Tel Aviv - Das Ideal

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Tel Aviv - Das Ideal

Beitragvon Anneliese » Mo 14. Mai 2018, 12:56

Ja, das möchste:
Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn –
aber abends zum Kino hast dus nicht weit.

Tucholsky - Gedichte: Das Ideal - textlog

http://www.textlog.de › Kurt Tucholsky › Gedichte und Lieder › 1927

Unweigerlich kommt einem das Gedicht von Kurt Tucholsky in den Sinn, wenn man am nördlichen Teil der Strandpromenade von Tel Aviv spazieren geht. Ein Schlenker nur, und schon landet man auf der Ben-Yehuda-Straße, dann auf der Dizengoffstraße. Die kommt der Friedrichstraße sehr nahe. Nur fahren die Autos hier auffällig rücksichtsvoll, jederzeit müssen sie mit Fahrrädern rechnen, die hinten, vorne und an den Seiten Kinder transportieren. Überhaupt die Kinder: Im Vergleich zu Israel fällt schon im Straßenbild auf, wie alt die deutsche Gesellschaft im Vergleich zu Israel ist. Erwachsene junge Leute, oft Hipster- oder Start-up-Typen, sieht man auf kleinen elektrischen Rollern, die aussehen wie früher unsere Ballonroller, nur mit dünneren Reifen. Sie fahren selbstbewusst auf den Spuren, die für Autofahrer vorgesehen sind, und zwar nicht bescheiden an der Seite, sondern mitten auf der Fahrbahn. Sehr schnell und frech, es sieht riskant aus.

Die Schöpfer der Stadt haben breite Boulevards für die Fuhrwerke bzw. Autos angelegt und geräumige Bürgersteige erschaffen. In der Mitte der Seitenstraßen befindet sich häufig noch ein breiter Grünstreifen, Bäume beschatten die Flaneure, Blumenbeete allüberall, tropfbewässert, ordentliche Fahrradwege sind da, von den Fußgängerarealen separiert. Zum Behagen der kleinen und großen Familien gibt es Picknicktische in der Mitte oder auch Arbeitsplätze für Literaten. Man spürt nicht, dass gleich nebenan die Hauptadern des Stadtkerns aus der Gründerzeit Tel Avivs verlaufen, wie die Dizengoff-, Ben-Yehuda- und die Allenbystraße. Von diesen gehen einige sehr schöne Boulevards ab, wie der Ben-Gurion-Boulevard. Da kommt wieder ein Café-Latte-Stand oder ein Obst-Fruchtsaft-Kiosk. Man trifft sich. Ich habe so einen schönen Boulevard neben dem Kudamm nie gesehen. Oder doch - hier und da zwischen Ku’damm und Kantstrasse? Was mir im Gegensatz zu Berlin und Hamburg auffällt: An allen Straßen, die wir abgelaufen sind, befinden sich in geringen Abständen Sitzbänke zum Verweilen für jedermann. In unseren Städten gibt es Sitzgelegenheiten außer in Parks meist nur dort, wo man etwas konsumieren muss. Was mir am Verhalten der Passanten aufgefallen ist: Die Menschen sind dezent, man hat nicht das Gefühl, neugierig taxiert zu werden. Kommt es aber zu Kontakten oder man macht einen ratlosen Eindruck , trifft man auf große Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Bevor ich mich der unbezweifelbaren Hauptattraktion Tel Avivs zuwende, dem Strand, zeige ich ein paar Eindrücke aus dem Stadtbild. Hektisch kann man dazu nicht sagen, denn obwohl die Stadt von Start-Up-Unternehmen überquillt, geht das Leben auf den Straßen eher beschaulich zu. Seht selbst.


Kinder, Mütter, Väter, Fahrräder


Geht doch,vier Kinder!
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Fahrradrikscha für 3 Kinder

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Kindersitze allüberall.
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Spielplatz Independence Parc, und die Stifter
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Gegenüber machen sich die Erwachsenen fit.
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Yoga
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Boxen
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Leben und Treiben

Man sieht, Tel Aviv ist eine junge Stadt, mit jungen Eltern und vielen kleinen Kindern. Man sieht sie überall im Straßenbild. Als wir am Ende unserer Reise die zehn Minuten vom Bahnhof Altona nach Hause gingen, fragte mich der reflektierende Reisebegleiter: "Hast du hier schon mal ein Kind gesehen?" Nein, sahen wir nicht. Doch, am nächsten Tag sahen wir welche. Hier und da. Hunde sahen wir schon, aber das Verhältnis kann ich nur schätzen. Und nicht alle Hundebesitzer sahen vertrauenswürdig aus.


Kneipen, Cafés, hier in Jaffa, dem südlichen Teil von Tel Aviv. Bis 1950 war Jaffa selbständig

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Café Dizengoff
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Sarona, Babybus
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bayerische Brasserie
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Gertraud und kommunale Mietfahrräder
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Waschmaschinen
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Tropfenbewässerung
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Boulevards
Man beachte die breiten Bürgersteige und den Geschäftshund, der auf andere Hunde wartet. Bald kommt einer vorbei.
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Mode, wahrscheinlich made in Israel
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Elektro-Roller
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Für die Jungliteraten Arbeitsplätze auf dem Mittelteil des Boulevards, rechts und links davon dann die Autostraßen
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hübsche Dekoration für Rattenfreunde
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Sieht man Gottseidank nur selten.
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Auf dem Busbahnhof von Eilat, Rotes Meer, eisessende Soldatin
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Der Fluss Yarkom
Der Fluss Yarkom mündet im Norden Tel Avivs ins Mittelmeer. Er ist links und rechts schön begrünt, wie überall in Tel Aviv mit Picknickplätzen, Bänken, Spielplätzen, Palmen-Alleen begleitet. Nicht weit davon ein Areal mit Museen, Eretz Israel Museum, Palmach Museum und noch einige mehr. Die Bauten sind ambitioniert, und vom Eretz Israel Museum wiederum hat man den Blick auf die futuristische Skyline.
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Der Carmel-Markt liegt im jemenitischen Teil Tel-Avivs und ist nicht ganz so adrett wie der Mahane Yehuda Markt in Jerusalem

vor dem Carmel-Markt
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Gewürze
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Markt
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Sarona Templer Siedlung

Nirgendwo gibt es ein Schild "Rasen betreten verboten". Die Siedlung der Templer ist mustergültig restauriert und ein beliebter Ausflugsort. Jetzt sind dort schicke Biergärten und Cafés, Spielplätze, Teiche, Mc Donald, Liegestühle zur freien Benutzung usw.

