Der Platzhirsch tritt ab

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Der Platzhirsch tritt ab

Beitragvon SylviaMicky » So 30. Mär 2014, 09:00

Der Platzhirsch tritt ab

Bernhard Blaszkiewitz hat am Montag seinen letzten Tag im Zoo.
Seinem Nachfolger wünscht er – nichts



Von Tanja Laninger

Wer will, kann ihn persönlich verabschieden: Am Montag, seinem letzten Arbeitstag, lädt Zoo- und Tierpark-Direktor Bernhard Blaszkiewitz um 14 Uhr ins Flusspferdhaus im Zoo. Er will mit taz-Redakteurin Plutonia Plarre und Eckhard Fuhr, Kulturkorrespondent der "Welt", die Zukunft zoologischer Gärten und ihre Bedeutung als Kultureinrichtungen diskutieren. Davor trifft er Box-Weltmeister Arthur Abraham, der Pate des Persischen Leoparden "Shiva" wird. Für den 60-jährigen Blaszkiewitz ist es der letzte Auftritt als Chef. Tags darauf kommt Nachfolger Andreas Knieriem frühmorgens aus München angeflogen, wo er bis zum 31. März Direktor des Tierparks Hellabrunn ist, und beginnt umgehend seine Arbeit in Berlin.

Der 48-Jährige will sich den insgesamt mehr als 400 Mitarbeitern der Zoologischer Garten Berlin AG und der Unternehmenstochter Tierpark Berlin-Friedrichsfelde GmbH vorstellen. Knieriem wird also die Probleme bei den Hörnern packen. Denn die verschleppte Modernisierung der 160-Hektar-Einrichtung in Friedrichsfelde war einer der Gründe, warum Blaszkiewitz seinen Posten nach 23 Jahren als Tierpark- und sieben Jahren als Zoo-Chef nun widerwillig räumen muss. Auch sonst war er ständig in der Kritik. Die Vorwürfe reichten von Frauenfeindlichkeit und autokratischem Führungsstil bis zu Inzucht etwa bei Giraffen. Mehrmals ermittelten Staatsanwälte gegen ihn – alle Verfahren wurden eingestellt.

Übergabe verweigert

"Natürlich bin ich enttäuscht", hatte Blaszkiewitz zum Schluss mehrmals gesagt, so bei der Eröffnung der Tropenhalle im Tierpark oder der Präsentation zweier Sumatra-Tiger in der letzten Märzwoche. "Ich hätte gern noch fünf Jahre weitergemacht. Aber mein Zeitvertrag wurde nicht verlängert. Das ist beklagenswert." Immerhin hat er als Nutzer einer Wohnung im Tierpark noch Schonzeit. "Ich werde im September ausziehen. Bis dahin muss ich den Umzug organisieren – ich habe eine sehr umfangreiche Bibliothek." Auch Knieriem hat "einige" Bücher in seinen Regalen, wird aber den Umzug von Süd- nach Norddeutschland mit Frau, Tochter und Katzen innerhalb von drei Tagen, von Mittwoch bis Freitag, bewerkstelligen. Am Wochenende will er sich in sein neues Büro begeben und auch hinter die Kulissen schauen. "Das darf ich ja dann", sagt er trocken. Eine Kooperation oder Übergabe hatte Blaszkiewitz verweigert und auch vergangene Woche Dreharbeiten auf dem Zoogelände zu Knieriems Antritt untersagt. "Das ist so, wenn Platzhirsche gehen", kommentiert Knieriem.

Befragt, was er als die drei wichtigsten Punkte seiner Direktorenzeit hervorheben würde, antwortet Blaszkiewitz: "Das Wasserlassen der Seekühe und die Präsentation der Koalabären 1994 sowie die Geburt Afrikanischer Elefanten 1999". Angeschlagen wirkte er, der große, kräftige Mann, bei seinem Pressetermin mit dem indonesischen Botschafter am Alfred-Brehm-Haus im Tierpark. Blaszkiewitz kam mit dem Fahrrad und hinkte auf seinem Weg zum Podest. Wenige Tage zuvor hatte ein Mitarbeiter ihn durch den Tierpark kutschiert, was für Kommentare wie "Gutsherren-Mentalität" sorgte. Die Kutsche stammt von Tierpark-Begründer Heinrich Dathe, sie wurde lange nicht genutzt.

