Israel - Nahariya 2018

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Israel - Nahariya 2018

Beitragvon UliS » Sa 1. Sep 2018, 22:20

Israel - Nahariya 2018
Eine Küstenstadt im Norden


Nahariya ist 1934 von deutschen Emigranten gegründet worden und zählte 1939 tausend Einwohner. Es lohnt sich, den Wikipedia-Eintrag zu lesen. Er berichtet vom Erfolg der deutschjüdischen Emigranten.

Naharija – Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Naharija

Heute zählt Nahariya knapp 55.000 Einwohner. Die Küste hat einen schönen Sandstrand, man kann hier bestens Badeurlaub machen. Die Stadt legt Wert auf eine hübsche Erscheinung, mit vielen kleinen Parkanlagen und Blumenrabatten. Was uns auffiel, waren die deutschen Namen, zum Beispiel Feinkost Karl Berg. Man freut sich, dass er Erfolg in der Fremde hatte, aber man ist wehmütig, dass er gehen musste – weg aus Deutschland. Witzig war natürlich, dass in seiner unkoscheren Wurst- und Fleischtheke jede Menge Wurstsorten und Speckseiten vom Schwein auslagen, die wahrscheinlich hauptsächlich von den russischen Einwanderern gekauft werden, vielleicht auch noch auch von deutschen Einwanderern oder ihren Nachkommen. Viele Aufschriften waren auf Russisch. Wie hoch der Anteil der russischen Einwanderer heute ist, weiß ich nicht.
Nach dem Artikel in der Neuen Westfälischen muss man annehmen, dass die russischen Einwanderer überwiegen.
https://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte ... itzel.html

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Nahariya liegt direkt an der Grenze zum Libanon, aber hier fühlt man sich wirklich nicht im Orient. Die Stadt hat einiges zu bieten, so nördlich der Stadt die Kreidefelsen von Rosh HaNigra. Man kann vom Bahnhof mit dem Bus dort hinfahren. Nördlich davon ist gleich der Libanon.

Es gibt das „Museum der deutschsprachigen Juden“, auch Jeckes-Museum genannt, und das „Ghetto Fighters Museum“. Beide werden wir uns beim nächsten Besuch ansehen. Der Ausdruck „Jeckes“ ist auf die Jacken bzw. Jacketts zurückzuführen, die die deutschen Einwanderer auch bei starker Hitze trugen. Immer korrekt gekleidet, keine Nachlässigkeiten!
Traumhaft schön und im April wenig besucht ist die lange Küste. Dort sahen wir auch eine große Schildkröte, die angespült am Strand lag. Sie war leider tot.

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Auch in Nahariya sahen wir viele gut gelaunte Hunde, die alleine oder mit ihren freundlichen Besitzern Stadt und Strand erkundeten. Hier wohnen viele Rentner, was ich – neidisch – ihnen nicht verdenken kann.
Hin und zurück sind wir mit der Bahn gefahren, eine Strecke Tel Aviv Nahariya dauert ungefähr eineinhalb Stunden. Bahn fahren ist wie alle öffentlichen Verkehrsmittel billig und bequem. Der Zug fährt die ganze Zeit am Meer entlang. Im Zug hatte ich meine Füße (mit einer Zeitung als Unterlage!) auf den gegenüberliegenden Sitz gelegt. Freundlich wurde ich vom jungen Zugbegleiter aufgefordert, die Füße vom Sitz zu nehmen. Ich begriff es erst, als eine wiederum sehr nette junge Zugbegleiterin mich erneut aufforderte, die Füße herunterzunehmen. Füße gehören in Israel nicht auf den Sitz, auch wenn man eine Zeitung darunter legt. Das ist mal konsequent und leuchtet mir auch ein. Es ist ästhetischer, wenn die Füße unten bleiben. Damit hatte ich nicht gerechnet, mit einem so vorbildhaften Standard im öffentlichen Raum. Kein Müll auf den Straßen, keine Anzeichen von Verwahrlosung, keine Schmierereien an den Wänden – und keine Füße auf den Sitzen. Stattdessen überall hübsche Kleinigkeiten. Fast jeder Baum ist mit Blumen umpflanzt. In Eilat sahen wir, wie junge Künstler Muster ins Straßenpflaster und hinein in die Beete und Baumrinden malten. (Siehe Eilat)
Werden die jugendlichen Berlin-Besucher aus Israel etwas von dieser Achtung des öffentlichen Eigentums und der Mitmenschen nach Deutschland tragen? Oder werden die Einflüsse in umgekehrter Richtung verlaufen? Berlin soll ja von jungen Israelis für „hip“ gehalten werden.

Es bringt einfach mehr Spaß, auf weniger Dreck zu gucken. Wo kommt ein solches zivilisiertes Benehmen bloß her? Befinden sich die Israelis noch in den fünfziger, dreißiger Jahren? Einmal haben wir einen jungen Mann im Bus gesehen, der seine Füße auf den gegenüberliegenden Sitzen ablegte. Ich flüsterte meinem Begleiter zu, der käme bestimmt aus Berlin. Es schien uns, als spitzte er die Ohren. Als mehr Leute einstiegen, nahm er seine Füße herunter
UliS
 
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Re: Israel - Nahariya 2018

Beitragvon Eva » Mo 3. Sep 2018, 12:51

Sehr interessant [prima] ! Danke, Uli!
Eva
 
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