Allgemeiner Teil” von Raúl Zaffoni und “La Pachamama und das Menschliche” verwiesen, heißt es in Argentiniens größter Tageszeitung “La Natíon” weiter.

Jetzt gibt man dem Zoo zehn Werktage Zeit, vor dem Obersten Gerichtshof in Revision zu gehen und Sandras Befreiung zu stoppen, die sonst in eine Auswilderungsstation nach Brasilien geht, führt “La Nacíon” weiter aus.

Sandra wurde 1986 im Zoo von Rostock geboren, war Zeit ihres Lebens in Gefangenschaft. 1994 gelangte sie nach Buenos Aires. Sie lebte vor Jahren mit einem Artgenossen zusammen und hatte ein Kind, heißt es, Shemembira, das nach Auskunft des Zoodirektors, Adrían Sestelo, an einen anderen Zoo weitergegeben wurde.

Sestelo gab zu Bedenken: “Diese Art fundamentalistischer Anklagen entstehen ohne Kenntnisse des natürlichen Verhaltens der Arten. Orangs sind sehr einsam lebende und ruhige Tiere, die nur zur Paarung zusammenkommen oder bei der Aufzucht des Nachwuchses. Eine der häufigsten Irrtümer der Menschen besteht darin, in Unkenntnis der artspezifischen Biologie Misshandlung, Stress oder Depressionen zu unterstellen.” Man kümmere sich sehr um Sandra und sie lebe allein, weil dies artgemäß sein, meint er. Und fügt an, dass der Zoo bereits die Überführung in eine Auswilderungsstation des Great Ape Projektes erwogen habe, weil die Politik des Zoos derzeit darin bestünde, sich in seiner Sammlung auf einheimische Arten zu konzentrieren.

Nach den Auswirkungen der Gerichtsentscheidung befragt, sagte Pablo Buompadre, Vorsitzender von Afada: “Dies ist eine historische Entscheidung. Ein Schlag gegen die Säulen der argentinischen Rechtsordnung, deren zivilrechtliche Normen Tiere als Sachen bezeichnen. Sie öffnet neue Wege nicht nur für die Menschenaffen, sondern für alle fühlenden Wesen, die sich ungerechter und willkürlicher Weise der Freiheit beraubt in Zoos, Zirkussen, Wasserzoos oder Versuchsstationen befinden.”

Der Verfassungsexperte Daniel Sabsay bedauerte das Fehlen einer eingehenden juristischen Begründung des Urteils: “Die Argumentation ist sehr vage und beruft sich auf ein Werk, in dem es nicht spezifisch um diese Frage geht und das ohne fundierte Theorie ist. Aber sie hat einen großen Wert, weil sie die Eigenschaft als nichtmenschliche Person für diese tierischen Arten anerkennt, die über hohe gefühlsmäßige und kognitive Fähigkeiten verfügen.” Gemeint ist wohl das Werk über Pachamama, die große Erdmutter, als Rechtsfigur.

“Mit diesem Urteil sind die Möglichkeiten des Ordentlichen Gerichtshofes ausgereizt, nur mit einer Argumentation, die sich auf die Verfassung beruft, kann der Oberste Gerichtshof es wieder aufheben. Es wurde ein Präzedenzfall, der anderen Fällen die Richtung weist, geschaffen. Tatsächlich bedeutet es das Ende der Behandlung als Sache. Stattdessen geht es nun um nichtmenschliche Personen. In diesem Fall muss das Privateigentum für dem Grundrecht auf Leben, Freiheit und dem, nicht physisch oder psychisch misshandelt zu werden, zurückstehen.”
http://hpd.de/artikel/10857
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Re: Buenos Aires - Affendame Sandra hat Recht auf Freiheit

Beitragvon UliS » Mi 31. Mai 2017, 22:44

Zoo-Schliessung
29. Mai 2017

Tiere warten seit einem Jahr auf neues Zuhause

Ob Garoto, das Nilpferd, oder Shaki, die Giraffe – sie sollten längst aus ihren Käfigen befreit sein. Doch noch immer ist unklar, wohin mit den Tieren.

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Die Tiere aus dem Zoo von Buenos Aires warten auf ein neues Zuhause. Elefant Pupy lebt noch immer in seinem Gehege, an dem sich seit 140 Jahren fast nichts geändert hat.

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Auch das Schicksal von Orang-Utan-Dame Sandra ist ungewiss.

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So sieht das Elefanten-Gehege von weitem aus.

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«Es war schon schlimm, doch inzwischen ist es noch schlimmer geworden», sagt Claudio Bertonatti, ein Ex-Direktor des Zoos, über den Zustand der Anlage.

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In dem Zoo leben 1500 Tiere.

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Und auch Orang-Utan-Dame Sandra wäre sicher gern woanders.

Löwengebrüll vermischt sich in Buenos Aires mit dem Aufröhren von Automotoren, trompetende Elefanten übertönen das Hupen von Bussen. Doch der 1875 eröffnete Zoo der Stadt ist so sehr in die Jahre gekommen, dass die Verantwortlichen im vergangenen Jahr nur noch eine Möglichkeit sahen: die sofortige Schliessung. In der Praxis hat sich bisher aber kaum etwas geändert. Die meisten Tiere leben noch immer unter nicht artgerechten Bedingungen.