Gutsherr wird Blaszkiewitz nun nicht, er hat eine Wohnung in Steglitz gekauft. Der Doktor der Naturwissenschaften könnte weiter Bücher publizieren oder anderen Zoos, etwa in Russland, als Berater dienen. Details aus seinem Leben als Privatier wollte der engagierte Katholik und Single aber nicht preisgeben.

Komplimente zum Abschied machte ihm Leipzigs ehemaliger Zoochef Peter Müller. Er war als Zuchtbuchführer zur Präsentation der Sumatra-Tiger eingeladen und bezeichnete Blaszkiewitz als einen der "erfolgreichsten, fähigsten und besten" Zoodirektoren, von denen Berlin sich verabschiede. Die Belegschaft dagegen ist erleichtert, wenn der Wechsel, der seit vergangenem Sommer feststeht, endlich vollzogen ist. "Es war traurig, sehen zu müssen, dass es unserem Chef nicht gut geht", sagt eine Mitarbeiterin. Doch habe sie ihn als launisch empfunden und seine Entscheidungen als irrational – keine Einzelmeinung im Unternehmen. Zuletzt zerstritten sich Blaszkiewitz und die Förderer von Tierpark und Zoo. Als der Förderverein, der 2165 Mitglieder zählt, Mitte März zu Spenden aufrief, verbot Blaszkiewitz dies umgehend. Der Verein hat einen Fonds zum Kauf von Artikeln zur Tierbeschäftigung gegründet, also Spielzeugen und Futterapparaten. "Wir sind wirklich froh, dass eine neu Ära anbricht", sagt Vereinschef Thomas Ziolko.

Datenerhebung ist erste Aufgabe

Knieriem wird sich auf den Betriebsversammlungen am 1. April vorstellen. "Und ich werde erzählen, was mich umtreibt. Wichtig ist, dass man versteht, dass neue Zeiten anbrechen. Auch im respektvollen Umgang miteinander." Dazu gehört der von der Politik nach Jahren des Stillstands massiv eingeforderte Masterplan für den Tierpark. In den kommenden Monaten wird Knieriem tun, was sein Vorgänger unterließ: Daten erheben. "Wir müssen Struktur reinbekommen, priorisieren, welche Dinge wir kurz-, mittel- und langfristig angehen. Es stellen sich Fragen zur Zoologie, zur Außendarstellung, Personalstruktur und Belegschaft."

Dem Zoo gehe es relativ gut, dem Tierpark nicht. "Da müssen wir schnell Potenziale heben: Wir brauchen mehr Umsatzerlöse und Ertrag. Das ist derzeit mein Hauptaugenmerk." Das Eigenkapital des Tierparks schmilzt, nachzulesen im Wirtschaftsplan, der dem Abgeordnetenhaus im November 2013 vorgelegt wurde. Der Tierpark hat Ende 2014 nur noch geschätzte 271.000 Euro liquide Mittel – und erhält, anders als der Zoo, Zuwendungen vom Land in Millionenhöhe.

Zu den "vielen kleinen Hausaufgaben" zählt Knieriem eine intensivere Zusammenarbeit in den Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen (EEP), gerade bei Elefanten. Umgekehrt will er die Kuratoren bei ihrer morgendlichen Reviervisite selten begleiten. Denn er übernimmt neben den Aufgaben als zoologischer Direktor auch die finanzielle Geschäftsführung. Den Posten hatte Gabriele Thöne Ende September 2013 im Streit mit Blaszkiewitz verlassen. Thöne, die nun wieder als Anwältin arbeitet, wünscht Knieriem "das Allerbeste, und dass es positiv vorwärts geht mit Zoo und Tierpark". Und was wünscht ihm Blaszkiewitz? Nichts. Er fordert: "Er soll den Tierbestand in Ruhe lassen: ihn hegen und pflegen und nichts reduzieren."
http://www.morgenpost.de/printarchiv/be ... tt-ab.html
Quelle Berliner Morgenpost 30.03.14

Kasupke sagt, wie es ist

Im Tierpark is tierisch wat los: die Fledamäuse ham n'neuet Quartier jekricht und müssen erstma wieda fliejen lernen und der Zoo-Direktor macht n'Abflug und lässt dafür die Rössa anspannen. Olle Blaszkiewitz valässt nach mehr als zwanzich Jahren und etlichen Peinlichkeiten sein Tier-Reich und det nich freiwillich. Dafür hatta sich zum Abschied wie'n Könich im Zweispänna durch'n Park kutschiern lassen. Für die Extra-Tour mussten Tierpfleja zwee stramme Jäule zwee Wochen lang trainiern und an die Kutsche jewöhnen. Wat mal wieda beweist: große Affen jib's nich nur im Gorilla-Käfich.
Quelle Berliner Morgenpost 29.03.14
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Re: Der Platzhirsch tritt ab

