Uerdingen Rhein-Hochwasser Januar 2018

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Uerdingen Rhein-Hochwasser Januar 2018

Beitragvon UliS » Mo 8. Jan 2018, 18:51

Hochwasser am Rhein: aktuell und zu Früheren Zeiten
5. Januar 2018 881

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Das Uerdinger Rheintor beim Hochwasser 1920 mit Wachpersonal (Foto: Stadtarchiv Krefeld)

Krefeld. Viele Flüsse in Deutschland sind aktuell von Hochwasser betroffen, so auch der Rhein. In Krefeld wurde das Rheintor schon vor Weihnachten vorsorglich geschlossen. Für das Wochenende wird nun damit gerechnet, dass das Untere Werft in Uerdingen, also das dem Deich vorgelagerte Stück, überflutet wird. Dies geschieht bei einem Pegelstand von rund neun Metern. Das Betreten des Werfts ist damit strengstens verboten. Da die Kante zum Rhein durch die Überflutung nicht erkannt werden kann, besteht Absturz- und damit Lebensgefahr. Für den Wochenbeginn wird mit einem sinkenden Pegel gerechnet.

Die aktuellen Wasserstände sind im Internet unter ELWIS Wasserstände zu finden. Für Krefeld ist der Düsseldorfer Wert relevant.

Eis und Hochwasser bedrohten Jahrhunderte die Rheinstadt Uerdingen – Letzten schweren Eisgang haben die Krefelder im Winter 1941/42 erlebt

Schneeschmelze in Süddeutschland und der Regen der vergangenen Tage lassen Vater Rhein anschwellen. Der Strom hat sein angestammtes Flussbett längst verlassen. Wiesen und Felder entlang des Ufers sind schon überflutet und der Pegel soll weiter steigen. Die Zeiten, in denen auch Eis während der Wintermonate auf dem Rhein trieb oder der Strom sogar zufror, sind jedoch Geschichte. Einen letzten schweren Eisgang haben die Krefelder im Winter 1941/42 erlebt. Über Jahrhunderte bedrohte das Eis auf dem Fluss die Sicherheit der Uerdinger. Angestautes Wasser überflutete immer wieder die Straßen der Rheinstadt und hinterließ Zerstörung und Tod. Mit der westlichen Verlegung der Stadt Uerdingen Ende des 13. Jahrhunderts hörte die Bedrohung durch den Rhein nicht auf.

Besonders gefährlich wurde es, wenn der Rhein zufror und die Eisschollen das Wasser stauten. Einen effektiven Schutz konnten die Menschen dem Fluss bei Eisgang und Hochwasser nicht entgegen setzen. Der Kölner Erzbischof und Kurfürst Friedrich von Wied vereinbarten mit dem Grafen Hermann von Neuenahr-Moers 1566 einfache Schutzmaßnahmen. Solche Bemühungen von Seiten der Landesherren und der Bürger gab es in allen Jahrhunderten immer wieder. Letztlich erwies sich dieser Uferschutz in den meisten Fällen als nutzlos. Hochwasser und Eisstauungen waren mächtiger als die Technik in der frühen Neuzeit. Nach einem Eisstau 1684 sollen die Straßen der Rheinstadt mehr Kanälen geglichen haben; das Wasser stand auch in der Kirche.

Besonders schwere Eiskatastrophen erlebten die Uerdinger im 18. Jahrhundert. In einem Protokoll aus dem Jahr 1716 hieß es, dass die Stadt in Gefahr stehe, abgetrieben zu werden. Dreimal fror der Rhein im Januar und Februar 1716 zu. Am 11. Februar war die Stadt von den Wassermassen umringt. Durch eine Frostperiode sei letztlich die Vernichtung der Stadt abgewendet worden. Am 17. März 1740 notierte Claes ter Meer in sein Tagebuch: „Nachmittags bin ich mit meinem Großvater nach Bockum gegangen, um das Hochwasser zu sehen. Bereits in Bockum floss das Wasser. […] Ich sah von weitem den Rhein stehen.“ Zwei Jahre später, am 18. Januar 1742, hielt sein Bruder Abraham fest: „Der Rhein ist hoch mit Eis zugefroren gewesen und aus diesem Grund geht das Eis zu dieser Stunde in eine große Überschwemmung über.“

