Zoo Zürich - Tigerdame Elena totgebissen

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Zoo Zürich - Tigerdame Elena totgebissen

Beitragvon Anita » Di 23. Okt 2018, 14:40

"Sayan hat nur natürlich reagiert"

Tigerdame Elena ist im Alter von 14 Jahren im Zoo Zürich gestorben. Sie wurde diese Woche von Männchen Sayan zu Tode gebissen. Doch was steckt dahinter? «Tierwelt online» hat bei Kurator Robert Zingg nachgefragt.

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Sayan, der Tigerdame Elena getötet hat, hatte stets soziale Kontakte und verhält sich laut dem Zoo Zürich völlig normal. Foto: Enzo Franchini

Tierwelt online: Herr Zingg, auf der Facebookseite der «Tierwelt» äussern Leserinnen und Leser ihr Unverständnis dafür, dass Tiger im Zoo nicht alleine gehalten werden. Dabei seien die Tiere Einzelgänger. So allerdings habe es früher oder später zum tödlichen Biss kommen müssen. War das der alleinige Grund?
Robert Zingg: Die Tatsache, dass Tiger Einzelgänger sind, spielt gewiss eine zentrale Rolle. Grosskatzen bewirtschaften ihr Territorium auch in der freien Wildbahn relativ strikte, wobei es aber Zeiten gibt, in denen sie zusammenkommen. Einige benachbarte Revierinhaber pflegen zudem freundliche Kontakte. Sie können also durchaus auch sozial sein.

Moniert wurde, dass Tiger im Zoo dennoch zu zweit gehalten werden, wohl den Besuchern zuliebe.
Das ist nicht der Grund dafür, dass Tiger auch paarweise gehalten werden. Wir haben zwei Anlagen und beide sind für die Besucher einsehbar. Die Besucher haben somit die Möglichkeit, die Tiere zu beobachten, auch wenn sie räumlich getrennt sind. Der Vorteil der gemeinsamen Haltung ist, dass beiden Tieren die ganze Anlage zur Verfügung gestellt werden kann und sie so die unterschiedlichen Ressourcen nutzen können (verschiedene Liegeplätze, Verhaltensanreicherungen, Komfortplätze) und sie auch sozial interagieren können. Eine Trennung ist dennoch manchmal tatsächlich notwendig.

In welchen Fällen?
Etwa, wenn die Tiere nicht kompatibel sind, nicht zusammen passen. Wir beobachten das genau, wie wir es übrigens auch mit Sayan gemacht haben. Wenn es brenzlig wird, trennen wir die Tiere. Oder trächtige Weibchen werden abgesondert, sind in der ersten Aufzuchtsphase vom Männchen getrennt. Wenn sie Junge haben, macht es durchaus Sinn, das Männchen später wieder ins Gehege zu lassen.

Warum?
Nicht zuletzt, weil die Jungtiere dann auch mal den Vater in ihr Spiel einbinden und piesaken können und nicht immer nur die Mutter. Eine Trennung wird meist auch bei der Fütterung vorgenommen, um da Spannungen ums Futter vorzubeugen. Um auf Elena und Sayan zurück zu kommen, es gab keinerlei Anzeichen für eine Spannung zwischen den beiden. Daher waren wir schon überrascht, als wir Elena tot auffanden. Doch so etwas kommt auch in der Natur vor.

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Robert Zingg, Kurator vom Zoo Zürich.

Obwohl man davon ausgehen würde, dass die Evolution dafür gesorgt hat, dass sich die Tiere nicht gegenseitig töten? Generell haben sie ja nur wenige Nachkommen, was eine Gefahr für die Art bedeuten würde.
Im Freiland stellt sich natürlich immer die Frage nach der Grösse des Streitwerts und des Risikos, das die Tiger bei einer Auseinandersetzung eingehen. Es ist in diesem Fall relativ gross. Denn salopp gesagt sind Tiger optimierte Tötungsmaschinen, wenn man unter anderem ihr kräftiges Gebiss und ihre Geschwindigkeit betrachtet. Ein Streit kann da schnell einmal mit schwerwiegenden Verletzungen enden, mit tödlicher Folge – und dies auch ohne Tötungsabsicht.

Welches sind die grössten Konfliktpotentiale in freier Wildbahn?
Ein Weibchen lässt sich eher auf eine Auseinandersetzung ein, wenn sie Junge hat. Männchen auf der anderen Seite können angreifen, um Weibchen zu verteidigen. Beides war bei uns allerdings nicht der Fall. Elena und Sayan waren ja in den letzten rund fünf Monaten auch meistens zusammen im Gehege, nachdem sie sich etappenweise aneinander gewöhnen konnten. Wir hatten ein gutes Gefühl. Ja, es schien sogar, als würden die beiden vermehrt Nähe zueinander suchen.

Was geschieht nun weiter mit Sayan?
Man kann ihm keinen Vorwurf machen. Er hat nur natürlich reagiert. Er lebte im Familienverbund mit Eltern und Geschwistern – er ist übrigens auch nicht verhaltensgestört. Er hatte stets soziale Kontakte. Da Sayan keineswegs ausser Rand und Band ist und sich weiterhin normal verhält, werden wir nach einem neuen Weibchen suchen. Damit geht das Prozedere vom «Sich langsam aneinander gewöhnen» wieder von vorne los.
Quelle: http://www.tierwelt.ch/?rub=4496&id=47096
Anita
 
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