«Es war schon schlimm, doch inzwischen ist es noch schlimmer geworden», sagt Claudio Bertonatti, ein Ex-Direktor des Zoos, der heute Berater der Naturschutz-Organisation Fundación Azara ist. «Alles deutet darauf hin, dass die Arche Noah Schiffbruch erleiden wird.» Geplant war eine Umgestaltung des Geländes in einen Ökopark. Die meisten der 1500 Tiere sollten ausgewildert oder in weitläufigere Wildtiergehege umgesiedelt werden.

«Wir werden uns Zeit nehmen»

Bürgermeister Horacio Rodriguez Larreta hatte betont, dass die Zootiere ein «Schatz» seien, der nicht in Gefangenschaft und nicht in unmittelbarer Nähe zum Lärm und zur Luftverschmutzung der Strassen gehalten werden dürfe. Seitdem wurden einige Kondore freigelassen. Zudem konnten etwa 360 Tiere, die aus dem illegalen Wildtierhandel beschlagnahmt worden waren, an andere Institutionen übergeben werden. Von den eigentlichen Zootieren, die der Stadt gehören, hat bisher jedoch kein einziges eine neue Bleibe gefunden.

«Wir wussten, dass dies einige Zeit in Anspruch nehmen würde», sagte Rodriguez Larreta kürzlich an einer Pressekonferenz. «Sollten wir den Prozess beschleunigen, würden wir die Tiere in Gefahr bringen. Deswegen werden wir uns die Zeit nehmen, die erforderlich ist.»

Gemeinsam mit dem für Modernisierung zuständigen Minister Andy Freire präsentierte der Bürgermeister neue Pläne für das Gelände. Einige Tiere sollen dauerhaft bleiben, allerdings nicht mehr in Käfigen, sondern in «kontrollierten Zonen». Zur Abgrenzung der Bereiche sollen nicht mehr Gitterstäbe dienen, sondern natürliche Barrieren wie Felsen oder Gräben. Die Grünflächen des Parks sollen von 10,9 auf 13,5 Hektar ausgeweitet werden. Zudem ist ein futuristisches Gebäude geplant, das ein neues «Zentrum der Biodiversität» beherbergen soll.

Hindu-Tempel, chinesische Pagode

Kritiker monieren, dass die Pläne zu langfristig angelegt seien und der Schwerpunkt auf ambitionierter Architektur und Parkgestaltung liege, während das Schicksal der Tiere ungewiss sei. Ein Bündnis aus Naturschutz- und Veterinärgruppen forderte am 28. April klare Aussagen darüber, welche Tiere dauerhaft in dem Park bleiben sollten. Die einzigen Veränderungen seit der Schliessung des Zoos seien «ein neuer Name, höhere Eintrittspreise, die Abschirmung von einigen Teilbereichen und zusätzliches Personal, was allerdings nicht den Tieren zugute gekommen sei», hiess es.

Nach dem Konzept des ersten Zoodirektors vor gut 140 Jahren wurden die Gehege in Anlehnung an die Herkunft der jeweiligen Tierart angelegt. Für die asiatischen Elefanten wurde ein Hindu-Tempel nachgebaut, auf dem Gelände der Giraffen steht ein arabisch anmutendes Gebäude und die Roten Pandas können in einer chinesischen Pagode spielen. Viele der Konstruktionen stehen bis heute, sind aber stark renovierungsbedürftig. Und während das Gelände des Zoos zur Zeit seiner Gründung noch am beschaulichen Stadtrand lag, ist es heute von der lärmenden Metropole fest umschlungen. Vor allem aber sind fast alle Gehege nach heutigen Standards viel zu klein.

Nur noch 2000 Besucher am Tag

Immerhin eine Verbesserung hat die offizielle Schliessung des Zoos vor einem Jahr den Tieren gebracht. Der Park kann zwar nach wie vor besucht werden. Doch während sich früher oft bis zu 10'000 Menschen pro Tag an den Käfigen entlang drängelten, werden heute nur noch maximal 2000 Besucher hereingelassen. Einige Bereiche sind zudem komplett für die Öffentlichkeit gesperrt.

Experten zufolge ist im Falle vieler Tiere fraglich, ob die geplante Auswilderung sinnvoll ist. Manche dürften so sehr an das Zoo-Dasein gewöhnt sein, dass sie selbst in einem geschützten Wildtier-Reservat nicht lange überleben würden. Für andere wiederum wäre allein der Transport ein enormes Risiko. Darüber hinaus ist noch unklar, welche Reservate, Parks oder sonstige Institutionen eigentlich Interesse an Tieren aus Buenos Aires haben könnten.

Ein Festhalten am Status quo ist nach Ansicht von Tierschützern keine Option. Bisher habe die Stadtverwaltung bloss für einige kleinere Aufwertungen gesorgt, insgesamt aber sei die Anlage vom totalen Verfall geprägt, sagt Juan Carlos Sassaroli, ein Veterinär, der früher für den Zoo gearbeitet hat. «An den Gehegen hat sich nichts geändert. Und es ist offensichtlich, dass die Tiere leiden.»

http://www.20min.ch/panorama/news/story ... e-31318453
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Re: Buenos Aires Zoo geschlossen Tiere warten auf neues Heim

Beitragvon Brigli » Fr 2. Jun 2017, 07:45

Ich kann mir das Leid der Tiere nicht mehr angucken , es ist wirklich zu schrecklich und sowas von einem traurigen Dasein
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Re: Buenos Aires Zoo geschlossen Tiere warten auf neues Heim

Beitragvon Eva » Fr 2. Jun 2017, 14:04

Liebe Biene,
genau das empfinde ich auch!
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