Berlin - Tierschutzverein boykottiert Tierschutztag

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Berlin - Tierschutzverein boykottiert Tierschutztag

Beitragvon SylviaMicky » Do 1. Okt 2015, 15:24

Kritik an Senat - Tierschutzverein boykottiert Tierschutztag

Der Tierschutzverein für Berlin und der Bundesverband Tierschutz nehmen aus Protest nicht am 8. Berliner Tierschutztag teil.
Auf dem 8.Berliner Tierschutztag am 3.Oktober wird die größte politisch arbeitende Tierschutzvereinigung fehlen. "Es ist für uns nicht länger hinnehmbar, dass die für Tierschutz zuständigen Senatoren und Staatssekretäre nicht müde werden, zu betonen, welch hohen Stellenwert der Tierschutz in der Hauptstadt hat", so Wolfgang Apel, Präsident des Tierschutzvereins für Berlin. Doch die Fakten sprächen eine ganz andere Sprache, sagt Apel weiter. Er listet fünf Hauptkritikpunkte auf.

- Berlin ist und bleibt die Hauptstadt der Tierversuche. Im Koalitionsvertrag wurde zwar die Einschränkung der Tierversuche und eine Förderung der tierversuchsfreien Alternativmethoden festgeschrieben. Stattdessen sind zwei neue Tierversuchslabore – das Max-Delbrück-Centrum (MDC) und die Forschungseinrichtungen für Experimentelle Medizin (FEM) - das Ergebnis.

- Der Entwurf zum neuen Hundegesetz hat nichts mit Tierschutz zu tun. "Mit dem Beibehalten der Rasseliste werden Halter und Hunde weiterhin stigmatisiert", so Apel. Die Auswirkungen habe einzig das Tierheim Berlin zu tragen, das immer mehr sogenannte Listenhunde aufnehmen und versorgen muss. Ohne finanzielle Unterstützung der Stadt.

- Doch immer mehr Hundeauslaufgebiete werden geschlossen. Es herrsche Konfrontationskurs statt Konfliktlösung, so Apel. "Wer Hunde zukünftig stadtweit an die Leine legen möchte, müsste für mehr Bewegungs- und Auslaufflächen sorgen."

- Eine Katzenschutzverordnung, wie in anderen Städten oder Kommunen längst umgesetzt, lehnt der Senat ab. Doch nur eine verbindliche Kastrationspflicht könnte langfristig das tausendfache Elend der Straßenkatzen verringern.

- Auch, dass es noch immer Pferdekutschen als Touristenattraktion in der Innenstadt gibt und kein generelles Verbot von Zirkussen mit Wildtieren, zeugt von wenig Interesse am Tierschutz.

Die 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins für Berlin, Ines Krüger, bezeichnet den Tierschutztag als "Feigenblatt für den Senat". "Den Berliner Tierschutztag haben wir vor acht Jahren gemeinsam mit dem damaligen Tierschutzbeauftragten Dr. Klaus Lüdcke ins Leben gerufen, um dem Thema in der Hauptstadt mehr Gewicht zu verleihen, um Probleme aufzuzeigen und Unterstützer zu gewinnen. Dass diese Veranstaltung anscheinend nur noch als Feigenblatt für den Senat dient, ist nicht mehr in unserem Sinne."
Erst wenn die Stadt mit einem "akzeptablen Tierschutzprogramm" aufwarte, würde man wieder teilnehmen.

http://www.morgenpost.de/berlin/article ... tztag.html
Berliner Morgenpost 01.10.15

Sehr gut! Ich habe zweimal am Tierschutztag teilgenommen und hätte mich gerne nach der Veranstaltung mit Politikern unterhalten. Leider mußten alle nach der Veranstaltung gehen.
SylviaMicky
 
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Re: Berlin - Tierschutzverein boykottiert Tierschutztag

Beitragvon AnkeB » Fr 2. Okt 2015, 15:07

Zum Thema aus der Berliner Zeitung:

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/a ... 62664.html

Aus Protest gegen den Senat

Berliner Tierschutzverein boykottiert den Tierschutztag
Von Mathias Raabe


Bild

Katzen, die keiner mehr haben will, landen meist im Tierheim in Lichtenberger Ortsteil Falkenberg. Foto: DPA/Rainer Jensen

Der Berliner Tierschutzverein boykottiert erstmals den Tierschutztag – aus Protest gegen die Politik des Senats, die ihrer Meinung nach das Tierwohl zu wenig berücksichtigt.

Berlins Tierschützer liegen miteinander über Kreuz. 2008 hatten der Berliner Tierschutzverein und der Bundesverband Tierschutz mit dem Beauftragten des Senats einen Tierschutztag kreiert, den man jedes Jahr am 3. Oktober zusammen feiern wollte. Doch in diesem Jahr findet die Veranstaltung, bei der auch der Berliner Tierschutzpreis verliehen wird, ohne die größte politische Tierschutzvereinigung Berlins statt. Der Tierschutzverein und der Bundesverband, die sich zum Bündnis Tierschutzpolitik zusammengeschlossen haben, boykottieren die Veranstaltung am Sonnabend. Sie protestieren damit gegen die Politik des Senats, die ihrer Meinung nach das Tierwohl zu wenig berücksichtigt.

Der Tierschutztag wurde 2008 von den Tierschutzverbänden gemeinsam mit dem damaligen Tierschutzbeauftragten des Senats, Klaus Lüdcke, ins Leben gerufen.

Auf dem Aktionstag, der am Sonnabend um 9 Uhr in der Jugend- und Familienfarm Lübars, Fasanerie 10, beginnt, werden die Tierschutzpreise 2015 verliehen.

Der Berliner Tierschutzpreis geht in diesem Jahr an den Wildtierexperten Derk Ehlert. Er ist bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz der Experte für das Leben von Wildtieren in der Stadt.