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Der letzte schwere Eisgang 1940/41 am Krefelder Rheinufer (Foto: Stadtarchiv Krefeld)

Überschwemmt wurde die Rheinstadt wieder 1776. Viele Menschen im Amt Uerdingen ertranken. Noch im Mai sollen Eisschollen auf dem Marktplatz gelegen haben. In Januar 1784 setzte sich der Rhein bei Uerdingen zweimal mit Eis zu, das Eis setzte sich vor der Uerdinger Burg fest. Das Geräusch des sich setzenden Eises soll man bis Bockum gehört haben. Vom Rheintor aus wurde ein Weg über den Fluss auf die andere Rheinseite angelegt. Nach fast einem Monat brach plötzlich das Eis, um sich bald wieder festzusetzen. In den ersten Stunden des 29. Februars 1784 kam die Rheinflut in die Stadt ein. Pferde und Kühe ertranken. Das Eis trieb östlich und westlich der Stadt vorüber. Hilfe konnte die Rheinstadt nicht erreichen. Nachdem das Wasser abgezogen war, dauerte es drei Tage, alle Schäden zu besichtigen und zu erfassen. Ein Jahr dauerten Reparaturen und Wiederaufbau.

Eine weitere Katastrophe sollte wenige Jahre später über die Stadt hinein brechen. „Wir sahen noch wirklich ohnweit unter unserer Stadt den Rhein von den ungeheuren, unsern Mauern vorbei getriebenen Eisbergen abgedämmt“, schrieb Pastor H. Kauffmans. Uerdingen wurde bald überflutet. Die Kälte ließ das Wasser auf den Straßen und in den Häusern gefrieren. Die Menschen verharrten in den oberen Stockwerken. Brot und Feuerholz waren bald aufgezehrt. Die Angst war groß, dass die Häuser dem Druck nicht standhielten. Das Wasser fiel langsamer als erwartet. Der Schaden hielt sich so erst in Grenzen. Doch am 14. Februar 1799 brach das Kirchenschiff von St. Peter durch die Flutfolgen in sich zusammen.

In den nächsten 200 Jahren kamen noch viele schlimme Eisgänge und Hochwasser. Wie im Winter 1824, als die Stadt vier Wochen von der Außenwelt abgeschlossen war. Und 1855 richtete ein Hochwasser nach einem Eisgang nochmals große Schäden an. Eis auf dem Strom wurde dann zur Sensation. Im Winter 1890/91 nahmen die Eismassen immer mehr zu. Im Januar war der Rhein dicht. Die Menschen strömten zu Tausenden auf den zugefrorenen Fluss. Musikkapellen spielten, Chöre sangen, warme und kalte Getränke wurden angeboten. 1941 und 1942 froren Rhein und Hafen nochmals so zu, dass sich Eis bei Uerdingen staute, Menschen über den zugefrorenen Fluss gehen konnten und es sogar Schiffe aus dem Wasser drückte. Später konnten die Krefelder nur noch Treibeis auf dem Strom sichten. Inzwischen ist der Rhein durch Zuleitungen derart aufgewärmt, dass er nicht mehr zufriert.
Quelle
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Re: Hochwasser Januar 2018

Beitragvon UliS » Mo 8. Jan 2018, 18:53

6. Januar 2018 Krefeld

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Hochwasseralarm: Die Stadt hat das Deichtor in Uerdingen geschlossen. Das Betreten des Unteren Werfts ist verboten. FOTO: Lothar Strücken

Krefeld. Viele Flüsse in Deutschland sind aktuell von Hochwasser betroffen, so auch der Rhein. In Krefeld wurde das Rheintor schon vor Weihnachten vorsorglich geschlossen. Für das Wochenende wird nun damit gerechnet, dass das Untere Werft in Uerdingen, also das dem Deich vorgelagerte Stück, überflutet wird.

Dies geschieht bei einem Pegelstand von rund neun Metern. Das Betreten des Werfts ist damit strengstens verboten. Da die Kante zum Rhein durch die Überflutung nicht erkannt werden kann, besteht Absturz- und damit Lebensgefahr. Für den Wochenbeginn wird mit einem sinkenden Pegel gerechnet.

