Berlin - Bummel durch Köpenick

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Berlin - Bummel durch Köpenick

Beitragvon Rose » Di 15. Aug 2017, 22:38

Das Rathaus von Köpenick...

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Der imposante Bau steht in der früheren Schlossstraße, heute „Alt-Köpenick“. Er wurde 1901 bis 1904 nach Plänen von Hugo Kinzer und Hans Schütte, im Stile märkischer Backsteingotik mit Ziergiebel und 54 Meter hohem Turm erbaut. Erweiterungen des Kernbaus erfolgten in den Jahren 1926 bis 1927 an der Böttcherstraße, in den Jahren 1936 bis 1939 durch einen Flügel an der Straße Alt-Köpenick.
http://www.tkt-berlin.de/sehenswuerdigkeiten.html

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Beim Stadtteil Köpenick denkt man unweigerlich an die Posse des Hauptmann von Köpenick, die aus Carl Zuckmayers gleichnamigem Werk nach einer wahren Begebenheit und Verfilmungen bekannt geworden ist.

Der als Hauptmann von Köpenick bekannte gewordene Friedrich Wilhelm Voigt wurde 1849 in Tilsit als Sohn eines Schuhmachers geboren und war bereits im Alter von 14 Jahren kriminell. Viele Jahre verbrachte er im Gefängnis, u. a. wegen Diebstahls und Urkundenfälschung.

Nach seiner letzten Haftentlassung zog er zunächst nach Wismar, bekam aber wegen der Vorstrafen Aufenthaltsverbot und zog nach Rixdorf bei Berlin zu Schwester und Schwager, arbeitete dort in einer Schuhwarenfabrik. Auch dort bekam er Aufenthaltsverbot, tauchte aber illegal in einer unangemeldeten Unterkunft unter.

1906 setzte er den als „Köpenickiade“ bekannt gewordenen Eulenspiegelstreich in die Tat um. Bei verschiedenen Trödlern hatte sich Voigt Uniformteile eines Hauptmanns des preußischen 1. Garde Regiments zusammengekauft und heuerte in dieser Uniform während des Wachwechsels auf der Straße einen Trupp Soldaten – angeblich auf höchsten Befehl – an und befahl ihnen, die Zugänge zum Rathaus abzuriegeln, ließ den Oberstadtsekretär und den Bürgermeister in ihren Büros festsetzen und bewachen. Einige anwesende Gendarmen ließ er für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Sodann ging er zum Schatzmeister und beschlagnahmte die Kasse mit 3.557,45 Mark. Die vorgelegte Quittung unterschrieb er mit Malzahn mit dem Zusatz Hauptmann im 1. Garderegiment (Malzahn war der Name seines letzten Gefängnisdirektors).

Anschließend ließ er Bürgermeister und Schatzmeister unter militärischer Bewachung in gemieteten Droschken zur Neuen Wache bringen. Zeitungen schrieben, dass er sogar das Postamt für eine Stunde sperren ließ. Stadtbeamte konnten erst nach dem Abtransport der beiden Gefangenen telegrafieren.

Nach diesem legendären Coup soll Voigt mit dem nächsten Zug nach Berlin gefahren sein und sich bei einem Herrenausstatter zivile Kleidung besorgt haben. 10 Tage später wurde er beim Frühstück verhaftet, nachdem ein ehemaliger Zellengenosse, der von Voigts Plänen wusste, ihn bei der Polizei verraten hatte. Vom Landgericht II in Berlin wurde er dafür zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt.

Über das Motiv gibt es viele Spekulationen. Voigt betonte, er wollte einen Pass haben, sein Biograph vermutet aber, dass er vom Hörensagen 2 Millionen Mark in der Kasse vermutete. Dafür spricht auch, dass sein ehemaliger Zellengenosse Bescheid wusste, wohingegen der Umstand der Illegalität erst danach eingetreten war. Außerdem hatte er nicht nach Pässen suchen lassen.

Ganz Deutschland amüsierte sich über diesen Geniestreich, die Zeitungen schrieben ausführlich darüber und so ging Voigt als Hauptmann von Köpenick in die Geschichte ein.
http://www.treptow-koepenick.info/ueber ... koepenick/

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…der Schlossplatz…

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Der Schlossplatz verband das barocke Schloss Köpenick der Hohenzollern mit der Köpenicker Altstadt. Er war zugleich der erste Marktplatz der Stadt Köpenick. Der Platz wurde vor wenigen Jahren denkmalgerecht saniert.
http://www.tkt-berlin.de/sehenswuerdigkeiten.html


…“Wilde Pferde“ auf dem Schlossplatz…

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Das Projekt „Wilde Pferde“ der Berliner Künstlergruppe Inges Idee erobert den Köpenicker Schlossplatz: Zwei Pferdeskulpturen aus Bronze stehen zwischen den Straßenbahnschienen und Fahrbahnen, etwas schräg und rätselhaft. Auf den zweiten Blick lassen sich die beiden Skulpturen als historische Pferdedarstellungen unterschiedlicher Herkunft einordnen.

