Minibärenpower hoch drei im Nationalpark Bayer.Wald

Moderatoren: UliS, Jochen

Minibärenpower hoch drei im Nationalpark Bayer.Wald

Beitragvon Barbara » Di 1. Apr 2014, 18:51

Ungeplanter Bärennachwuchs wohl auf und herzlich willkommen

Bild
Hat ihre Jungtiere immer gut im Blick: Braunbärin Luna im Nationalpark Bayerischer Wald (Foto: NPV Bayerischer Wald/Rainer Simonis)

Bild
Sind gesund und munter: die drei Braunbärenjungen im Tier-Freigehe des Nationalparkzentrums Lusen im Bayerischen Wald (Foto: NPV Bayerischer Wald/Peter Auerbeck)


Seit wenigen Tagen steht es fest: Bärin Luna im Tier-Freigelände des Nationalparkzentrums Lusen im Nationalpark Bayerischer Wald ist Mutter von drei gesunden Jungtieren, obwohl das Fortpflanzungsmanagement bei den Braunbären aktuell keinen Nachwuchs vorgesehen hatte. Geboren Mitte/Ende Januar in der von Luna selbst gegrabenen Überwinterungshöhle, unternehmen die drei Minibären nun erste sehr kurze Ausflüge ins Freie, auf Grund der strengen Wachsamkeit der Mutter jedoch nur für jeweils wenige Minuten am Tag. Mit besseren Beobachtungsmöglichkeiten für Besucher ist ab Anfang Mai zu rechnen.

„Dass unsere Braunbären Nachwuchs haben, wussten wir schon seit Ende Januar; da haben wir aus Lunas Höhle das erste mal die typischen Sauggeräusche von Jungtieren gehört. Dass es allerdings gleich drei und dazu noch alle wohl auf sind, wissen wir erst seit letzter Woche, als die drei das erste Mal die Nase ins Freie gestreckt haben. Wir konnten natürlich nicht vorher in der Höhle nachschauen“, erläutert Dr. Dennis Müller, Tierarzt und Leiter der beiden Tier-Freigelände des Nationalparks Bayerischer Wald. „Trotz des Fortpflanzungsmanagements war in unserem Fall die Natur stärker. Jetzt freuen wir uns selbstverständlich über den Bärennachwuchs und sind stolz auf die drei kleinen Kämpfer“, so Müller weiter. Welches Geschlecht die drei Jungtiere haben, wird erst eine direkte Untersuchung zeigen.

Eigentlich war nicht vorgesehen, dass sich die beiden jetzt 11-jährigen Bären Luna und Benny fortpflanzen, da Braunbärennachwuchs nur schwer zu vermitteln ist. In Gefangenschaft werden die Tiere selten krank, haben eine hohe Lebenserwartung von oft mehr als 30 Jahren und vermehren sich gut. Geeignete Plätze stehen daher nur begrenzt zur Verfügung. Um Nachwuchs bei Weibchen Luna zu verhindern, war bei ihr daher im Herbst ein medikamentöser Trächtigkeitsabbruch durchgeführt worden. Bei der dazu nötigen Vollnarkose kam es jedoch zu für die Bärin lebensgefährlichen Komplikationen, weshalb auf die empfohlene zweite Behandlung verzichtet wurde. Bei einer einmaligen Behandlung bleibt jedoch eine ca. 25%ige Chance, dass der Abbruch nicht erfolgreich durchgeführt sein würde.

„Luna ist nach unseren Beobachtungen eine sehr zuverlässige Mutter, die gut mit ihrem Nachwuchs zurechtkommt und Vater Benny beobachtet das Geschehen interessiert, ohne aggressiv zu reagieren“, schildert Tierarzt Müller die Bärenfamilie. „Da die Mutter jedoch noch recht nervös ist und die Kleinen bei der geringsten Störung sofort in die Höhle zurücktreibt, ist die Chance, den Nachwuchs zu beobachten, im Moment noch sehr gering. Wir empfehlen daher unseren Besuchern, sich noch etwas zu gedulden. In etwa einem Monat werden die Jungen voraussichtlich längere Ausflüge unternehmen und gut zu beobachten sein.“

Trotz des Umstandes, dass die drei Bärenjungen ungeplant zur Welt gekommen sind, ist der Nationalpark vorbereitet und hat verschiedene Pläne, wie und wo die Tiere in Zukunft untergebracht werden sollen.

„In den kommenden drei Jahren ist mit keinen größeren Komplikationen zu rechnen und die Bärenfamilie wird sich ohne Probleme das Gehege teilen. Erst dann werden Bärenjunge langsam selbstständig und suchen ein eigenes Revier“, so Dennis Müller. Außerdem würden die Jungbären, wie auch schon in der Vergangenheit, kastriert. Dies verhindere zum einen eine weitere ungewollte Vermehrung; zum anderen treten die Bärenkinder so nicht in Konkurrenz zu ihren Eltern, so dass die Bären auch deutlich länger als drei Jahre bei ihren Eltern bleiben können, erläutert Müller.

