Antarktis - Eisberg droht abzubrechen

Moderatoren: Jochen, UliS

Antarktis - Eisberg droht abzubrechen

Beitragvon Anita » Sa 9. Mär 2019, 15:03

Antarktis
Eisberg, doppelt so groß wie Berlin, droht abzubrechen

Vielleicht schwimmt bald ein gewaltiger neuer Eisberg durchs Südpolarmeer. Die Masse könnte sich vom Brunt-Schelfeis lösen.
Nicht weit entfernt befindet sich eine Forschungsstation.


Bild
Riss im Brunt-Schelfeis am 23. Januar 2019 Bild: NASA

In der Antarktis könnte ein gewaltiger neuer Eisberg entstehen. Mehrere Risse arbeiten sich dort derzeit durch das sogenannte Brunt-Schelfeis.

Einer dieser Risse hatte sich in den vergangenen 35 Jahren nicht vergrößert, dringt aber jetzt vier Kilometer im Jahr in Richtung Norden vor. Wächst dieser Riss weiter, könnte ein Eisberg mit einer Fläche von 1700 Quadratkilometern ins östliche Weddellmeer treiben, berichtet die amerikanische Weltraumbehörde Nasa. Die Größe entspricht fast der doppelten Fläche von Berlin.

Wie das restliche Brunt-Schelfeis auf einen solch großen Eisverlust reagieren würde, sei nicht klar, heißt es. Als Schelfeis bezeichnet man große, auf dem Meer schwimmende Eisplatten, die beispielsweise von Gletschern gespeist werden. Bricht ein Teil dieses Eises ab, etwa weil Risse das Eis abtrennen, entstehen Eisberge.

Neben der schnell wachsenden Furche im Brunt-Schelfeis beobachten Forscher dort seit Oktober 2016 noch einen weiteren Riss - den sogenannten Halloween Crack. Er bewegt sich von den sogenannten McDonald Ice Rumples in östliche Richtung. Dort liegt das Eis, wie der Name andeutet, faltig übereinander. Eine Gesteinsformation unter Wasser, die sehr hoch bis in die Unterseite des Schelfeises ragt, stört den Eisfluss und verursacht Falten und Risse.

Wie sich das Brunt-Schelfeis verändert, zeigen zwei Aufnahmen der Nasa-Satelliten "Landsat 5" und "Landsat 8" vom 30 Januar 1986 und vom 23. Januar 2019 (siehe Schieber oben). Der Halloween Crack ist auf dem neueren Bild oben zu erkennen.

Gefahr für Antarktisstation

"Die Zukunft des Brunt-Schelfeis hängt vor allem davon ab, in welche Richtung sich die Risse bewegen", sagt Joe MacGregor, Geologe am Goddard Space Flight Center der Nasa. Die Forscher befürchten, dass sich das gesamte Schelfeis destabilisiert, wenn sich die Risse künftig von den McDonald Ice Rumples aus südwärts, entgegen der Fließrichtung des Eises ausbreiten.

Das könnte auch zur Gefahr für die britische Antarktis-Station "Halley VIa" werden, die auf dem Schelfeis liegt. Das ganze Jahr über erforschen Wissenschaftler hier die Atmosphäre der Erde. In den vergangenen Jahren musste die Station mehrfach wegen unvorhersehbarer Veränderungen im Eis geschlossen werden. In den Jahren 2016/2017 zog die Station "Halley VI" bereits aus Sicherheitsgründen an den Ort um, wo sie jetzt als "Halley VIa" zu finden ist. Im Winter 2018 blieb sie dennoch unbesetzt.

Dass sich Eisberge vom Schelfeis lösen - Experten sprechen vom Kalben - ist normal. Die derzeitigen Veränderungen seien für das Gebiet um das Brunt-Schelfeis jedoch ungewöhnlich, so die Nasa. Die Kante des Schelfeises habe sich seit 1915 nur sehr langsam verändert. In den vergangenen Jahren gewann die Veränderung aber an Geschwindigkeit.

Bislang galt vor allem die Westantarktis als fragiles Gebiet. Im Juli 2017 hatte dort das Larsen-C-Schelfeis einen Eisberg verloren, der doppelt so groß war wie das Saarland. Im Januar 2019 entdeckten Forscher zudem einen riesigen Hohlraum im Thwaites-Gletscher in der Westantarktis. Zuletzt warnten Forscher aber auch, dass der bisher für recht stabil gehaltene Osten des Kontinents deutlich mehr Eis verliert als bislang angenommen. Das Brunt-Schelfeis liegt in diesem östlichen Bereich.
Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 55148.html
Anita
 
Beiträge: 6913
Registriert: Sa 15. Dez 2012, 15:56
Wohnort: München

Zurück zu Klimaschutz

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast