Gastronomie in Tierparks

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Gastronomie in Tierparks

Beitragvon Anita » Mi 8. Nov 2017, 14:52

Debatte um Billigfleisch
Gastronomie in Tierparks: Kommt erst das Essen und dann die Moral?

Mit der Entscheidung, dem Pächter eines Zoo-Imbisses wegen zu viel Billigfleisch auf der Speisekarte zu kündigen, hat die Stadt Darmstadt für Aufsehen gesorgt. Andere hessische Tierparks überlassen die Entscheidung dem Magen der Gäste.

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Imbiss nach dem Tierparkbesuch: Vor allem billig oder regional und ethisch? Bild © Imago

Von Steffen Rebhahn

Streicheln, füttern, essen. Ein Besuch im Tierpark mit den lieben Kleinen endet nicht selten bei Currywurst oder Schnitzel mit Pommes in einem der angeschlossenen Imbissbetriebe. Doch nach der Einzigartigkeit der zuvor bestaunten Tierwelt findet sich hier meist das Mastschwein aus Massentierhaltung auf dem Teller.
Muss sich eine Einrichtung, die sich das Tierwohl auf die Fahnen schreibt, auch jenseits der Gehege an diesem Anspruch messen lassen? Die Stadt Darmstadt meinte ja und erntete mit einem entsprechenden Konzept für ihren Klein-Zoo Vivarium viel öffentliche Häme. Den Imbissbetreiber kostete die Neuausrichtung seinen langjährigen Pachtvertrag.

Verträgliches im Wildpark Knüll

Andernorts scheint dieses Thema keine Rolle zu spielen, wie Nachfragen von hessenschau.de bei Zoos und Wildparks ergaben."Bei uns gibt es diesbezüglich keine vertraglichen Vorgaben", berichtet etwa Wolfgang Fröhlich vom nordhessischen Wildpark Knüll. Seit rund zehn Jahren betreibe ein Pächter dort die Gaststätte "Jagdbaude", die neben Hauptspeisen auch klassische Imbissgerichte anbiete.
"Das ist es, was die Leute haben wollen", sagt Fröhlich. Woher das Fleisch für Bratwurst & Co. stammt, werde von Seiten des zuständigen Schwalm-Eder-Kreises nicht kontrolliert. Allerdings kommt der Wildparkleiter gerne persönlich zum Geschmackstest vorbei: "Ich esse dort regelmäßig selbst", erzählt Fröhlich. Sein Fazit: "Mein Magen macht's mit." Immerhin.
Beraterin empfiehlt Kinder-Schnitzel aus der Region
Für größere Bauchschmerzen sorgt nun in Darmstadt der Imbiss im Vivarium. Das "Café Eulenpick" soll nach dem Willen des zuständigen Darmstädter Eigenbetriebs EAD, der hierfür eine Ernährungs- und Gastronomie-Beraterin beauftragte, eine etwas bewusstere Ausrichtung erhalten. "Das Kinder-Schweineschnitzel mit Pommes für 6,90 Euro ist auch mit besseren und regionalen Produkten noch wirtschaftlich rentabel", berichtet Stadtsprecher Klaus Honold von der Expertise.

„Es muss nicht die allerbilligste Ware sein.“
Zitat von Darmstadts Pressesprecher Klaus Honold zur Speisekarte im "Eulenpick"

Das sah "Eulenpick"-Pächter Holger Bergoint anders und löste damit eine mit viel Polemik geführte öffentliche Debatte aus. Von Sterneküche war die Rede, einem Pommes-Verbot für Kinder und Gemüsesuppen-Zwang. "Es geht nicht um eine Besucher-Erziehung oder darum, dass bestimmte Dinge nicht angeboten werden sollen", rechtfertigt Honold, "aber es muss auch nicht die allerbilligste Ware sein." Schließlich achte die grün-schwarze Stadtregierung schon seit Jahren bei städtischen Einrichtungen auf den vermehrten Einsatz von Bio-Produkten.

Schulterzucken in Frankfurt und Kronberg

Von derlei Idealismus ist man im Frankfurter Zoo noch ein gutes Stück entfernt. "Es ist schon in unserem Sinne, dass möglichst nachhaltig und regional gewirtschaftet wird. Aber es sind keine konkreten Auflagen", sagt Sprecherin Janet Huth auf Nachfrage. Auch hier ist also unklar, welche Fleisch- und Wurstwaren in den Imbisswagen und Grillständen entlang der Tiergehege angeboten werden.
Nicht viel anders sieht das im Kronberger Opel-Zoo oder dem Freizeitpark Lochmühle (beides Hochtaunus) aus. "Es ist nicht ausgesprochen, aber das Bewusstsein für Tiere und Tierhaltung spielt bei uns eine große Rolle", vermutet die Presseabteilung der Lochmühle ein blindes Verständnis zwischen Wurstbude und Streichelzoo. Im Opel-Zoo sei das Thema schlicht und einfach "noch nicht aufgeschlagen". Eigeninitiative geht sicher anders.

"Eulenpick"-Pächter muss gehen

Initiativ wurde man jetzt allerdings in Darmstadt im Fall des "Café Eulenpick". Neben weiteren festgestellten Mängeln habe sich Betreiber Holger Bergoint auch in der Frage der Neuausrichtung wenig kompromissbereit gezeigt, heißt es von der Stadt. Der Pachtvertrag des 56 Jahre alten Wirts wurde daraufhin nach 28 Jahren zum Jahresende gekündigt. An der Neuausschreibung mit klaren Auflagen bezüglich der Speisekarte beteiligte er sich nicht mehr.
Quelle: http://www.hessenschau.de/gesellschaft/ ... e-100.html
Anita
 
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