Die Templer sind Ende des 19. Jahrhunderts eingewandert. Die genauere Geschichte könnt ihr hier nachlesen, und natürlich bei Wikipédia

Israels Templer-Kolonien: Ein deutsches Dorf in Tel Aviv - Gesellschaft http://www.faz.net/.../israels-templer- ... 337614.htm...
23.12.2014 - Wiederhergestellt: Häuser der „Templer“ von Sarona in Tel Aviv ... In Tel Aviv gründeten sie weitere Kolonien, die Namen wie „Walhalla und ...

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der schönst gelegene McDo weit und breit
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Sarona-Markthalle
national unterschiedliche Lautmalereien: statt kikerikie kukuriku

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Sarona: Noch eine Hundegeschichte
Die Familie naht, um sich die schönen Seerosen anzugucken. Ihr Hund regt sich sehr auf. Denn er sieht etwas im Wasser, schnell und bunt und unerreichbar. Soll er sich nassmachen? Darüber vergeht die nächste halbe Stunde. Er rennt auf der Balustrade rum, kläfft die Fische an. Weiß, er muss reinspringen, wenn er sie kriegen will. Nimmt Anlauf, jetzt aber. War nichts. Lieber ankläffen, vielleicht springt er von dahinten? Das ist doch die Höhe, ein Fisch schnappt nach Luft. Nichts wie hin. Da ist er schon wieder weg.
Schließlich lockt ihn seine Familie mit dem Ball. Juppheidi, den kann er fangen. Und zwar ohne sich nasszumachen!

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Neben dem Pflaster liegt der Strand
Wer ist in hohem Alter noch fit und macht Kopfstand?

Das Vorbild Ben Gurion natürlich!

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überall Schatten spendende Dächer

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Rasen über der Hilton-Beach. Man kann überall hin, es gibt keine Verbote, alles ist freigegeben. Kurtaxe muss man natürlich auch nicht bezahlen.

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Im Hintergrund das Hilton-Hotel. Wir wohnten wir über die Straße, ganz nahebei und viel billiger als das Hilton. Es ist ein idealer Standort. Der nächste Bahnhof ist nicht so weit und mit dem Bus gut erreichbar. Vom Busbahnhof aus fuhr uns der 4er Bus fast bis vor die Haustür. Und natürlich kann man auch die schönen Boulevards und Alleen bis zum Kunstmuseum zu Fuß spazieren.

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Am anderen Ende der Hilton-Beach liegt Jaffa, auf keinen Fall mehr als 5 Kilometer entfernt, wahrscheinlich weniger. An einigen Stellen ist Baden wegen der starken Strömung verboten.

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von Jaffa aus gesehen

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arabische Israelis und ihre Bekleidungsvorschriften.

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Picknick neben der Promenade
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Die Gruppen nahe Jaffa mischen sich.
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Ultraorthodoxe Frauen bedecken auch gerne ihr Haupt. Das variiert stark, von der Perücke über einen Turban bis zu einem Haarband. Die Röcke bedecken das Knie, die Beine sind von blickdichten Strümpfen geschützt.
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Das ultraorthodoxe Paar schaut aufs Meer
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Ultraorthodoxe Mädchen ziehen sich ihre Badeanzüge aus.
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Die Mutter holt den Rest der Kinder für das Gruppenfoto.
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Hier kommen die starken Männer
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oberhalb des Strandes
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praktische Elektroautos

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Roter David
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Der Strand wird bewacht. Niemand zweifelt die Notwendigkeit an.
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Das Leben am Strand und in der Stadt ist heiter, es gibt viele Musikanten. Sicherlich gibt es einige Schattenseiten, Leute, denen es weniger gut geht. Ein paar Bettler habe ich auch gesehen, allerdings viel seltener als in Hamburg oder Berlin.

Die Wirtschaft entwickelt sich gut, wie allseits bekannt, dennoch gibt es Probleme. Die Unterschiede zwischen dem boomenden High-Tech-Sektor und traditionellen Bereichen sind groß, der Sozialstaat ist weniger ausgebaut als bei uns. Im Straßenbild von Tel Aviv teilt sich das nicht mit, man hat den Eindruck von Lebensfreude und Lebensmut. Ein Indiz ist für mich die hohe Kinderzahl auch bei modernen, weltlichen jungen Leuten (bei den Ultraorthodoxen sowieso).

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Anneliese
 
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Re: Tel Aviv - Das Ideal

Beitragvon UliS » Mo 14. Mai 2018, 18:30

Beneidenswert die breiten Boulevards von Tel Aviv mit vielen Sitzbänken zum Ausruhen ... das fehlt hier wirklich ... sowie der lockere Umgang miteinander ... aber junge Menschen mit mindestens 2 Kindern sehe ich bei uns überall, zwar werden sie hier nicht so leger tranportiert, aber die neue Generation wächst und gedeiht ... und auch ein drittes Kind ist nicht ungewöhnlich,
das alles läßt hoffen ...
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