Tel Aviv - Die lustigen Hunde von Tel Aviv

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Tel Aviv - Die lustigen Hunde von Tel Aviv

Beitragvon Anneliese » Sa 12. Mai 2018, 13:50

Wer nun meint, das Hundeleben in der Großstadt Tel Aviv sei so traurig wie in Berlin oder Hamburg, der irrt gewaltig. Erstens sieht man weniger Psychopathen, denen es Spaß bringt, ihre Hunde zu drangsalieren. Das habe ich in Israel überhaupt nicht erlebt, in Hamburg dagegen relativ oft. Zweitens sind die Israelis ungemein tierlieb. Sie haben häufig zwei, meist drei Kinder und dazu noch einen Hund. Oder sie erfreuen sich am Anblick interessanter Hunde.

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Guck mal, ist das nicht ein Bär?
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Auch hübsch. Sieht man nicht so häufig.
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Hier wirbt man für das freundschaftliche Verhältnis zwischen Mensch und Hund. Auf der benachbarten Wiese bot man Hunde für ein gutes Zuhause an. Ich habe nur vertrauenswürdige meist junge Frauen gesehen, die sich begeisterten und einen Hund mitnahmen. Sie werden es ganz sicher gut haben.

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Trinknäpfe gibt es vor den meisten Geschäften und Kneipen. Meist sitzt auch noch der diensttuende Geschäftshund im Eingang. Und guckt ach kontaktfreudigen Menschen und Hunden. Man ist gewohnt, den Tag auf diese angenehme Weise zu verbringen. Bei Winterregen sitzt man drinnen neben der Heizung
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Man genießt gemeinsam das Rentnerleben (in Nahariya), auch wenn es manchmal ein wenig langweilig ist.
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Dieser schöne Schäferhund lebt auch in Nahariya und war ganz sicher nicht verwahrlost. Er durfte alleine Spazieren gehen, kriegte wohl manchmal einen Happen. Er ließ sich nicht anfassen, obwohl der Imbiss-Besitzer es mit kleinen Happen versuchte. Der Hund kannte die Menschen in seinem Kiez.

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Auch dieser Hund hat es gut: Seine Bezugsperson ist jung, schön, weiblich und auch noch sportlich.
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Beruf: Hundeausführer
Bisher kannte ich solche Bilder nur aus New York. Mitleid braucht man weder mit dem Ausführer noch mit den Hunden zu haben. Denn mindestens geht es auf den Hundespielplatz. Wenn die Hunde großes Glück haben, auch an den Strand

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Hundespielplatz

Hier bei mir in Altona kenne ich zwei Hundespielplätze: Der eine ist so groß wie ein Handtuch, der andere wie ein Badetuch. Es gibt nichts außer Staub und, wenn der Hund Glück hat, einen oder zwei Kumpane.

In Tel Aviv gibt es ganz viele Kinderspielplätze, großzügig ausgestattet, beschattet, und fast so viele Hundespielplätze. Auf den Kinderspielplätzen gibt es schöne Ecken zum Plaudern für die Eltern. Und oft gleich gegenüber einen Fitness-Platz, auch mit tollen Geräten ausgestattet, sogar etwas zum Boxtraining habe ich gesehen. Die Hundespielplätze sind nicht weniger attraktiv als die Kinderspielplätze. Kommunikativ auch für die Hundefreunde, schließlich wollen sie sich miteinander über ihre Schützlinge austauschen und über das, was sonst in der Welt so anliegt. Immer gibt es Bäume, immer Picknickplätze in der Nähe, immer Geräte für die Hunde zum Drüberspringen und Untendurchlaufen. Und die meisten sind so geräumig angelegt, dass ich mich frage, wie eine expandierende Stadt, die in die Höhe bauen muss, um die vielen Menschen unterbringen zu können, sich diesen Luxus erlauben kann. Wahrscheinlich liegt die Antwort darin, dass bei der Gründung 1909 die Stadt von weitsichtigen Stadtplanern so großzügig angelegt wurde, mit breiten Boulevards und Grünstreifen und Parks. An Hundespielplätze hat man damals vermutlich noch nicht gedacht. Dass viel Grün und Platz den Menschen gut tut, wusste man aber damals ganz gewiss. Und davon kann nun die Großstadt profitieren. Es gibt Autoverkehr, aber im Kernbereich weniger als in Berlin und Hamburg. Es gibt viele Fahrräder und Roller, und auf vielen Fahrrädern sitzen zusätzlich ein, zwei oder drei Kinder. Sie fahren sowohl auf dem Bürgersteig als auch auf der Straße. Insgesamt sind es aber noch deutlich weniger als hierzulande, dafür sind viele mit Elektroantrieb (auch die Roller!) und sehr schnell. Sie scheinen die Rolle von Moped, Mofa und Vespa einzunehmen. Oft lästig, aber wenigstens leise. Die Autofahrer haben wir als rücksichtsvoll erlebt, alles macht einen gemächlichen und heiteren Eindruck, auch der Verkehr. Sehr angenehm. Da sitzt man gerne im Café an der Dizengoffstraße (der örtliche Kudamm) oder auf dem Ben-Gurion-Boulevard. Und krault den Nachbarhund.

