Erfolg: Palmölplantage in Kamerun gestoppt

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Erfolg: Palmölplantage in Kamerun gestoppt

Beitragvon SylviaMicky » Fr 7. Jun 2013, 19:05

Biologische Schatzkammer vor US-Investment-Unternehmen gerettet

Im Südwesten Kameruns liegt eines der artenreichsten Gebiete Afrikas: Dort gibt es noch Waldelefanten, Nigeria-Schimpansen (die seltenste Unterart unserer nächsten Verwandten), Drills und viele andere bedrohte Arten. Nicht umsonst ist dieses Gebiet einer der 25 Biodiversitäts-Hotspots der Erde. Ausgerechnet hier - noch dazu inmitten von vier Schutzgebieten - wollte die US-Investment-Firma Herakles Farms riesige Palmöl-Plantagen anlegen. Der dichte Wald würde abgeholzt, wichtiger Lebensraum bedrohter zerstört - und tausende Menschen, die dort extensive traditionelle Landwirtschaft betreiben, würden ihre Lebensgrundlage verlieren.

Das kamerunische Recht verlangt, dass eine solche Palmöl-Plantage nur genehmigt werden kann, wenn zuvor eine Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstudie zufriedenstellend ausgefallen ist. Doch Monate, bevor dies erfolgt ist, hatten Herakles Farms und seine Tochterfirma "Sithe Global Sustainable Oils Cameroon" bereits mit der Rodung begonnen, um an mindestens zwei Stellen Baumschulen für tausende Ölpalmsetzlinge anzulegen. Ende August 211 wurde die lang erwartete Umweltverträglichkeitsstudie endlich veröffentlicht - voll mit manipulativen Informationen: Sie unterschlug sowohl die Artenvielfalt der Region als auch den Widerstand der lokalen Bevölkerung und stellte das Projekt stattdessen als Beitrag zur Entwicklungshilfe dar. Pro Wildlife und andere Verbände intervenierten beim Umweltminister gegen die Studie. Der Geschäftsführer von Herakles Farms gab sich jedoch schon Wochen vor der finalen Entscheidung siegesgewiss: Es sei keine Frage mehr. OB die Plantage kommt, sondern nur noch, wie groß sie werde....

Die Grenzen der geplanten Konzession sind mit dem Lineal gezogen - ohne Rücksicht zu nehmen auf die seltenen Tiere, die hier leben. Über ein Dutzend der betroffenen lokalen Gemeinden schickten Protestbriefe an die Regierung, weil sie um ihren freien Zugang zu Waldprodukten wie Früchten, Wasser oder Brennholz fürchten. Wissenschaftler schlugen Alarm, weil sie die Ausrottung von Drills, Preuss-Meerkatzen und Nigeria-Schimpansen befürchten. Pro Wildlife und 80 weitere Verbände, darunter viele kleine Organisationen, die die schrecklichen Folgen industrieller Palmölplantagen aus eigenen Erfahrungen kennen, forderten in einem offenen Brief an die Regierung Kameruns, das Projekt zu stoppen. Doch lange Zeit war man in der Hauptstadt Yaounde scheinbar gewillt, die Plantagen abzusegnen - um jeden Preis:
Pro Wildlife liegt der Vertrag vor, den die Regierung Kameruns mit SG SOC abgeschlossen hat. Demnach müsste die Firma auf zehn Jahre (!) keine Steuern zahlen und dürfte zudem auch noch das gesamte Holz der Konzessionsfläche von 60-70.000 Hektar verkaufen und den Gewinn einstecken. Die Regierung und die lokale Bevölkerung hingegen wären die Verlierer der Deals. Pro Wildlife, gemeinsam mit SAVE und Rettet den Regenwald, kämpfte weiter, um dieses Projekt zu verhindern - auch wenn es lange Zeit so aussah, als wären wir chancenlos.

Im März 2012 alarmierten Pro Wildlife, Save und die anderen Organisation den "Runden Tisch für nachhaltig gewonnenes Palmöl" (engl. RSPO), bei dem Herakles dreist auch noch ein Öko-Gütesiegel beantragen wollte. Nach sechsmonatigem Tauziehen gab Herakles schließlich im September 2012 sein Bestreben auf, das RSPO-Siegel zu bekommen. In den Folgemonaten herrschte nach außen hin seither Stillstand, doch hinter den Kulissen brodelte es: Im Februar 2013 untersuchte eine vom deutschen Entwicklungsministerium unterstützte Kommission die Vorgänge vor Ort und kam zu einem alarmierenden Ergebnis: Herakles Farms hatte bereits illegale Rodungen getätigt, dabei wertvollen Wald zerstört, eine 50 m breite Straßenschneise geschlagen und lokalen Gemeinden ihre Landflächen weggenommen. Sogar in den verbotenen Schutzgürtel um den Korup-Nationalpark wollte Herakles Farms eindringen. Aufgrund dieses dramatischen Berichtes stoppte das kamerunische Forstministerium MINFOF Ende April per Verfügung die Aktivitäten der US-Investmentfirma. Am 18. Mai 2013 verkündet die US-Investmentfirma auf ihrer Website, dass sie alle Aktivitäten in Kamerun einstellt. Auch wenn wir uns über dieses Ergebnis nach einer anstrengenden Kampagne freuen, bleiben wir misstrauisch - und behalten genau im Auge, ob dieses Projekt tatsächlich ein für allemal gestoppt bleibt...

http://www.prowildlife.de/Palmoel_Kamerun
Quelle Pro Wildlife
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Re: Erfolg: Palmölplantage in Kamerun gestoppt

Beitragvon AnkeB » Fr 7. Jun 2013, 19:58

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Re: Erfolg: Palmölplantage in Kamerun gestoppt

Beitragvon Bearnini » Fr 7. Jun 2013, 20:28

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Re: Erfolg: Palmölplantage in Kamerun gestoppt

Beitragvon UliS » Fr 7. Jun 2013, 22:00

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