Den Ehrenpreis für Tierschutz 2015 bekommt Tanya Lenn von der Eichhörnchen-Hilfe Berlin-Brandenburg. Der Verein kümmert sich um die Pflege, Behandlung und Auswilderung verletzter oder verwaister Eichhörnchen.

Der Jugend-Tierschutzpreis geht an Schüler, Lehrer und Erzieher der Peter-Petersen-Grundschule in Neukölln für ihre Aktion „Attacke gegen Hundekacke“.

Um 12.30 Uhr beginnt eine Podiumsdiskussion mit den tierschutzpolitischen Sprechern der Fraktionen im Abgeordnetenhaus. Debattiert wird unter anderem über ein Hundegesetz, Kutschpferde und die Situation in Zoo und Tierpark.

Gestritten wird beispielsweise um Katzen und Hunde. Von denen gibt es in Berlin eine Menge. 200.000 Katzen sollen sich die Berliner schätzungsweise halten, dazu kommen rund 100.000 gemeldete Hunde und wahrscheinlich weitere 150.000, die nicht registriert sind. Die Zahlen steigen. Deshalb will der Tierschutzverein, dass Besitzer von freilaufenden Katzen verpflichtet werden, ihre Tiere kastrieren beziehungsweise sterilisieren zu lassen. Denn Katzen vermehren sich rasant. Bei jedem Wurf kommen bis zu sechs Kätzchen zur Welt.

Der Berliner Tierschutzverein will eine solche Regelung auch aus ökonomischen Gründen. Denn Katzen, die keiner will, landen meist im Tierheim im Hausvaterweg in Lichtenberg. Das wiederum wird vom Berliner Tierschutzverein finanziert und kostet ordentlich Geld. Insgesamt rund drei Millionen Euro im Jahr. Wie Ulf Hoffmann, Pressesprecher des Vereins sagt, kommen nur rund 360.000 Euro vom Senat. Der Rest wird durch Spenden finanziert sowie durch die Beiträge der 15.000 Vereinsmitglieder, die monatlich 20 Euro zahlen. Der Tierschutzverein will also mit weniger Fundkatzen auch dem Kostendruck entgehen.

Der Senat hält eine Kastrationspflicht dagegen für wenig hilfreich. Denn Katzen sind nicht meldepflichtig – also könnte eine Kastrationspflicht nicht überprüft werden, geschweige denn könnten Verstöße dagegen geahndet werden.
Zweiter Streitpunkt sind die Hunde. Der Senat hat eine rigide Liste von gefährlichen Rassen und Kampfhunden erlassen, die in die Tiersammelstelle gebracht werden mussten und müssen. „Diese Tiere sind kaum vermittelbar“, sagt Tierschutzverein-Sprecher Hoffmann. Die Folge: Diese Hunde sind bis zu 400 Tage im Heim, verursachen Kosten, die vom Senat aber nur für die ersten 30 Tage übernommen werden. Auf den restlichen Kosten bleibt der Tierschutzverein sitzen. Kampf- und andere gefährliche Hunde sollten erst nach einer Einzelprüfung in die Tiersammelstelle gebracht werden, sagt Hoffmann. Denn nicht jedes dieser Tiere sei tatsächlich gefährlich.

Zwei neue Versuchslabore

Ein weiterer Streitpunkt sind Tierversuche. Der Tierschutzverein und der Bundesverband Tierschutz werfen dem rot-schwarzen Senat vor, dass er sich nicht an den Koalitionsvertrag hält. Laut dem sollte es in Berlin eine Einschränkung der Tierversuche geben, zudem sollten tierversuchsfreie Alternativmethoden gesucht werden. Stattdessen gebe es zwei neue Tierversuchslabore – vom Max-Delbrück-Centrum (MDC) und die Forschungseinrichtungen für Experimentelle Medizin (FEM). „Berlin ist und bleibt die Hauptstadt der Tierversuche“, so die Tierschützer.

Nach Angaben des Tierschutzbeauftragten des Senats, Horst Spielmann, wurden 2013 exakt 422 175 Wirbeltiere für Forschungszwecke eingesetzt. Dabei gab es nach seinen Angaben aber auch einen Rückgang. Im 2013 starben 27 022 Mäuse weniger als im Jahr davor. Die Einrichtung von Tierversuchsanstalten fällt nicht in seine Kompetenz – verantwortlich dafür ist das Landesamt für Gesundheit und Soziales.

Die Tierschützer fordern außerdem ein Verbot von Pferdekutschen in der Innenstadt und von Zirkussen mit Wildtieren in Berlin. Doch der Senat zeige hier wenig Interesse, so ihre Kritik.

Ich stimme der Kritik der Tierschützer weitgehend zu.
Den Kater auf dem Foto könnte ich klauen...
Da es ein Archivbild ist, hoffe ich, er hat inzwischen ein gutes Zuhause!

[denknach]
Anke
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Re: Berlin - Tierschutzverein boykottiert Tierschutztag

Beitragvon Ludmila » Fr 2. Okt 2015, 16:22

Ich stimme der Kritik wegen der Tierversuche vollständig zu. Wegen der Kastrierungspflicht bei den Katzen sehe ich die Umsetzungsprobleme, wie auch vom Senat behauptet wird.
Bei den gefährlichen Hunderassen stimme ich dem Senat zu. Sicherlich die Agressivität der Hunden kommt meistens von den Besitzern. Trotzdem die Kampfhunde haben ein gefährliches Gebiss. Viele friedliche Menschen denken oft nicht, dass der Hund in einer Stresssituation beißen kann. Z.B. wenn ein Hund in der Fußgängerzone frei zwischen den vielen Menschen läuft.
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