"In die Pilze" am 3. Oktober 2013

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"In die Pilze" am 3. Oktober 2013

Beitragvon AnkeB » So 6. Okt 2013, 12:46

„In die Pilze“, 03.10.2013

Am 03. Oktober, dem „Tag der deutschen Einheit“ meiden wir inzwischen seit Jahren die dazugehörigen Feiern und Menschenmassen. Vielen Menschen fällt nichts Besseres ein, als dorthin zu gehen, um nach relativ kurzer Zeit völlig betrunken zu sein...

Letztes Jahr haben wir die Kranich-Woche in Gartz an der Oder besucht, wir waren begeistert und wollen unbedingt noch mal hin, wenn alle Autobahnbaustellen auf dem Weg dorthin endlich verschwunden sind.

Dieses Jahr war ich durch einige Zeitungsartikel über das Pilze sammeln in Berlin und Brandenburg auf die Idee gekommen, das auch mal wieder zu tun.
Seit dem Reaktorunglück in Tschernobyl 1986 und der darauf folgenden hohen radioaktiven Belastung von Waldpilzen, hatte ich das Pilze sammeln nicht mehr „auf dem Zettel“ und vergessen, wieviel Spaß das bringt.

Das Wetter war perfekt: sonnig, Temperaturen um 15° Celsius, einige Tage vorher hatte es geregnet, also beste Bedingungen für das Pilzwachstum.
Ich setzte einen Korb auf den Boden eines Stoffbeutels und legte zwei Messer dazu.
Wir zogen uns nach dem Zwiebelprinzip warm an: T-Shirts, Wollpullover, Wollweste, dicke Jacke, Jeans, Wollsocken, derbe Boots, so dass wir recht voluminös wirkten. Der Wind war doch recht frisch. Ich steckte sogar meine langen Haare unter einen Hut, den ich mangels Gelegenheit noch nie getragen hatte. Wie sich später herausstellte, war das eine gute Idee. Die Eichen „schießen“ nämlich zur Zeit scharf und bösartig mit Eicheln, zwei/drei hatte ich schon auf den Kopf gekriegt und das tat weh.

Kurz nach 12.00 Uhr fuhren wir los, Richtung Tegel. Unser Ziel war der Tegeler Forst. Auf dem Weg dorthin mussten wir durch einige Tunnel und obwohl ich Tunnel hasse, freute ich mich jedes Mal, wenn das „Knut Decall“ im Heckfenster - unser mit LEDs von hinten beleuchteter Bärenjunge,der den blauen Planeten auf einer Tatze balanciert - auch tagsüber mal aufleuchtete. Wir parkten auf dem Parkplatz vor dem Strandbad am Tegeler See, liefen am Zaun entlang, bogen bei der ersten Gelegenheit links ab und gingen an einem Trafohaus vorbei zum See hinunter.

Am Ufer befindet sich eine Wasserrettungsstation der DLRG neben einem Steg, rechts daneben ist ein schöner, weitläufiger Strand am Seeufer, auf dem sich an diesem Tag einige Spaziergänger, meist Paare mit und ohne Hund, befanden, die entspannt die Sonne genossen. Das Wasser glitzerte, auf dem See kreuzten ein paar Segelboote und der Pseudo Raddampfer „Havel Queen“ fuhr vollbesetzt vorbei und ließ größere Wellen ans Ufer platschen. Sehr idyllisch das Ganze, wir hielten uns eine Weile dort auf und tankten Sonne, bevor wir, einem Weg folgend, nach oben in den Wald gingen. Dummerweise achteten wir nicht darauf, wo die Sonne stand...

