Ludwig - Tod eines kleinen Hundes

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Ludwig - Tod eines kleinen Hundes

Beitragvon AnkeB » So 4. Aug 2013, 18:14

Ludwig
Dieses Wochenende wurde überschattet durch den Tod eines kleinen Hundes am Freitag und statt eines Zooberichts, möchte ich mir die Geschichte von Ludwig, dem kleinen Terrier von der Seele schreiben.

Wir hatten Freitagabend keine Lust, bei dieser Hitze zu kochen und waren zu „Rogacki“ in der WilmersdorferStr. gefahren.
Auf dem Rückweg gab es einen kleinen Stau in der Brandenburger Str./ Ecke Paulsborner Str . Ein Mann in einem weißen Leinenhemd, um die fünfzig, befand sich auf der Fahrbahn, kniete nieder und rannte mit einem offensichtlich verletzten kleinen Hund auf den Armen zurück auf den Bürgersteig. Dort blieb er stehen, immer noch mit dem Hund im Arm und fing haltlos und verzweifelt an zu weinen.

Ich bat Thomas, rechts ran zu fahren und stieg aus, um zu sehen, ob ich helfen kann. Um es kurz zu machen: der kleine Jack Russell? Terrier war überfahren und schwer verletzt worden.
Ich lief in den Elektroladen auf der Ecke und bat die dort Anwesenden, einen Tierarzt zu rufen, was sie auch taten. Bis zu dessen Ankunft kümmerte ich mich um den laut weinenden Besitzer, der immer noch an derselben Stelle stand und sein Hündchen an sich drückte.

Ich führte den völlig paralysierten Mann an die Seite und setzte ihn auf einen Stuhl, der mit einem Tischchen dort vor dem Laden stand. Ich holte seine Tasche, die er achtlos irgendwohin geschmissen hatte. Er wollte seinen Hund nicht loslassen, weinte und rief immer wieder“ Ach mein Kleiner! Ach Ludwig! Ich bin schuld!“ und „Was soll ich denn jetzt bloß machen?“

Als ich mir den Hund ansah, war offensichtlich, dass da nichts mehr zu machen ist: sein ganzes Gesichtchen war verschoben, sein Kiefer war gebrochen, er blutete aus der Schnauze, seine Augen waren bereits gebrochen und sein Körper hatte keinerlei Spannung mehr.

Die herbeigerufene Tierärztin konnte nur noch den Tod des Hundes feststellen. Sie war in Freizeitkleidung und kam wahrscheinlich aus der Gegend. Auch sie war sehr betrübt, äußerte ihr Mitgefühl und wollte für ihr Kommen kein Geld nehmen. Die Leute aus dem Elektro-Laden waren ebenfalls sehr aufgewühlt, kamen mit ernsten Gesichtern immer wieder heraus und rauchten.

Für einen Moment nahm ich das tote Hündchen auf den Arm, damit sein Besitzer telefonieren konnte und mir war ganz furchtbar zumute. Ich war den Tränen nah, riss mich aber zusammen.

Ich blieb bei dem Mann. Er weinte, ich redete - ich hoffe beruhigend – auf ihn ein, streichelte mit ihm gemeinsam das tote Hündchen und ließ ihn erzählen, wie es passiert ist: Ludwig war nicht angeleint gewesen und von der Verkehrsinsel aus plötzlich auf die Straße gelaufen. Er hatte ihn kurz vorher noch ermahnt. Der Unfallfahrer war schnell unterwegs und ist einfach weiter gefahren.
Ludwig wäre immer mit ihnen, ihm und seinem Partner zusammen gewesen, er wurde nur dreieinhalb Jahre alt.

Für so etwas gibt es keinen Trost, aber ich sagte ihm, dass Ludwig sofort tot gewesen sei, dass er nicht gelitten habe, dass er es bis zu seinem Tod gut gehabt hätte und sehr geliebt worden sei.

Ich ging wieder in den Laden und bat um einen Karton, in dem das tote Hündchen transportiert werden könnte. Ich hatte den Eindruck, die Leute waren froh, irgendetwas tun zu können. Der Mann wollte seinen Hund aber nicht aus den Armen geben und ich ließ ihn.

Nach einer Weile kam ein Smart mitten auf den Bürgersteig gefahren, eine Frau stieg aus, lief auf den Mann zu und nahm ihn mitsamt dem toten Hündchen fest in die Arme. Sie fragte ihn, was passiert sei und er erzählte es ihr.
Ich vergewisserte mich, dass ich ihn jetzt in der Obhut seiner Freundin lassen konnte und verabschiedete mich.
Thomas, mit dem ich von Zeit zu Zeit Rücksprache gehalten hatte, war derweil im Auto sitzen geblieben, um den Wagen notfalls umsetzen zu können, er stand im Halteverbot...

Wir fuhren nach Hause.

Der Anblick dieses kleinen toten Hundes und sein untröstliches, weinendes Herrchen haben uns in Gedanken das ganze Wochenende begleitet. Auch unser heutiger Zoobesuch wurde dadurch überschattet.

