China - Ausrottung des Pandabären gerade so verhindert

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China - Ausrottung des Pandabären gerade so verhindert

Beitragvon UliS » Mo 2. Mär 2015, 12:34

Naturschutz
01.03.15
Ausrottung des Pandabären gerade so verhindert

Er ist das Wappentier der Umweltbewegung und steht für den fahrlässigen Umgang der Menschen mit ihrem Lebensraum. Doch der Pandabär scheint gar nicht vor der Ausrottung zu stehen.
Von Johnny Erling, Peking

Die chinesische Regierung führt ihre Erfolge bei der Rettung des Pandabären auch auf ihre guten Ergebnisse bei der Zucht zurück

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Foto: AP Die chinesische Regierung führt ihre Erfolge bei der Rettung des Pandabären auch auf ihre guten Ergebnisse bei der Zucht zurück

Jahrzehnte hieß es in Berichten über Pandas immer nur, dass sie vom Aussterben bedroht seien. Aus ihrer Heimat China kommen nun gute Nachrichten für alle Liebhaber der Bären, ebenso wie für Naturforscher und Umweltschützer. Die Gattung des Riesenpanda, der zum weltweiten Symbol der bedrohten Tierwelt und zum Wappentier des Naturschutzbundes WWF wurde, vermehrt sich stärker als gedacht, sowohl in freier Natur als auch über erfolgreiche Nachzüchtungen. Das fand der neue "Pandazensus" des chinesischen Forstministerium heraus.

Zum Stichtag Ende 2013 lebten in Zentral- und Südwestchina wieder 1864 der schwarz-weißen Bären in freier Wildbahn, 268 mehr als bei der letzten Tierzählung 2003. Dazu kommen heute in Tiergärten oder Schutzgehegen gehaltene, weitere 375 der seltenen Tiere hinzu. Auch von ihnen gibt es 211 mehr, als es noch vor zehn Jahren waren. Außerhalb Chinas werden derzeit 42 Leihpandas in Zoos von einem Dutzend Länder gehalten, die meisten davon in Tiergärten in den USA.

Die Zahl von 2239 Pandas in China überraschte Pandaforscher Qi Dunwu, der wissenschaftlicher Mitarbeiter in der größten Panda-Forschungsstation in Sichuans Provinzhauptstadt Chengdu ist. Qi hatte einst der "Welt" gesagt, dass jede Zahl über 2000 ein Durchbruch sei.

Der Durchbruch ist geschafft

Nun konnte er sich über die neuen Ergebnisse, die Forstamt-Vizeminister Chen Fengxue am Sonnabend in Peking vorstellte, gleich doppelt freuen. Es gibt nicht nur viel mehr Riesenbären. Trotz Industrialisierung, Straßen- und Bahnbau hat sich auch der Lebensraum der Wildtiere auf eine größere Fläche ausgedehnt, als alle Forscher bisher vermuteten.

2000 Forstbeamte, Tierschützer und Wissenschaftler durchkämmten zwischen 2011 und 2014 Chinas 67 Naturreservate und dazu noch schwer zugängliche Forste, Berghänge und Bambuswälder in den Provinzen Sichuan, Gansu und Shaanxi. Sie entdeckten in Gebieten von mehr als 2,58 Millionen Hektar Größe dort lebende Pandas. Ihr Lebensraum war um 11,8 Prozent Fläche größer als noch 2003.

Die Nachricht nannte der WWF in einer Presseerklärung noch am Sonnabend einen positiven Nachweis, der hoffen lasse: "Erfolgreicher Artenschutz und Wirtschaftswachstum müssen sich in einem boomenden Schwellenland wie China nicht ausschließen." Der WWF und andere globale Umweltorganisationen, internationale Tierschützer und freiwillige Helfer unterstützen seit vielen Jahren Chinas Forstverwaltungen und Naturreservate bei ihren Schutzprogrammen für das Nationaltier des Landes.