Ziemlich bald verließen wir den Weg und gingen „querwaldein“. Mich zogen Sonnenflecken, kleine Lichtungen und Kiefern magisch an, wir stiegen über quer liegende Baumstämme, duckten uns unter tiefhängenden Zweigen, gingen hügelauf und hügelab, suchten alles gründlich ab, den Blick immer auf dem Boden.
Wir fanden alle möglichen Pilze, meist kleinere mit Lamellen auf der Unterseite in den Farben weißlich, beige, grünlich, hellbraun mit Pünktchen; daneben große Baumpilze, die aussahen wie merkwürdige Geschwüre; große, braune, tellerartige; süße, kleine, in Gruppen stehende mit putzigen, spitzen Zwergenhütchen und zierlichen, dünnen Stielen. Essbar schienen sie mir alle nicht, ich ließ die Finger davon. Nachdem ich Thomas aufgefordert hatte, seine Sonnenbrille gegen seine normale Brille zu tauschen, sah er sie auch... Da er überhaupt keine Ahnung von Pilzen hat, rief er mich nun ständig und zeigte mir jeden einzelnen Giftpilz, den er entdeckt hatte. Abgesehen davon war es wunderbar im Wald, es roch gut, die Vögel zwitscherten, der Wind rauschte durch die Baumkronen, ein Reh kreuzte unseren, nun ja, Weg und ich hielt sogar nach „Elfenringen“ Ausschau. Die fand ich allerdings genau so wenig wie Maronen oder Steinpilze. Dafür trat ich in den Eingang eines Dachsbaus, entdeckte kobaltblau schillernde, ziemlich große Käfer, viele unterschiedliche Libellen, die knapp über dem Boden herum schwirrten, deren zarte Flügel wie die von Elfen aussahen, bzw so, wie man sich die vorstellt und – leider vereinzelt herum liegenden Müll: Plastikverpackungen, Papier und schon einiges an leeren Flaschen in allen nur möglichen Größen und Formen. Vielleicht sollte man den Flaschensammlern mal einen Tipp geben...

Nach einer Weile versuchten wir Eichen aus dem Weg zu gehen, wegen der Eicheln, die heftig von oben auf den Boden knallten, aber sie schossen auch quer. Meine laienhafte Mutmaßung ist, dass die Eicheln in Sonne und Wärme zu groß für ihr „Hütchen“ werden und heraus „gesprengt“ werden. Zum Glück blieben wir unverletzt, Hut und Haar dämpften ein/zweimal den Aufprall.

Nach gefühlten zwei Stunden, es war in Wirklichkeit gerade einmal eine knappe Stunde, gaben wir auf und wollten zum Auto zurück. Aber in welche Richtung? Nicht mehr ganz so gut gelaunt versuchten wir, uns zu orientieren. Ganz kurz bevor wir panisch wurden, sahen wir den See durch die Bäume glitzern. Danach war es einfach, aber noch ziemlich weit...

Wir kamen wieder über den Strand und am Steg vorbei. Auf dem Steg stand ein Mann, tauchte ein zwischen vier Stangen gestrafftes, kleinmaschiges Netz in das Wasser und zog es nach einer Weile wieder heraus. Ich ging auf den Steg und fragte ihn, was das denn für eine Methode sei und was er damit fangen würde. Er erklärte mir, er würde Futter auf dem Netz verteilen, es langsam hinunterlassen und, sobald sich Fische, in der Hauptsache Plötzen, darauf befänden, wieder hochziehen. In seinem Eimer befanden sich drei winzige Fischlein. Ich fragte ihn, was er denn damit machen würde, die Fische wären doch ziemlich klein. Er sagte, sie hätten mehrere Aquarien und einen Teich zuhause, sie würden sie anfüttern und dann kämen sie irgendwann in den Kochtopf...

Wir begrüßten unser Auto wie einen lang verschollenen Freund und fuhren Richtung Kaffee und Kuchen zu Hause. Nach etwa zwei Kilometern bemerkten wir eine Gruppe von Leuten, die Spankörbe tragend aus dem Wald kamen. Die Körbe waren randvoll mit Maronen gefüllt. Plötzlich wieder munter und motiviert, hielten wir an und fragten die Pilzsammler, ob sie ihre Pilze in der Nähe gefunden hätten. Sie sagten, dass man schon ein Stück in den Wald hinein gehen und abseits der Wege suchen müsse. Ich fragte nach Wildschweinen, die mir plötzlich eingefallen waren. Sie sagten, dass ihnen zwei Rotten begegnet wären, die hätten aber sofort das Weite gesucht...