Mit einer Fläche von 1,2 Hektar, vielen Kletterbäumen, natürlichen Grabmöglichkeiten und einer Wasserstelle ist das Nationalpark-Bärengehege geeignet für die Haltung von bis zu fünf Bären. Da mit dem Verlust von Regina, der Großmutter der drei Jungtiere, Ende letzten Jahres nun wieder mehr Platz zur Verfügung steht, wird wohl mindestens ein Jungtier bei der Familie verbleiben. Die anderen Bärenkinder werden in andere Einrichtungen vermittelt.

„Dabei werden wir keinerlei Aufwand scheuen“, betont Müller. „Potenzielle Plätze werden im Vorfeld geprüft, um zu gewährleisten, dass die Jungen in ihrem neuen Zuhause ähnlich gute Bedingungen vorfinden, wie bei uns. Auf keinen Fall werden die Bären an dubiöse Tierhändler oder außereuropäische Zoos abgegeben, und auch eine Vermittlung in einen Betonbunker, wie man ihn bedauerlicherweise manchmal in städtischen Zoos findet, ist ausgeschlossen“, versichert der Tierarzt.

Eine Tötung der Bären kommt laut Müller ebenfalls nicht in Betracht: „Sollte uns eine erfolgreiche Vermittlung tatsächlich nicht gelingen, werden alle drei Jungbären im Nationalpark verbleiben. In diesem Fall werden nicht nur die Jungbären, sondern auch Bärenmännchen Benny kastriert, um zukünftigen Nachwuchs sicher verhindern zu können“, so Müller abschließend.

http://www.nationalpark-bayerischer-wal ... ?tid=28863
Barbara
 
Beiträge: 569
Registriert: Di 1. Jan 2013, 18:57

Re: Minibärenpower hoch drei im Nationalpark

Beitragvon Michaelmartin71 » Di 1. Apr 2014, 19:29

Ich freu mich für die Drei , ja das passiert halt . Sowas nennt man Fügung . Jetzt sind sie da und ich wünsche ihnen nur das beste !
Michaelmartin71
 
Beiträge: 561
Registriert: Mi 13. Feb 2013, 01:13

Re: Minibärenpower hoch drei im Nationalpark

Beitragvon Barbara » Di 1. Apr 2014, 20:55

Michael, das was da im Nationalpark passiert ist, ist typisch für die Gewichtung zwischen männlichen und weiblichen Tieren. Weibliche Tiere werden ohne Not intensiven hormonellen und physiologischen Eingriffen ausgesetzt. Es wird ein Riesenaufwand an Ausreden und herbeischwadronierten Begründungen betrieben, um die Öffentlichkeit von der häufig viel unkomlizierteren Lösung abzulenken: der Sterilisation des männlichen Tiers. Ganz am Ende der langen Pressemitteilung wird sie in Erwägung gezogen.

Wenn wir die entsetzlichen Vorgänge der letzten Wochen in internationalen Zoos Revue passieren lassen, die an die Öffentlichkeit gelangt sind, dann hätte viel Leid mit einem rechtzeitigen Eingriff bei den männlichen Tieren vermieden werden können. Männliche Tiere von Arten, bei denen es einen üppigen Bestand gibt und noch Jahre lang geben wird, müssen nicht "auf Vorrat" zeugungsfähig bleiben. Die Zoodirektoren müssen endlich ihren Widerstand gegen diesen Bestandteil des Populationsmanagements aufgeben!
Barbara
 
Beiträge: 569
Registriert: Di 1. Jan 2013, 18:57

Re: Minibärenpower hoch drei im Nationalpark

Beitragvon AnkeB » Di 1. Apr 2014, 21:27

Barbara ich stimme Dir zu!
Verhütung scheint nach Meinung der männlichen Veterinäre und Entscheidungsträger auch im Tierreich vornehmlich Frauensache zu sein... [augenroll]
AnkeB
 
Beiträge: 5632
Registriert: Mo 17. Dez 2012, 16:10

Re: Minibärenpower hoch drei im Nationalpark

Beitragvon UliS » Di 1. Apr 2014, 23:00

Goldig die kleinen Petze ... dann wollen wir den Nationalpark weiter beobachten
UliS
 
Beiträge: 10475
Registriert: Fr 14. Dez 2012, 14:13
Wohnort: Krefeld

Re: Minibärenpower hoch drei im Nationalpark Bayer.Wald

Beitragvon Bearnini » Di 1. Apr 2014, 23:21

Die Vet´s werden es noch lernen ...auch in Bayern, wenn es an und um die männliche Eitelkeit geht. :wink:
Da geben wir die Hoffnung nicht auf . [biggrins]

Danke für´s Einstellen und den Kommentar - Barbara! [prima]
Bearnini
 
Beiträge: 3130
Registriert: Fr 14. Dez 2012, 23:24
Wohnort: Hauptstadt-Bürgerin


Zurück zu Naturparks

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast