Zirkus mit Wildtieren: Immer mehr NRW-Städte dagegen

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Zirkus mit Wildtieren: Immer mehr NRW-Städte dagegen

Beitragvon UliS » Do 10. Sep 2015, 10:39

10. September 2015 | 07.17 Uhr
NRW
Immer mehr Städte verbieten Zirkusse mit Wildtieren
Zirkus mit Wildtieren: Immer mehr NRW-Städte dagegen

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Eine Elefantendressur wie im "Zirkus Krone" soll es in Viersen nicht mehr geben. FOTO: dpa/Kochetkov

Viersen. Elefanten, Flusspferde, Robben und Affen: In immer mehr Städten sind Zirkusse mit Wildtieren unerwünscht, in NRW etwa in Viersen, Köln und Siegen. Der Tierschutzbund begrüßt die Entwicklung, fordert aber ein generelles Tierhaltungsverbot. Von Jörg Isringhaus

Ein winterlicher Besuch im Zirkus hat Heinz Plöckes ernüchtert. Damals, vor zwei, drei Jahren, musste der Viersener SPD-Ratsherr mitansehen, wie Raubtiere bei minus zehn Grad im Käfig froren. "Die sind doch eigentlich tropische Temperaturen gewohnt", sagt Plöckes. "Da habe ich angefangen, mich sachkundig zu machen." Ergebnis: Der Viersener Rat hat sich vor kurzem mit breiter Mehrheit dafür ausgesprochen, Zirkussen mit Wildtieren keine kommunalen Flächen mehr bereitzustellen. Darunter fallen etwa Elefanten, Flusspferde, Robben und Affen, aber auch, und darauf ist Plöckes besonders stolz, Raubtiere. Viersen geht damit einen Schritt weiter als viele andere Städte, liegt aber mit dem Beschluss im Trend - in bundesweit mehr als 30 Kommunen (in NRW etwa Köln, Siegen und Paderborn) sind Zirkusse mit Wildtieren unerwünscht.

Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt zwar die Entwicklung, möchte aber die Haltung von Wildtieren in Zirkussen generell verboten sehen. Unterbringung und Lebensbedingungen der Tiere seien oft nicht artgerecht, sagt Lea Schmitz, Sprecherin des Tierschutzbundes. "Zirkusse sind Wanderbetriebe, die bis zu 50 Mal im Jahr den Standort wechseln", erklärt Schmitz. "Die Tiere werden in Lkw verfrachtet, sie müssen mit wenig Platz auskommen und stehen oft auf Beton." Elefanten etwa lebten in Freiheit in komplexen Sozialgefügen, während sie im Zirkus häufig allein gehalten würden. Dazu würde bei vielen Dressurmethoden der Wille der Tiere gebrochen.

Dem widerspricht der Berufsverband der Tierlehrer, in dem auch viele Dompteure organisiert sind. Die Haltung von Zirkustieren sei in Deutschland sehr gut geregelt, sagt Sprecher Frank J. Keller. Es müssten Nachweise für den richtigen Umgang mit den Tieren erbracht werden, es gebe regelmäßige amtstierärztliche Untersuchungen, Missstände würden ins Zirkus-Zentralregister eingetragen und nachkontrolliert. "Natürlich gibt es wie in jeder Branche schwarze Schafe", sagt Keller. "Aber man zieht wegen ein paar Verkehrsrowdys auch nicht gleich alle Führerscheine ein."

Dem Vorgehen der Städte begegnet der Verband "ganz gelassen". Das Verbot sei nicht rechtens, in Darmstadt und Chemnitz hätten Zirkusse bereits erfolgreich geklagt. Die Argumentation: Tierlehrer würden an der Ausübung ihres Berufes behindert, das verstoße gegen die im Grundgesetz verankerte Berufsfreiheit. Keller: "Eine weitere Möglichkeit ist, auf einen privaten Platz auszuweichen."

Der Stadt Viersen ist das Rechtsrisiko bekannt. "Das haben wir ganz bewusst in Kauf genommen", sagt Willi Zerres, Abteilungsleiter im Liegenschafts-Amt. So könnten Zirkusse, die Jahr für Jahr auf derselben Fläche stehen, unter Umständen ein Gewohnheitsrecht für sich in Anspruch nehmen. Einen festen Zirkusplatz habe die Stadt aber ohnehin nie ausgewiesen, sondern wechselnde, kleinere Standorte. Zerres: "Uns ging es um die Signalwirkung, dass die Stadt die Haltung von Wildtieren in Zirkussen, besonders auch die von Raubtieren, nicht gutheißt." Die Betriebe, die mit domestizierten Arten wie beispielsweise Pferden, Hunden oder Hauskatzen arbeiten, sind weiter in Viersen willkommen.