Wir betraten den Wald, gingen wie vorher ein Stück den Weg entlang und verließen ihn nach einer Weile recht zuversichtlich. Diesmal achteten wir auf den Stand der Sonne.
Es knackte in der Nähe, wir dachten „EIN WILDSCHWEIN!“ und sahen uns nach einem Baum um, auf den wir ganz schnell klettern könnten. Zum Glück war es dann aber nur eine junge Frau, die mit ihrer 8 Monate alten, reizenden englischen Bulldogge spazieren ging. Ich liebe diese Hunde, sprach die junge Frau an, unterhielt mich ein Weilchen mit ihr und streichelte den Hund.
Kurz danach fand Thomas seinen allerersten essbaren Pilz, tatsächlich eine Marone, mittelgroß und an einer Seite von Hasen o.ä. angebissen. Von da an hatte er so richtig Spaß an der Sache, lief unermüdlich weiter, suchte und suchte. Die nächsten beiden fand ich, auch ich freute mich riesig. Es kamen noch ein paar dazu, richtig große waren nicht dabei, und dann lange kein einziger mehr. Wir hatten irgendwann genug vom Pilze suchen und nicht finden, fanden den Weg zum Auto zurück, diesmal etwas schneller und fuhren nach Hause.

Zum Abendessen schnitt ich die Wildbissstellen weg, die Maronen in Scheiben, briet sie in Butter, zusammen mit einer kleinen gewürfelten Zwiebel und gab Salz und Pfeffer dazu. Dann verquirlte ich drei Eier mit etwas Milch, Salz und Pfeffer, briet einen Teil davon in einer anderen Pfanne in Butter an, gab die Pilze darauf, goss den Rest der Eiermasse darüber und ließ sie stocken. Einmal gewendet, gerecht in zwei Hälften geteilt, fertig. Dazu gab es geröstete Brötchenhälften. Lecker!

Nach Möglichkeit wollen wir bald wieder „in die Pilze“ , bevor der erste Frost kommt.
AnkeB
 
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Re: "In die Pilze" am 3. Oktober 2013

Beitragvon Anita » So 6. Okt 2013, 16:31

Liebe Anke
Bei Eurem Ausflug wäre ich wirklich gerne dabei gewesen.
Ich bin sehr gerne im Wald.
Das mit den Eicheln ist anderes. Die Eicheln werden von den Eichhörnchens geworfen. So verteidigen sie sich gegen ihre "Feinde". Ihr geht da einfach in IHREN Wald und nehmt etwas mit. Das geht ja gar nicht [biggrins]
Vielen Dank für den netten Bericht.
Anita [tschuess]
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Re: "In die Pilze" am 3. Oktober 2013

Beitragvon Bearnini » So 6. Okt 2013, 16:57

Das ist eine feine "Waldreportage" geworden, liebe Anke! [prima]

Es ist doch ein vielfach gefährliches Unternehmen in die Pilze zu gehen: sie schießen von unten aus dem Boden - auch noch versteckt....die Eichhörnchen schießen von oben mit Eicheln und dann soll man/Frau noch giftig von ungiftig unterscheiden... [denknach] - ein schwieriges Unterfangen! :wink:
Ich kann mir schon vorstellen, wie lecker selbst gesammelte Pilze schmecken....vor allem, wenn man zu sich selbst Vertrauen hat! :wink: Oder schreibt man "Selbstvertrauen"...egal, beides ist gut und Deine Pilz-Geschichte auch! [ja]

Danke Anke!
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Re: "In die Pilze" am 3. Oktober 2013