Die aktuellen Wasserstände sind im Internet unter www.elwis.de zu finden. Für Krefeld ist der Düsseldorfer Wert relevant.
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Re: Hochwasser Januar 2018

Beitragvon UliS » Mo 8. Jan 2018, 19:01

Hochwasser
Rhein-Höchststand für Dienstagfrüh bei 9,75 Meter erwartet

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Uerdingen fürs Hochwasser gerüstet FOTO: Samla

Uerdingen. Der Rheinpegel bei Uerdingen steht Montagnachmittag bei 9,60 Meter. Der Höchststand wird mit 9,75 Meter für Dienstagfrüh vorhergesagt. Das Verbot, den Gefahrenbereich zu betreten, wird konsequent ignoriert. Eltern nehmen auch ihre Kinder ans Wasser mit. Von Jan Popp-Sewing

Vater Rhein ist durch tagelange Regenfälle und speziell die Sturzbäche des Tiefs Burglind kräftig angeschwollen. Die Neun-Meter-Marke wurde Samstagabend geknackt. Die Schifffahrt zwischen Duisburg und Koblenz ist eingestellt.

Für heute oder morgen wird der Höchststand des Hochwassers erwartet.

Die einzige Lücke im Uerdinger Deich, das Fluttor, war sicherheitshalber bereits vor den Feiertagen verrammelt worden. Das Untere Werft in Uerdingen, also das dem Deich vorgelagerte Stück, ist am Samstag überflutet worden.

Die Stadt warnt: Das Betreten des Werfts dann ist "strengstens verboten". Da die Kante zum Rhein hin durch das Wasser nicht erkannt werden kann, besteht Absturzgefahr.

Die Freiwillige Feuerwehr Uerdingen beklagt sich bei Facebook, dass Hochwassertouristen das Verbot ignorieren und sich so bewusst in Lebensgefahr begeben. Die Stadt hat daraufhin weitere Absperrungen zum Rheinwerft hin aufgebaut.

Gebannt schaut man im benachbarten Duisburg auf den Wasserstand. Es wird knapp: Die dortige Altstadt würde ab einem Pegel von ca. 9,80 Metern voll Wasser laufen.

Die Uerdinger können sich derweil entspannt zurücklehnen, beziehungsweise auf ihrem Deich spazieren gehen - ihr Deich ist erst ab einem Rheinpegel von 13,14 Meter gefährdet.

Die Sanierung des Deichs wurde 2016 abgeschlossen. Sie kostete rund 4,6 Millionen Euro - vor allem Landesmittel. Kern des neuen Deichs ist eine in den Boden gerammte Stahl-Spundwand aus bis zu 1,5 Tonnen Elementen von vier bis elf Meter Länge.

Sie soll den Deich auch angesichts des hohen Wasserdrucks dicht halten. Der Rhein beschreibt bei Uerdingen bekanntlich eine Kurve, wodurch der Wasserdruck auf den Deich höher ist, als in gerade Abschnitten. Der Deich ist so konzipiert, dass seine Krone selbst ein nur alle 500 Jahre vorkommendes "Jahrtausendhochwasser" mit einer Pegelhöhe knapp über zwölf Meter noch über einen Meter überragt. Die Innenstädte von Köln und Duisburg würden in solch einem Fall bereits Venedig gleichen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Uerdingen fürs Hochwasser gerüstet
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Re: Uerdingen Rhein-Hochwasser Januar 2018

Beitragvon Rose » Di 9. Jan 2018, 01:37

Liebe Uli,
danke für diesen sehr interessanten Bericht ....zu früheren Zeiten ... [staunen]

Ihr bekommt hoffentlich keine nassen Füße [denknach]
[tschuess]
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Re: Uerdingen Rhein-Hochwasser Januar 2018

Beitragvon Anita » Mi 10. Jan 2018, 14:30

Liebe Uli,

vielen Dank für den interessanten Artikel.
Dieses Mal ist es ja glücklicherweise glimpflich verlaufen.
Viele Grüße Anita [tschuess]
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Re: Uerdingen Rhein-Hochwasser Januar 2018

Beitragvon Sonja » Do 11. Jan 2018, 15:46

Liebe Uli, das ist ein interressante Geschichte. Glücklicherweise ist das Wasser jetzt wieder am Sinken
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