Neumünster - Besucher bringen Tiere in Lebensgefahr

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Neumünster - Besucher bringen Tiere in Lebensgefahr

Beitragvon UliS » So 10. Jan 2016, 18:16

Chips für die Affen – Ritt auf dem Ziegenbock: Besucher bringen Tiere in Lebensgefahr
vom 3. Januar 2016
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Immer öfter erkranken Tiere im Tierpark, weil Gäste ihnen mitgebrachtes Futter geben. Ein Vater brach beim Ritt auf einem Ziegenbock dem Tier einen Halswirbel.

Mitgebrachte Brötchen und Möhren oder sogar Kekse und andere Süßigkeiten sind verboten. Die Tiere im Tierpark dürfen von den Besuchern lediglich mit dem Wildfutter von der Kasse gefüttert werden. „Und auch nur die, an deren Gehege die Erlaubnis steht“, sagt die zoologische Leiterin Verena Kaspari. Auf dem Betriebshof steht das korrekte Futter, das die Tierpfleger ihren Schützlingen in der richtigen Menge geben.

Neumünster | Es könnte eine Szene aus einem Krimi sein: Monatelang forschten die Pfleger im Tierpark akribisch aber ohne Erfolg nach der Ursache für den schlimmen Durchfall bei den Wisenten. Kommissar Zufall brachte sie dann auf die Spur. „Eines Tages entdeckten wir, dass ein älteres Ehepaar eimerweise Äpfel, Birnen und anderes Obst und Gemüse von außen von der Straße über den Zaun auf die Weide kippte“, sagt die zoologische Leiterin Verena Kaspari. Darauf angesprochen gaben die beiden zu, dieses schon über einen längeren Zeitpunkt zu tun, damit die bulligen Rinder sich freuen. „Einsicht, dass sie die Wisente damit in Lebensgefahr gebracht haben, hatten sie nicht“, sagt Kaspari.

Kein Einzelfall: Immer häufiger verfüttern Besucher mitgebrachte Lebensmittel an die Tiere und fügen ihnen damit Schmerzen und Krankheiten zu. Ein Pferd hatte neulich Koliken, ein Schwein verletzte sich schwer, als es versuchte, an einen Zwieback außerhalb des Geheges zu kommen. Die Tierarztkosten für die Einrichtung an der Geerdtsstraße steigen. Ob Chips für die Affen, Kekse für die Schweine oder das meist gut gemeinte alte Brötchen oder die einzelne Karotte für die Pferde. „Die Leute haben immer Ausreden und spielen den Vorfall runter“, sagt die Diplom-Biologin. Manche werden sogar richtig frech. „Eine Familie musste ich des Parks verweisen, weil sie trotz mehrerer Verwarnungen immer weiter Tiere fütterte und noch patzige Antworten gab“, erklärt Verena Kaspari.

Besonders gefährlich ist die Situation, bei Arten, die Hierarchien bilden, etwa die Affen oder die Rentiere. Wird bei ihnen einfach etwas Leckeres ins Gehege geworfen, drängen ranghöhere Tiere rangniedrigere weg und verletzen sie auch dabei. Zudem benötigen manche Vierbeiner aufgrund ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen Spezialkost. „Solche Umstände sind den meisten Besuchern überhaupt nicht klar“, weiß die zoologische Leiterin.

Erlaubt ist im Park nur das Wildfutter, das es an der Kasse zu kaufen gibt, und auch das nur bei den Arten, an deren Gehege es steht. „Wir wollten nicht überall Verbote aufhängen, sondern haben es positiv formuliert“, sagt Verena Kaspari. Wer tatsächlich den Tieren etwas Gutes tun möchte und etwa Obst, Gemüse, alte Brötchen oder Kastanien spenden will, kann dies in die bereitgestellten Futtereimer am Eingang werfen. „Die werden regelmäßig von den Tierpflegern geleert, sortiert und das Futter dann in der richtigen Portionsgröße an die Schützlinge verteilt.“

Doch nicht nur falsche Lebensmittel bedrohen den Bestand. Immer wieder steigen Besucher auch in Gehege, klauen Tiere wie die Schildkröten oder aber gehen nicht sachgerecht mit ihnen um – selbst auf der Streichelwiese. „Neulich hat ein Vater zur Freude seines Sohnes einen Ziegenbock an den Hörnern gepackt und ist dann wie auf einem Motorrad mit ihm gefahren. Dadurch hat der Bock sich einen Halswirbel gebrochen, wir mussten ihn einschläfern“, sagt Kaspari.

Als Konsequenz aus den Vorfällen werden die Kontrollen nun verschärft. An Wochenenden und Feiertagen sind Tierpfleger an gefährdeten Gehegen im Einsatz. Und im Notfall macht Verena Kaspari auch vom Hausrecht Gebrauch und setzt Besucher vor die Tür: „Das Geld, das sie einspielen, steht in keinem Verhältnis zu den Kosten für den Tierarzt hinterher“, sagt sie.

