Zoo Frankfurt - Zoodirektor geht in Ruhestand

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Zoo Frankfurt - Zoodirektor geht in Ruhestand

Beitragvon Anita » Di 26. Dez 2017, 11:17

Frankfurter Zoodirektor geht in Ruhestand
Niekisch sagt Pinguinen, Bären und Kamelen Adieu

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Zoodirektor Manfred Niekisch bei seinem Amtsantritt 2008 - inmitten von Kamelen.

Ein großer Tierfreund geht: Der Direktor des Frankfurter Zoos, Manfred Niekisch, ist am Mittwoch feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden. Mit neuen Tieranlagen hat er das Gesicht des Zoos verändert. Doch es gibt noch Baustellen.

Eine neue Bärenanlage, ein neues Haus für Gorillas, Bonobos und Orang-Utans und ein neuer Eingang - Manfred Niekisch hat als Zoodirektor in Frankfurt einiges bewegt.

Für Niekisch selbst gehört "die Eröffnung des Eingangsbereichs mit der wirklich gut gelungenen Bärenanlage" zu den Höhepunkten seiner Amtszeit. "Die Anlage war vorher eine Katastrophe", sagte er dem hr. Aber auch an Geburten von seltenen Arten erinnert er sich gerne, zum Beispiel bei den Menschenaffen, den Okapis oder den Fingertieren.

Am Mittwoch wurde der 66-Jährige nach zehn Jahren im Frankfurter Römer feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Seine Amtszeit endet am 31. Dezember.

Niekisch: Zoo ist kein Gefängnis
Seine Mission zu Beginn war, den Zoo so zu gestalten, dass sich die Tiere wohl fühlen. "Die Tiere sollen sich bei uns nicht als Gefangene fühlen, sondern als Territoriumsbesitzer, und ich glaube, dass uns das hier in Frankfurt ganz gut gelungen ist", sagte Niekisch.

Niekisch war dem Ruf nach Frankfurt im Frühjahr 2008 aus Greifswald gefolgt. In Mecklenburg-Vorpommern hatte er als Hochschullehrer gearbeitet. Die Leitung des Frankfurter Zoos war ein Traumjob für ihn. Nicht nur, weil er als Junge von seinem wohl bekanntesten Amtsvorgänger Bernhard Grzimek fasziniert war, sondern vor allem wegen der Aufgabe, "den Frankfurter Zoo wieder zu einem Zentrum des Natur- und Artenschutzes zu machen." Zoo-Kritikern tritt er vehement entgegen: "Wer sagt, dass ein Zoo ein Gefängnis ist, hat keine Ahnung."

Als er in Frankfurt anfing, fand er eine gute Situation vor. Denn Niekisch erhielt vom damaligen Magistrat 30 Millionen Euro, um die wichtigsten Innovationen im Zoo einzuleiten. Dazu gehörte etwa das Ukumari-Land, das im Juli 2013 als Anlage für die Brillenbären und Brüllaffen eröffnete. Die neuesten Mitbewohner dort sind vier südamerikanische Waldhunde.

Ergonomieprojekt für Tierpfleger
In Niekischs Amtszeit wurde auch der Borgori-Wald als Heimat der Menschenaffen eröffnet. Die neue Pinguin-Anlage soll vom Sommer kommenden Jahres an den Tieren viel Platz und den Besuchern viele Beobachtungsperspektiven geben. Zumindest als Entwurf gibt es bereits Pläne für den Ausbau der Löwenanlage, die auch den aktuellen Haltungsempfehlungen genügt.

Niekisch ging es aber nicht nur um die Tiere. "Ein Zoodirektor ist mindestens so viel mit den Menschen beschäftigt wie mit den Tieren", sagt er. Es sei eine sehr spannende Aufgabe gewesen, die Kommunikation innerhalb der Belegschaft zu verbessern. Zudem habe der Zoo zum Beispiel ein Ergonomieprojekt eingeführt, denn der Beruf des Tierpflegers sei eine schwere körperliche Arbeit.

Wie wichtig der Kontakt zwischen Tierpflegern und Tieren ist, kann man laut Niekisch am Beispiel der im Zoo geborenen Gorillababys sehen: "Als einer unserer Gorillazwillinge schwächelte, konnte wir es nur retten, weil eine Tierpflegerin ein besonders inniges Vertrauensverhältnis zu der Mutter des Gorillababys hatte", sagte er. Das andere Baby war kurz nach der Geburt gestorben.

"Flusspferdehaus ein Fall für die Abrissbirne"
Bei allen Umbauprojekten sieht Niekisch aber auch im eigenen Haus noch einiges im Argen, allen voran das Flusspferdehaus. "Das ist ein Fall für die Abrissbirne", meint der Zoodirektor. Angesichts begrenzter Geldmittel sei das Haus aber so gut wie möglich verbessert worden. Doch dass Flusspferddame Petra alleine lebt - "das kann keinem, der was von Tieren versteht, gefallen."

Aber die Anlage ist laut Niekisch zu klein, um ein neues Flusspferd dazu zu holen - und Petra zu alt, um noch einmal in einem anderen Zoo ein neues Zuhause zu finden. Zuvor hatte Petra mit Maikel einen Mitbewohner. Der 39-jährige Flusspferdbulle kam allerdings auf qualvolle Weise um, nachdem er einen Tennisball verschluckt hatte. Einer der traurigen Momente, die der Zoodirektor miterleben musste.

Als Berater nach Brasilien
Als Besucher will Niekisch den Frankfurter Zoo keinesfalls aus den Augen verlieren, auch dem Naturschutz bleibt der Biologe erhalten: Etwa als Vizepräsident der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, als Mitglied des Sachverständigenrates für Umweltfragen und des wissenschaftlichen Beirats Waldpolitik des hessischen Landesnaturschutzbeirats.

Dass sein Ruhestand wirklich ruhig wird, glaubt Niekisch ohnehin nicht. "Ich plane auch wieder ins Ausland zu gehen", sagt er. Sein nächstes Projekt zieht ihn auf seinen Lieblingskontinent Südamerika. In Brasilien will er eine befreundete Leiterin eines Vogelparks als Berater bei Bemühungen um den Erhalt des atlantischen Küstenwalds unterstützen.

Wer auf Niekisch folgt, ist noch unklar. Die Stellenanzeige ist bereits raus: Zum 1. Januar 2018 sucht der Frankfurter Zoo einen neuen Direktor.
Quelle: http://www.hessenschau.de/gesellschaft/ ... d-100.html
Anita
 
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