Wespen können mörderisch sein

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Wespen können mörderisch sein

Beitragvon AnkeB » Di 5. Aug 2014, 15:24

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Allergischer Schock nach Wespenstich
Wespen können mörderisch sein

Von Anke Brodmerkel

Der Stich, oder besser: Biss, einer Wespe kann einen allergischen Schock hervorrufen. Foto: Getty images/Istockphoto

Wer nach einem Stich einen allergischen Schock erleidet, braucht fachkundige Hilfe. Die bekommt er aber viel zu selten.

Das Unglück lauert irgendwo in der Natur – beim Gang über die Wiese, am Mittags- oder Kaffeetisch im Garten. Gerade jetzt, im August, ist Hochsaison für Wespen. Je wärmer es ist, desto mehr Tiere entwickeln sich. Bis Mitte August ernähren sie sich hauptsächlich von Eiweiß, zum Beispiel Fleisch, um ihre Larven zu versorgen. Danach brauchen sie Zucker, um zu überleben. Hartnäckig umkreisen sie das Grillfleisch, Omas Kuchen und die Limo des Kindes und machen den friedlichen Sommertag für Camper oder Gartenbesitzer zur Verteidigungsschlacht.

Wohl die meisten Leute wurden schon mal von einer Wespe gestochen. Sie wissen, wie schmerzhaft das sein kann. Für manche Menschen allerdings bedeutet ein Bienen- oder Wespenstich sogar eine lebensbedrohliche Gefahr. Wer auf das Gift dieser Tiere allergisch reagiert, dem droht im schlimmsten Fall ein anaphylaktischer Schock. Und der kann tödlich enden.

Ein Team um Margitta Worm von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Berliner Charité am Campus Mitte hat jetzt untersucht, welche Substanzen die Hauptauslöser dieser drastischen Abwehrmaßnahme des Immunsystems sind. Mehr als die Hälfte aller Fälle in Deutschland, Österreich und der Schweiz sei durch Insektengifte bedingt, schreiben sie und ihre Kollegen im Deutschen Ärzteblatt. Und, so kritisieren die Mediziner, nicht immer werde der anaphylaktische Schock optimal behandelt.

Quaddeln und Atemnot

Manchmal dauert es nur Sekunden, mitunter vergehen mehrere Minuten, bis es zu der lebensgefährlichen Fehleinschätzung des Immunsystems kommt (siehe Kasten). Ein anaphylaktischer Schock kann sich durch ganz verschiedene Symptome ankündigen. Die Haut rötet sich und juckt, vielfach bilden sich am ganzen Körper Quaddeln. Es kann zu Schluckbeschwerden und Atemnot kommen, zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Auch Unruhe, Angst und ein verlangsamter oder beschleunigter Puls sind typische Vorboten. Im schlimmsten Fall drohen bei einem anaphylaktischen Schock Bewusstlosigkeit und Atemstillstand. Wenn dann nicht rasch reagiert wird, hat der Betroffene kaum eine Chance zu überleben.

Zwar ist ein anaphylaktischer Schock ein recht seltener Vorfall. Im Berliner Raum erleben ihn pro Jahr etwa 2 bis 3 von 100.000 Menschen. „Wichtig ist, dass der Patient sich bei den ersten Anzeichen von Kreislaufproblemen sofort hinlegt, die Beine hochlagert und, sofern er dazu noch in der Lage ist, den Notarzt verständigt“, sagt Worm. Anderenfalls müssten die Umstehenden dafür Sorge tragen, dass schnelle Hilfe herbeigeholt werde.

Drama nach dem Stich

Ein anaphylaktischer Schock ist die schwerste aller allergischen Reaktionen. Er kann sich auf den gesamten menschlichen Organismus auswirken.

Um den Hauptauslösern des anaphylaktischen Schocks auf die Spur zu kommen, haben Worm und ihre Kollegen Daten des im Jahr 2006 gestarteten Anaphylaxie-Registers ausgewertet. Bis 2013 wurden in dem Register 4141 Patienten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erfasst.

Es zeigte sich, dass gut 50 Prozent der Fälle, nämlich 2074, durch Insektengifte verursacht wurden. 1460 Mal war ein Wespenstich, 412 Mal ein Bienenstich schuld an der überschießenden Immunreaktion. Seltener waren Hornissen- und andere Insektenstiche der Grund. In 25 Prozent der Fälle hatten Nahrungsmittel, allen voran Hülsenfrüchte und tierische Proteine, den allergischen Schock ausgelöst. Gut 15 Prozent gingen auf das Konto von Medikamenten, vor allem Schmerzmitteln. Auf Nahrungsmittel reagieren junge und ältere Menschen offenbar recht unterschiedlich. „Während Kinder insbesondere durch Erdnüsse, Kuhmilch und Hühnereier einen anaphylaktischen Schock erlitten, überwogen bei Erwachsenen Fälle durch Weizen und Schalentiere, etwa Krabben und Krebse“, berichtet Worm.

Um zu prüfen, inwieweit die herbeigerufenen Notärzte richtig reagierten, analysierten die Forscher weitere Daten des Anaphylaxie-Registers sowie die Angaben von 1123 protokollierten Einsätzen der ADAC-Luftrettung aus den Jahren 2010 und 2011. „Dabei mussten wir feststellen, dass die Gabe von Adrenalin insgesamt zu selten erfolgt“, sagt Worm. Adrenalin dient dazu, den Kreislauf des Patienten zu stabilisieren und ihm die Atmung zu erleichtern.

Allergologen teilen die Symptome des anaphylaktischen Schocks in vier Schweregrade ein. Gemäß den aktuellen Behandlungsempfehlungen sollen Ärzte bereits vom Schweregrad 2 an ihren Patienten das Notfallmedikament Adrenalin per Spritze verabreichen. Die jetzt ausgewerteten Daten zeigen jedoch, dass die Notärzte diesen Vorgaben nicht immer folgen. Selbst beim Schweregrad 3 erhielten nur 14,5 Prozent der Patienten des Anaphylaxie-Registers und 19 Prozent der Patienten, die von der Luftrettung versorgt wurden, die rasche Linderung versprechende Adrenalin-Injektion. Für Patienten mit Schweregrad 4 war die Situation kaum besser. Auch von ihnen erhielten nur knapp 44 beziehungsweise 78 Prozent die helfende Spritze.

Darüber, warum die Notärzte oft so zögerlich reagieren, lässt sich bislang nur spekulieren. „Wenn Adrenalin intravenös gegeben wird, können insbesondere bei Menschen mit Herzerkrankungen Rhythmusstörungen auftreten“, sagt Worm. Möglicherweise halte das viele Notärzte davon ab, einem unbekannten Patienten eine Adrenalin-Spritze in die Vene zu verabreichen. „Es gibt aber eine sichere Alternative. Man kann das Medikament auch in den Muskel injizieren.“

Genau das tun mitunter auch Allergiker, die bereits wissen, dass sie auf bestimmte Substanzen mit einem anaphylaktischen Schock reagieren. „Viele von ihnen führen glücklicherweise stets ein Notfallset mit sich“, sagt Worm. Ein solches Set besteht in der Regel aus einem schnell wirksamen Antihistaminikum – das ist ein Medikament, das die Ausschüttung des Immunbotenstoffs Histamin blockiert – sowie aus einem entzündungslindernden Kortisonpräparat und einem Adrenalin-Pen. Mit ihm können sich geschulte Patienten das lebensrettende Medikament im Zweifelsfall selbst verabreichen.

Gute Noten für Berliner Ärzte

Solche Autoinjektoren für die intramuskuläre Adrenalin-Gabe sollen künftig auch in den Notfallkoffern der Ärzte enthalten sein. „Entsprechende Empfehlungen für die notärztliche Versorgung wurden bereits herausgegeben“, sagt Worm. Darüber hinaus wünscht sie sich mehr Schulungen, in denen Notärzte lernen, wie sich ein anaphylaktischer Schock sicher erkennen und behandeln lässt. Sie selbst nahm vor einigen Jahren eine solche Schulung mit Berliner Notärzten vor. Offenbar mit Erfolg: Zumindest in der aktuellen Analyse schnitten die Notärzte der Hauptstadt mit Abstand am besten ab.
AnkeB
 
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Re: Wespen können mörderisch sein

Beitragvon SylviaMicky » Di 5. Aug 2014, 15:38

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SylviaMicky
 
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