Schwimmen mit Pinguinen

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Schwimmen mit Pinguinen

Beitragvon SylviaMicky » Mo 18. Aug 2014, 08:07

Wo Badegäste Auge in Auge mit Pinguinen schwimmen können

Laura Schäfer hat einen der ungewöhnlichsten Arbeitsplätze Brandenburgs. Die 26-Jährige betreut 25 Pinguine in den Spreewelten Lübbenau. In dem Spaßbad kommen Gäste und Tiere fast auf Tuchfühlung.


Von Jens Rümmler

Becken an Becken: In den Spreewelten Lübbenau können Badegäste mit echten Pinguinen planschen – nur getrennt durch eine Glasscheibe
Pinguin Balduin döst in der Sonne. Artgenossin Luise zwickt gerade fröhlich ihre Nachbarin. Doch die meisten schwarz-weißen Tiere tummeln sich im Wasser. "Bei plus 30 Grad fühlen sich auch Pinguine im kühlen Nass am wohlsten", sagt Tierpflegerin Laura Schäfer. Auf ihren speziellen Pfeifton hin eilen die flugunfähigen Seevögel herbei. Was folgt, ist eine leckere Nachmittagsmahlzeit: Heringe und Sprotten.

Die Szenerie spielt allerdings nicht im Zoo, sondern an den Pools einer Bade- und Sauna-Landschaft. In den Spreewelten Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) können Badegäste mit echten Pinguinen planschen – eine europaweit einmalige Attraktion. "Getrennt sind Tier und Mensch nur durch eine Glaswand", erklärt Laura Schäfer, die im Spaßbad einen der wohl außergewöhnlichsten Arbeitsplätze Brandenburgs hat. Die 26-Jährige betreut mit einer Kollegin 25 Humboldt-Pinguine, darunter neun erst vor zehn Wochen geschlüpfte Jungtiere. Jahrelang hatte es mit dem Nachwuchs partout nicht geklappt. "Doch 2013 schlüpften bei uns erstmals acht Junge", sagt Schäfer.

Dann startet sie mit Balduin & Co zum kurzen Spaziergang. Vom Pinguin-Pool aus geht es über Mini-Holzstege Richtung Badewiese. Laura Schäfer vorneweg, die Seevögel fast im Gleichschritt hinterher. Ein paar Spreewelten-Besucher stehen Spalier. Die Lübbenauer Pinguine sind nicht nur zutraulich, sondern auch neugierig. Mancher Badegast, der den lustigen Gesellen zu nahe kam, wurde von diesen kurz gezwickt. "Anfangs kam es schon mal vor, dass unsere Frechdachse drüben im Schwimmbecken bei den Gästen landeten", erinnert sich Schäfer, seit 2009 in den Spreewelten beschäftigt.

Tiere aus Chile und Peru

Doch so richtig wohl fühlten sich die Humboldt-Pinguine in den Süßwasserpools offenbar nicht. "Unser Pingu-Becken hat ja Salzwasser. Das wirkt erstens antibakteriell und friert im Winter nie zu", erklärt Laura Schäfer. Dies sei sehr bedeutend, denn zumindest Humboldt-Pinguine stehen ganz und gar nicht auf Frost und Eis. "Im Winter beeilen sie sich, durch den Schnee tapsend schnell ins Wasser zu gelangen", sagt Laura Schäfer. "Unsere Pinguine lieben Sommer." Ursprünglich würden die Tiere von den Küsten Chiles und Perus stammen. Mit 40 Grad im Sommer und acht Grad im Winter könnten die Seevögel sehr gut leben.

Die Lausitzerin erklärt das Pinguin-Leben so eindrucksvoll, dass Lehrer mittlerweile komplette Bio-Unterrichtsstunden in die Spreewelten verlegen. Von Laura Schäfer erfahren Schüler beispielsweise, dass das Punktemuster der Pinguin-Bäuche ein Unterscheidungsmerkmal ist. Wie beim Mensch variiere auch die Augenfarbe. Geburtstagskinder dürfen die Tiere sogar füttern. "Am liebsten mag die Rasselbande Sprotten. Aber wie bei uns menschlichen Zweibeinern kann es natürlich nicht jeden Tag Schokolade geben", erklärt die Tierpflegerin, die ihre Ausbildung in Berlin absolvierte.

Neben Hering mögen ihre Lieblinge aber auch Lodde, auch als Kapelan-Fisch bekannt. In der Kühlzelle nebenan lagern bis zu zwei Tonnen Fisch. Bei der öffentlichen Fütterung gibt es meist einen kleinen Vitaminstoß extra. Dazu schiebt Laura Schäfer den aufgetauten Fischen eine Tablette hinter die Kiemen. Von Veterinären genau überwacht, gibt es in regelmäßigen Abständen auch Pillen gegen Vogelmalaria. Einmal wurde ein Tier so krank, dass es Laura Schäfer in Abstimmung mit Veterinären zu Hause wieder aufpäppelte. "Pinguin Lausi lebte zwei Wochen auf meinem Balkon in Cottbus. Es gab pürierten Fisch mit Lebertran", sagt Schäfer. Heute geht es Lausi wieder prächtig.

Sendung im "Pinguin-Kanal"

Dass Laura Schäfer mit Tieren auch privat gut kann, wundert keinen, der sie einmal live erlebte. So moderiert sie sogar einen eigenen "Pinguin-Kanal". "Die Doku kann über Youtube, Facebook oder über unsere Spreewelten-Homepage abgerufen werden", erklärt Steven Schwerdtner, der Marketingchef der Spreewelten.

Am späten Nachmittag wirkt Laura Schäfer noch immer taufrisch. Dabei ist sie seit sechs Uhr auf den Beinen. "Wenn ich früh um halb acht zu den Pinguinen komme, dösen die meist noch in der aus 320 Tonnen Lausitzer Granit gebauten Höhlenlandschaft", erklärt Schäfer. Mit dem ersten Snack in Form von Fisch komme dann oft schon "Leben in die Bude". "Na, und wenn die ersten Gäste kommen, dann werden unsere Pingus ohnehin neugierig", lacht Laura Schäfer.
Privat stehe sie allerdings nicht unbedingt auf Sauna- und Badelandschaften, wie sie auf Nachfrage sagt: "Ich selbst war noch nie in unseren Gäste-Schwimmbecken."

http://www.morgenpost.de/brandenburg-ak ... ennen.html
Berliner Morgenpost 18.08.14
SylviaMicky
 
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