Doch anders als bei den Denkmälern, die sonst auf öffentlichen Plätzen stehen, tragen diese Pferde keinen Herrscher auf dem Rücken und sind von ihrem Sockel hinabgestiegen. Wie befreit schreiten die beiden großen Tiere vorwärts, doch es bleibt unklar, mit welchem Ziel. Sie sind gefangenen zwischen ihren Nachfolgern, den Straßenbahnen und Autos. So entsteht ein ambivalentes Bild zwischen wiedergewonnener Freiheit und neuerlicher Zähmung.
http://www.stadtkunstprojekte.de/projek ... ferde.html


…Wäscherin „Mutter Lustig“…

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„Kinder, lasst nur bei der ollen Lustig aus Köpenick waschen!“
...sprach begeistert ein Berliner Schlachtermeister im Jahre 1835.

Henriette Lustig wurde 1808 in der damaligen Stadt Köpenick (seit 1920 Verwaltungsbezirk von Berlin) als Marie Frederique Adelaide Bock geboren. Das Haus ihrer Eltern befindet sich nach wie vor am Alten Markt 4, wo die Berliner Gedenktafel zu Ehren der Unternehmerin angebracht ist. Henriette Lustig hat das Wohnhaus im Jahr 1859 für 2.150 Taler von ihrem Vater gekauft und es 1879 – nach der Währungsreform 1873 – für 21.000 Mark an ihren Schwiegersohn weiter verkauft.

Lustig gründete 1835 in Köpenick die erste Wäscherei, von der sich später ein Dienstleistungsgewerbe entwickelte. Der Standort an der Köpenicker Spree eignete sich, da das Wasser einen niedrigeren Wasserhärtegrad hatte und die Wiesen zum Bleichen und Trocknen genutzt werden konnten. Im Laufe der Jahre wuchs der Berliner Kundenkreis, sodass auch Wäsche mit einem Hundewagen oder später Pferdegespann transportiert wurde.

Die Anzahl der kleinen und mittleren Wäschereien im Ort stieg, sodass auch die Konkurrenz größer wurde. Im Jahr 1900 arbeiteten in 87 Wäschereien 4.000 Wäscherinnen. Einer der größten Konkurrenten war der Unternehmer Julius Spindler. Bereits 1882 hatten dessen Wäscherei und Färberei 1.500 Arbeiter und betrieb 35 Filialen in ganz Deutschland.

Durch die Neuerungen in der Wäschepflege, wie zum Beispiel Soda, Stärke, Bleichmittel, Handbügeleisen oder Mangeln konnte Henriette Lustig nicht mit den anderen Betrieben mithalten. Sie konnte ihren Waschmädchen gerade noch ihren Lohn zahlen.

17 Kinder soll Henriette Lustig geboren haben. Bei der Testamentsfestlegung 1871 waren allerdings nur noch acht erwachsene Kinder vermerkt, allesamt sind Handwerker und Arbeiter. Ihre Töchter waren verheiratet und ohne eigenen Beruf genannt. Die Wäscherei wurde bis 1965 von einer ihrer Töchter und später von einer Enkelin weitergeführt.

In Köpenick steht ein Denkmal mit dem Titel Wäscherin. Dieses wurde Anfang der 80er Jahre aufgestellt.

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https://de.wikipedia.org/wiki/Henriette_Lustig



Für unseren letzten Tag in Berlin haben wir uns vorgenommen, Tonja und Wolodja im Tierpark noch einmal zu besuchen.
Rose
 
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Re: Berlin - Bummel durch Köpenick

Beitragvon Anita » Mi 16. Aug 2017, 12:46

Liebe Rose
Du zeigst nicht nur wundervolle Bilder [prima]
Die Informationen, die Du gibt´s, lassen die Bilder erst richtig aufleben [ja]

Vielen Danke für diesen tollen Bummel
Liebe Grüße an Dich und auch an Marion
Anita [tschuess]
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Re: Berlin - Bummel durch Köpenick

Beitragvon Ludmila » Mi 16. Aug 2017, 17:11

Liebe Rose,
das Rathaus von Köpenick ist sehr schön. Danke, dass Du die wahre Geschichte vom Hauptmann von Köpenick uns erzählt hast.
Die Geschichte der Wäscherin Henriette Lustig ist interessant. Die Frau hat 17 Kinder geboren. Ich kann mir das gar nicht vorstellen.
Die Pferde gefallen mir sehr.
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Re: Berlin - Bummel durch Köpenick

Beitragvon Eva » Mi 16. Aug 2017, 18:40

Liebe Rose,
Dir und Marion ein großes Dankeschön für diesen ausgesprochen informativen und schön bebilderten Bummel durch eine mir unbekannte Stadt. Den Hauptmann kannte ich zwar, aber nicht die Bilder dazu und die Wäscherin ist ganz neu.
Liebe Grüße aus München von Eva [tschuess]
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Re: Berlin - Bummel durch Köpenick

Beitragvon UliS » Mi 16. Aug 2017, 23:04

Danke für die ausführliche Information und die tollen Bilder dazu ... und natürlich auch für's Mitnehmen [give heart]
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Re: Berlin - Bummel durch Köpenick

Beitragvon Sonja » Do 17. Aug 2017, 11:26

Der Stadtteil sieht sehr gut aus. Danke für's Mitnehmen und die schöne Geschichte
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