Beitragvon SylviaMicky » So 6. Okt 2013, 18:10

Liebe Anke,
mir hat Dein Bericht von "in die Pilze" sehr gut gefallen. Ich finde es mutig selber welche zu sammeln aber Du kennst Dich ja aus.
Im Wald ist es schwierig sich zu orientieren, zum Glück habt ihr wieder rausgefunden.
Ich glaube gerne, daß das Essen vorzüglich war.
[Herbst]
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Re: "In die Pilze" am 3. Oktober 2013

Beitragvon UliS » So 6. Okt 2013, 22:11

Schön, dass das Wetter gut war für Euren Pilztag im Wald und es Euch gefallen hat. Ein Waldspaziergang ja, aber Pilze sammeln .... [Schreck]
und diese auch noch essen ... [nein]

Ich würde nur die Eicheln sammeln für die Eichhörnchen ... [tschuess]
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Re: "In die Pilze" am 3. Oktober 2013

Beitragvon Rose » So 6. Okt 2013, 22:49

Liebe Anke,
es hat mir sehr viel Spaß gemacht, Deinen "In-die-Pilze"-Bericht zu lesen.
Richtig spannend. [prima]
Wie mutig Ihr "querwaldein" gegangen seid, ich hätte wahrscheinlich
längst die Krise bekommen (bin ein Hasenfuß). :oops:
Pilze sammeln? Geht gar nicht, ich finde die roten mit den weißen
Tupsen immer so schön, aber die sind ja wohl nix zum Essen. [biggrins]
Schön, dass Ihr doch noch fündig geworden seid.
Dein Pilz-Gericht klingt "lecker".
Danke für diese schöne Herbst-Geschichte [Herbst]
LG
Rose
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Re: "In die Pilze" am 3. Oktober 2013

Beitragvon AnkeB » Mo 7. Okt 2013, 10:48

Liebe Anita, Bearnini, Sylvia, Uli und Rose!

Dankeschön für Eure lieben und teilweise etwas besorgten Antworten!

Anita, ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu Eichhörnchen [herzig] , und glaube nicht, dass sie mir Eicheln auf den Kopf schmeißen, weil sie sich ärgern. Aber da ich im Winter Walnüsse für sie in den Hof werfe, werde ich jetzt doch nachdenklich... Könnte ich eins getroffen haben und das ist jetzt die „Rache“? [denknach]

Bearnini,Uli, ich nehme nur Pilze mit nach Hause, die ich schon von Kindheit an kenne, als ich noch mit der Familie in den Wald ging, um Pilze zu sammeln. Das sind genau drei Sorten: Maronen, Steinpilze und Pfifferlinge bzw Schwammerl. Da gibt es kein Vertun, die erkenne ich, die schmecken mir. Alles andere pack ich nicht an! [nein]
http://www.google.de/imgres?imgurl=http ... JEBEPwdMAo

Sylvia, Rose, mein Orientierungssinn ist wirklich nicht mehr der beste, aber irgendwie finde ich meistens doch den richtigen Weg. [staunen] Es kann allerdings eine Weile dauern...
Rose, die Hübschen, speziell die Roten mit den weißen Tupfen, sind leider meistens giftig!!! Du solltest die Finger von selbst gesammelten Pilzen lassen!
Aber in Begleitung mit jemanden, der sich auskennt und wenn man dazu noch erfolgreich ist, macht es Spaß, auch das Zubereiten und Genießen hinterher! [cool]

Liebe Grüße
Anke [Herbst]
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Re: "In die Pilze" am 3. Oktober 2013

Beitragvon UliS » Mo 7. Okt 2013, 12:35

Bekannte von uns gingen auch gerne in die Pilze und wir sind immer gerne mitgegangen. Wir waren auch eine hilfreiche Begleitung, denn ich hatte ein gutes Auge dafür ...

Aber ich habe nie auch nur einen Bissen davon probiert ... [Herbst]
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