Beitragvon SylviaMicky » So 30. Mär 2014, 12:00

Was ich nicht ganz verstehe, wieso mußte Prof. Dr. Dr. Dathe in kürzester Zeit seine Wohnung im Tierpark räumen dagegen hat B. eine Frist bis September?
Begegnen sich dann der alte und neue Zoodirektor öfters? Ich kann mir auch vorstellen, dass dies für die meisten Mitarbeiter keine schöne Situation ist.
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Re: Der Platzhirsch tritt ab

Beitragvon Gollum » So 30. Mär 2014, 12:48

Toller Artikel von Frau Laninger!

Aber nun muß auch mal Schluß sein mit dem Gewese um Dr. Blaszkiewitz!

Wie er sich fühlt und was er macht und wie traurig, ja "beklagenswert" sein Schicksal ist - es reicht!!

Ich darf beiläufig daran erinnern, daß Hundertausende schon ihren Arbeitsplatz verloren haben, gut qualifizierte Leute, die wirklich was können, aufgrund von "Rationalisierungsmaßnahmen", "betriebsinternen Kündigungen" usw.
Nach denen kräht kein Hahn!
Geschweige denn verfügen sie über derart üppige Pensionen, wie sie sich Dr. B. erarbeitet hat....

Sylvia,
was den Umzug betrifft, so würden mich weniger die psychologischen als vielmehr die finanziellen Aspekte interessieren.
Bezahlt Dr. B. , da er ja mit Ende des Monats aus seinem Arbeitsverhältnis ausscheidet, für die Monate bis September eine angemessene Miete für den von ihm genutzten Wohnraum?
Von dem Geld könnte man schon eine Menge Beschäftigungsmaterial erwerben!
(Da ihm diese Veränderung schon lange genug bekannt war, hätte er ja den Umzug schon längst organisieren können...)
Wird er die von ihm bewohnte Immobilie nach über 20 Jahren Nutzung angemessen renovieren lassen?
Auf eigene Kosten, versteht sich?

Nebenbei gesagt: ich bin auch sehr gespannt, welcher Verlag dann (gegebenenfalls) die Bücher des Privatmannes Dr. B. publizieren wird.
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Re: Der Platzhirsch tritt ab

Beitragvon Bearnini » So 30. Mär 2014, 13:47

"Das darf ich ja dann", sagt er trocken. Eine Kooperation oder Übergabe hatte Blaszkiewitz verweigert und auch vergangene Woche Dreharbeiten auf dem Zoogelände zu Knieriems Antritt untersagt. "Das ist so, wenn Platzhirsche gehen", kommentiert Knieriem.


Was für ein infantiles, irreales Verhalten des Dr.B. - an Peinlichkeit nicht zu überbieten!

Gollum, ich denke, das war es. Nachtreten wird die Presse vermutlich nicht - und das "Gewese" um B. hat endlich ein Ende!
Aber einen kleinen "Abschiedsgruß" wollten sie ihm noch mitgeben...dafür habe ich auch Verständnis, nach den vielen Verboten, die B. ihnen erteilte, verbunden mit seinen unhöflichen, patzigen und barschen Antworten, die so viele Journalisten einstecken mussten - und die Behinderung der journalistischen Berichterstattungen.

Ich hätte mir gewünscht, dass so einiges, was der Presse bekannt ist, deutlicher an die Öffentlichkeit gekommen wäre...

Jedoch - das ist wieder ein sehr guter, aufschlussreicher Artikel von Frau Laninger! Danke!
...und am Dienstag beginnt eine neue Ära! Denn Dr. Knieriem sagte bei seiner Vorstellung:

Ich komme, um zu bleiben!
[prima]
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Re: Der Platzhirsch tritt ab

Beitragvon UliS » So 30. Mär 2014, 13:58

... ich schließe mich den bereits geschriebenen Meinungen an ... ein guter Artikel zu Abschied ...
und es ist gut, dass die Aera Dr. B. zu Ende geht ....
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