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Das Beste kommt zum Schluss! Der Strand!

Gewiss keine Schwarzweißmalerei.

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Hinter dem Bretterzaun beginnt der Badezaun für die Ultraorthodoxen: Einen Tag die Frauen, einen Tag die Männer

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Hier noch die Geschichte von Emely und Fred. Vielleicht sind es die glücklichsten Hunde von Tel Aviv.

Die Besitzerin kommt aus den USA und lehrt Englisch an einer Kunstschule in Tel Aviv. Fred sprang zu mir auf die Bank, weil er sehr neugierig auf Menschen ist. Man kann gar nicht glauben, dass sie ihn halb verhungert auf der Straße gefunden hat. Und natürlich mitgenommen hat. Er passte gut zu Emely, die etwas größere Hündin, die sie aus dem Tierheim hat. Sie fände, dass Emely große Ähnlichkeit mit Kleopatra habe. Und tatsächlich, je länger ich Emely betrachtete, umso mehr drängten sich mir die Ähnlichkeiten auf: Der Kajalstrich um die Augen, der sinnliche Blick, der schön geschwungene Mund. Die hübschen Knickohren, die hatte Emely Kleopatra allerdings voraus. Nehme ich mal an.

Die Lehrerin war angetan von meiner Begeisterung für die schöne Stadt und die Hundespielplätze. Vor Jaffa und genau an der Stelle, an der wir uns befanden, waren Hunde am Strand erlaubt. Aber früher, da sei alles noch schöner gewesen. Die Hunde konnten überall frei laufen, jetzt müssten sie im Stadtgebiet angeleint werden. Man hätte sie überall frei laufen lassen können. Ja, aber jetzt gäbe es mehr Tierheime und Menschen, die sich um herrenlose Hunde kümmern würden.

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Die Hunde trinken das Wasser aus dem Schraubverschluss. Oder aus dem Brunnnen, wenn einer da ist. (Zu Emelys Frauchen später mehr.)
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Memorial day

Die Lehrerin erzählte, dass das Denkmal vor uns einen Vogel mit gebrochenem Flügel darstelle.

Es sei ein Denkmal für zwei junge israelische Piloten, 24 und 19 Jahre alt, die 1948 über dem Meer von der ägyptischen Luftwaffe abgeschossen worden seien. Das geschah nach der Staatsgründung Israels 1948, als alle arabischen Nachbarn den Uno-Beschluss nicht akzeptierten, der zwei Staaten im ehemaligen britischen Mandatsgebiet Palästina ermöglichen sollte, einen jüdischen und einen arabischen. Unmittelbar danach griffen die umliegenden arabischen Staaten und ein Teil der arabischen Bewohner des bisherigen Mandatsgebiets Palästinas den jungen jüdischen Staat an: Syrien, Ägypten, Libanon, Jordanien, Irak (laut Wikipedia auch Saudiarabien). Für die Araber war es klar, dass man Israel innerhalb kürzester Zeit besiegt haben würde. Der jüdische Staat wusste sich aber erfolgreich zu wehren, unter großen Verlusten an Menschenleben. Die Araber empfanden die Niederlage gegenüber dem weit schlechter ausgerüsteten und zahlenmäßig unterlegenen Gegner als große Kränkung. Ein Teil der arabischen Bewohner Israels musste für die Aggression der arabischen Nachbarstaaten mit dem Verlust ihrer Heimat büßen. Was im Falle des Sieges der Araber mit den israelischen Juden geschehen wäre, möchte man sich lieber nicht vorstellen.

