Massensterben der Wale

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Massensterben der Wale

Beitragvon Anita » Sa 15. Dez 2018, 17:11

Massensterben der Wale

Dass Wale stranden, kann am Krach im Meer liegen. Dass manche Umweltinitiativen wenig erfolgreich sind, kann am Krach zwischen Ministerien liegen. Die Kolumne.

Von Manfred Niekisch

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Wale in Australien zu Hunderten gestrandet. Foto: dpa

Es passiert leider allzu oft, dass Wale stranden. Allein in Neuseeland sind es nach Angaben der dortigen Behörden 85 Einzelfunde pro Jahr, immerhin einer alle vier Tage. Nicht selten verirren sich auch große Gruppen an die tödlichen Strände. Das Massensterben vor wenigen Tagen in Neuseeland betraf 145 Wale. Im Februar diesen Jahres waren es dort mehr als 400 Tiere, im März rund 150 in Australien. Vor genau 100 Jahren wurde die größte bekannte Walstrandung registriert: 1000 Tiere, ebenfalls in Neuseeland.

Die Erklärungen sind ebenso mannigfaltig wie unsicher. Kann man bei einzelnen Tieren noch von individuellen Erkrankungen ausgehen, wird die Sache bei Massensterben deutlich rätselhafter. Warum sollte ein ganzer Verband einem kranken Leittier folgen? Bei der jüngsten Katastrophe strandeten wohl sogar zwei Gruppen gleichzeitig.

Insbesondere interessiert natürlich, ob Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Diskutiert werden die Verlärmung der
Meere durch Schiffsverkehr, militärische Aktionen und Sonarexperimente, Explosionen für die Erdbebenforschung und was sonst noch alles akustisch auf die Wale einprasselt. Spielt die Erderwärmung mit der Verlagerung von Meeresströmen eine Rolle? Sogar Anomalitäten im Magnetfeld der Erde, an dem sich die Tiere (vielleicht) orientieren, werden in Betracht gezogen.

Zuständigkeiten für Wale innerhalb der Bundesregierung
Das breite Spektrum der Hypothesen zeigt, dass wir keine Ahnung haben, was sich da unter Wasser abspielt. Es verwundert nicht, dass Japan mit seiner angeblichen Walforschung zur Findung von Erklärungen überhaupt nichts beiträgt. Das Land umgeht seit Jahren das internationale Walfang-Moratorium, indem es seine Waljagd als wissenschaftlichen Zwecken dienend deklariert.

Absurder Weise beginnt das, was dort erforscht wird, mit dem gewaltsamen Tod der Tiere. Und wenn der Wal sowieso schon tot ist, dann kann man sein Fleisch ja auch gleich kommerziell vermarkten. Viele der japanischen Forschungsergebnisse spielen sich allerdings auf einem Niveau ab, das keiner und keinem deutschen Studierenden der Biologie zum Diplom- oder Mastertitel gereichen würde.

In Deutschland liegen die Zuständigkeiten für das Thema Wale innerhalb der Bundesregierung teils beim Landwirtschaftsministerium, teils im Umweltministerium. Es herrscht hier – ausnahmsweise, möchte man sagen – traute Einigkeit, dass Walfang gänzlich aufhören muss. Mal sehen, ob solche Einmütigkeit der beiden Ressorts sich auch
auf die gegenwärtige Anti-Plastik-Initiative der Umweltministerin erstreckt.

Jedenfalls gab es bisher aus dem Landwirtschaftsministerium immer wieder Krach, wenn es um ein bisschen mehr Umweltschutz ging. Und ob sich das Wirtschaftsministerium von dem toten Wal beeindrucken lässt, dem man in Thailand 80 Plastiktüten aus dem Magen holte, darf mit Spannung abgewartet werden.

Streitereien um wirksamen Meeresschutz können wir uns nicht mehr leisten und Plastik ist dabei ein Riesenproblem. Es ist höchste Zeit für gesetzliche Regelungen. Freiwillige Initiativen und Selbstverpflichtungen der Industrie zur Eindämmung der Plastikmüllflut werden, das zeigen die Erfahrungen mit dem Automobilsektor eindrücklich, nicht ausreichen, so gut es die Umweltministerin auch meint. Dass Wale aus Verzweiflung über den plastikvermüllten Zustand der Meere kollektiven Selbstmord begehen, ist völlig abwegig. Aber verständlich wäre es.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.
Quelle: http://www.fr.de/politik/meinung/kolumn ... -a-1630545
Anita
 
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