Eine Unterscheidung, die Keller vom Tierlehrer-Verband in Frage stellt. In Zirkussen habe man es grundsätzlich nicht mit Wildtieren zu tun, weil diese teils Jahrzehnte dort gehalten würden. Für Tierschützerin Lea Schmitz ist aber gerade das auch ein Problem. Tiere im Zirkus würden sich nicht fortpflanzen, es handele sich fast ausschließlich um Wildfänge. "Der Artenschutzgedanke kommt also auch nicht zum Tragen", so Schmitz. Sie sieht die Bundesregierung gefordert, entsprechende Verbote zu erlassen. In der Bevölkerung sei schon ein Umdenken zu spüren. Schmitz: "Früher ging es nur um die schöne Dressur, heute wird den Menschen immer bewusster, was das für die Tiere bedeutet."

Andererseits verlangt das Publikum laut Keller nach dressierten Tieren. Die meisten Zirkusse könnten auf diese zugkräftigen Angebote nicht verzichten. Keller: "Natürlich müssen sich diese Betriebe dann auch der Verantwortung den Tieren gegenüber bewusst sein."
Quelle: RP
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/vie ... -1.5381454
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Re: Zirkus mit Wildtieren: Immer mehr NRW-Städte dagegen

Beitragvon AnkeB » Do 10. Sep 2015, 14:34

Passend zum Thema:
http://www.care2.com/causes/cholita-the ... nding.html

Cholita the Abused Circus Bear Gets Her Happy Ending
Für Cholita, den missbrauchten Zirkusbären, gibt es ein Happy End.

Cholita, die jahrelang in einem Zoo untergebracht war, nachdem sie von den peruanischen Behörden in einem Zirkus beschlagnahmt worden ist, ist endlich in ihrem endgültigen Zuhause angekommen.

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Images and video of Cholita taken at the time by Animal Defenders International (ADI), the organization behind the effort to bring her to safety, are crushing. Her fingers have been cut off to remove her claws and her teeth were smashed to leave her unable to defend herself. She should be covered in thick fur, but her body is bald as a result of alopecia, which her advocates believe was caused by stress, leaving her to resemble almost nothing of the spectacled, or Andean, bear that she is.

Bilder und Video von Cholita, die von " Animal Defenders International"(ADI) gemacht wurden, der Organisation, die dafür gesorgt hat, sie in Sicherheit zu bringen, sind verstörend. Ihre Fingerendglieder wurden abgetrennt, um die Krallen zu entfernen, ihre Zähne sind abgebrochen, sie ist also praktisch wehrlos. Sie sollte mit dickem Fell bedeckt sein, aber ihr Körper ist völlig nackt als Folge einer Hautkrankheit (Alopecia), vermutlich hervorgerufen durch Stress. So blieb ihr nichts, was noch an den Brillen- oder Andenbär erinnert, der sie doch eigentlich ist.

Her new home, which was built by a team from ADI, Taricaya and volunteers from Projects Abroad, comes complete with a bathing pool and cave filled with straw. While she will never be released into the wild, she will now be able to live in peace in a habitat that’s as close to her natural home as it gets, while still getting the food and care she needs for the rest of her life.

Ihr neues Zuhause, das von einem ADI-Team und Freiwilligen des Taricaya Naturschutzprojektes in Peru gebaut wurde, besitzt einen Badeteich und eine Höhle, die mit Stroh gefüllt ist. Weil sie niemals zurück in die Wildnis kann, lebt sie nun friedlich in einer Umgebung, die der natürlichen so nah wie möglich kommt und erhält die Nahrung und Pflege, die sie braucht bis ans Ende ihres Lebens.
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Taricaya, das Projekt in Peru: http://www.projects-abroad.de/aktuelles ... ktober-28/

[denknach] :sad:
Anke
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Re: Zirkus mit Wildtieren: Immer mehr NRW-Städte dagegen

Beitragvon UliS » Do 10. Sep 2015, 16:48

Das ist ja grauenvoll, wie kann man ein Tier so verstümmeln ... [Schreck]

Cholita wünsche ich ein angenehmes, behütetes Leben ... man sollte jeden Zirkus in Grund und Boden stampfen ...
UliS
 
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Re: Zirkus mit Wildtieren: Immer mehr NRW-Städte dagegen

Beitragvon Rose » Do 10. Sep 2015, 22:57

Uli, ich schließe mich Deiner Meinung vollinhaltlich an, was sind das nur für Menschen... [Wut]
muss ein Tier so verstümmelt werden, um im Zirkus vorgeführt zu werden...ich könnte nur noch ko..... :evil:
Für Cholita wünsche ich alles Gute und dass sie noch recht lange ihre neue Umgebung und die liebevolle
Betreuung genießen kann... [brav] [herzig]
Rose
 
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Re: Zirkus mit Wildtieren: Immer mehr NRW-Städte dagegen

Beitragvon Eva » So 13. Sep 2015, 14:48

Bei diesen Bilder und der Geschichte dahinter wurde mir gerade regelrecht schlecht. Was sind das für Menschen! [Wut] Von ganzem Herzen wünsche ich der armen Bärin, dass sie nun ein gutes Leben führen kann. Vielleicht wächst dann sogar das Fell wieder.
Eva
 
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