Berlin - Farbe egal, Hauptsache pelzig

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Berlin - Farbe egal, Hauptsache pelzig

Beitragvon UliS » Mi 5. Jul 2017, 22:26

Sonderthemen
Farbe egal, Hauptsache pelzig

Ob braun, ob weiß oder bunt: Die Berliner lieben ihr Wappentier, den Bären
05.07.2017
MARTINA HELMIG

Wussten Sie, dass es jedes Jahr den "Tag des Berliner Bären" gibt? Der Verein Berliner Bärenfreunde und das Bezirksamt Mitte haben den 22. März zum Bärentag erklärt. Da treffen sich die Liebhaber der Pelztiere zu Sonderfütterungen oder anderen bärigen Festlichkeiten. Der "Feiertag" erinnert an das älteste bekannte Bärensiegel der Stadt, es befindet sich auf einem Gildebrief der Berliner Kürschner vom 22. März 1280. Der Brandenburger Adler wird darauf von zwei gepanzerten Bären eingerahmt. Aufrecht und selbstbewusst stehen sie da, mit erhobener Tatze.

Wie Berlin auf den Bären gekommen ist, kann heute niemand mehr sagen. Viele Dokumente der Stadtgeschichte sind durch Brände und Kriege verloren gegangen. Über den möglichen Zusammenhang zwischen "Bär" und "Berlin" streiten sich Gelehrte seit Jahrhunderten. Gern wird Albrecht der Bär, der Gründer der Mark Brandenburg, zum Namenspatron erklärt. Allerdings will die Verkleinerungsform, die "Ber-lin" zu einem "Bär-lein" macht, nicht recht zu dem Markgrafen passen. Eine andere Theorie lautet, dass sich die Bären, die es damals zweifellos gab, etwa entlang der heutigen Gertraudenstraße einen Weg durch das Sumpfgebiet bahnten. Die ersten Siedler könnten mit Berlin also auch Bärenlager oder Bärenplatz gemeint haben.

Der Humanist Philipp Melanchthon bezeichnete Berlin 1549 als "Bärenstadt". Trotzdem glauben Sprachwissenschaftler heute, dass Berlin eher nicht den Bären im Namen trägt. Der Ursprung könnte in dem slawischen Wort "berl" liegen, das Sumpf bedeutet. Das Volk hat daraus vielleicht einfach "Bärlin" gemacht. Auch wenn Teile der Geschichte im Dunkeln liegen: Fakt ist, dass der Bär seit 1280 ununterbrochen auf Berliner Siegeln und Wappen zu sehen ist. Seit 1935 ist der Bär das alleinige Wappentier.

Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, wird den Bären überall finden. Der Verein Berliner Bärenfreunde hat schon mehr als 580 künstlerisch gestaltete Bären aus Marmor, Stein oder Eisen und auf Firmenlogos ausfindig gemacht. Vor allem im Nikolaiviertel lohnt es sich, auf einem Spaziergang einmal auf Brunnen, Kirchen und Laternen nach dem allgegenwärtigen Pelztier zu suchen.

Als moderne Variante des Berliner Bären haben sich die Buddy Bären weit verbreitet. Hinter der Initiative steckt die Unternehmergattin Eva Herlitz, die 2001 in der Stadt rund 350 bunt bemalte Bärenskulpturen aufstellen ließ. Es sollte eine einmalige Aktion sein, doch die Buddy Bären kamen so gut an, dass sie aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken sind. Als Berliner Botschafter sind sie über alle fünf Kontinente verbreitet.

Einige Jahrzehnte lang war das Berliner Wahrzeichen ganz lebendig. Zur 700-Jahr-Feier im Jahr 1937 bekam die Stadt vier Braunbären geschenkt: Jule, Lotte, Urs und Vreni. Sie zogen in den Bärenzwinger im Köllnischen Park. Seitdem gab es einen amtierenden Stadtbären. Den Weltkrieg überlebte nur Lotte, die aus den Trümmern gerettet und in den Zoo gebracht wurde. 1949 wurde der Zwinger mit Nante und Jette wiedereröffnet. Sie begründeten eine Stadtbären-Dynastie, aus der auch die letzten Zwingerbewohner Schnute und Maxi hervorgingen. Bis zu 100.000 Besucher beobachteten die Tiere jährlich beim Baden im Wasserbecken oder bei der Fütterung mit Obst und Gemüse. Aus Tierschutzgründen wurde der Bärenzwinger nach Schnutes Tod 2015 aufgegeben.

Der prominenteste Bär der jüngeren Stadtgeschichte war allerdings ohnehin kein offizieller Stadtbär. Der Eisbär Knut kam 2006 im Zoo auf die Welt. Pfleger Thomas Dörflein zog das Fellknäuel mit der Flasche auf. Öffentliche Knut-Spielstunden im Gehege sorgten für einen riesigen Besucheransturm. Elf Millionen Menschen sahen zu, wie Knut tauchen lernte oder auf der Bärenhaut lag. Doch schon mit vier Jahren starb er an Gehirnentzündung. Der kleine Eisbär Fritz im Berliner Tierpark hatte das Zeug zu seinem Nachfolger. Auf Fotos und Videos lernten die Berliner das tapsige Mini-Raubtier lieben, das mit neugierigen Knopfaugen in die Kameras schaute. Kurz vor seinem ersten Ausflug ins Freie starb Fritz jedoch an einer Leberentzündung, und ganz Berlin trauerte.

Bären wecken in Berlin immer besondere Emotionen. Dabei hat die Geschichte gezeigt, dass der Berliner Bär nicht immer einen braunen Pelz haben muss. Der Bär der Herzen kann auch weiß oder bunt sein – oder in Zukunft auch schwarzweiß.
https://www.morgenpost.de/flucht/articl ... elzig.html
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