Heidelberger Zoo - Studie: Wieviel laufen Elefanten?

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Heidelberger Zoo - Studie: Wieviel laufen Elefanten?

Beitragvon Anita » Mi 4. Jul 2018, 15:01

Studie im Heidelberger Zoo

Elefanten in Freiheit laufen auch nicht mehr

Welche Strecken legen die Dickhäuter im Heidelberger Zoo zurück? - Biologe Frederik Linti stattete die Tiere mit einem Sender aus

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Wenn die Elefanten im Heidelberger Zoo gefüttert werden, dient das Futter meist auch gleich als Beschäftigung - und zur Bewegung. Während sie das Heu sonst aus Tonnen angeln müssen, die an Stahlseilen aufgehängt sind, gab es letzte Woche frisches Laub. Fotos: Philipp Rothe

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Frederik Linti legt einem Elefanten im Zoo den GPS-Sender an.

Von Timo Teufert

Heidelberg. Bewegen sich Elefanten im Zoo weniger als ihre Artgenossen im Freiland? Dieser Frage ging der Biologe Frederik Linti nach, der für seine Masterarbeit im Heidelberger Tiergarten eine GPS-basierte Bewegungsanalyse bei den Elefanten gemacht und das Verhalten der Jungbullen beobachtet hat. Sein Ergebnis überrascht: Die Heidelberger Elefanten Gandhi, Tarak, Ludwig und Yadanar legen ungefähr die gleichen Strecken zurück wie die Dickhäuter im Freiland. In Gefangenschaft und in Freiheit gibt es dafür vor allem einen Grund: das Fressen.

HINTERGRUND
Für seine Masterarbeit hat Frederik Linti mit einer App nicht nur analysiert, welche Strecken die Elefanten zurücklegen, sondern auch, wo sie sich am liebsten aufhalten. "Zu den bevorzugten Bereichen gehören die Futterstellen, 60 bis 80 Prozent des Tages sind die Elefanten mit Fressen oder mit der Suche nach Fressen beschäftigt." Auf Platz zwei sind die Tore zwischen Außen- und Innenanlage.

Im Mai 2017 begann Linti mit seinen Untersuchungen: 20 Wochen lang beobachtete er jeden Tag die vier Jungbullen, notierte, was sie gemacht haben und wer mit wem interagiert hat. Alle 30 Sekunden hat er dafür eine Beobachtung in eine Liste notiert - unterteilt in verschiedene Kategorien. Entstanden ist so auch eine Dominanzmatrix, in der der 26-Jährige Wissenschaftler die Rangfolge unter den Jungbullen abgebildet hat. "Gandhi ist der Chef, er lässt Tarak und Ludwig mitfressen, nur Yadanar darf es nicht." Ludwig genießt beim Leitbullen eine gewisse Narrenfreiheit: "Ludwig ist der Praktikant. Er macht teilweise alles nach, was Gandhi macht", sagt Linti. Dagegen spielen Tarak und Gandhi am meisten miteinander.

Nach den Beobachtungen ging es von Juli bis September 2017 mit der GPS-Überwachung weiter. Hier musste Linti Pionierarbeit leisten, schließlich ist er der erste, der in Europa Elefanten 24 Stunden lang per GPS überwacht. Zwar gibt es für Menschen sogenannte Fitnesstracker - die am Handgelenk zum Beispiel die gelaufenen Schritte zählen -, aber nicht für Elefanten. "Ich habe allein eineinhalb Monate nach einer Methode gesucht, wie wir den GPS-Sender am Elefant befestigen können", erzählt Linti von den Herausforderungen. Zunächst sollte der Sender, mit dem man eigentlich entlaufene Katzen und Hunde wiederfinden soll, mit Klebeband am Schwanz befestigt werden. Doch ohne Erfolg, eine vorsichtshalber angebrachte Attrappe wurde von den Elefanten an die Wand geschleudert.

"Im Zoo haben fast alle mitgeholfen, zu überlegen, wie man den Sender schützen und anbringen kann", freut sich Linti über die Unterstützung der Kollegen. Da die Tiere für den Transport an Fußketten gewöhnt werden, sollte der Sender beim nächsten Versuch in eine Kette eingebaut werden. Doch die Dickhäuter traten einfach darauf. Und auch eine Metallbox war keine Lösung, weil sie das Signal des Senders zu sehr abschirmte. Am Ende kam der Sender in ein Hartplastikrohr, das in einem Feuerwehrschlauch am Elefantenfuß befestigt wurde. In der Startphase verbrachte der Biologe dann sogar ein paar Nächte im Elefantenhaus - um das GPS-Signal richtig orten zu können.

Alle zwei bis drei Minuten gibt der Sender ein Signal, das aufgezeichnet und schließlich von Linti ausgewertet wurde. Das Ergebnis: Gruppenchef Gandhi läuft am wenigsten, nur 5,6 Kilometer täglich im Durchschnitt. Ebenso sein Praktikant Ludwig. "Der Chef kommt leichter an die Futterstellen und Ludwig frisst einfach mit", erklärt Linti die Werte. Tarak läuft 7,3 Kilometer pro Tag und Yadanar sieben Kilometer. "Weil Yadanar ganz unten in der Hierarchie steht, wird er oft von der Futterstelle vertrieben und muss mehr laufen. Er hält den Rekord mit 11,6 Kilometern am Tag", erklärt Linti. Alle vier Jungbullen zusammen laufen im Durchschnitt 6,4 Kilometer auf der 2500 Quadratmeter großen Anlage, diesen Wert haben Wissenschaftler auch im Freiland in Myanmar gemessen. "Elefanten laufen nur so viel, wie wirklich nötig ist", sagt Linti.
Quelle: https://www.rnz.de/nachrichten/heidelbe ... 68240.html
Anita
 
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Re: Heidelberger Zoo - Studie: Wieviel laufen Elefanten?

Beitragvon Eva » Mi 4. Jul 2018, 18:34

Sehr interessant! Sollten mal wieder alle Leute lesen, die die armen Zootiere bedauern, weil sie keine weiten Strecken laufen können!
Eva
 
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Re: Heidelberger Zoo - Studie: Wieviel laufen Elefanten?

Beitragvon UliS » Mi 4. Jul 2018, 18:37

Die Masterarbeit hat Interessantes über die Heidelberger Elefanten heraus gefunden ... [prima]
Wie schön, dass Wildnis und Zoo auf das gleiche Ergebnis kommen ... endlich mal ... [biggrins]
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