Unsere Nachbarin, die Lehrerin auf der Bank unter der Pergola vor dem Denkmal, erzählte uns, dass bis vor kurzem jedes Jahr am Unabhängigkeitstag die Ehefrau eines der Piloten hier erschienen wäre und seiner gedacht hätte. Sie sei nun schon über 90 Jahre alt und wohne in den USA. Die Tochter des Piloten habe ihren Vater nie kennengelernt und erscheine ebenfalls an jedem Jahrestag. Wenn ich es richtig verstanden habe, wohnt sie in Tel Aviv. Wie verabredet tauchte die Tochter auf, und es kamen noch andere Damen hinzu. Der Kranz am Gedenkstein ist selbstgemacht. Das wirkt viel eindrucksvoller und anrührender als ein fertig gekaufter.

Diesen Text fand ich online:

A promenade leads right as far as a very tall, very stark and very simple monument resembles a bird with a broken wing. The monument honors the memory of Independence War pilots David Sprinzak and Mati Sukenik.

Sukenik (Shmuel Bar-Am)

On June 4, 1948, after Egyptian warships bombarded Tel Aviv from the sea, Sprinzak and Sukenik volunteered to hit them from the air. Together with the pilots of two other planes, they attacked the ships. The Egyptians turned and headed back to Egypt, but not before shooting down the small Fairchild aircraft piloted by Sprinzak and Sukenik. The two young men — newly married Sprinzak, 24 years old and with a baby on the way, and 19-year-old Sukenik — were killed


In Israel vergisst man die Toten nicht. Es war der 18. April 2018, der Gedenktag für die gefallenen Soldaten. Um 11 Uhr vormittags wurden wir im Straßencafé überrascht, als eine Sirene für 2 Minuten anfing, ihr trauriges Geheule anzustimmen. Wie alle anderen stand ich auf. Jürgen war im Café gerade dabei zu bezahlen. Auch dieser Vorgang wurde unterbrochen. Vor mir hielt ein Taxi, und eine betagte Dame bewegte sich heraus, ebenso der Fahrer. Man stand neben dem Auto, alle Fahrräder, Fußgänger verharrten. Soweit es ihnen möglich war, auch die Kinder und Hunde. Das war schon ergreifend. Am Abend vorher waren wir auf dem Platz vor dem Rathaus, der sich früh füllte. Auf Videoleinwänden wurde die zentrale Veranstaltung aus Jerusalem übertragen. Neben den eher kurzen Reden wurde das Totengebet, der Kaddisch, von einem Militärrabbiner in einem eindringlichen Sprechgesang vorgetragen. Die meiste Zeit nahmen aber die Darstellungen der Geschichten der gefallenen Soldaten auf den Projektionsflächen ein. Die Eltern, Freunde und Geschwister erzählten, ihre kurze Lebensgeschichte wurde mit Bildern und Videos unterlegt. Sie und die Angehörigen wurden als Opfer dargestellt, es war keine Heldenpropaganda. Man fühlte sich mit ihnen verbunden, jeder weiß um die anhaltende Bedrohung des jüdischen Staates und seiner Bewohner. Mit großem Ernst und absoluter Disziplin folgte man der Feier. Es war mittlerweile gerammelt voll. Beim Kaddisch und bei der Nationalhymne („HaTikwa - Die Hoffnung“) erhob sich der ganze Platz. Dann folgte noch ein live-Konzert. Ohne den sehr realen ernsthaften Anlass würde die Jugend um uns herum sicher lieber etwas Heiteres wie z.B den gay parade day am 8. Juni feiern.

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Memorial Day 17.4.2018, Tel Aviv , am Abend vor dem 18. April

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Anneliese
 
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Re: Tel Aviv - Die lustigen Hunde

Beitragvon Anita » So 13. Mai 2018, 15:06

Vielen Dank für Deine interessanten Eindrücke [tschuess]
Anita
 
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Re: Tel Aviv - Die lustigen Hunde

Beitragvon Eva » So 13. Mai 2018, 18:42

Sehr interessant!
Eva
 
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