Das ist Tierquälerei. Ein Kommentar von Christian Lipovsek

Das ist Tierquälerei: Wer den Tierpark besucht, will durch die Natur wandern und den Tieren so nah wie möglich sein. Deshalb sind viele Zäune in den vergangenen Jahren verschwunden, man kommt leichter an oder sogar, wie bei den Berberaffen, in die Gehege. Doch der Preis ist hoch. Denn einige vermeintliche Tierfreunde oder einfach nur unwissende Besucher, die es meist sogar gut meinen, bringen falsches Futter mit. „Es ist doch nur eine Karotte, nur ein Brötchen“, hören die Tierpfleger oft. Ja, aber auch das kann falsch sein, und was ist, wenn jeder Besucher nur ein Teil mitbringt? Die Tiere werden krank. Dass dies Tierquälerei ist, geht bei vielen leider nicht in den Kopf. Hier ist noch mehr Aufklärung nötig.
http://www.shz.de/lokales/holsteinische ... 48091.html
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Re: Neumünster - Besucher bringen Tiere in Lebensgefahr

Beitragvon AnkeB » So 10. Jan 2016, 19:02

Uli, Danke für diesen Artikel!
Schon lange beklagen wir die Unvernunft und den fahrlässigen Leichtsinn von Besuchern, der sie und die Tiere gefährdet. [augenroll]
Auch scheint es in letzter Zeit immer mehr Auftragsdiebstähle in den Zoos zu geben. [Wut]
Leider scheint man diese Probleme ohne Überwachungskameras und Aufsichtspersonal nicht eindämmen zu können.
Jeder, der derartiges beobachtet, sollte es dokumentieren und unbedingt melden.
Strafen und Hausverbote sollten konsequent ausgesprochen und verhängt werden!

[denknach]
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Re: Neumünster - Besucher bringen Tiere in Lebensgefahr

Beitragvon Eva » So 10. Jan 2016, 19:33

Irgendwie fehlt mir da ein Icon!
Dass die Menschen oft nur an den eigenen Spaß (Füttern, nicht Futter abgeben macht schließlich Freude [Wut] ) denken ist nun mal zum k.... Warum muss immer mit Verboten gearbeitet werden, wo Einsicht schon helfen würde? Aber Einsicht und Rücksicht auf andere Lebewesen scheint aus der Mode zu kommen und die Tierparks werden häufig als Kinderbespaßung betrachtet ... Schade!
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Re: Neumünster - Besucher bringen Tiere in Lebensgefahr

Beitragvon Jochen » Mo 11. Jan 2016, 13:11

Beim Neujahrsempfang für die Zoo-Führer und die Mitarbeiter des Besucherservice des hiesigen Zoos berichtete der Direktor
Dr. Dreßenüber das bereits hier erlebte Unverständnis mancher unserer "Neubürger" für die europäische Art der Tierhaltung,
wofür diese absolut kein Verständnis haben - schliesslich sind die "Zoos" im arabischen Raum in erster Linie zur Bespassung
der Besucher da; will heissen: die ausgestellten Tiere müssen gestreichelt, gefüttert und/oder sonst was werden! Nun wird
hier überlegt, einen arabisch spechenden Zoo-Führer zu engagieren.
Aber auch in unserer Gesellschaft geht es vielfach ja auch nur noch um "Spass haben" - s.o.!
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Re: Neumünster - Besucher bringen Tiere in Lebensgefahr

Beitragvon AnkeB » Mo 11. Jan 2016, 14:17

Nun wird
hier überlegt, einen arabisch sprechenden Zoo-Führer zu engagieren.

Das ist erst mal eine gute Idee!
Aber nicht nur/alle Besucher aus dem arabischen Kulturraum benehmen sich im Zoo daneben...
Man bräuchte dann konsequenterweise auch italienisch -, russisch -, spanisch -, englisch -, französisch-, usw. sprechende Führer.
Was ist mit den deutschen Besuchern und ihren Kindern, die im Prinzip alle Schilder lesen könnten, wenn sie denn wollten?
Pampig ist gar kein Ausdruck für das, was den Scouts und Pflegern teilweise entgegen schallt...

[denknach]
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Re: Neumünster - Besucher bringen Tiere in Lebensgefahr

Beitragvon Anita » Mo 11. Jan 2016, 15:18

Der Artikel bzw. sein Inhalt macht mich traurig....
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Re: Neumünster - Besucher bringen Tiere in Lebensgefahr

Beitragvon SylviaMicky » Di 12. Jan 2016, 10:16

Danke Uli für den wichtigen Eintrag. [prima] Ich finde schon lange, dass die Tiere in den Zoos besser geschützt werden sollten. Im Berliner Zoo vor allem im Streichelzoo!, im Raubtierhaus und im Affenhaus.
Ich glaube nicht, dass mehrsprachige Führer nötig sind. Mehr Aufsichtspersonal wäre nötig. Es geht auch sehr gut mit entsprechenden Handzeichen, dass die Tiere nicht gefüttert oder angefaßt werden dürfen.
Wie Anke schon schrieb, auf pampige (diplomatisch ausgedrückt) Antworten muß man sich allerdings gefaßt machen.
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