Permafrost - Wenn das Eis in der Arktis schmilzt

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Permafrost - Wenn das Eis in der Arktis schmilzt

Beitragvon UliS » So 23. Dez 2012, 18:45

Permafrost - Wenn das Eis in der Arktis schmilzt

Nirgendwo setzt der Klimawandel der Erde so zu wie in Arktis und Tundra. Alles, was dort seit Jahrtausenden tief gefroren ist, schmilzt und löst sich in dramatischer Weise auf. Der Permafrost taut und mit ihm die Hälfte Russlands.
Autor: Angelika Jung-Hüttl / Florian Hildebrand Stand: 25.09.2012
Zitat:
Am Rand des arktischen Meeres in Sibirien: Am Morgens kriechen die Forscher durchfroren aus dem Schlafsack und staksen steif ins Küchenzelt: Aber da macht sich schon jemand zu schaffen: ein Eisbär. Eine Schrecksekunde - dann vergrämen sie ihn mit penetrantem Lärm. Doch er kommt wieder, immer wieder, und am Ende müssen die Wissenschaftler Zelte und Expedition für diese Saison abbrechen. Solcher Besuch taucht jetzt häufiger an den arktischen Küsten auf. Die Eisbären weichen hierher aus, denn ihr eigentliches Jagdrevier, das Drifteis, schwindet im Sommer zusehends.

Dramatischer Zerfall
Wenn sie nicht gerade von Eisbären vertrieben werden, beobachten die Forscher des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung AWI seit eineinhalb Jahrzehnten in Sibirien die Veränderungen der Landformationen am Meer. Sie vermessen dort, wo und wie stark die Küstenlinie zurückweicht und untersuchen den gefrorenen Meeresgrund. Zwanzig Meter hoch ragt steil die Küstenwand auf. Die nackte Flanke besteht aus mächtigen, gefrorenen Torfschichten, durchzogen von dicken Keilen aus schmutzig grauem Eis.

"Wenn das Meereis weg ist, attackieren die Wellen die Küsten. Heute haben die Wellen 10 bis 20 Prozent länger Zeit, an den Küsten zu nagen."
Dr. Hans-Wolfgang Hubberten, Alfred-Wegener-Institut für Meeres- und Polarforschung, Bremerhaven

Jahrtausende alt ist dieser so genannte Permafrost, der alles zusammenhält. Inzwischen schmilzt er im sich erwärmenden Erdklima. Damit zerfällt die Küste. Dicke, tropfnasse Brocken rutschen ab, klatschen auf den Strand oder landen im Meer. Zusätzlich nagen Wasser und Wellen unaufhörlich an den Küstenformationen, die vom Meereis nicht mehr geschützt werden. Die AWI-Forscher beobachten durchschnittliche Zerfallsraten zwischen einem und zwei Meter pro Jahr. Gelegentlich messen sie auch Verlustdistanzen von 30 bis 40 Meter. In den Sumpfgebieten lösen sich die sogenannten Polygone auf - das sind regelmäßige, vieleckige Strukturen, die an Risse in ausgetrockneten Böden erinnern und durch den Frost zustande gekommen sind.

Haltlose Arktis
Der Klimawandel macht sich überall auf der Welt bemerkbar, aber nirgends ist er so mit Händen zu greifen wie hier: Der Permafrost löst sich in Tauwasser auf und hinterlässt eine Welt ohne Halt. Küsten weichen auf, Seen verschwinden. Wasser sackt in den tauenden Untergrund ab, und Böden brechen ein. Jahrtausende lang wurden sie durch riesige unterirdische Eislinsen gehalten, aber die schmelzen nun und hinterlassen instabile Hohlräume.

"Weil die Küste so schnell erodiert, kommt relativ viel Sediment zum Vorschein und ab und zu verschiedene Knochen, Knochen von Mammuts zum Beispiel."
Dr. Paul Overduin, Alfred-Wegener-Institut für Meeres- und Polarforschung, Forschungsstelle Potsdam

Durchschnittlich ist der Boden bis 300, 400 Meter tief gefroren. In Jakutien, einer Provinz im nordöstlichen Sibirien, reicht der Permafrost aber schon mal 1,5 Kilometer weit in den Untergrund. Zwar taut im Sommer die Oberfläche immer etwas an, doch mit zunehmender Erderwärmung dringt das Tauwetter immer tiefer ins Eis vor.

Einsame Forschung
Der sibirische Lena-Strom fließt auf einer Fläche so groß wie die Niederlande träge in die arktische See. Mitten im Delta befindet sich eine der wenigen Permafrost-Forschungsstationen der Welt. Die Forscher von der russischen Akademie der Wissenschaften halten in ihren Messstationen die Reaktionen des Permafrostsbodens auf die zunehmende Erderwärmung fest. Es sind einschlägige Daten über Temperaturveränderungen, Wassermengen und -inhaltsstoffe - von Klimagasen wie Methan und Kohlendioxid und von Schwemmmaterialien. Niemand weiß, was aus den riesigen Permafrostgebieten der Nordhalbkugel wird.

"Aktiv sind im geschmolzenen Permafrostboden die Mikroorganismen vor allem im Sommer. Dabei scheiden sie Methan aus. Das Ganze kommt einer ökologischen Bombe gleich. Denn Methan schädigt das Klima 20 bis 30 Mal stärker als Kohlendioxid."
Dr. Svetlana Evgrafova, Forstwissenschaftliches Institut, Krasnojarsk, Sibirien

Quelle & Bericht + Fotos
http://www.br.de/radio/bayern2/sendunge ... el100.html
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Re: Permafrost - Wenn das Eis in der Arktis schmilzt

Beitragvon AnkeB » Sa 19. Jan 2013, 21:02

Save The Arctic!
Video von Greenpeace: http://campus.nzz.ch/blogs/der-heimatlose-eisbaer
Sehr anschaulich, sehr traurig!
AnkeB
 
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