"Artenschutz plus Wachstum ist möglich"

Die Pandas seien noch nicht aus dem Schneider, hatte Forscher Qi noch vor der Veröffentlichung des neuen Zensus gewarnt. Straßen- und Eisenbahnbau, Pipelines und Kanäle riegeln sie in ihren Revieren ein, bedrohen die Partnersuche und lassen die genetische Vielfalt verkümmern.

Die Mitarbeiter am Pandazensus identifizierten jetzt 33 Panda-Gattungsgruppen (zwölf Prozent aller wilden Pandas), deren Überleben auf Dauer nicht gesichert ist, weil sie keine Verbindung zu anderen Artgenossen aufnehmen können, sagte Vizeminister Chen. Als Grund nannte er 319 Wasserkraftwerke, 1339 Kilometer Straße und 268 Kilometer Hochspannungsleitungen in den Pandagebieten.

Als Ausweg bauen Chinas Forstämter mit Korridoren verbundene Naturreservate auf. In den vergangenen zehn Jahren konnten 27 geschützte Reservate neu angelegt werden. Heute stünden den Tieren 67 solche Naturschutzregionen zur Verfügung. Nach dem jetzigen Zensus lebten 42 Prozent der Pandas aber außerhalb solcher Schutzzonen. In den kommenden drei bis fünf Jahren sollen sie eingegliedert werden. In diesen Reservaten finden heute rund 8000 wilde Tier- und Pflanzenarten Schutzräume für ihre Entwicklung.

Verkümmerung der genetischen Vielfalt befürchtet

Chen hatte eine weitere gute Nachricht in Sachen Pandas parat: Deren Haupt-Ernährungsgrundlage, die Bambuswälder, seien auch nicht mehr bedroht. In den Gebieten, wo die meisten der wilden Pandas heute unterwegs sind, wachse wieder reichlich Bambus in 38 Sorten.

In den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war wegen Bambusnotstand weltweit Pandaalarm geschlagen worden. Ein Naturphänomen wurde Auslöser für den Niedergang der Pandapopulation. Durch eine periodisch auftretende Bambusblüte gingen ganze Bambuswälder in Sichuan ein. Die Zahl wild lebender Pandas fiel damals auf 1114 Bären. Bei unter 1000 Tieren herrsche akute Gefahr ihres Aussterbens, sagte Forscher Qi.

Der damals weltweite Aufschrei zur Rettung der Pandas, die Peking daraufhin zur nationalen Aufgabe erklärte, zahlt sich seither immer stärker aus. Bei der dritten Pandazählung 1999 bis 2003 wurden 1596 wild lebende Pandas ermittelt, Allein in Sichuan waren es 1276 Bären. Heute leben dort 1387 Panda.

Auch Bambus gibt es wieder reichlich

Experimente sind nun in Gang gekommen, nachgezüchtete Pandabären durch Training fit für ihr Überleben und ihre Aussiedlung in freie Wildbahn zu machen. Chinas Tierexperten wollen so den genetischen Speicher der Tiere auffüllen, damit die Gattung außerhalb der Zoos überleben kann. Die Naturforscher Pan Wenshi und Lu Zhi von der Peking-Universität schreiben, dass der sich über Millionen Jahren fortpflanzende Riesenpanda auch in Zukunft ein "Gewinner im Überlebenskampf der Arten" bleibt. Es gebe keinen Beweis, dass er in der "evolutionären Sackgasse" steckt, solange der Mensch ihn nicht dort hineintreibt.

Vizeforstminister Chen hält sich einen Ausweg offen. Die bisher erfolgreiche Nachzucht in den Zoos soll auch vorangetrieben werden. Der Plan ist, bis 2020 die Zahl der aufgezogenen Pandas von derzeit 375 auf rund 500 Tiere zu erhöhen.
http://www.welt.de/vermischtes/article1 ... ndert.html
UliS
 
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Re: China - Ausrottung des Pandabären gerade so verhindert

Beitragvon AnkeB » Mo 2. Mär 2015, 12:54

Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht! [prima]

Das Foto ist zu süß! [herzig]

[tschuess]
Anke
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