Lieber Ludwig, schlaf schön Süßer!
AnkeB
 
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Re: Ludwig

Beitragvon Bearnini » So 4. Aug 2013, 18:49

Ja, liebe Anke, ich kann Deine Empfindungen gut nachfühlen. (Einen Hund haben wir durch einen Unfall, zwei an altersbedingten Krankheiten verloren.)
Es tut mir aufrichtig leid um Hund und Herrchen. So ein Erlebnis ist ein Schock, auch für die fremden Umstehenden.
Das zieht man nicht am nächsten Tag aus...das dauert. Tröstlich ist jedoch, dass wildfremde Menschen so viel Hilfsbereitschaft und Mitgefühl gezeigt haben.

Aber leider...das Leben bewahrt uns nicht vor Schmerzen....
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Re: Ludwig

Beitragvon Brigli » So 4. Aug 2013, 18:52

Liebe Anke,
auch wenn ich jetzt die Gefahr laufe, mich total unbeliebt zu machen, aber wenn Hunde im Beisein des Herrchens nicht angeleint durch die Strassen im regen Strassenverkehr laufen, krieg ich immer so eine Wut. Ich sehe das jeden Tag . Die Leute passen einfach nicht auf, weder auf ihre Kinder noch auf ihre Tiere.
Mein Nachbarshund wurde auch ueberfahren, er hat ihn nie angeleint, er hoert.... jA und wie oft habe ich ihm gesagt, Kinder und Tiere sind UNBERECHENBAR , es genuegt ja nur DAS EINE MAL !!!!!!! er sieht gegenueber einen Hund und schon laeuft er los. Nein, mein Hund nicht..... Aber auch mein Nachbar wusste es besser und seine Frau war untroestlich....
Der einzige der mit leid tut ist der Hund, er kann nichts dafuer dass er ein unverantwortliches Herrchen hat, Weinen kann man immer hinterher..., aber der Hund lebt nicht mehr und DAS macht mich traurig

Ja, ich bin wuetend und Du Anke Du hattest jetzt ein schlechtes Wochenende voller Kummer um einen suessen Hund der noch am Leben sein koennte, wenn sein Herrchen ihn nur ganz einfach an der Leine im regen Strassenverkehr gehalten haette, wie es sicherlich auch Pflicht ist in Berlin?

liebe Gruesse
Biene
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Re: Ludwig

Beitragvon SylviaMicky » So 4. Aug 2013, 19:31

Liebe Anke,
was für eine tragische Geschichte. Ich kann gut nachempfinden, daß die Bilder Dich am Wochenende und darüber hinaus verfolgen.
Es tut mir sehr, sehr leid um Ludwig. Es muß furchtbar sein, seinen Hund so zu verlieren.
Diese Kreuzung ist immer sehr stark befahren. Es wäre sehr ratsam dort jeden Hund anzuleinen.
Danke für Deine Hilfe und die der anderen.
Dadurch dass Du Ludwigs Geschichte ins Forum geschrieben hast, bleibt er unvergessen.
SylviaMicky
 
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Re: Ludwig

Beitragvon AnkeB » So 4. Aug 2013, 19:36

Liebe Bearnini, liebe Biene, liebe Sylvia!
Danke für Eure Antworten!
Es tut immer furchtbar weh, ein geliebtes Tier zu verlieren, umso mehr, wenn man sich dafür eine Mitschuld geben muss.

Dieser Mann wusste, dass das alles nicht passiert wäre, wenn er seinen Hund angeleint hätte. Er hat sich selber die größten Vorwürfe gemacht und war völlig am Boden zerstört. Die Leine lag obenauf in der Tasche...
Wie Du geschrieben hast Biene, ein Mal reicht.

Ich kann nicht wütend auf ihn sein, er tat und tut mir unendlich leid. Sein Kummer und seine Verzweiflung waren so groß. Die schlimmste Strafe hat er schon erhalten und nichts kann es wieder gut machen.

Vielleicht rettet diese traurige Geschichte ja wenigstens anderen Hunden das Leben.

Wütend bin ich aber auf den Unfallfahrer, der einfach weitergefahren ist, auch wenn er das Hündchen nicht schuldhaft überfahren hat.
AnkeB
 
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Re: Ludwig

Beitragvon UliS » So 4. Aug 2013, 23:22

Anke das war ein schreckliches Erlebnis für Dich, vielleicht tröstet es Dich, dass Du einem Menschen in
seiner schlimmen Stunde eine große Hilfe warst ... Bild
UliS
 
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Re: Ludwig

Beitragvon Anita » Mo 5. Aug 2013, 08:37

Liebe Anke,
solche Situationen sind die, die man eigentlich nicht erleben möchte.
Ich finde es toll von Dir, dass Du nicht einfach weiter gegangen bist, sondern geholfen hast.
Du hast Trost und Unterstützung geboten. Eine nicht selbstverständliche Reaktion.
Anita
 
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